Psyche: "Wir dürfen nicht alle Menschen mit Problemen zu Patienten machen"

CorbisIst die Geburt eine traumatische Situation? Liebeskummer eine Depression? Experten warnen davor, normale Herausforderungen des Lebens zu dramatisieren. Menschen sollten auf ihre Selbstheilungskräfte vertrauen, statt sich vorschnell als krank abstempeln zu lassen.

Krank oder normal: Psychologen warnen vor Krankheiten die keine sind - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ist die Geburt eine traumatische Situation? Liebeskummer eine Depression? Experten warnen davor, normale Herausforderungen des Lebens zu dramatisieren. Menschen sollten auf ihre Selbstheilungskräfte vertrauen, statt sich vorschnell als krank abstempeln zu lassen.

    Krank oder normal: Psychologen warnen vor Krankheiten die keine sind - SPIEGEL ONLINE
    Vielleicht sollte man lieber aufhören jeden der mal psychologische Hilfe in Anspruch nimmt, als Krank zu bezeichnen.

    Man kann ja auch mit einer leichten Verletzung zum Arzt gehen oder abwarten ob es von alleine heilt. Beides ist in Ordnung.

    Psychologische Probleme sind die große Herausforderung unserer Zeit und wenn es damit gelingt ein Trauma besser zu überwinden, warum soll man es dann nicht tun?
  2. #2

    Nicht ganz

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen

    Psychologische Probleme sind die große Herausforderung unserer Zeit und wenn es damit gelingt ein Trauma besser zu überwinden, warum soll man es dann nicht tun?
    Nicht nur unserer Zeit, sondern zu allen Zeiten. Die Menschen sind bisher unterschiedlich damit umgegangen. Fakt ist, dass Menschen heute eher und häufiger einen Psychologen aufsuchen als früher. Und die Frage ist, ob es immer hilfreich ist oder ob es manchmal nicht kontraproduktiv ist.
  3. #3

    Der allgemeine Leistungsdruck hat sich in die Freizeit und ins Privatleben vorgearbeitet. "Always-on" und "high availablity" sind Prinzipien, die sich nicht mehr nur auf die Verfügbarkeit von Technik oder Diensten bezieht, sondern unser Leben durchdringen, *wir* müssen immer verfügbar und "performant" sein.

    Damit unterliegt auch die Lösung von persönlichen Problemen und die Verarbeitung von Erlebnissen dem allgemeinen Zeit- und Leistungsdruck. Die "Profis" versuchen, uns möglichst schnell zu "helfen" um uns "zeitnah" wieder leistungsfähig und verfügbar zu machen. Deren Eifrigkeit ist dann auch kein eigenständiges Phänomen mehr sondern nur ein Symptom für die gesellschaftliche Entwicklung und Wahrnehmung.
  4. #4

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Vielleicht sollte man lieber aufhören jeden der mal psychologische Hilfe in Anspruch nimmt, als Krank zu bezeichnen.

    Man kann ja auch mit einer leichten Verletzung zum Arzt gehen oder abwarten ob es von alleine heilt. Beides ist in Ordnung.
    Ja. Aber was, wenn der Arzt Ihnen dann vier Wochen strikte Bettruhe verordnen und von einer eventuell nötigen schweren Operation redet?

    Sie als Patient können doch gar nicht beurteilen, ob er Ihnen nur Blödsinn erzählt. Oder genauer gesagt, Sie fangen an, Ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr zu trauen.

    Psychologische Probleme sind die große Herausforderung unserer Zeit und wenn es damit gelingt ein Trauma besser zu überwinden, warum soll man es dann nicht tun?
    Genau das sei aber nicht der Fall, wird in dem Artikel behauptet.
  5. #5

