Aufwachsen in Neuseeland: Wir Trümmer-Jugendlichen

DPAMitmischen, anpacken, gestalten: Ein Erdbeben hat in Neuseeland eine Jugendbewegung in Gang gesetzt und einen neuen Gemeinsinn entfacht. Wir-Gefühl statt Ego-Shooter.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/a...-a-912537.html
  1. #1

    Im Westen nichts Neues

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mitmischen, anpacken, gestalten: Ein Erdbeben hat in Neuseeland eine Jugendbewegung in Gang gesetzt und einen neuen Gemeinsinn entfacht. Wir-Gefühl statt Ego-Shooter.
    Als Vorbemerkung: "Wir-Gefühl statt Ego-Shooter". Echt jetzt? Was für ein "Schenkelklopfer". Ja, klar, wir wissen ja ALLE, dass ALLE PC-/ Videogamer total asozial sind. Ganz besonders die mit den "Killerspielen".

    Ansonsten - mal wieder ein typischer Schulspiegel-Artikel, leider. Thema eigentlich sehr interessant aber:
    Bei Jugendthemen interviewt man grundsätzlcih nur Studierende, warum? Haben andere Leute keine Meinung? Leute ohne "was mit Design"-Bätschelor können sich nicht artikulieren? Oder sind das noch Nachwehen vom ERASMUS-Auslandsbesäufnis, wo man eh nur unter seinesgleichen blieb?
    Dieses Muster zieht sich für mich durch die meisten dieser Artikel, egal ob es um Arbeitslosigkeit in Spanien oder die Hoffnungen von jungen Leuten in der Ukraine geht. Da guckt ja der deutsche Pauschaltourist noch eher über den intellektuellen und sozio-demografischen Tellerrand als die Spiegel-Redaktion...
  2. #2

    optional

    Dummes Wortspiel. In den "Ego-Shootern", welche ich spiele (CS:S, BF, Planetside) ist Teamarbeit und Taktik die absolute Grundlage für einen Erfolg...
  3. #3

    optional

    Also bei uns vor paar Monaten das Wasser in allen Kellern meiner Stadt stand hat auch die ganze Stadt sich gegenseitig geholfen. Trotzdem hat sich keine "Jugendbewegung" daraus gebildet, warum? Weil es vollkommen normal ist, sich in Notsituation gegenseitig zu helfen.

    Zumal die ganze Geschichte in dem Artikel vollkommen aufgeblasen ist und eine verzerrte Realität wiedergibt. "Wir suchen Freiwillige, um den Garten einer sehr netten Dame morgen herzurichten, [...] Ich kann nach zwölf, ich liebe Gartenarbeit", antwortet Charlotte innerhalb weniger Stunden." Da wird aus einer Fliege ein Elefant gemacht, damit man eine Story hat, worüber man schreiben kann. Sehr gut SpOn/DPA.
  4. #4

    el-gato-lopez hat recht

    Ja, es gibt eine unbewusste Geringschätzung händischer Arbeit in unseren modernen Gesellschaften westlicher Prägung. Man schaue sich nur die zentralen Forderungen und Förderungen der Bildungspolitik an. Warum gibt es z.B. nicht ein BAFÖG für handwerkliche Lehrberufe? Und es gibt m.E. einen Snobismus der selbsternannten Intelligenzia!
    Wenn "immer nur" studierte junge Menschen journalistisch auftreten zeigt das zweierlei: Erstens, gerade Redakteure zeigen oft und gern den Habitus des Snobismus (s.o.). Und das führt zweitens zur Auswahl der Interviewpartner. Warum sin im Falle Neuseelands die tausenden "helfenden Hände" zu Wort gekommen? Dann hätte erkennt werden können, dass die guten Ideen wichtig und notwendig sind. Aber ohne einen anpackenden Unterbau wären sie verpufft. Und, el-gato-lopez, Du mach Dich frei von Deiner Underdog-Perspektive, sie wird Dir nur zugeschrieben, Du bist frei!
  5. #5

    optional

    Die Kritik, es würden wieder nur Studenten befragt, als ob es niemand anders gäbe, greift - meiner Meinung nach - zu kurz. In dem Artikel geht es um freiwillige Helfer, die Hilfsarbeiten übernehmen oder unentgeltlich helfen. Dafür haben junge Handwerker - männlich und weiböich - nach einem Erdbeben keine Zeit: Sie werden dringend als Profis beim Wiederaufbau der Stadt bzw. der Umgebung benötigt und sind deshalb beruflich voll im Einsatz. Junge Zimmerleute, Maurer, Installateure, Elektriker, Strassenbauer, Maler, Gärtner etc. haben/hatten in Christchurch beruflich mehr als genug zu tun. Freiwillige Hilfseinsätze sind trotzdem sehr sinnvoll - wie man ja auch kürzlich in den deutschen Überschwemmungsgebieten gesehen hat. Und auch da hat man diesen Einsatz durchaus positiv vermerkt.
  6. #6

    Bafög für handwerkliche Berufe?

