Introvertierte: Sag' doch auch mal was

CorbisSpontan im Meeting aufstehen oder auf der Firmenfeier munter drauflos plappern, das fällt introvertierten Menschen schwer. Im Berufsalltag werden sie deshalb vom Chef häufig übersehen. Doch das lässt sich ändern.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-918268.html
  1. #1

    Bin ich introvertiert, wenn ich in einem Meeting oder bei einer Diskussion nicht immer meinen Senf dazugeben muss, sondern einfach der Diskussion folge? Persönlich stelle ich dabei nämlich fest, dass mindestens 70% Schwachsinn ist, der entweder längst ausdiskutiert ist, bei dem bereits festgestellt wurde, dass sowieso keine Einigkeit erzielt werden wird oder der einfach am Thema vorbei geht. 25% ist Wichtigtuerei von Schaumschlägern und Blendern, den man sowieso nicht kommentieren muss. Leider sind diese 25% dann bei Chef gut angesehen.
  2. #2

    Zitat von Artikel
    "Sag' doch auch mal was"
    Das ist dasselbe, als würde man zu einem Alkoholabhängigen sagen: "Hör doch auf zu trinken" oder zu einem Deprimierten: "Sei doch nicht so traurig". Man muss da einen Pack-an finden, sonst wird das nix.
  3. #3

    Pareto ...

    lässt grüßen. 80% der Redebeiträge in einem Meeting sind Wiederholungen von Extrovertierten, die auch so nichts Substantielles beizutragen haben. Insofern verursachen diese überproportional hohe Kosten. Aber das wird ja schon in der Schule gelehrt, weil dort die "Beteiligung am Unterricht" einen viel zu hohen Stellenwert genießt.
  4. #4

    Zitat von noalk Beitrag anzeigen
    lAber das wird ja schon in der Schule gelehrt, weil dort die "Beteiligung am Unterricht" einen viel zu hohen Stellenwert genießt.
    Meines Wissens nach ca. 50 Prozent der Zeugnisnote. Auch wenn manche nur Wiederholen, ihre unreflektierte Meinung abgeben, um so eine Diskussion loszutreten usw. Ich hatte in meiner Schulzeit nie verstanden, wie man mit Störung des Unterrichtes auch noch belohnt wird. Man könnte viel mehr lernen bzw. lehren, wenn manche einfach mal lernen, wann sie den Mund aufzumachen haben.
  5. #5

    Hochsensibilität und Introvertiertheit

    Viele Menschen wirken introvertiert, sind es aber nicht zwangsläufig. Ich selber bin auch sehr empfindlich gegen Lärm (Großraumbüro ist der Horror für mich) und Überreizungen. Dadurch zieht man sich als Selbstschutz zurück, braucht mehr Ruhephasen als andere und wirkt für andere introvertiert. Ursache ist das Phänomen der "Hochsensibilität", auf das ich vor zwei Jahren gestoßen bin. Beschrieben und erforscht wurde es von der amerikan. Wissenschaftlerin Elaine N. Aron. Jeder, der als introvertiert angesehen wird, sich selber aber nicht so einschätzen würde, sollte sich einmal Arons Bücher anschauen, und sich nicht gleich selber den Stempel "introvertiert" aufdrücken lassen.
  6. #6

    Introvertiert - und liebe es :-)

    Oh wie schade, dass Introvertierte oft nur auf ein Bild reduziert werden von schuechternen, schweigsamer Wesen, die den Kontakt mit anderen scheuen, nichts zu sagen haben, etc.. Obwohl einige Introvertierte so ERSCHEINEN moegen, v.a. auf den ersten Blick, ist das wirklich nicht angebracht als generalisierte Beschreibung, und es ist schade, dass SPON das nicht ein wenig differenzierter darstellt. (Ich gestehe, ich habe das Buch nicht gelesen, auf dem der Beitrag basiert.)
    Zum Glueck gibt's uns Intros, denn viele von uns sind die brain power, die Unternehmen und unserere Gesellschaft benoetigen, um nicht vollstaendig in Oberflaechlichkeit zu versinken. Uns geht's oft nicht um glanzvolle Selbstdarstellung, sondern um die glanzvolle Darstellung des Sachverhaltes. Und ja, Koerpersprache ist wichtig, wir koennen das naemlich ganz gut erkennen und durchblicken, wenn jemand mal wieder nur blenden muss und sich selbst gern reden hoert, aber nicht einmal wirklich ueber das nachdachte, was er/sie da so von sich gibt. Also schenkt uns kein mitleidiges Laecheln, um uns zu ermuntern, sondern hoert zu, lasst uns ausreden, wenn wir nicht sofort die richtigen Worte finden. Wenn ihr die Frage stellt am Ende eines Meetings 'Hat jemand noch Fragen?' dann fuehlt euch wohl, ca 10-15 Sekunden Zeit verstreichen zu lassen, gebt uns diese kurze Zeit, so dass wir unsere (coolen) Gedanken sammeln koennen - wir quatschen naemlich nicht sofort (das ueberlassen wir den wahrscheinlich eher extrovertierten Quatschern), aber wenn wir wissen, dass uns jemand ernsthaft Zeit schenkt und uns hoeren moechte, dann bekommt sie/er auch eine gute Antwort.