    Frau Hauschild

    Zitat von Kurremkarmerruk Beitrag anzeigen
    Frau Hauschild liefert den Persilschein für das Todschlagsargument dafür, jeden Hilfesuchenden als schwach, feige und antriebslos zu diffamieren.
    Die Frage dabei ist: In wessen Auftrag?
    Frau Hauschild ist natürlich nicht echt. Dahinter verbirgt sich der Zusammenschluss führender Krankenkassen und des Gesundheitsministeriums. Ach ja, die Arbeitgeber entsenden ein ständiges Mitglied zu den regelmäßigen Treffen.
    Der Gegenbeitrag der Pharmaindustrie erscheint erst nächste Woche.
    Mein Gott, wie paranoid muß man sein...
    Gehen Sie mal zum Arzt! Solange es noch bezahlt wird.
  6. #6

    Der Artikel ist zweideutig,

    zum einen spricht er ein großes Problem der Psychotherapie, zum anderen eröffnet er auch den Raum für asoziales Vorgehen von Politikern, Verwaltern und Technokraten. Ich habe in den vergangenen 20 Jahren eine ziemliche Therapiekarriere hingelegt, die ich heute eher als schädlich betrachte. Bei der letzten stationären Therapie gab man dann die Psychotherapie ganz auf und suchte nach einem organischen Befund. Ergebnislos, aber für die Psychologen war das der Offenbarungseid. Von den über zehn Diagnosen, die in verschiedenen Gutachten etc. herumschwirren sagen selbst die Therapeuten, das keine Diagnose stimmt. Ohne Psychotherapien ging es mir heute ganz genau so, vielleicht sogar besser. Das Menschen als krank erklärt werden, ist ein existierendes Problem, und Menschen mit Liebeskummer gehören einfach nicht in eine Therapie, tauchen dort aber immer häufiger aus. Menschen mit schweren Störungen dagegen werden oft kaum behandelt, weil diese Störungen schwer zu therapieren sind und man mit den nicht so schweren Symptomen einfacher Geld machen kann. Und wenn erst Politik und Verwaltung aus dieser Kritik Kapital schlagen wird Psychotherapie nicht nach Notwendigkeit sondern nach Kassenlage verordnet. Oder eher nicht.
  7. #7

    Post-diagnostische-belastungsstörung

    unter o.g. Störung leiden zunehmend ahnungslose Menschen, die sich vertrauensvoll in einer normalen Notsituation an das soziale Hilfssystem wenden, und dort bevorzugt an mäßig ausgebildetes Personal mit pseudomedizinischen Kenntnissen gerät. ob ADHS, Borderline-Syndrom, PTBS oder burn-Out , alles hört sich spannend an . Und als allwissender Gutmensch gibt man ungefragt behandlungsempfehlungen, da ärztliche Behandlung genau so eingefordert werden können, wie Sozialleistungen. Erfahrene Mediziner wissen davon ein Lied zu singen. eine bessere Ausbildung und eine Professionalisierung im Sozialsystem tut Not.
  8. #8

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Vielleicht sollte man lieber aufhören jeden der mal psychologische Hilfe in Anspruch nimmt, als Krank zu bezeichnen.
    Wie immer: was heißt schon krank. Arbeitslosigkeit (sofern sie nicht nur kurz, und zwar ABSEHBAR kurz ist) beispielsweise ist ein Depressionsrisiko erster Klasse - spielt statistisch in einer Liga mit Verlust des Ehepartners. Die beste Therapie wäre schnell ein neuer, befriedigender Job. Eine Gesellschaft, die sich außerstande sieht, das zu gewährleisten, muss sich dann eben mit Therapiekosten abfinden.
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ist die Geburt eine traumatische Situation? Liebeskummer eine Depression? Experten warnen davor, normale Herausforderungen des Lebens zu dramatisieren. Menschen sollten auf ihre Selbstheilungskräfte vertrauen, statt sich vorschnell als krank abstempeln zu lassen.
    Es gibt viele unsinnige Diagnosen. Trotzdem kann es natürlich hilfreich sein, wenn ein Arzt sagt, alles im grünen Bereich. Gerade das Umfeld verunsichert manche Menschen.
    Es ist gut wenn es dann verantwortungsvolle Fachkräfte gibt, die das Selbstbewußtsein als grundlegende Voraussetzung für die Selbstheilung stärken und keine Krankheit daraus entwickeln.
    #Nachgedacht