Schöner scheitern im Job: Verzeih dir selbst

Magic / ImagoNiemand rutscht durchs Berufsleben, ohne anzuecken und einzustecken. Schwere Schlappen sind schmerzhaft und oft peinlich. Die gute Nachricht: Scheitern lässt sich lernen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-918911.html
  1. #1

    Bildunterschriften unkorrekt

    Skispringer Claus Tuchscherer kam nicht mit blauen Flecken davon, sondern erlitt bei der Landung auf einem Ski eine Wirbelsäulenkrümmung.

    Und beim Regiment der Horse Guards der britischen Königin von Vasallen zu sprechen ist unverschämt ungenau.

    Es ist überhaupt inkonsequent, dokumentarische Bilder (sehr schöne Auswahl übrigens) mit billigen und ostentativen Agenturbildern (Sumoringer) zu vermengen, um damit die psychologischen Aussagen zu illustrieren.
  2. #2

    viele schöne Worte

    Wer von „starken Charakteren“ schwafelt, ist in der Regel ein übler Schaumschläger. Sinn einer Tätigkeit oder Verdienst oder Schuld gehören in die gleiche wertende Schublade. „Hätte ich doch …“ ist Blödsinn. Ich habe es gemacht und muß damit leben.

    Niederlagen sind ausschließlich praktisch und real. Sie hängen erstmal von der Energie ab, eine rein körperliche Eigenschaft, ganz ohne Psyche. Energie bedeutet Hoffnung, Aggression, Wagemut. Sie wird gebraucht, um Dinge auszuprobieren und das fängt am ersten Tag des Lebens an. Man muß alles ausprobieren, und zwar selber, man muß auch auf die Nase fallen, und zwar möglichst früh möglichst oft. Hier kommen die Nerven ins Spiel. Sie sind bei jungen Menschen weit stabiler als bei älteren, sie halten weit mehr aus, stehen schneller wieder auf. Das Phänomen betrifft merkwürdigerweise die körperliche organische Ausgestaltung des Individuums.

    Das Leben ist eine Aneinaderreihung von Niederlagen. Man kann ihren Einfluß mit Streßfaktoren messen. Todesfälle von Partnern stehen an erster Stelle, gleich danach Scheidungen und Kündigungen, Mißerfolge aller Art, der Korb einer Schönen kann ein junges Leben total verändern, sogar lebensbedrohlich sein, wie alle Streßfaktoren, wenn sie gesammelt auftreten, sie können den Organismus zerstören. Es gibt einen banalen Trick zur Vermeidung der widerwärtigen Folgen der Verliebtheit: man verliebt sich einfach dauernd und gleichzeitig und holt sich möglichst viele Körbe ab. Das schult ungemein. Vor allem lernt man, daß alle möglichen nicht erkennbaren Faktoren (keineswegs Zufälle) eine Rolle spielen, und daß man darauf keinen Einfluß hat. „Wer will der kann“ ist eben schwachsinnig. Man muß zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle sein, immer bereit und aufmerksam, sich nie kleinkriegen lassen. Vor allem darf man nie über Sinn und Unsinn, Verdienst und Schuld, Intelligenz und Faulheit nachdenken. Diese Begriffe sind allesamt halbgare Versuche, sich der Vorgänge im Inneren des Organismus habhaft zu machen, und das gelingt eben nicht, ganz im Gegenteil, diese Begriffe verschleiern die banalen Tatsachen.
  3. #3

    Gut gedacht ich halb gewonnen?

