Musikindustrie in Afrika: Der Pirat, mein Plattendealer

CorbisDrei Melonen und 500 Megabyte Reggae, bitte! In Afrika gibt es Musik überall, doch eine Plattenindustrie fast nirgendwo - sondern das, was im Westen als Piraterie gilt: Auf Märkten oder in Mini-Bussen verscherbeln Händler illegale Ware. Die digitale Revolution könnte das sehr bald ändern.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/p...-a-918831.html
  1. #1

    ...

    Viele internationale Plattenfirmen haben sich darum aus Afrika zurückgezogen.

    Die Armen. Einen Weltmarkt weniger zum Ausbeuten. Bedauerlich. Die Afrikaner machen das schon richtig. Wieso sollte man auf die Belange westlicher Konzerne Rücksicht nehmen, wenn der Westen Afrika immer noch ausbeutet und wie Dreck behandelt? Man kann nur hoffen, daß Afrika irgendwann mal einen eigenen Weg findet und wirklich unabhängig ist.
  2. #2

    Schöner Blick durch die rosarote Brille. Dummerweise sind die westlichen Strukturen im Musikvertrieb nicht ideal, ja noch nichtmal effizient. Sie behindern den Kunden beim Konsum, die greifen massive Anteile am Finanzstrom von Kunde zu Künstler ab, was in Zeiten von physischen Tonträgern vielleicht noch vertretbar war, heute jedoch nichtmehr. Und durch das legale Streaming, sorry, verdienen die Künstler noch weniger, auch weil die darüberstehenden Strukturen keinesfalls auf ihre weitgehend leitsungslosen Pfründe verzichen wollen. Zudem werden die Einnahmen nach manipulierbarer Popularität verteilt wie überall, viel für wenige, fast nichts für alle übrigen. Und das schlimmste ist, daß sich diese Seuche in Gestalt u.a. der WIPO über die ganze Welt verbreitet.

    Im Übrigen: "legal" ist eine Frage der Definition - in jedem Land der Welt!
  3. #3

    optional

    Musiker verkaufen ihre Songs an Raubkopierer, die sie dann verbreiten? Also doch keine Raubkopierer, sondern nur ein angepasstes Vertriebskonzept.
  4. #4

    Alles eine Frage der Definition.

    Zitat von Kamillo Beitrag anzeigen
    Musiker verkaufen ihre Songs an Raubkopierer, die sie dann verbreiten? Also doch keine Raubkopierer, sondern nur ein angepasstes Vertriebskonzept.
    Das Wort, besser der Sachverhalt "Definition" weist nun mal Gemeinsamkeiten mit dem Wort "Geschichte" bzw. dem Sachverhalt der Geschichtsschreibung auf: Geschichte ist bekanntlich auch immer die Geschichtsschreibung des Siegers, genau so wie der Stärkere bestimmt, was wie definiert, bzw. in Gesetze gegossen wird.

    Mal objektiv, statt ideologisch eingefärbt: Eigentlich sind es keine Raubkopierer, wie sie im Artikel designiert werden, sondern schlicht und einfach Multiplikatoren. - Und dass das System zur Zufriedenheit jedes Beteiligten funktioniert, das sehen wir in Afrika: Auch Musik kann dankend auf Zuhälter verzichten!

    Musik beim Busfahrer nach ausgiebigen Probehören kaufen? - Warum eigentlich nicht! Soll er doch seinen Schnitt machen, dem guten alten Plattenladen von früher haben wir's doch auch gerne gegönnt.
    Nur eben der gierigen Musikmafia, der haben es doch weder die Künstler noch die Konsumenten wirklich gegönnt! - Spätestens nachdem wir wußten, dass die Industriellen sich fast alles vom Kuchen der Kreativen einverleibten.
  5. #5

    Was meist übersehen wird ...

    So wie seinerseits bei der Software sorgt die Verfügbarkeit von Raubkopien auch bei Musik und Filmen langfristig dafür, daß das Monopol nicht angekratzt wird. Denn so entwickelt sich eben keine lokale Kultur, die über den Preis konkuriert und langfristig parallel existiert und eigene Zentren aufbaut, sondern irgendwann bekommt der Westen die Kontrolle über die Rechtsprechung in diesen Ländern und die stark konzentrierte westliche Medienindustrie (waren es ganze 5 Konzerne ?) übernimmt das Territorium auch noch. Wie willkürlich und Recht und Gesetz mit Füßen tretend diese Industrie ihre Interessen durchsetzt, kann man in DE ja die letzten Jahre beobachten.

