Watzmann-Überschreitung: Die Schönste aller Gratwanderungen

DPADer Watzmann ist zwar nicht der höchste Berg Deutschlands, aber der schönste. Die Begehung der in den Himmel stechenden Pyramide ist lang. Sehr lang. Und nichts für Schwindelanfällige. Denn wenn es wirklich darauf ankommt, gibt es keine Sicherung.

http://www.spiegel.de/reise/deutschl...-a-920129.html
  1. #1

    wunderschöne Tour

    Ich kann jedem die Tour nur empfehlen. Ein absoluter Genuss für alle Berg Freunde, die schwindelfrei und tritt sicher und zugleich mit alpiner Erfahrung ausgestattet sind.
  2. #2

    Warum nun gerade dort akustische Ablenkung?

    Zitat: "Joana holt ihren Kopfhörer aus dem Rucksack und lenkt sich mit einem Hörbuch ab."

    Versteh' ich nicht - geht's denn nicht auch mal ohne akustische Ablenkung? Warum denn dann die Zivilisation hinter sich lassen wollen (zumindest ansatzweise)?

    Einfach nur mal die Stille genießen.

    Zumal es davor heißt: "Als wir näher kommen, sehen wir: Das sind Gämsen. In vollkommener Ruhe (!) sitzen sie da und lassen sich in der Hitze vom Schnee den Bauch kühlen."

    Lassen wir uns - pardon! - alle akustisch "vermüllen"? Oder haben manche Leute Angst, zwischendurch mal in sich hinein zu horchen?

    Gruß,
    Salomo
  3. #3

    Zitat von Salomo Beitrag anzeigen
    Zitat: "Joana holt ihren Kopfhörer aus dem Rucksack und lenkt sich mit einem Hörbuch ab."

    Versteh' ich nicht - geht's denn nicht auch mal ohne akustische Ablenkung? Warum denn dann die Zivilisation hinter sich lassen wollen (zumindest ansatzweise)?

    Einfach nur mal die Stille genießen.

    Zumal es davor heißt: "Als wir näher kommen, sehen wir: Das sind Gämsen. In vollkommener Ruhe (!) sitzen sie da und lassen sich in der Hitze vom Schnee den Bauch kühlen."

    Lassen wir uns - pardon! - alle akustisch "vermüllen"? Oder haben manche Leute Angst, zwischendurch mal in sich hinein zu horchen?

    Gruß,
    Salomo
    Wunderbar ich bekomme große Lust auf diesen Weg.
    Im vergangen Jahr sind wir dort vorbeigefahren und
    ich habe die beeindruckende Flanke gesehen.

    Auch ich habe mich darüber gewundert warum es
    denn dort ein Hörbuch sein sollte allerdings habe ich
    durch meine große Tochter lernen müssen, das es als
    vollkommen normal gilt in der jetzigen Generation, sie
    empfinden es einfach nicht als akustischen Müll und
    ich musste daher meine radikale Ansicht auch dem
    Familienfrieden unterordnen.
    Radikal?! Weil ich diese Dauerberieselung in Geschäften
    und Einkaufszentren als Belästigung empfinde, Stille -
    zumal eine alpine Stille ist Balsam für meine Seele und
    eine wunderbare Kur für meine Sinne.
  4. #4

    Das hört sich wirklich nach einer interessanten Tour an.
    Auf die Idee ein Hörbuch zu kritisieren muß man erstmal kommen. Das wäre mir im Leben nicht eingefallen. Jeder schätzt etwas anderes an so einer Erfahrung. Für den einen ist es die Stille, für den anderen die körperliche Betätigung usw.. Nicht jeder will gleich die Zivilisation hinter sich lassen, man kann nicht von sich selbst auf andere schliessen.
  5. #5

    Auch ohne Übersteigung

    ist die Tour bis zur Mittel-Spitze (dem höchsten Gipfel) ein tolles Erlebnis. Man kann von dort aus einfach zurückgehen, oft innehalten und die herrliche Gegend betrachten. Wer's niemals sah, hat etwas verpasst!
  6. #6

    Hoppla, da macht ihr aber Werbung für eine kapitale Überschreitung! Habs auch selber gemacht, m. E. reicht "trittsicher & schwindelfrei" nicht aus, so wird auch so manches für Bergwander "angeboten". Konditionsstärke, stabiles Wetter, Klettersteigerfahrung würde ich da auch als Notwendigkeiten nennen wollen. Was ich besonders anstrengend fand war der Abstieg: nach den Gipfeln muss man nämlich noch gehörig aufpassen! Auf der Skala Bergwanderer - Bergsteiger - Alpinist würde ich das zwischen den beiden letztgenannten Disziplinen sehen.

