Verdis Sakralmusik: Göttliches Marketing, heilige Töne

EMIBigotte Religiosität war ihm ein Graus, dennoch schuf Giuseppe Verdi auch maßgebliche Werke für die Kirche. Dabei zeigte sich der große Komponist als leidenschaftlich Suchender - und bewies zudem ein gutes Gespür für effizientes Musik-Marketing.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/c...-a-918044.html
  1. #1

    Marketing allüberall?

    Ach, ich bitte Sie... Die große Beliebtheit von Verdis Requiem bis zum heutigen Tag ist das Ergebnis von cleverem Marketing? So ein Unsinn. Man sollte da wohl eher (möglicherweise...) die Qualität der Musik als Ursache in Erwägung ziehen. Im übrigen war es auch schon im 19. Jhdt. durchaus Sitte, Oratorien und Konzertmessen (wie die Missa Solemnis oder das Deutsche Requiem) im Konzertsaal aufzuführen. Ein nennenswerter Erkenntnisgewinn ist Ihren Ausführungen jedenfalls nicht zu entnehmen. Allerdings ist es einigermaßen verblüffend und vielleicht lehrreich zu sehen, in welch 'weit entfernte' thematische Spezialgebiete neoliberale Mythenbildung und betriebswirtschaftliche Denkfiguren mittlerweile vorgedrungen sind.
  2. #2

    Zitat von rastar Beitrag anzeigen
    Ach, ich bitte Sie... Die große Beliebtheit von Verdis Requiem bis zum heutigen Tag ist das Ergebnis von cleverem Marketing? So ein Unsinn. Man sollte da wohl eher (möglicherweise...) die Qualität der Musik als Ursache in Erwägung ziehen. Im übrigen war es auch schon im 19. Jhdt. durchaus Sitte, Oratorien und Konzertmessen (wie die Missa Solemnis oder das Deutsche Requiem) im Konzertsaal aufzuführen. Ein nennenswerter Erkenntnisgewinn ist Ihren Ausführungen jedenfalls nicht zu entnehmen. Allerdings ist es einigermaßen verblüffend und vielleicht lehrreich zu sehen, in welch 'weit entfernte' thematische Spezialgebiete neoliberale Mythenbildung und betriebswirtschaftliche Denkfiguren mittlerweile vorgedrungen sind.
    Einer der größten Vermarkter seiner Werke war G.F. Händel - die Qualität (und Stil) seiner Werke war zum größten Teil auf den jeweiligen Publikumsgeschmack seiner Zeit und den Allüren der Gesangsstars zugeschnitten. Das soll nicht seine Genialität schmälern, im Gegenteil, aber so ganz uneigennützig (und geschäftsuntüchtig) waren eben er und viele seiner Kollegen eben nicht.
  3. #3

    Selbstverständlich...

    ...ist die überwältigende Qualität der Musik der wichtigste Faktor, und Verdis Requiem steht ganz einzigartig und faszinierend da! Aber er war eben ein vielseitig denkender Mensch, der nicht nur von Musik etwas verstand.Und das macht ihn als Menschen nur noch beeindruckender.
    Und zu Händel: Es gibt ein sehr flott geschriebenes Buch über den Meister und seine Zeit, "Tumult und Grazie" (Hoffmann und Campe 2008) von Karl-Heinz Ott, amüsant, informativ und kundig, sehr zu empfehlen.

    Werner Theurich / Spiegel Online
  4. #4

    Nichts ist selbstverständlich

    Überwältigende Qualität der Musik ist leider nicht der wichtigste Faktor, oder wie erklärt es sich, dass noch immer wahnsinnig tolle Kompositionen von Frauen nicht oder so gut wie nicht gespielt und aufgeführt werden? Die meisten Dirigenten (!) scheuen sich, neue oder wiederzuentdeckende Werke einzustudieren, viele VeranstalterInnen scheuen sich, Unbekannteres anzugehen aus Angst, dafür kein Publikum zu finden. Dabei gibt es unzählige Werke, die sagenhaft großartig sind wie z.B. Ethel Smyths "Messe in D", die vor rund 100 Jahren sogar die Royal Albert Hall vollbekommen hat und die man mit Sicherheit wieder vollbekommen würde - vorausgesetzt, jemand würde sich ihrer annehmen und ein tolles Marketingkonzept dafür entwickeln. Dass Frauen(musik) kein Gehör finden/t liegt nämlich auch daran, dass die Suchmaschinen der Notenverlage schlecht aufgezogen sind: anstatt nach dem Schlagwort "Komponistin" suchen zu können, geht nur eine Namenssuche. Hat man dazu aber noch nichts als Musikinteressierte/r, spucken diese Maschinen auch nichts aus und es hat den Anschein, als gäbe es keine Musik von Frauen. Einige Verlage geben ausschließlich Musik von Frauen heraus wie z.B. der Furore-Verlag in Kassel. Das weltweit größte und bedeutendste Archiv für Musik von Frauen (Archiv Frau und Musik) in Frankfurt ist gar von der Schließung bedroht. Vereine wie musica femina münchen e.V. kämpfen darum, dass Musik von Frauen gleichberechtigt mit der Musik von Männern auf Bühnen, im Radio, im Konzert etc. zu hören sind - aber leider zieht die breitere Masse des Publikums nicht mit, eben WEIL u.a. das Marketing rund um Frauenmusik in den letzten Jahrzehnten nicht intensiv genug gefördert wurde. Es gibt noch so viel zu tun - so viele grandiose Werke warten auf ihre Entdeckung...
  5. #5

    Der uralte Unterschied...

    ... zwischen dem genialen Hungerleider und dem geschäftstüchtigen Genie begleitet von Anbeginn die Musik-, Kunst- und Menschheitsgeschichte. Wohl dem, der (wie u.a. Verdi) sich in mehreren Métiers auskennt. Oder kompetente Urheberrechtler an seiner Seite hat. Die chromatische Tonleiter, die Verdi als "musikalisches Rätsel" 1888 in der "Gazetta musicale di Milano" vorfand und anschließend im eigenen Ave Maria verarbeitete, nannte sich recte übrigens eine "scala enigmatica".