Vorleserin in Zigarrenfabrik: Cohibas drehen, Shakespeare hören

DPAWenn Odalys Lara vorliest, hören immer mehr als 300 Menschen zu. Ihr Arbeitsplatz ist eine Fabrikhalle in Kuba, ihr Publikum sind Zigarrendreher. Die Bücher wählen die Chefs aus. So steht mal Shakespeare auf dem Programm, mal die Parteizeitung.

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...-a-916834.html
  1. #1

    die Chefs haben dazugelernt

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wenn Odalys Lara vorliest, hören immer mehr als 300 Menschen zu. Ihr Arbeitsplatz ist eine Fabrikhalle in Kuba, ihr Publikum sind Zigarrendreher. Die Bücher wählen die Chefs aus. So steht mal Shakespeare auf dem Programm, mal die Parteizeitung.

    Zigarren drehen auf Kuba: Vorleserin liest Arbeitern Shakespeare vor - SPIEGEL ONLINE
    Auch im Deutschland des 19.Jahrhundert gab es in der Zigarreninsustrie Vorleser. Sie wurden aber von den Arbeitern bezahlt, und lasen auch politische und wirtschaftliche Schriften (siehe z.B. über Heinrich Rodenstein oder ein Beitrag zur Erklaerung der Fuehrungsrolle der Zigarrenarbeiter in der fruehen politischen Arbeiterbewegung - Sowip). Durch diesen Informationsvorsprung war diese relativ kleine Gruppe in den Führungen der Arbeiterwewegung sehr stark vetreten.

    Wenn aber die Chefs die Texte ausssuchen, ist diese "Gefahr" weitgehend gebannt,
  2. #2

    Gibt's im Turbokapitalismus demnächst auch

    Allerdings keine Vorleser sondern Flachbildschirme mit Werbefernsehen.

    'Konsum statt Kultur' lautet hier die Devise.
  3. #3

    Vorreiter der Arbeiterbewegung

    Zitat von Friedrich Hattendorf Beitrag anzeigen
    Auch im Deutschland des 19.Jahrhundert gab es in der Zigarreninsustrie Vorleser. Sie wurden aber von den Arbeitern bezahlt, und lasen auch politische und wirtschaftliche Schriften (siehe z.B. über Heinrich Rodenstein oder ein Beitrag zur Erklaerung der Fuehrungsrolle der Zigarrenarbeiter in der fruehen politischen Arbeiterbewegung - Sowip). Durch diesen Informationsvorsprung war diese relativ kleine Gruppe in den Führungen der Arbeiterwewegung sehr stark vetreten.

    Wenn aber die Chefs die Texte ausssuchen, ist diese "Gefahr" weitgehend gebannt,
    Auch in Cuba wurden die Vorleser in den Cigarrenmanufakturen ursprünglich von den Arbeitern selbst bezahlt. Und auch hier war das Klassenbewusstsein bei den Tabakarbeitern am weitesten fortgeschritten.
    Allerdings hatte unter der USA- und Batistadiktatur nicht gerade die Bildung der Arbeiterschaft Vorrang.
    Da heute in den cubanischen Tabakmanufakturen die "Chefs" in der Regel aus der Arbeiterschaft hervorgehen und nicht mehr durch us-amerikanische Aktionäre eingesetzt werden, die Bildung der Arbeiter für störend halten, besteht "diese Gefahr" nicht mehr.