Salafisten in Tunesien: Herr Arfawis weicher Kurs gegen Extremisten

SPIEGEL ONLINESie ermorden Politiker, greifen Armeeeinheiten an und ziehen nach Syrien in den Krieg: Tunesien hat ein gewaltiges Problem mit gewaltbereiten Salafisten. Die islamistische Regierung versucht zwar, es zu lösen - scheut aber den letzten Schritt.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-913958.html
  1. #1

    Wozu Imame aus dem Ausland?

    Tunesien hat genügend liberale Imame, die von Salafisten aus ihren Moscheen vertrieben wurden und vom Religionsministerium nicht mehr beschäftigt werden. Keinem dieser abgesetzten Imame konnte nachgewiesen werden, dass sie in die Diktatur Ben Alis verstrickt waren. 200 abgesetzten liberalen Imame drohen mit Hungerstreik. Die Union der Imame, die dem Gewerkschaftsverband angehört, fordert die Wiedereinstellung der alten Imame. Es geht der Ennahda darum, den traditionell liberalen tunesischen Islam abzuschaffen. Die Salafisten sind dabei nur nützliche Helfer. Bitte etwas mehr Recherche und nicht nur bei dem Religionsministeruium nachfragen.
  2. #2

    Aber wie löst man das Problem, ohne zum nächsten Algerien oder Irak zu werden? In Deutschland hat seinerzeit das harte Durchgreifen gegen RAF-Sympathisanten die linksextremistische Szene eher gestärkt als geschwächt.

    Das Problem ist, dass die Salafisten durch die selbst erzeugte Gewalt und Angst ihre Kraft beziehen. Urlauber bleiben weg, dadurch steigt die Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit, und man hat wieder mehr potentielle Anhänger, mit denen man mehr Unfrieden stiften kann usw. Das Modell Ägypten ist doch in der derzeitigen Situation ein geradezu idealer Nährboden für Radikalismus. In Syrien, Libyen und im Irak zeigt sich, wie wirkungslos der Einsatz massiver Gewalt gegen radikale Splittergruppen ist, in Afghanistan hat die NATO diesen Kampf bereits verloren.

    Mag sein, dass die Ennahda zu lasch und zu zögerlich ist und die Salafisten nicht nachdrücklich bekämpfen mag, aber die Alternativmodelle lassen auch nicht gerade viel Hoffnung aufkommen. Von Bürgerkrieg und Gewalt profitieren die Extremisten ja. In Syrien und Irak sind sie mittlerweile die treibende Kraft, im Libanon regieren sie das Land. Das Modell "Panzer gegen Terror" ist auf ganzer Linie gescheitert. Wer hat eine zündende Idee, wie man gegen dieses Problem wirkungsvoll vorgehen kann?
  3. #3

    SPON verwirrt mich

    Dann ist die Nahda also vorbildliche demokratische Partei, die die abtrünnigen Salafisten bekehren will. Aha, Warum protestiert dann die "Oberschicht" gegen diese Partei? Die bösen Salafisten, sind gleichzeitig die guten "Freiheitskämpfer" in Syrien. Je nach dem wer bei SPON die Artikel schreibt. Die Muslimbrüder aus Ägypten waren böse, jetzt hat das Militär diese Rolle übernommen. Hier scheint doch auch die "gebildete Schicht" sich gegen die Analphabeten durchgesetzt zu haben. Das ist doch auch im unseren europäischen Sinne, und was macht Ashton? Und alles hat auch noch zu tun mit dem Islam (das nur am Rande), welchen jeder Esel auslegen kann wie er will. Ah, der schöne arabische Frühling. Das einzige was sicher ist, dass er die Tore nach Europa geöffnet hat.
  4. #4

    [QUOTEMag sein, dass die Ennahda zu lasch und zu zögerlich ist und die Salafisten nicht nachdrücklich bekämpfen mag, aber die Alternativmodelle lassen auch nicht gerade viel Hoffnung aufkommen. Von Bürgerkrieg und Gewalt profitieren die Extremisten ja. In Syrien und Irak sind sie mittlerweile die treibende Kraft, im Libanon regieren sie das Land. Das Modell "Panzer gegen Terror" ist auf ganzer Linie gescheitert. Wer hat eine zündende Idee, wie man gegen dieses Problem wirkungsvoll vorgehen kann?[/QUOTE]

