Tod eines Banken-Praktikanten: "Wir müssen die Studenten vor sich selbst schützen"

CorbisEin Hochschüler der WHU-Business-School stirbt während eines Praktikums bei einer Londoner Bank. Kann sich einer aus Ehrgeiz totarbeiten? Im Interview räumt Rektor Michael Frenkel ein, dass einige Studenten zu viel wollen, und erklärt, wie er gegen überzogenen Ehrgeiz ankämpft.

Rektor der WHU zum Tod des Studenten Moritz Erhardt - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Ehrgeiz

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Ein Hochschüler der WHU-Business-School stirbt während eines Praktikums bei einer Londoner Bank. Kann sich einer aus Ehrgeiz totarbeiten? Im Interview räumt Rektor Michael Frenkel ein, dass einige Studenten zu viel wollen, und erklärt, wie er gegen überzogenen Ehrgeiz ankämpft.

    Rektor der WHU zum Tod des Studenten Moritz Erhardt - SPIEGEL ONLINE
    Wer nicht über den nötigen Background, Stallgeruch und die nötigen Kontakte und Netzwerke verfügt, dem bleibt nur eins übrig, wenn er nach oben kommen will: sich mächtig abstrampeln.

    Leider ist das aber keine Garantie für den Erfolg, denn das Establishment lässt sich nicht gerne nötigen, durch hohe Leistung den Klassensprung zuzulassen.
  2. #2

    Mit Ehrgeiz in die Vergangenheit

    Eine Arbeitswelt die eine solche Selbstausbeutung verlangt muss Leute mit psy. Egoproblemen anziehen, die durch das Geld etwas an ihrem Selbstwertgefühl kompensieren müssen. Wer tut sich das denn sonst an, außer er führt sein eigenes Unternehmen? Sorry aber wer sich so ausbeuten lässt (Stundenlohn?) kann so begabt und clever auch wieder nicht sein. Sonst kann man sich viel entspannter Selbstständig machen und mit weniger Stress viel mehr absahnen. Wer sich so etwas antut kann keine stabile, selbstbewusste Persönlichkeit haben. Man sollte an diesen Möchtegern-Elite-Schmieden mal die Forschungsergebnisse der Psychologie und Mikroökonometrie zum Thema Lebenszufriedenheit rumgehen lassen, falls man schon nicht von selbst in der Lage ist, simple Lebensweisheiten zu erkennen: Geld macht absolut betrachtet über 30.000€ Brutto im Jahr nicht mehr glücklicher. Nur noch relativ, d.h. weil man weiß dass man mehr hat als andere. Freizeit, funktionale soziale Bindungen, gemeinschaftliches Engagement und Gesundheit - DAS macht langfristig glücklich. Hedonisch betrachtet verpufft eine Gehaltserhöhung nach ca. 3 Monaten - der Mensch ist nämlich ein Gewohnheitstier.
  3. #3

    Alphatiere?

    Wie kann man ein Alphatier sein, wenn man das Leben, was eigentlich nur aus Fachwissen besteht und nicht das Leben an sich, nur aus Büchern und Vorlesungen kennt.
  4. #4

    Das Leben ist ein Langstreckenlauf

    Wer zu schnell sprintet, dem geht die Puste aus
    Wer sich überlastet, der kippt um.

    Leute - befreiht Euch von Zeugs das Euch nicht weiter hilft (noch ein Ehrenamt, noch ein Praktikum....)

    Karriere machen vor allem diejenigen, die sich ein Netzwerk aufbauen. Das sind diejenigen, die neben dem Beruf ein Privatleben haben....
    Die wahren Karrierristen lassen andere für sich tot schuften.
  5. #5

    ... abstrampeln wird belohnt?

