Mythen der Arbeit: In Deutschland wird zu viel studiert - stimmt's?

CorbisWer erfolgreich sein will, muss ein Studium haben - so die gängige Meinung in Deutschland. Aber während Hunderte Sinologen im 16. Semester versacken, zieht der Meister seine Firma hoch. Arbeitsforscher Joachim Möller über die Gretchenfrage: Nun sag, wie hast du's mit dem Studium?

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-916097.html
  1. #1

    Bild?

    Wieso, liebe SOPN's, nehmt ihr für die Beschreibung des deutschen Akademikter-/Studentenwesens so oft Bilder mit amerikanischen Studenten in feiner Robe... das ist in Deutschland doch weitgehend unüblich?
  2. #2

    Qualität?

    Fast paradox ist, dass die meisten Bildungsforscher Qualität in Studium und Lehre fordern (mit aufgeblasenen backen, versteht sich), aber selbst nur Unfug liefern. Man kann sagen: Die Bildungsforschergeneration, welche die ach so bösen 68er abgelöst hat ist eine Riege von Nieten in Nadelstreifen. Wer sich auf deren leeren Floskeln und Phrasen verläßt, landet im Sumpf der Arbeitslosigkeit - mit nicht verwertbarem Wissen. Leider sind lernende auch nicht gegen brutale Ausnutzung, sinnlose Eintönigkeit und spitzfindige Spezialitäten gerüstet, die ihnen für Geld und Zeit angeboten werden. Da muss es wundern, warum Deutschland noch einen Spitzenplatz hat ...
  3. #3

    Die Frage aus der Artikelüberschrift lässt sich auch so beantworten: "Es kommt drauf an".
    Der Vergleich mit anderen Ländern hinkt, denn dort gibt es keine duale Ausbildung und der Bachelor hat dort fast den Charakter wie bei uns der Gesellenbrief.
    Andererseits kommt man in Deutschland nicht in die höchsten Hierarchiestufen ohne entsprechenden akademischen Grad - gerne auch promoviert.
    Wer jedoch z. B. Fahrzeugtechnik studiert und nachher ins Kfz-Handwerk (als Mechaniker/Mechatroniker) möchte, der hat wohl etwas am Studium nicht ganz verstanden.
  4. #4

    Fachkräftemangel

    Die Wirtschaftswissenschaft lehrt: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Gäbe es wirklich einen Fachkräftemangel in Deutschland wären die Löhne für Fachkräfte höher, beziehungsweise würden steigen. Inflationsbereinigt ist das Gegenteil der Fall.
    Das bedeutet: Entweder es gibt keinen Fachkräftemangel sondern ein Überangebot, oder die grundlegende Theorie der Marktwirtschaft ist falsch.
  5. #5

    optional

    Über-Akademisierung?
    verstehe ich nicht man hört fast täglich, das es an Ingenieuren fehlt. Bildung ist unser Kapital in Deutschland wir haben nun mal keine Erdvorkommen wie Öl, Gas Diamanten oder Gold. so wie in Russland. Aus meiner Sicht neigt Deutschland gerne dazu die Entwicklung, des Menschen am Weiterkommen zu bremsen, ich finde jeder Mensch in Deutschland sollte es in die Wiege gelegt bekommen später an der Universität studieren zu dürfen sofern es dem einzelnen Menschen seinen Fähigkeiten endspricht. Natürlich kann man sich auch nach Quoten richten betreffs der Nachfrage des Uni-Berufes sicher braucht Deutschland als Beispiel keinen Überschuss an Juristen oder Ökonomen wenn es da zu viel davon gäbe da denke ich auch, dass man die Anfrage des Marktes mit berück sichten sollte, ich glaube nicht, dass wir in Deutschland zu viele Häuptlinge haben mit Uni- Abschluss aber wir haben ganz sicher zu viele Indianer die ein Mangel oder gar keine Bildung haben. Da sollte sich die Deutsche Politik sich viel mehr den Kopf zerbrechen und sie sollte vor allem auch für die Menschen die es nicht bis zur Uni geschafft haben dafür sorgen, dass Menschen die nur einen Hauptschulabschluss haben auch die Change haben eine attraktive Arbeit zu finden oder wenigstens eine Arbeit wo, das Einkommen so gestaltet ist, das man davon vernünftig leben kann. Es gibt in Deutschland kein Ressourcen Problem, Ressourcen haben wir zu genüge man muss sie nur vernünftig einsetzten und ich finde auch im Handwerk muss es nicht sein, das man nur noch Hochschulabsolventen den Vortritt lässt.
  6. #6

    Zitat von demokrat_de Beitrag anzeigen
    Wieso, liebe SOPN's, nehmt ihr für die Beschreibung des deutschen Akademikter-/Studentenwesens so oft Bilder mit amerikanischen Studenten in feiner Robe... das ist in Deutschland doch weitgehend unüblich?
    Diese Bilder sind meist Fotos sogenannter Image-Agenturen "Stock Photos", das sind Anbieter von Nutzungsrechten zu Fotos, die dann im redaktionellen Kontext verwendet werden dürfen.