    Ich stimme zu, dass diesen Extremisten mit Gewalt nicht beizukommen ist. Nach meiner Meinung taugen zwei Wege:
    1: die moderaten Muslime, die immer noch in der Mehrheit sind müssen endlich aufbegehren. Solange die Mehrheit still bleibt werden die Extremen vielleicht sogar stillschwiegen als die "Aufrichtigeren" bewundert. Erst wenn die Mehrheit den Druck erhöht kann das Problem eingedämmt werden.

    2: Die Salafisten werden mit saudischem Geld ausgebildet und verschickt. Druck auf SA und Quatar diese Praxis einzudämmen ist wirkungsvoller, als die durch diese Imame aufgehtzten Massen wieder einzufangen.

    Desweiteren hilft vielleicht nur, dass die Islamisten sich durch Sceitern entlarfen. Und das Scheitern ist zwangsläufig, wenn der Fremdenverkehr und die ausländischen Investoren wegbrechen. Dann merken diese Länder, dass die Islamisten kein Rezept für die Probleme unserer Zeit haben.
  5. #5

    SpOn und seine Sprachstümper...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Herr Arfawis weicher Kurs gegen Extremisten
    Der hier zur Anwendung gelangende Genitiv verlangt die Deklination des Substantives "Herr" zu "Herrn" ("des Herrn" - nicht etwa "des Herr"!). Bereits in der Überschrift demonstrieren heutzutage manche SpOn-Schreiberlinge ihre Stümperhaftigkeit hinsichtlich der eigenen Muttersprache. Die korrigierte Überschrift lautet: "Herrn Arfawis weicher Kurs gegen Extremisten". Bitte um sofortige Korrektur wegen akuter Augenkrebsgefahr!
  6. #6

    Nadha gemaessigt????

    Das Problem ist, das in Europa die Nadha - die zurzeit regierende Partei immer noch als demokratisch, gemaessigt angesehen wird, nur weil sie einmal gewaehlt wurde, Die Nadha, das sind die gleichen Salafisten, Islamisten oder wie man sie auch immer nennen will. Was haben sie hier in Tunesien nicht schon alles versucht, In der neuen Verfassung stehen nicht mehr die allgemeinen Menschenrechte, wie in der alten. Frauen sollen nicht mehr gleichberechtigt sein, sondern nur noch "Anhaengsel" der Maenner - zurueck ins Mittelalter, nachdem die Frauen in Tunesien seit 50 Jahren gleichberechtigt waren. Haben Hassprediger - keine gemaessigten - hergeholt, die den Tunesiern die Vorteile der Maedchenbeschneidung darlegen sollten. Die 3-Std-Ehe (verkappte Prostitution) sollte wieder eingefuehrt werden - war seit Urzeiten verboten. Etc ETc - also wie kann ein Extremist hart gegen seine Genossen durchgreifen? Dazu die vielen Djihadisten, die hier ausgebildet werden, um die Sicht der Dinge der Regierung auch in andere Laender zu exportieren. Und wenn die Tunesier es jetzt schaffen sollten, diese Regierung wieder loszuwerden, dann wird vermutlich ein Aufschrei durch Europa gehen - wie jetzt bei Aegypten - dass der demokratische Kurs abgebrochen wurde. Dabei kann dieser erst anfangen, wenn diese Islamisten, die heute die Regierung stellen, verschwunden sind, denn die sind die einzigen Nicht-Demokraten in diesem Land, auch wenn sie irgendwann einmal gewaehlt worden sind - dabei faellt mir ein - seinerzeit ist doch auch ein gewisser Hitler ganz legitim und demokratisch gewaehlt worden. War der nicht auch ein lupenreiner Demokrat???????? Man sieht also, demokratisch gewaehlt, heisst noch nicht, dass das auch immer positiv ist.
  7. #7

    Noch fehlt das Verständnis, dass mit weichem Kurs Extremisten befriedet werden können