    Müssen wir umdenken? Lernen unser Scheitern zu akzeptieren, um dann frohen Mutes neuen Zielen entgegen zu streben? Uns eine Schutzhaut aus Optimismus zulegen?
    Oder stimmt vielleicht doch eher grundlegendes in unserer auf Konkurrenz und Gewinn angelegten Gesellschaft nicht?
    Lässt sich alles durch ein Um- und Andersdenken lösen? Durch den passenden in praktisches Handeln umgesetzten philosophischen Ansatz? Oder bedarf es einer viel tiefer gehenden Veränderung und Auseinandersetzung?
    Ich glaube das vor allem letzteres der Fall ist. Gerade der Glaube daran alles mit dem Verstand oder der "richtigen" Einstellung lösen zu können, ist für mich Teil des Problems.
    Mehr Gemeinschaft, stabilere, vertrauensvollere Beziehungen, Zusammenarbeit statt Konkurrenz sind sicher Wegweiser in die richtige Richtung. Dies umzusetzen in einer Gesellschaft die sich ihren Gefühlen und ihren zwischenmenschlichen Bedürfnissen so weit entfernt hat, würde allerdings sehr viel an bewusster Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen erfordern.
    Es würde auch erfordern, das überhaupt erst ein Bewusstsein für bestehende Probleme vorhanden ist. Bereits daran scheitert unsere Gesellschaft und verdrängt lieber ihre eigenen Nöte und Ängste, genauso wie ihre zwischenmenschlichen Probleme und flüchtet in Konsum und Ersatzbefriedigungen.
    Ich glaube nicht an einfache Lösungen. Der Bericht mag einiges aufgreifen und andeuten. Aber er bleibt mit seinen Lösungsvorstellungen viel zu sehr an der Oberfläche. Es bedarf mehr als veränderte Einstellungen. Akzeptanz und loslassen sind für mich vor allem Folge intensiver Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und folgen dieser. Sie sind nicht "machbar".
  4. #4

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen
    Wer von „starken Charakteren“ schwafelt, ist in der Regel ein übler Schaumschläger. Sinn einer Tätigkeit oder Verdienst oder Schuld gehören in die gleiche wertende Schublade.

    Todesfälle von Partnern stehen an .....
    Es gibt sogar ein paar Punkte bei denen ich ihnen zustimmen würde, wenn ich es auch andres ausdrücken würde:-)
  5. #5

    Voll gescheitert!

    Ja, es sind schöne Worte, vom lebenslangen Lernen und vom Aufstehen, weil Niederlagen zum Leben gehören, dass Kleinkinder immer wieder aufstehen...
    Mensch, hat man die Menschen vergessen, die gerne ihr Leben lang lernen würden, aber ausgefüllt durch ihre Arbeit, in der sie die Aufgaben erfüllen, welchen ihnen zugeteilt werden, gar nicht weiterkommen können, zumindest an ihrem Arbeitsplatz nicht? Hat man jene vergessen, die weit über 40 Stunden leisten, trotzdem nicht weiterkommen. Eines Tages dann sind sie zu alt, oder möchten vielleicht weiterkommen, doch da steht dann ein Vorgesetzter, dem das gar nicht gefällt. Und dann? Klar, man sattelt auf das nächste Pferd, nur muss man dann vielleicht erkennen, dass es unterernährt ist. Was ist mit allen, die nach langer Jahre Arbeit erkennen müssen, dass sie niemand zu einem ansprechenden Gehalt einstellen möchte? Die fangen halt wieder von vorne an, kein Thema bei all der Flexibilität. Und im Anschluss muss man sich wegen des Scheiterns dann anhören, dass man von Sozialleistungen leben würde, dass man jeden Job annehmen müsste, dass man ganz schnell die Lebensgrundlage los ist. Kein Wunder, dass man da nicht aufsteht wie ein Kind, denn Kinder werden, wenn man sie zum Erfolg führen will motiviert. Wer verhindern möchte, dass ein Kind aufsteht, der sanktioniere es nach jedem Sturz!
    Wo sind die Arbeitgeber, die Flexibilität, geistigen Gewinn, Stärke auch wirklich fördern? Wo sind die Arbeitgeber, die sich an starken Persönlichkeiten erfreuen möchten?
  6. #6

    Die Angst vorm Scheitern wird auch gern so ausgedrückt:

    Wenn du Angst hast, ein paar Eier zu zerbrechen, hast du in der Küche nix zu suchen.
    Wenn du auf deine Frage nicht das fest damit gerechnete "Ja", sondern unerwartet das aber durchaus mögliche "Nein" bekommst und nicht bereit bist, die Antwort zu akzeptieren, dann stelle gefälligst auch keine Fragen.
    Scheitern tut nur denen weh, die die Möglichkeit als solche, aus welchen Gründen auch immer, nicht gleichwertig mit einkalkuliert haben.
    Hinterher Jammern und Heulen kann jeder, das hilft aber nicht, das hat keine Rückgängig-Eigenschaft. Ohne Tränen, die einem die Sicht verschmieren, sieht man viel besser, was schief gelaufen ist. Also Energie lieber in die Ergebnisauswertung und dann in die Planung des nächsten Versuches investieren. Reine Kopfsache.

