Bürowelten: Wenn Beamte um ihre Einzelzellen bangen

AP/dpaIn Bundesbehörden sind die Bürogrößen penibel geregelt: Dem Minister stehen 48 Quadratmeter zu, die Schreibkraft bekommt nur sechs. Der Trend geht auch in Behörden zum Großraum, wie längst in Unternehmen. Manche Mitarbeiter meutern und murren über "Käfighaltung".

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-902453.html
  1. #1

    8

    Hab mal mit 8 Kollegen in einem Großraumbüro gesessen. Da war an konzentriertes Arbeiten nicht zu denken. Dei Konsquenz war, erst kam ich 3 Stunden früher als die Kollegen um ein bisschen alleine sein zu können. Dann hab ich gekündigt. Man hatte, "um die Atmosphäre noch mehr zu lockern" sogar eine Besrpechungstischgruppe in die Mitte des Raumes drapiert. Wenn da was besprochen und diskutiert wurde, konnte man eigentlich gleich Pause machen. Ein einziger Alptraum.
  2. #2

    Jammerlappen

    Was sind doch die Deutschen in Deutschland fuer Jammerlappen.
    Ich habe als Senior Researcher in einem asiatischen Land ein Schreibtisch in einem Grossraumbuero - die durch mich "besetzte" Flaeche ist vielleicht 1.5 m2.
    Wozu braucht eine einfache Schreibkraft denn 6m2 ?
  3. #3

    "Durchgesetzt"

    Es wird sicher in vielen Firmen damit experimentiert, auch ich habe in mehreren Unternehmen mehrjährig Erfahrung damit gesammelt. Es gibt aber genauso viele Studien, die basierend auf der langjährigen Erfahrung mit dieser Arbeitsform zeigen, dass für Tätigkeiten, die wirklich Konzentration erfordern und intellektuell fordernd sind, solche "Bürolandschaften" stark produktivitätsmindernd sind. Es mag ja sein, dass im Bereich Marketing, Werbung o.ä. die offenen Strukturen kreativitätsfördernd sind, aber wenn man konzentriert einen komplexen Vorgang durchdenken oder durcharbeiten möchte, dann stört schon jemand der am Schreibtisch vorbeiläuft die Konzentration.
    Ungünstig außerdem: es werden zwar die "open space"-Büros geschaffen, aber der zweite Schritt (Rückzugseinheiten für konzentriertes Arbeiten) wird dann aus Kostengründen eingespart - übrig bleiben dann vielleicht 2-3 telefonzellenartige Käfige pro 60-Personen-Großraumbüro, in denen maximal ein Telefon, aber kein Computer steht. Somit sind sie für alle Leute, die keinen Laptop bekommen (aus Kostengründen kriegen den ja oft nur Abteilungsleiter, die ihn am wenigsten brauchen), für produktive Arbeit fast unbrauchbar...

    Diese völlig freie Vergabe von Schreibtischen ist dann der Gipfel: jeder, der chronobiologisch eher zum "Eulen"-Typ gehört und vielleicht lieber von 9-19 Uhr arbeitet als von 6-16 Uhr, hat immer das Nachsehen und bekommt immer die schlechtesten Schreibtische (direkt am Durchgang, unter dem Klimaanlagen-Auslass, neben der lärmigen Kaffeeküche, usw. uf.), oder muss entgegen seinem biologischen Rhythmus arbeiten. Bei "mechanischen" Tätigkeiten nicht so problematisch, bei "Denkerjobs" auf Dauer sehr produktivitätshemmend.

    Über all sowas machen sich aber die, die dieser grausigen US-amerikanischen Marotte immer noch anhängen, keine Gedanken. Sie sitzen nämlich nach wie vor im Einzelbüro, das je nach Hierarchiestufe 30 bis 70 qm Wohlfühlfläche mit einer Büroausstattung im Wert von bis zu 15.000 EUR hat... ;-)
    .
  4. #4

    Abspecken

    Wir haben in Deutschland 2 Mio Beamte - die uns übrigens stolze 400 Mrd (in Worten: VIERHUNDERT MILLIARDEN !) p.a. kosten.

    Wir wissen, dass man akzuellen Leistungs-Standard mit 30% weniger Personal problemlos halten kann.

