Wie finden Sie "Der Abend"?

Wie gefällt Ihnen "Der Abend" und wie sollte die digitale Zeitung der Zukunft aussehen? Diskutieren Sie mit!
  1. #40

    Zu grobe Polarisierung

    Die wenigen Haupt-Printmedien werden sich halten, nachdem sie sich auf ein niedrigeres Auflagenniveau eingependelt haben, sie müssen sich dazu aber wegen des geringeren Anzeigenaufkommens auf ein schmaleres journalistisches Angebot einrichten, das die Interessen der verbliebenen Stammleserschaft ziemlich genau aufnimmt, sonst wird auch das nicht funktionieren.

    Die Regional- und Lokalzeitungen können ebenfalls überleben – die Leute wollen wissen, wer tot ist, wer geheiratet hat, wer Schützenkönig ist und wie die dritte Kreisklasse gespielt hat – das Problem liegt hier mehr in dem Konkurrenzdruck durch die kostenlosen Wochen- und Anzeigenblätter, deren redaktioneller Teil der angestammten Zeitung schon oft bedenklich nahekommt. Weil man von einem Käseblatt sowieso vor allem Käse erwartet und es dazu noch ein relativ teures Abonnement ist, wächst die Neigung, sich mit dem Anzeigenblatt zu begnügen. Den Mantel, also den überregionalen Teil, könnten die Regionalzeitungen getrost weglassen, weil sich der Leser am aufgewärmten Kaffee vom Vorabend nicht vergreift. „Bild“ ist etwas anderes, hier fasziniert die Mischung aus Boulevard, Sensation, Sport, Nachricht und Schlichtheit dekoriert mit ein paar offenherzigen Damen.

    Ich glaube, dass bei der Gegenüberstellung von Printmedien und Online-Medien zu grob polarisiert wird. Der Konsument von Informationen geht inzwischen viel selektiver vor als es sich die Planer bei den großen Verlagskonzernen vorstellen. Die nackte Nachricht oder zumindest die knappe reicht den meisten Leuten heutzutage, sie wird bevorzugt online gesucht: Syrien-Angriff vertagt, heißer Wahlkampf (ha, ha) und Deutschland gegen Färoer drei zu null – das wars – und weil das so ist, verlegen sich die großen Online-Redaktionen, wie auch SPON, auf Plauder-Journalismus, um ihr Angebot opulenter erscheinen zu lassen: Almabtrieb, Ganzkörper-Badeanzüge für muslimische Mädchen, das neue SUV von Jaguar und Germany’s Topmodel wird Mannequin in New York. Doch derlei Unterhaltungsstyropor bringt die Gefahr mit sich, dass das Online-Angebot von vielen Lesern als zu leicht befunden wird – sie bleiben auch noch bei den Printmedien, sie fahren doppel- und mehrfachgleisig. Online kann tendenziell flach sein, Print muss tiefer gehen und sich gegenüber dem spezifischen Leserinteresse mehr ausdifferenzieren, beide Formen ergänzen sich, sie schließen sich gegenseitig nicht aus.
  2. #41

    >frau mareike reimann,

    "der journalist muss ... marke werden?" mit verlaub - das ist schlichter pseudo-ökonomischer quark, der sich noch nicht einmal die kenntnis darüber erlaubt, wem denn die medien überhaupt "gehören" (anführungszeichen deshalb, weil es hier verschiedene modelle - s. z.b. spiegel - gibt). vor dem sprechen/schreiben, usw. bitte zuerst einmal das denken einschalten - gehöre selbst zur zunft ...
  3. #42

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wie gefällt Ihnen "Der Abend" und wie sollte die digitale Zeitung der Zukunft aussehen? Diskutieren Sie mit!
    Gute Idee, die wichtigen Punkt wurden schon oft genannt:

    1. Lokales, jeden Abend, Samstag (morgens) noch einmal zusammengefast.
    (aber woher nehmen, in Karlsruhe gibt es z.B. die BNN die wird aber sicher nicht mitmachen und das Zeug von ka-news.de lese ich nur, weil es um sonst ist)

    2. Täglich gut gemachte National / Internationale Nachrichten (wie es manchmal auf spon/zeit.de zu sehen ist)

    3. Regelmäßtig Leitartikel (wie auf Seite eins der Zeit)

    4. Regelmäßig Hintergrund-Reportagen

    5a. Regionaler Service I
    (Was läuft + vollständige, qualifizierte Kritik + IMDB/Rotten Tomato Rating + aktuelle Ausbuchungs-Anzeige in den regionalen Kinos / Theatern, den Kritiken zu hoffnungslos ausgebuchten Veranstaltungen brauche ich nicht im Service zu lesen)

    5b. Regionaler Service II
    Veranstaltungen in der Region mit ausführlichen Informationen für's Wochen-Ende, je wichtige die Veranstaltung, desto weiter darf die Anreise sein. (lasst die leser Voten, wie "toll" ein Veranstaltung ist)

    => Dafür würde ich auch bezahlen

    Bemerkung am Rande:
    Den Mantel könnten sich die Regionalen alle Sparen
  4. #43

    Der Abend ist sicherlich ein nett gemeintes Konzept, aber ich sehe darin leider keine großartige Veräderung.
    Bei der App mag die Handhabung durchdacht sein, aber der Kern, nämlich der Inhalt, ist nicht an der Realität von heute angepasst:

    -Eine Tageszeitung als Gesamtpaket ist schlicht übeholt-

    Die kleinen Tageszeitungen halten sich noch weil sie oft noch das Informationsmonopol in ihrem Umfeld haben. Doch Social Media und die Demographie wird ihnen dort auch langsam das Wasser abgraben, die junge Generation bezieht auch im Regionalen keine Zeitung mehr.

