Gewalt in Nordirland: Pro-britische Krawallmacher verletzen 26 Polizisten

AP/dpaBelfast kommt nicht zur Ruhe: In der Nacht auf Samstag kam es zu Krawallen, pro-britische Demonstranten griffen Polizisten an, mehr als zwei Dutzend wurden verletzt. Eine Konfrontation zwischen Loyalisten und Republikanern ging glimpflich aus.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-915864.html
  1. #1

    Krawalle...

    leider vergisst der Spiegel hier mit zu erwähnen, das bei dem ganzen von gestern abend leider auch ein deutsches Auto gebrannt hat aus Heidelberg.

    Dies kann man deutlich am Nummernschild erkennen, welches auf der Seite der Irish Times ist.

    Zitat:
    Die Polizei spricht aber bei Straßenschlachten häufig davon, dass es sich bei den Teilnehmern um Krawallmacher handelt, die um jeden Preis Unruhen auslösen wollen.

    Dies ist richtig, da die allgemeinheit hier in der Stadt auch Ruhe haben will und nicht auf Krawall aus ist.
  2. #2

    Das ist kein Religionskrieg!

    Halten Sie ihre Leser eigentlich für ungebildet? Der Nordirlandkonflikt ist kein Religionskrieg. Religion ist und war in der Region immer nur ein Indikator für eine bestimmte politische Zugehörigkeit. Bitte unterlassen Sie doch endlich Begriffe wie "katholische Republikaner" und "probritische Protestanten". Fakt ist, dass selbst namhafte Protestanten auf republikanischer Seite gekämpft haben (z. B. Wolfe Tone). Fakt ist leider auch, dass die meisten H4-TV-Seher wirklich glauben, dass in Nordirland ein Konfessionskrieg herrscht. Sie tragen mit Ihrer Berichterstattung dazu bei.
  3. #3

    Es ist höchste Zeit...

    daß sich das ehemalige Empire von den letzten Relikten
    seiner ´glorreichen´ Kolonialzeit trennt. Diese hat ja
    wohl mehr als 6 Millionen Opfer weltweit gefordert.
    Auch wenn das großenteils zweit- und drittklassige Menschen waren, wie gewisse Cliquen auch heute noch meinen, es waren Menschen.
    Verdammte christliche Heuchelei.
  4. #4

    optional

    Ich bin dieses Jahr zum dritten mal in Folge zu dieser Jahreszeit in Belfast. Aus eigener Anschauung kann ich der Einschätzung der nordirischen Polizei zustimmen: Die Auseinandersetzungen haben keinerlei politische oder protestierende Dimension, sondern sind ausschließlich von der Lust auf Krawall getrieben.

    Die historische, einstmals sinnvolle Etikettierung als "loyal" und "probritisch" ist heutzutage absurd. Die Krawallmacher sind vornehmlich Jugendliche im Alter von ca. 13 – 20 Jahren ohne politische oder soziale Agenda, welche die Autos ihrer eigenen (ebenfalls protestantischen und britischen!) Nachbarn in Flammen setzen, die eigene Polizei und die eigene Feuerwehr angreifen, somit die eigene Staatskasse schädigen und dabei den eben noch angeblich stolz getragenen Union Jack dabei als Wurfspeer verwenden. Es fällt schwer, darin einen Akt patriotischer, probritischer Loyalität zu sehen.
    Hier wird ein histotrischer Konflikt als Vorwand missbraucht, ein wenig trouble zu machen.

    Zwar gibt es eine handvoll politischer Figuren in Nordirland, die derartigen Krawallen noch immer eine politische Dimension zuschreiben möchten, um damit ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Diese Leute sind dann mit ihren streitsüchtigen Aussagen natürlich in den News zu sehen, wodurch es wirken mag, als sei hier wirklich etwas im Busch. Doch auf den Straßen Belfasts jedoch sieht man auch heute: Das Leben geht normal weiter, niemand hat Lust darauf, zu einem Zeitalter der Troubles zurückzukehren.
  5. #5

    Zitat von UrheberTM Beitrag anzeigen
    Ich bin dieses Jahr zum dritten mal in Folge zu dieser Jahreszeit in Belfast. Aus eigener Anschauung kann ich der Einschätzung der nordirischen Polizei zustimmen: Die Auseinandersetzungen haben keinerlei politische oder protestierende Dimension, sondern sind ausschließlich von der Lust auf Krawall getrieben.