    Zum Staatswohl drängt sich also eine Regelung dergestalt auf, dass die Beamtenschaft den ohnehin überfälligen Personalabbau ohne Murren mitträgt und der Einzelne dafür im Durchschnitt ein 30% grösseres Büro kriegt.
  5. #5

    Zitat von chb_74 Beitrag anzeigen
    Es wird sicher in vielen Firmen damit experimentiert, auch ich habe in mehreren Unternehmen mehrjährig Erfahrung damit gesammelt. Es gibt aber genauso viele Studien, die basierend auf der langjährigen Erfahrung mit dieser Arbeitsform zeigen, dass für Tätigkeiten, die wirklich Konzentration erfordern und intellektuell fordernd sind, solche "Bürolandschaften" stark produktivitätsmindernd sind. Es mag ja sein, dass im Bereich Marketing, Werbung o.ä. die offenen Strukturen kreativitätsfördernd sind, aber wenn man konzentriert einen komplexen Vorgang durchdenken oder durcharbeiten möchte, dann stört schon jemand der am Schreibtisch vorbeiläuft die Konzentration.
    Ungünstig außerdem: es werden zwar die "open space"-Büros geschaffen, aber der zweite Schritt (Rückzugseinheiten für konzentriertes Arbeiten) wird dann aus Kostengründen eingespart - übrig bleiben dann vielleicht 2-3 telefonzellenartige Käfige pro 60-Personen-Großraumbüro, in denen maximal ein Telefon, aber kein Computer steht. Somit sind sie für alle Leute, die keinen Laptop bekommen (aus Kostengründen kriegen den ja oft nur Abteilungsleiter, die ihn am wenigsten brauchen), für produktive Arbeit fast unbrauchbar...

    Diese völlig freie Vergabe von Schreibtischen ist dann der Gipfel: jeder, der chronobiologisch eher zum "Eulen"-Typ gehört und vielleicht lieber von 9-19 Uhr arbeitet als von 6-16 Uhr, hat immer das Nachsehen und bekommt immer die schlechtesten Schreibtische (direkt am Durchgang, unter dem Klimaanlagen-Auslass, neben der lärmigen Kaffeeküche, usw. uf.), oder muss entgegen seinem biologischen Rhythmus arbeiten. Bei "mechanischen" Tätigkeiten nicht so problematisch, bei "Denkerjobs" auf Dauer sehr produktivitätshemmend.

    Über all sowas machen sich aber die, die dieser grausigen US-amerikanischen Marotte immer noch anhängen, keine Gedanken. Sie sitzen nämlich nach wie vor im Einzelbüro, das je nach Hierarchiestufe 30 bis 70 qm Wohlfühlfläche mit einer Büroausstattung im Wert von bis zu 15.000 EUR hat... ;-)
    .
  6. #6

    Leid

    Ich bin einig mit Scriptmaster. Menschen sind eben unterschiedlich. Manchen macht das nichts aus im Raum mit vielen anderen zu arbeiten, und andere koennen gar nicht arbeiten. Ich habe schon alles probiert, Kopfhoerer etc.. Fakt ist, wenn ich in so einem Raum arbeiten muss, mache ich immer alles zu Hause oder am Wochenende. Das ist leider so, Menschen wie mich gibt es auch, und in diesem Fall eben keine Hilfe.
  7. #7

    Leider nur....

    bleiben die Mitarbeiter auf der Strecke.Wer in solch einem Umfeld,
    sprich alle Gespräche mithören müssen ( Geräuschpegel ), null Rückzugsmöglichkeit,arbeiten muss,
    wird sehr schnell feststellen das er nicht mehr die Leistung bringt welche er zu bringen im Stande wäre.
    Fazit ist dann der regelmäßige Termin beim Arzt, Therapeuten oder im schlimmsten Fall die Berufsunfähigkeit.
    Depression und Suizidgefahr selbstredend.
  8. #8

    Zitat von Regulisssima Beitrag anzeigen
    Wir haben in Deutschland 2 Mio Beamte - die uns übrigens stolze 400 Mrd (in Worten: VIERHUNDERT MILLIARDEN !) p.a. kosten.
    D.h. 200.000 Euro pro Beamter und Jahr? Interessante Zahl, aber meine Bezügemitteilung spricht da irgendwie ne andere Sprache...
    Davon abgesehen sollte man den Kosten sinnvollerweise auch den Nutzen entgegensetzen. Haben Sie dafür auch Zahlen parat?

    Zitat von Regulisssima Beitrag anzeigen
    Wir wissen, dass man akzuellen Leistungs-Standard mit 30% weniger Personal problemlos halten kann.
    Können Sie diese mutige Behauptung auch durch irgendetwas belegen? Wenn ich mir z.b. die Berichte über den Personalabbau bei der sächsischen Polizei anschaue, scheint das dort definitiv nicht der Fall zu sein. "aktuellen Leistungsstandard halten" hat für mich eine andere Bedeutung als 40 Minuten auf die Streife warten...
  9. #9

    einfache Rechnung

    Die Produktivitätseinbußen durch Großraumbüros und ähnliche Arbeitsumgebung betragen allen ernstzunehmenden Studien zufolge 30 bis 40 Prozent. Die Einsparungen an Büromieten etc. dürften sich im niedrigen einstelligen Bereich bezogen auf die Mitarbeitergehälter bewegen. Wer die Grundrechenarten auch nur annähernd beherrscht, wird leicht erkennen, ob Großraumbüros etc. wirklich eine Einsparung bewirken. Erkrankungen aufgrund der Lärmbelastung und des damit einhergehenden Stresses kommen noch hinzu.