    @zlep: ja, ich glaube schon, dass das bedeutet dass du oder die Person, die du beschreibst, eher introvertiert ist, aber das ist doch eher gut (denn du durchblickst leeres Gelaber und fuehlst du bist was besseres wert). Introvertiert sein ist nicht 'still sein', aber ich hab das Gefuehl, Intros haben einfach keinen Bock sich mit sinnlosem, leeren Zeug abzugeben, sondern sagen was, wenn's wirklich wichtig ist, und geben dann ein Stueckchen der riesigen Gedankenwelt preis, auf die sie zurueckgreifen koennen.
  7. #7

    Introvertiert - und liebe es :-)

    Oh wie schade, dass Introvertierte oft nur auf ein Bild reduziert werden von schuechternen, schweigsamer Wesen, die den Kontakt mit anderen scheuen, nichts zu sagen haben, etc.. Dem Introvertiert-sein lastet auch oft ein richtig negativer Stempel auf, als ob es was schlechtes sei, Intro zu sein, als ob wir als Umfeld oder Gesellschaft da was dagegen tun muessten, diese Menschen helfen muessen --- wirklich??? Alles Schwachsinn (finde ich).
    Obwohl einige Introvertierte so ERSCHEINEN moegen, v.a. auf den ersten Blick, ist das wirklich nicht angebracht als generalisierte Beschreibung, und es ist schade, dass SPON das nicht ein wenig differenzierter darstellt. (Ich gestehe, ich habe das Buch nicht gelesen, auf dem der Beitrag basiert.)

    Zum Glueck gibt's uns Intros, denn viele von uns sind die brain power, die Unternehmen und unserere Gesellschaft benoetigen, um nicht vollstaendig in Oberflaechlichkeit zu versinken. Uns geht's oft nicht um glanzvolle Selbstdarstellung, sondern um die glanzvolle Darstellung des Sachverhaltes.
    Und ja, Koerpersprache ist wichtig, wir koennen das naemlich ganz gut erkennen und durchblicken, wenn jemand mal wieder nur blenden muss und sich selbst gern reden hoert, aber nicht einmal wirklich ueber das nachdachte, was er/sie da so von sich gibt. Also schenkt uns kein mitleidiges Laecheln, um uns zu ermuntern, sondern hoert zu, lasst uns ausreden, wenn wir nicht sofort die richtigen Worte finden.
    Wenn ihr die Frage stellt am Ende eines Meetings 'Hat jemand noch Fragen?' dann fuehlt euch wohl, ca 10-15 Sekunden Zeit verstreichen zu lassen, gebt uns diese kurze Zeit, so dass wir unsere (coolen) Gedanken sammeln koennen - wir quatschen naemlich nicht sofort (das ueberlassen wir den wahrscheinlich eher extrovertierten Quatschern), aber wenn wir wissen, dass uns jemand ernsthaft Zeit schenkt und uns hoeren moechte, dann bekommt sie/er auch eine gute Antwort.

    @zlep: ja, ich glaube schon, dass das bedeutet dass du oder die Person, die du beschreibst, eher introvertiert ist, aber das ist doch eher gut (denn du durchblickst leeres Gelaber und fuehlst du bist was besseres wert). Introvertiert sein ist nicht 'still sein', aber ich hab das Gefuehl, Intros haben einfach keinen Bock sich mit sinnlosem, leeren Zeug abzugeben, sondern sagen was, wenn's wirklich wichtig ist, und geben dann ein Stueckchen der riesigen Gedankenwelt preis, auf die sie zurueckgreifen koennen.
  8. #8

    Ungute Entwicklung

    Zitat von zlep Beitrag anzeigen
    25% ist Wichtigtuerei von Schaumschlägern und Blendern, den man sowieso nicht kommentieren muss.
    Da es nun mal in "westlichen Ländern" den anhaltend stärker werdenden Mainstream gibt, dass -meiner Meinung nach zu Unrecht - Extrovertiertheit positiv besetzt (erstrebenswert) und Introvertiertheit als negativ besetzt (zu vermeiden) gilt, wird sich daran nichts ändern.
    Viel gesamtgesellschaftliches Potential geht so verloren. Wie es besser und intelligenter geht, zeigen z.B. einige asiatische Kulturen.
  9. #9

    Hochsensibilität

    Vielen Dank für den Beitrag mit der Herstellung dieser Verbindung zur Hochsensibilität,den kann ich voll und ganz bestätigen. Ich selbst bin ebenso hochsensibel,Informationen hierzu findet man bei einigen Internetforen zu diesem Thema,einfach mal in die Suchmaschine Ihres Vertrauens eingeben.

    Es gibt im übrigen Schätzungen von 15-25 % Hochsensiblen,die einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten,zB als Künstler,Heilberufe,Yoga- und Thai Chi Lehrer etc. Auch als Berater im Hintergrund,denn sie sind meist überdurchschnittlich intelligent und zudem reflektiv.

    Für Großraumbüros oder hektische Berufe sind sie nicht geeignet,da ist der Reizefilter schnell übervoll,was zu raschem BurnOut führt.

    Zum Thema HSP (Highsensitive Person) hatte DER SPIEGEL dankenswerterweise schon den einen oder anderen (sogar) guten Bericht,allerdings fehlte dort die Verbindung zum Thema Introvertiertheit. Im übrigen erinnere ich mich noch an ähnliche Artikel in der Vergangenheit.