    Die historische, einstmals sinnvolle Etikettierung als "loyal" und "probritisch" ist heutzutage absurd. Die Krawallmacher sind vornehmlich Jugendliche im Alter von ca. 13 – 20 Jahren ohne politische oder soziale Agenda, welche die Autos ihrer eigenen (ebenfalls protestantischen und britischen!) Nachbarn in Flammen setzen, die eigene Polizei und die eigene Feuerwehr angreifen, somit die eigene Staatskasse schädigen und dabei den eben noch angeblich stolz getragenen Union Jack dabei als Wurfspeer verwenden. Es fällt schwer, darin einen Akt patriotischer, probritischer Loyalität zu sehen.
    Hier wird ein histotrischer Konflikt als Vorwand missbraucht, ein wenig trouble zu machen.

    Zwar gibt es eine handvoll politischer Figuren in Nordirland, die derartigen Krawallen noch immer eine politische Dimension zuschreiben möchten, um damit ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Diese Leute sind dann mit ihren streitsüchtigen Aussagen natürlich in den News zu sehen, wodurch es wirken mag, als sei hier wirklich etwas im Busch. Doch auf den Straßen Belfasts jedoch sieht man auch heute: Das Leben geht normal weiter, niemand hat Lust darauf, zu einem Zeitalter der Troubles zurückzukehren.
    Nichtsdestotrotz ist die Ursache der Krawalle die ungelöste politische Situation in Nordirland.

    Sonst gäbe es ja auch in jeder anderen Region Großbritanniens oder in Frankreich oder Deutschland diese Krawalle.

    Und ja, es gibt pro-britische Demonstranten (sehen Sie sich nur in anderen Medien Fotos an, die Demonstranten in Union Jacks gehüllt zeigen), und andere pro-irisch. Letztere wollen tatsächlich zurück zur Republik Irland.

    Es sind sicher auch viele reine Krawallmacher dabei, aber der Situation ihre politische Bedeutung abzusprechen, finde ich sehr fragwürdig, wie oben beschrieben.
  6. #6

    Zitat von paddyman Beitrag anzeigen
    Halten Sie ihre Leser eigentlich für ungebildet? Der Nordirlandkonflikt ist kein Religionskrieg. Religion ist und war in der Region immer nur ein Indikator für eine bestimmte politische Zugehörigkeit. Bitte unterlassen Sie doch endlich Begriffe wie "katholische Republikaner" und "probritische Protestanten". Fakt ist, dass selbst namhafte Protestanten auf republikanischer Seite gekämpft haben (z. B. Wolfe Tone). Fakt ist leider auch, dass die meisten H4-TV-Seher wirklich glauben, dass in Nordirland ein Konfessionskrieg herrscht. Sie tragen mit Ihrer Berichterstattung dazu bei.
    Natürlich ist das auch ein Religionskonflikt. Ebenso ein ethnischer Konflikt.
    Man könnte es als historisch begründeten ethnoreligösen Konflikt bezeichnen.
    Ihr Beispiel von Wolfe Tone ist über 200 Jahre alt, also ich bitte Sie.

    Und wie würden Sie denn diesen Konflikt charakterisieren? Was glauben, warum es ihn gibt, und warum er immer noch nicht beendet wurde?
  7. #7

    britische Polizisten

    kriegen, egal von wem, die Schläge jetzt zurück, die Oliver Cromwell mal verteilt hat. @egowehner: Kolonien sind wieder absolut im Trend. Natürlich geschieht es subtiler als früher, man kauft privatrechtlich - oder pachtet langfristig Agrarflächen. Außerdem sind wir, Deutschland, auch eine inoffizielle Kolonie, eine amerikanische. Und es ist auch hier nicht wahrnehmbar, daß uns das Imperium in die Freiheit entläßt. Warum soll es den Iren besser gehen?
  8. #8