    (Schön, dass es im KarriereSpiegel auch mal was richtig Interessantes gibt und nicht immer nur die Auflistung belangloser Einzelschicksale.)
  7. #7

    ...

    Das ist mir alles etwas zu einfältig beschrieben.

    Sicher sind viele Anmerkungen richtig, manche sind vielleicht Worthülsen, aber bei allen Anmerkungen wird immer der Fokus auf das Individuum gelegt.

    Scheitern hat aber mindestens genausoviel mit den äußeren Umständen zu tun. Warum nicht mal die ändern? Es ist kein Naturgesetz, daß es den Kapitalismus in dieser Form geben muß. Firmen, die ein menschenverachtendes Leistungsprinzip fördern, können auch mal untergehen, wenn sich nur genügend Menschen dem verweigern. Überhaupt fehlt die Aggression nach außen, das Offensive, das Moment des zivilen Ungehorsams. Es ist eben manchmal nicht die Lösung, sich mental zu wappnen und seine eigene Psyche zu stärken, sondern manchmal ist es besser, die eigene Psyche unausgeglichen zu lassen und die Spannung nach außen abzuleiten. Ein Chef, den man mal vor versammelter Mannschaft zurechtstutzt, wird einem kündigen oder sich das, was zu dieser Reaktion geführt hat, in Zukunft nicht mehr trauen. Selbst wenn er einem kündigt, wird man in der Psyche des Chefs einen Schaden angerichtet haben, über den dieser erst mal hinwegkommen muß. DAS ist eine Lösung zur Veränderung des Systems.

    Ich bin z.B. ziemlich sicher, daß Geheimdienstmitarbeiter, die täglich von ihrem Umfeld zu hören bekämen, was das eigentlich für ein mieser Job ist, den sie da tun, sich das auf Dauer überlegen würden, damit.
  8. #8

    Übrigens

    Habe ich nichts gegen Wettkampf, auch nicht gegen Konkurrenz, sie spornt an, wenn sie denn fair geführt wird. Es darf beim Hundertmeterlauf niemand dem anderen das Bein stellen, oder mehrere Meter Vorsprung haben. Und Menschen, die etwas wirklich besser können, besser wissen, die spornen mich an! An alle potenziellen Arbeitgeber, die auf Stärke nicht verzichten möchten, die eine Gehaltsverhandlung nicht für obszön halten, ich bin hier!!!!
  9. #9

    schön

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Resilienz nennen Wissenschaftler die innere Stärke eines Menschen, die ihn befähigt, Misserfolge, Niederlagen und Krisen zu bewältigen. Resiliente Personen verweigern die Opferrolle, bleiben in jeder Lebenslage optimistisch und kreativ. Sie suchen nach Lösungen und lassen sich helfen.
    Diese Aussage ist süß. Und nicht die ganze Geschichte. Es gibt haufenweise Personen, die man lange genug schikaniert und missachtet hat. Diese Leute kennen Niederlagen aus dem ff und wissen durchaus um eine (kindliche) Opferrolle. Optimismus hat da keinen Platz, das Leben hat Optimismus nicht belohnt.
    Wer so aufgewachsen ist und tatsächlich noch steht, der hat eine ganz andere Triebfeder. Nämlich den Trotz weiterzumachen. Solche Zeitgenossen geben auf andere Leute nichts, sie brauchen keine freundschaftliche Hilfe, sie machen selber.
    Die einen müssen lernen mit Niederlagen umzugehen, die anderen wissen schon längst wie das geht und gerade die sind zäh.