    Aber sonst stimmts: Die Überschreitung ist absolut grandios! Zum Üben wäre übrigens die Überschreitung des Hohen Göll geeignet auf der anderen Seite des Sees.

    MG
  7. #7

    Watzmannüberschreitung: Der Abstieg ist das Härteste

    Die Tour an sich ist in der Tat großartig, wenn da nicht die Völkerwanderungen wären, die sich in langen Lindwürmern über den Berg schieben würden. Da gerät man vor allem auf dem Grat schnell in den Stau...

    Das Watzmannhaus ist meist randvoll, sodass man - wenn man Pech hat - sein Lager draußen aufschlagen muss, weil drinnen kein Platz mehr frei ist.

    Tipp für Menschen, die im Ölsardinen-Modus nicht schlafen können, v.a. dann wenn man etwa einen Schnarcher neben sich liegen hat, der einem seinen röchelnden Atem in einer Mund-zu -Ohr-Beatmung in die Gehörgänge presst: Nicht sich bis morgens zum Frühstück durchquälen, sondern Stirnlampe aufsetzen, noch in der Dunkelheit losgehen und auf dem Weg zum Hocheck den Sonnenaufgang miterleben, sowie belustigt auf den Lindwurm da unten blicken, der sich gerade vom Watzmannhaus aufmacht, während man selber schön allein, oder mit ein paar Gleichgesinnten sein Frühstück am Hocheck einnimmt.

    Wichtig auf dieser Tour: Das Anspruchsvollste ist der Abstieg! Deswegen eine ausgedehnte Rast auf der Südspitze einlegen, damit man einigermaßen ausgeruht den Abstieg durch die Schotterhölle der Schönfeldflanke angehen kann. Hölle deswegen, weil sich die Hitze dort extrem aufstaut, aber auch, weil man bis ganz zum Schluss konzentriert sein muss. Es gibt einige Stellen, wo austutschen verboten ist, v.a. bei der Querung von Rinnen, über die teils stark nach außen abdrängende und rutschige Platten führen.

    Man sollte sich beim Abstieg ebenso nicht von den nach der ersten Steilstufe auftauchenden grünen Wiesenflächen täuschen lassen, die einem suggerieren, dass man jetzt den Abstieg bzw. das Schwierigste vom Abstieg so gut wie geschafft hätte. Pustekuchen. Nach der Grün-Phase wirds wieder steil und felsig. O.g. Rinnenquerungen warten noch und man muss konzentriert bis ganz zum Schluss sein, wo einen dann eine kleine steile Rampe ins Wimbachgrieß ausspuckt.

    Stabile Wetterverhältnisse sind auf dieser Tour besonders wichtig. Point of no return ist m.E. ab Mittelspitze.

    Viel Spass allen Aspiranten.
  8. #8

    Volle Zustimmung ...

    Zitat von ppse Beitrag anzeigen
    Die Tour ....

    Wichtig auf dieser Tour: Das Anspruchsvollste ist der Abstieg! Viel Spass allen Aspiranten.
    ... der Abstieg sollte nicht als " ... nu hamm wir's geschafft" angesehen werden. Ich bin da vor Jahrzehnten als Ab-und-Zu Kletterer immer a' bisserl ins Schwitzen gekommen. Aber es ist ja nicht nur die Überschreitung, auch die Wiederroute oder der Kederbacherweg sind eindruckvolle Erlebnise für diejenigen, die Bergwandern und ein bißchen Klettern (II-III) wollen. Und wenn's dann etwas mehr sein darf: Einfach zur Kleinen Watzmann-West. Ja, Berchtesgaden ist einfach wunderschön.
  9. #9

    Wasser

    Nicht unerwähnt bleiben sollte die Wasserarmut der Gegend.

    Ich erinnere nur mal an die Sportlervereinsgruppe, die 2009 durch Wassermangel im Abstieg immer langsamer vorankam und dann schon in der Nacht kurz vor einem schweren Gewitter von Bundeswehrhubschraubern gerettet werden musste.

    Die vielen Toten auf der Strecke nicht zu vergessen.

    Das ist keine einfache Bergwanderung, sondern konditionell wie gehtechnisch anspruchsvoll.

    Zum Hörbuch: Sowas hat in den Bergen beim Gehen nix verloren. Ablenkung ist da oben tabu. Denn selbst auf scheinbar einfachen Gehstrecken kann man abstürzen. Unverantwortlicher Leichtsinn.