    Abstrampeln wird meist nur mit mehr Arbeit zum gleichen Gehalt belohnt, die Erkenntnis ist nicht neu und deckt sich auch mit meiner Erfahrung.
  6. #6

    *

    Zitat von Greybird Beitrag anzeigen
    Geld macht absolut betrachtet über 30.000€ Brutto im Jahr nicht mehr glücklicher. Nur noch relativ, d.h. weil man weiß dass man mehr hat als andere.
    Evident unrichtig - diese Grenze ist allenfalls - wenn überhaupt - bei ca. EUR 50k/Monat (EUR 600k/Jahr) erreicht, aber auch nur unter der Vorausetzung, dass man keine große Familie und keine relevanten Immobilien hat.
  7. #7

    Work-Life-Balance...

    ist ein viel missbrauchtes Schlagwort, mit dem viele Großunternehmen werben. Sieht hübsch aus... Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass mich nie ein Chef nach Hause geschickt hat. Ganz im Gegenteil: "Bevor Sie im Hotel sitzen, können Sie auch beim Mandanten bleiben und den Prüfungsbericht etc. schreiben. Muss am Montag beim Vorstand liegen..."
    Mein persönlicher Rekord: bis zwei Uhr morgens im Büro und um 7 Uhr wieder. Nur der Betriebsrat durfte es nicht mitkriegen. Abends bloß nicht vor den anderen gehen. Ach ja, und zwischenzeitlich noch Empfehlungen schreiben, auf Basis derer Schwerbehinderte ihren Job verlieren sollten. Das war dann zuviel...
    Mittlerweile bin ich raus aus der Mühle. Hätte mich fast meine psychische Gesundheit und mein Leben gekostet.
    Geld macht nicht glücklich...
    Work-Life-Balance, Fürsorge des Chefs? Ethik: Wie schreibt man das?
    Nach über einem Jahrzehnt als sog. High Potential kann ich nur sagen: Worthülsen! Aber vielleicht gibt es irgendwo da draußen auch Ausnahmen.
  8. #8

    evident richtig

    Zitat von geroi.truda Beitrag anzeigen
    Evident unrichtig - diese Grenze ist allenfalls - wenn überhaupt - bei ca. EUR 50k/Monat (EUR 600k/Jahr) erreicht, aber auch nur unter der Vorausetzung, dass man keine große Familie und keine relevanten Immobilien hat.
    Falsch, das gilt für den Panel-Durchschnitts-Bürger in Deutschland (SOEP). Das Problem bei den Indikator-Regressionen ist, dass man keiner Statistik trauen sollte, die man nicht selbst gefälscht hat. Ich beziehe mich auf die absoluten Top-Ökonomen: Frey und Stutzer, Richard Layard, Ruud Veenhoven etc... Interessensgeleitete Forschung (INSM et al.) passen die Modellselektion so an, dass die Grenze steigt, z.B. indem sie das relative Einkommen als Kontrollvariable wegfallen lassen oder Variablen nicht redlich auf Multikollinearität (Varianzinflation) zur absoluten Gehaltsvariable testen - womit diese oft zu viel Gewicht bekommt. Mit einem M.Sc. in Applied Economics erkennt man solche Stümpereien schon in Sekunden.
  9. #9

    Re:

    Zitat von Greybird Beitrag anzeigen
    Man sollte an diesen Möchtegern-Elite-Schmieden mal die Forschungsergebnisse der Psychologie und Mikroökonometrie zum Thema Lebenszufriedenheit rumgehen lassen, falls man schon nicht von selbst in der Lage ist, simple Lebensweisheiten zu erkennen: Geld macht absolut betrachtet über 30.000€ Brutto im Jahr nicht mehr glücklicher. Nur noch relativ, d.h. weil man weiß dass man mehr hat als andere. Freizeit, funktionale soziale Bindungen, gemeinschaftliches Engagement und Gesundheit - DAS macht langfristig glücklich.
    Im Schnitt mögen diese Ergebnisse zum Zusammenhang von Einkommen und Zufriedenheit zutreffend sein. Im Einzelfall muss das jedoch längst nicht der Fall sein.

    Ich kann von mir behaupten: Ich bin glücklich, dass ich heutzutage deutlich mehr als 30.000 EUR brutto im Jahr verdiene. Nicht deshalb, weil sich mein materieller Lebensstandard seit diesen Zeiten großartig verändert hätte, sondern weil ich die Freiheit genieße, nicht über alltägliche Ausgaben nachdenken zu müssen. Übrigens hat sich durch die Gehaltsentwicklung weder die Arbeitszeit noch der Arbeitsdruck erhöht, eher im Gegenteil.