    Das Gesäusel, das von der Regierungspartei Ennahda in Tunesien wegen der Salafisten aufgeführt wird, hat vermutlich die Aufgabe den Wadenbeißer den sich die Partei wohlwollend zugelegt hat, um ihn gezielt gegen oppositionelle und unliebsame Politiker von der Leine zu lassen, als hochnotpeinliches Übel darzustellen, damit die Bevölkerung das Zusammenspiel von Ennahda und Salafisten nicht in seinem Umfang zu deuten versteht. Diese Vorsichtsmaßnahme wurde getroffen, um nicht einer Vereinigung der oppositionellen Kräfte, wie in Ägypten geschehen, ausgesetzt zu sein und dadurch womöglich einen Aufstand zu provozieren, dem die in ihrer Macht noch nicht genug gefestigte Partei entgegenzutreten sich gezwungen sähe. Eine Machtenthebung durch das Militär hat die Regierung infolge dessen Schwäche wohl nicht zu befürchten und sie muss nur noch Sorge tragen, dass bis zu den nächsten aufmerksam vorzubereitenden Wahlen, die Weichen für eine zukünftig ungefährdete Machtübernahme nach allen Seiten abgesichert ist und die Salafisten ungestört und wohlwollend ins Regieren eingebunden werden können.
  8. #8

    Auf welche Seite stellt sich dieser Artikel?

    Es ist mir bereits bei einem ähnlichen Spiegel-Artikel vor ein paar Tagen über die poltitische Lage in Tunesien aufgefallen: Kommt es mir nur so vor, oder sympathisiert der Spiegelredakteur mit der Ennahda-Partei?
    Es ist doch völlig klar, dass die Ennahda-Partei die Salafisten, Extremisten und Islamisten indirekt unterstützt! Der Spiegel oder dieser Redakteur berichtet aber so vorsichtig über die Nahda, dass man denken könnte diese Partei und die Salafisten sind total unterschiedlich und teilen nicht die gleichen Werte. Mir kommt der Artikel nicht gut genug recherchiert vor. Der Präsident der Partei hat nach dem Wahlsieg nach der Revolution Tausende aus dem Gefängnis entlassen, die teilweise wiederrum unschuldige Menschen umgebracht haben. Das Ziel der Ennahda ist doch absehbar, worin unterscheiden sie sich denn von den extremistischen Islamisten?

    Der Spiegel selbst bezeichnet die Ennahda als islamistische Partei, aber säkulare Tunesier würden die Religiösen trotz ihrer ideologischen Unterschiede alle in einen Topf werfen. Ist das tatsächlich so? Ist die Ennahda Partei wirklich so harmlos und unschuldig, mit ganz anderen Werten als die radikalen Islamisten?
    Ich glaube die Mehrheit der Tunesier wünscht sich einfach eine Partei bzw. Regierung, die für Ordnung und Sicherheit im Land sorgt, und einen friedlich ausgeübten Islam. Wie sollen denn die Salafisten verschwinden, wenn die Nahda Partei an der Macht bleibt und wenn Oppositionspolitiker umgebracht werden?
  9. #9

    optional

    Es ist wie in Deutschland, nur das die radikalen Christen noch nicht zur Gewalt übergegangen sind, aber sie operieren jeden Tag, egal ob Piusbrüder oder Evangelikale, alle predigen sie Hass auf Muslime und wollen die Grundrechte einschränken und die deutsche Religionsparteien mit dem C im Namen, aber nicht nur die, lehnen jede Beobachtung dieser Gruppen durch den Verfassungsschutz ab. Wenn die sich radikalisieren, haben auch wir tunesische Verhältnisse - und in Frankreich ist es inzwischen soweit, da greifen christliche Eiferer inzwischen hier und da schon zur Gewalt.

    Wenn wir in Zukunft friedlich leben wollen, und das gilt für jedes Land, dann geht das nur, wenn man die religiösen Eiferer knallhart bekämpft und das heißt, dann notfalls auch Kirchen und Moscheen geschlossen werden: Die Religionsfreiheit kann kein Freibrief dafür sein, die Grundwerte Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte infrage zu stellen. Was man keinem Nazi und keinem Kommunisten zugestehen würde, bei Religionen wird das einfach im Namen der Religionsfreiheit alles hingenommen. Das kann doch nicht wahr sein!