    Soweit ich mich entsinne, hat Microsoft irgendwann mal zugegeben, daß sie gegen Raubkopien nicht so streng vorgegangen sind, wie es ihnen möglich gewesen wäre, weil dies verhinderte, daß kleine Firmen eigene Software als Konkurenz zu MS-Produkten herausbringen. In der Anfangszeit waren die Hürden ja nicht so hoch. Genau daher ist das Geschrei heutzutage auch so scheinheilig.
  6. #6

    Als ich den Artikel so las

    beschlich mich das leise Gefühl das der Autor nicht die Entlohnung der Künstler meinte (die verkaufen schließlich auch ihre Produkte, aber nur nicht an diejenigen wie es sich die westlichen Studios halt so vorstellen) sondern die Vorstellung hat das die westliche Wertschöpfungskette nun auch in Afrika Einzug halten soll.
    Sprich - Es sollen Vertriebsgesellschaften etabliert werden die dann, eigentlich ohne selbst wirkliche Leistungen zu erbringen, den Löwenanteil der Einnahmen für sich einstecken.

    Eine andere Deutung, allerdings auch keinen Deut besser, wäre der Hinweis des Autors das über Mobiltelefon Musikstreamingsdienste etabliert werden können, gedacht für die reichere Mittelschicht. Das riecht also danach das die Musikindustrie dann mit etwas scheinheiligen Argumenten den sog. Schwarzmarkt austrocknen will damit diese Streamingdienste dann auch Erfolg haben und zum Goldesel für die Inhalteanbieter mutieren. Natürlich müssen dann die Musiker ihre Ware auch nur über die Streamingdienste absetzen wollen müssen... ;)
  7. #7

    WELCHE Musik soll da gehandelt werden?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Drei Melonen und 500 Megabyte Reggae, bitte! In Afrika gibt es Musik überall, doch eine Plattenindustrie fast nirgendwo - sondern das, was im Westen als Piraterie gilt: Auf Märkten oder in Mini-Bussen verscherbeln Händler illegale Ware. Die digitale Revolution könnte das sehr bald ändern.

    Plattenindustrie in Afrika: Special zur Berlin Music Week - SPIEGEL ONLINE

    Reggea ist es wohl kaum, es geht um Ostafrika, nicht um Jamaica. Die Musik Ostafrikas, die auf Swahili überaus erfolgreich ist, und um die es wohl geht, heißt Bongo Flava, und ist ein Ableger des US- Hip Hops, mit diversen andren musikalischen Einflüßen. Ja, ein wenig Reggae mag drin sein. Aber es ist halt eine eigenständige Musik.

    Genauso, wie die Vertriebswege dafür eigenständig afrikanisch sind. Die vornehmlich westlichen Plattenfirmen verdiene da also nicht mit. So ein Pech aber auch.
    Wer verdient da aber dann dran? Die Musikstudios, die die Musik produzieren. Schlecht? Nicht wirklich, oder? Die Künstler, die die Musik machen. Ja, sicher, ist doch super! Und wenn man sic hdas mal genau anschaut, stellt man fest, das Bongo Flava ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor ist, und Studios und Künstler zum Teil HERVORRAGEND davon leben können.

    Und welche Rechte werden da denn überhaupt angeblich gebrochen? Welche Urheberrechte gelten in Ostafrika? Wohl kaum europäische oder Nordamerikanische, oder?

    Das wäre wichtig gewesen, Herr Autor!
  8. #8

    Ich würde gerne mal über einen Vergleich mit Lateinamerika lesen - dort ist es nämlich üblich, dass Sänger und Gruppen ihren Namen in der Einleitung oder irgendwann im Laufe des Stückes in den Text einbauen. Effekt: Jeder, der ein raubkopiertes Stück hört, bekommt den Namen der Künstler mitgeliefert und wird vielleicht mal ein Konzert besuchen oder gezielt nach Tonträgern von ihnen fragen.
  9. #9

    ....

    In Afrika existiert sicherlich auch keine kriminelle Abmahnindustrie, oder..?
    Wie kommen die bloss ohne GEMA's oder VG's zurecht..?