    wie jedes Jahr

    es sind keine religiösen Gründe noch politische. Wenn man sich diese Menschen anschaut, stellt man schnell fest, dass es oft reine Krawallmache ist. Die Unterklasse (white trash) meist protestantisch nimmt eine Pause von fast food, TV oder einfaches binge drinking. Reden sie mal mit denen und sie stellen fest, dass im Vergleich zu der doch politisch sicheren IRA, diese Jungs nicht mal das Wort politics schreiben können oder die neuere Geschichte des Konflikts intellektuell verarbeiten können/wollen.
  9. #9

    Zitat von roastbeef Beitrag anzeigen
    Nichtsdestotrotz ist die Ursache der Krawalle die ungelöste politische Situation in Nordirland.
    Vielen Dank für ihre Antwort.
    Ich möchte Ihner Einschätzung jedoch wiedersprechen.
    Ursache für die Krawalle sind in Klassenstolz, Arbeitslosigkeit, Stadtplanung, Erziehung, historischen Verhältnissen und letztlich einer Identitätskrise zu finden.

    Klassenbewusstsein war im UK stets ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern. Diese kollektive Identität war ein fruchtbarer Boden für allerhand Ideen, Kulturpraktiken und Subkulturen. Die Zelebrierung der eigenen Klassenzugehörigkeit (oder deren Verweigerung) hat nicht nur die berittene Fuchsjagd, Mods, Skinheads und Heavy Metal hervorgebracht. Hierzulande war die Klassenfrage jedoch nie so entscheidend wie im UK. Es ist kein Zufall, dass Dandy, Snob, Punk und Hooligan aus England und eben nicht aus Deutschland oder Frankreich kommen.

    Doch was geschieht mit einer selbstbewussten Klasse, wenn ihr die Grundlage des eigenen Selbstbildes entzogen wird?
    Die britische working class hat jedoch seit dem Ende der 70er einen beispiellosen Niedergang hinnehmen müssen. Belfast, einst eine große Werftstadt, hat heutzutage eine Arbeitslosigkeit, die deutlich über dem Landesschnitt liegt. Das Stadtmarketing bemüht sich redlich, die Vergangenheit als Titanic-Stadt glänzen zu lassen, doch die Realität der Gegenwart besteht in Quadratmeilen brachliegender Industriefläche.

    Was der working class bleibt, sind männlich anmutende Rituale. Tätowierungen demonstrieren Zugehörigkeit und das eigene Selbst, "binge drinking" und "pub crawls" gelten als angemessene Ausgelassenheit, Lautstärke und Gewaltbereitschaft sind Zeichen von Tatkraft und Virilität (was insgesamt im Ausland besonders unangenehm auffällt). Man nistet sich ein in den eigenen Vierteln, die nach dörflichem Vorbild in den 50ern bis 80ern angelegt wurden und in sich geschlossene Communities beherbergen. Verirren sich Fremde über die wenigen Zufahrtsstraßen in diese geschlossenen neighbourhoods wird dies misstrauisch registriert.

    Schatten der gewalttätigen Vergangenheit und Gegenwart beeinflussen das Stadtbild bis heute.
    Erziehung und Kunst werden in Gebäuden erinnern, die eher Gefängnis als Musentempel sind;w er auf dem vergitterten Fußweg über den Westlink nach Hause geht, weiß, wo die Reise hingeht.

    Kurz: Die Kinder der "working class" wachsen auf in einer Umgebung, in der Brutalität romantisiert wird, in der schon das Stadtbild feindselig oder segregierend ist, und die wenige Perspektiven zu bieten scheint.
    Das gilt für die working class im gesamten UK. Aber in Nordirland bieten die jährlich stattfindenden Märsche wenigstens einen willkommenen Grund, einfach mal Dampf abzulassen. Dadurch, dass man diese historisch verbrämt, kann man sich einem gewissen Grundverständnis der Eltern sicher sein: Man war ja selbst mal jung, the kids are allright.

    Ein politischer Konflikt ist das jedoch nicht. Heute nicht mehr.