    Zeitungen sind schon seit 10 Jahren kein Informationsmedium für Menschen U 40, dies zeigen die Zahlen, dies muss die Grundlage allen Denkens sein.
    Hintergündigkeit, Qualität und vorallem echte und gelebte Interaktion mit den Lesern kann noch zur Bindung an eine Marke führen, und hier würde ich auch Geld zahlen.

    Journalismus verändert sich, leider geht hier die Debatte vorbei, sie Beschränkt sich auf das Design:
    SPON ist für mich die OnlineBLÖD, es gibt leichten Boulevardjournalismus, oft lese ich (diese Debatte ist die Außnahme) nur die Überschriften.

    Wenn ich gute Texte lesen möchte schaue ich in dem ein oder anderen Blog vorbei, dort sind die Texte besser geschrieben, manchmal findet sich auf faz.net auch ein guter Text, ironischer Weise oft von externen Autoren.

    Ich denke das dies ein recht normales Nutzungsverhalten ist. Ähnlich wie bei Musik, Fernsehen etc. - die Menschen sind längst ihr eigener Programmdirektor, Redakteur geworden.

    Hier kommen wir zum entscheidenden Punkt: Die Leser sind eine wertvolle Ressource, sie liegt fast immer brach. Diese Debatte mag eine Außnahme darstellen. Hier muss noch mehr Interaktion statt finden, die Leser sind manchmal die bessere Redaktion.

    Wie sieht also die Zeitung der Zukunft für mich aus?
    -Es gibt Texte aller Couleur, überraschend, provokativ, umfassend, hintergründig, frei vom Redaktionszwang, frei davon das ein Herausgeber seine Linie durchsetzen kann.
    Ich kann sie auf dem Marktplatz selbst zusammen stellen, oder sie anhand meiner Vorlieben zusammensuchen lassen (siehe Spotify)
    -Die Leser können per Abtimmung Themen setzen über die recherchiert und berichtet wird
    -Es gibt eine Rubrik wo per subjektiver Auswahl durch den Journalisten ein Kommentar eines Lesers das Thema setzt
    -Journalisten stehen zu ihren Texten nicht nur Rede, sondern auch Antwort
    -Allen Texten, Berichten, Kommentaren muss eins gemeinsam sein: Qualität, Qualität, Qualität

    Wenn ich für etwas Geld zahlen soll, dann weil es deutlich besser ist als das was ich Online finden kann.
    Das ist der entscheidende Punkt: ich zahle Geld, gerne im Abo, einen sehr niedrigen Betrag um die App/den Zugang zu erhalten.
    Für einzelne Texte wird per Micropayment gezahlt, einfach und unkompliziert. Der verdiente Journalist als auch die Zeitung weiss genau wie sein Text ankommt.

    Das wäre mein persönlicher ABEND, ohne Servie-Schnickschnack den ich bei Bedarf längst im Internet gefunden habe.
  5. #44

    Das wäre dann die Google-Zeitung, oder?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wie gefällt Ihnen "Der Abend" und wie sollte die digitale Zeitung der Zukunft aussehen? Diskutieren Sie mit!
    Ein toller Artikel und ein beeindruckendes Ergebnis. Der Abend verspricht ein Tageszeitungskonzept zu sein, dass alle Tageszeitungen in der heutigen Form ersetzen kann. Doch damit stehen wir weiterhin vor dem Dilemma seit Anbeginn der Digitalisierung: die heutige Verlags- und Blattvielfalt wird obsolet. Der Abend benötigt nun mal keine Redaktion, die allen heutigen Redakteure und Journalisten einen Job sichert. Das Dilemma bleibt nun mal, dass das Geschäftsmodell Zeitungen ein Auslaufmodell ist. Der Bedarf nach Nachricht und Information wird weltweit irgendwann von einem Oligopol gedeckt, so wie es sich im Bereich der Unterhaltung (Musik, Film, Literatur, Games etc.) heute schon sehr deutlich abzeichnet.
  6. #45

    Zitat von hans-rai Beitrag anzeigen
    ...denn am Abend konkurriert das Ganze doch letztlich mit der Tagesschau. Ich würde lieber zeitnah im Laufe des Tages aktuell informiert werden. Man kann eine Tageszeitung nicht mit den Prämissen einer "Zeitung" online umsetzen. Das ist der ganz verkehrte Denkansatz.
    Dem stimme ich zu und fände eine Mittagsvariante fast sinnvoller. Ein weiteres Gimmick wären Übersetzungen von News aus aller Welt, die von Freiberuflern und Hobbyübersetzern geliefert werden könnten, ganz nach dem Worldcrunch-Modell - All News Is Global | - WhileUSlept .
  7. #46

    Wenn die Kommentarfunktion so zentral ist...

    ...brauche ich auf jeden Fall auch Twitter-ähnliche Filterfunktionen, um nicht jeden Abend von den gleichen Trollen genervt zu werden.

    So etwas wie das SpOn-Forum möchte ich jedenfalls auf keinen Fall ungefiltert mit der gleichen Aufmerksamkeit übergießen wie eine Tageszeitung. Schon allein deswegen, weil unklar ist, ob meine Kasse die dafür notwendigen Blutdrucksenker bezahlen würde.

    Aus solchen Funktionen können auch Ranking-Algorithmen für die Anzeige der Beiträge insgesamt (d.h. für die nicht filternden Leser) hergeleitet werden.

    Viel Erfolg!