Lammerts Doktorarbeit: "Bei Promotionen wird heute mehr erwartet als früher"

imagoWaren die Regeln der Wissenschaft in den siebziger Jahren laxer, als Norbert Lammert promovierte? Fußnoten und Zitate mussten auch damals stimmen, sagt der renommierte Politologe Manfred G. Schmidt. Aber natürlich gab es schwarze Schafe.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-913951.html
  1. #1

    Früher laxer?

    Früher laxer?

    Ich hatte vor Jahren das Vergnügen die Promotion eines Urgroßvaters einer Freundin aus den 1890ern zu lesen, das waren einige handgeschriebene Seiten.
    Ich denke das Anforderungsprofil hat sich im Laufe der Jahre definitiv gewandelt.
  2. #2

    Heute fördern und schützen Unis Plagiate

    Leider ist es in der echten Wissenschaft, also z.B. der Biophysik, viel schlimmer als in sog. Laberfächern, wo man praktisch nur einen Aufsatz schreiben muß. Sowohl Bayern als auch die Ombudsstelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft kehren eindeutige Plagiate (gemäß den Uni-Richtlinien) völlig unter den Teppich. Gestohlene Ideen, Material und Forschungsergebnisse sind mit Bestnoten - vergleichbar mit Guttenberg - bewertet, die Täter am Ende sogar zum Professor befördert. Deutschland braucht keine Industriespionage, wenn es die besten Wissenschaftler selbst bestiehlt.
  3. #3

    eigenartige Dissertation

    "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung" daraus liest der Normalmensch:
    wie der Ortsverein einer Partei in der Politik mitmischt.

    Das soll nun wegweisendes, vorbildliches und wissenschaftliches Studienmaterial sein, auf dem weitergehende Forschung aufbaut?
    Man wundert sich schon, was sich so manche Doktorväter und -mütter aus den Fingern saugen.
    Der Eindruck, dass es sich ausschliesslich um den lebenslangen Vermerk des Dr.-Titels auf dem Türschild und der Visitenkarte und nicht um Wissenschaft handelt, kann nicht widerlegt werden.

    Im übrigen wird vielen Doktoren/innen die Tatsache zum Verhängnis, dass Dr.-Arbeiten heute besser überprüfbar sind, so wie in jedem heutigen Laptop ein Vielfaches der Rechenkapazität einer APOLLO-Mission steckt.
    Auf Prüfung der Doktorarbeit Dr. Merkels darf man gespannt sein-wenn sie denn dereinst gefunden werden sollte.
  4. #4

    Ein interessanter Gedanke, dass Doktorarbeiten,

    die vor 40 Jahren geschrieben wurden, ausschließlich mit den heutigen Regeln und Instrumenten beurteilt werden müssen und die Pädophilie bei den Grünen vor 30 Jahren aus deren Sicht Fehler sind, die „aus der Zeit heraus erklärt werden können“. (Michael Vesper, Grünen Mitbegründer).
    Na, dann ist ja alles in Ordnung.
    Ich frage mich, wie viel der Denunziant mit dem Pseudonym „Robert Schmidt“ wohl dafür bekommt und vor allem, von wem.
  5. #5

    Frage an Herrn Prof.Schmidt:

    Halten Sie 750 Stunden für die Überprüfung einer Dissertation für notwendig und gerechtfertigt? Dazu käme ja noch die wissenschaftliche Beurteilung ! Wie kann sich ein Doktorand vor späteren Vorwürfen schützen (die Vorwurfsgründe ändern sich ja)? Kann z.B. eine Fehlersuchkommission vor der wissenschaftlichen Beurteilung eingeschaltet werden,die dann auch die Verantwortung trägt ? können Sie nicht mal eine Dr.-Arbeit über dieses Thema vergeben ? Viel Spaß bei den 750 Stunden -Beurteilung! Im Übrigen: Vielen Dank für den aufschlußreichen Hinweis auf ihren Linksaußen -Kollegen !
  6. #6

    Regeln

    Ich habe an der GHS Duisburg in den 70ern Politische Wissenschaften studiert. In den ersten zwei Semestern gab es ein Fach, in dem nur das korrekte Zitieren gelehrt wurde. Das wurde ungeheuer ernst genommen.
  7. #7

    die überprüfung durch die eigene uni ist ein witz

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Waren die Regeln der Wissenschaft in den siebziger Jahren laxer, als Norbert Lammert promovierte? Fußnoten und Zitate mussten auch damals stimmen, sagt der renommierte Politologe Manfred G. Schmidt. Aber natürlich gab es schwarze Schafe.

    Wissenschaft in den Siebzigern: Interview mit Manfred G. Schmidt - SPIEGEL ONLINE
    ganz offensichtlich, hat lammert große angst, sonst hätte er die arbeit von UNABHÄNGIGER seite überprüfen lassen und nicht von der uni, bei der er selbst honorarprofessor ist. die eine krähe hackt der anderen kein auge aus. die überprüfung durch die eigene uni ist so sinnvoll wie wenn unser verteidigungsminister die drohnenaffaire von der cdu spitze untersuchenlassen würde. jedem ist klar was bei dieser untersuchung rauskommen wird: alles sauber, weitermachen. bananenrepublik
  8. #8

    Denunzianten

    Fraglos sind Plagiate, insbesondere dort, wo es um den Erwerb eines wissenschaftlichen Titels geht, in keiner Weise akzeptabel. Wo immer ein solches Vergehen auffällt, muss es für den Plagiator entsprechende Konsequenzen haben.

    Aber heiligt der Zweck wirklich jedes Mittel?
    Ist es akzeptabel, dass selbsternannte Sittenwächter ANONYM und gezielt bzw. nur gegen die Mitglieder ganz bestimmter Parteien zu Felde ziehen, so dass man keineswegs den Eindruck hat, es gehe ihnen tatsächlich um die Wissenschaft (die hohen Entlohnungsangebote für den Fall des Erfolges bestätigen bestätigen disen Verdacht).

    Wer meint, Doktorarbeiten überprüfen zu müssen, soll sich gefälligst outen. Wer dies im Dienste der Wissenschaft tut, dürfte damit auch kein Problem haben. Wer es tut, um bestimmten Personen zu schaden, ist ein ekelhafter Schmutzfink, hat gesellschaftliche Ächtung verdient, nichts sonst. Die Aufregung um die Machenschaften der Geheimdienste ist sonst eigentlich nicht so recht glaubwürdig.
  9. #9

    Wie hat der Lammert es gemacht?

    In irgendeiner Tageszeitung (Süddeutsche, Welt, Tagesspiegel) habe ich gelesen, wie Norbert Lammert geschönt haben soll. Es waren putzige Sachen drunter, wie, dass er einen englischen Buchtitel ins Deutsche übersetzt hat, obwohl es das Buch auf deutsch gar nicht gibt. Das kann ein Versehen sein oder, wie ich meine, Kreativität. Eine andere Sache war, dass er wissenschaftliche Diskussionen aus Büchern als eigene Meinung ausgegeben haben soll. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber wenn, dann ist das ein klarer Verstoß gegen (auch 1975 geltende) wissenschaftliche Regeln. Auch, wenn ich das selbst schon praktiziert habe. Was man dann damit macht, weiß ich nicht.