    Dort werden sich von typischen Studentenfotos eben primär welche von US-Studenten finden lassen.
    Immerhin gut für die Symbolik, sollte für jeden verständlich sein.
    Frage beantwortet?
  7. #7

    Ja, es stimmt !

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wer erfolgreich sein will, muss ein Studium haben - so die gängige Meinung in Deutschland. Aber während Hunderte Sinologen im 16. Semester versacken, zieht der Meister seine Firma hoch. Arbeitsforscher <i>Joachim Möller</i> über die Gretchenfrage: Nun sag, wie hast du's mit dem Studium?

    Mythen der Arbeit: Über-Akademisierung - zu viele Studenten? - SPIEGEL ONLINE
    Deutschland hat ein hervorragendes und weltweit anerkanntes duales Berufsbildungssystem. Die dreijährige Betriebsausbildung mit Berufsschule. Eine "Bildungsexperte" sind auf die Idee gekommen, dass eigentlich jeder sein Abitur haben sollte. Schon das ist Blödsinn und die Eltern wollen für ihre Sprößlinge natürlich nur das Allerbeste. Ich frage mich, wozu braucht man im Handwerk Abitur ? Oder muss jeder Azubi bei einer Bank oder Sparkasse das Abitur haben ? Sollten die Berufsanfänger in den kaufmännischen Bereichen alle studiert haben ? Halte ich für daneben. Die praktische Ausbildung hat enorme Vorteile. Es täte uns Deutschen gut, wenn wir diese "Studierwut" ein wenig beschränken würden und die betriebliche Bildung ein wenig aufwerten würden.
  8. #8

    Akademikerquoten

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    [...] Die an den Hochschulen erworbenen Qualifikationen sind aber nicht unbedingt die, die auch von den Betrieben nachgefragt werden. Vielen Absolventen droht - sofern sie überhaupt einen Job finden - eine unterwertige Beschäftigung. [...]
    Genau das erleben doch Absolventen in Südeuropa, in Korea, in China, in Indien, ... - überall dort, wo es den gut qualifizierten "gelernten" (und nicht "angelernten") Facharbeiter so nicht gibt. Die lernen ganz viel theoretisch und kommen dann in Betriebe, wo sie etwas davon praktisch umsetzen müssten und scheitern.

    Es ist ein Irrglaube, dass bei der Akademisierung getreu dem Motto "viel hilft viel" eine möglichst hohe Quote per se einen Fortschritt bringt. Die richtige Mischung macht es: es bedarf qualifizierter "Denker", aber dann auch einer größeren Zahl von "Machern", die praktisch umsetzen, was sich die Denker überlegt haben. Nur Häuptlinge und keine Indianer führt sicher nicht zum Erfolg.

    Daher sehe ich auch nicht die Notwendigkeit, in Deutschland Uni-Absolventenquoten von 50-70% anzustreben, wozu auch? Wir haben ein im internationalen Vergleich hervorragendes berufliches und fachschulisches (Weiter-)Bildungswesen, das z.B. Techniker hervorbringt, die jeden Bachelor von irgendeiner Wald-und-Wiesen-Hochschule in die Tasche stecken, was praktisch im beruflichen Alltag umsetzbare Fähigkeiten und vor allem den fachlichen Überblick angeht. Wenn ich als Laborleiter vor der Wahl stehe, einen Bachelor-Absolventen der Chemie bzw. ähnlichen Fächern oder einen vom Chemielaboranten mehrjährig berufsbegleitend zum Chemietechniker Weitergebildeten einzustellen (vom Gehalt her etwa auf dem selben Niveau), dann weiss ich (unter Ausblendung der individuellen Persönlichkeitsfaktoren) recht schnell, wen ich nehme...
    .
  9. #9

    Duale Ausbildung light ...

    ... sollte man sich einmal näher betrachten.

    In Australien habe ich es kennen gelernt, dass man in einem(!) Jahr zum Elektrotechniker qualifiziert wird. Man ist allerdings nicht "fully licensed", sondern darf nur die üblichen, haushaltsnahen Tätigkeiten ausüben. Für die allermeisten selbstständigen Jobs reicht das auch völlig, und natürlich darf man sich in Oz mit der eingeschränkten Lizenz dann auch für diesen Bereich selbstständig machen.

    Unser deutsches duales System ist zu unflexibel. In etlichen Jahren lernt man den Beruf umfassend, aber für die meisten Tätigkeiten ist das unnötig viel Aufwand.
    Ungutes Ergebnis ist, dass kaum jemand seinen Beruf wechselt, da das ein zweites Mal mit einem derart extremen Aufwand verbunden wäre.