    Die Meisten handwerkl. Lehrberufe, ausgenommen vielleicht Frisöre, kommen im 2. Lehrjahr schon locker über den Bafög- Höchstsatz. Warum dann Bafög? Wobei noch die Hälfte zurück bezahlt werden muss.
  7. #7

    Muster

    Zitat von cobaea Beitrag anzeigen
    Die Kritik, es würden wieder nur Studenten befragt, als ob es niemand anders gäbe, greift - meiner Meinung nach - zu kurz. In dem Artikel geht es um freiwillige Helfer, die Hilfsarbeiten übernehmen oder unentgeltlich helfen. Dafür haben junge Handwerker - männlich und weiböich - nach einem Erdbeben keine Zeit: Sie werden dringend als Profis beim Wiederaufbau der Stadt bzw. der Umgebung benötigt und sind deshalb beruflich voll im Einsatz. Junge Zimmerleute, Maurer, Installateure, Elektriker, Strassenbauer, Maler, Gärtner etc. haben/hatten in Christchurch beruflich mehr als genug zu tun. Freiwillige Hilfseinsätze sind trotzdem sehr sinnvoll - wie man ja auch kürzlich in den deutschen Überschwemmungsgebieten gesehen hat. Und auch da hat man diesen Einsatz durchaus positiv vermerkt.
    Natürlich sind die Einsätze sinnvoll.

    Als Naturwissenschaftler fällt mir diese ausgeprägte "Sample-Verzerrung" bei diesen Artikeln aber schon seit längerem auf. Vielleicht bin ich dazu wenig "gefühlig" und zu stark auf Rationalismus und Empirismus geeicht...
    Nehmen Sie jedes beliebige Jugendthema - i.d.R. sind es Reportagen und Interviews mit Abiturienten oder Studierenden (im Uni-Spiegel kein Problem, den der richtet sich ja explizit an Studenten). Ich würde sogar so weit gehen, dass es sogar ein Bias in Richtung Geisteswissenschaftler gibt ;)

    Wenn mir dann ernstahft ein Journalist erzählen will, er habe zur Jugendarbeitslosigkeit in Italien nur 5 Politolgie- 2 Kunst- und 3 Literaturstudis auftreiben können oder bei solchen grossen Hilfprojekten mit hunderten oder tausenden Freiwilligen einzig Studenten gefunden. I don't buy it. Das klingt für mich nach Pre-Selektion.

    Schlimm wird's, weil so der Eindruck in einem grossen Medium vermittelt wird, einzig Bildungsbürger interessierten sich für Themen wie Freiwilligenarbeit, Kampf gegen Rechts, Umweltschutz etc. etc. Andererseits fühlen sich gerade in Deutschland viele Leute mit diesem Image und dem dazugehörigen Kastendenken pudelwohl..
  8. #8

    Ego-Shooter und die jugendliche hilfe zur Aufbau einer statt in einem Kontext zu bringen, zeugt nicht gerade von einer journalistischen Höchstleistung. Wobei ich mir nicht sicher bin ob nur die Wortwahl etwas unglücklich gelaufen ist.
  9. #9

    Zitat von el-gato-lopez Beitrag anzeigen
    Natürlich sind die Einsätze sinnvoll.

    Als Naturwissenschaftler fällt mir diese ausgeprägte "Sample-Verzerrung" bei diesen Artikeln aber schon seit längerem auf. Vielleicht bin ich dazu wenig "gefühlig" und zu stark auf Rationalismus und Empirismus geeicht...
    ...
    Wenn mir dann ernstahft ein Journalist erzählen will, er habe zur Jugendarbeitslosigkeit in Italien nur 5 Politolgie- 2 Kunst- und 3 Literaturstudis auftreiben können oder bei solchen grossen Hilfprojekten mit hunderten oder tausenden Freiwilligen einzig Studenten gefunden. I don't buy it. Das klingt für mich nach Pre-Selektion. ....
    In dieser allgemeinen Formulierung stimme ich Ihnen völlig zu. Vor allem, wenn es um Jugendarbeitslosigkeit geht, ist die Beschränkung auf Studis natürlich kontraproduktiv. Vor allem, weil die Herkunftsländer selbst (z.B. Spanien) derzeit versuchen, die Ausbildung in Handwerks- und Industrieberufen zu verbessern. Aber da auch in Deutschland Arbeitgeber am liebsten schon für das Verlegen von Bodenbelägen etc. Abiturienten - mindestens aber Relaschüler - wollen, sind Jugendliche ohne solche Schulabschlüsse (auch in D) benachteiligt. Ganz abgesehen davon, dass es in vielen anderen Ländern bisher wenig gute Ausbildungen in solchen Berufen gibt (Ausnahme z.B. Polen, wobei dort die Ausbildung fast ausschliesslich in Schulen erfolgt).

    Dass so oft (und oft ausschliesslich) Studis befragt werden, liegt vermutlich daran, dass sie a) besser erreichbar sind als Lehrlinge (die kann man nicht einfach im Gang der Hochschule oder auf dem Campus ansprechen und befragen - da müsste man in Betriebe gehen) und b) daran, dass Studis wohl oft einfach eloquenter und damit zitierbarer sind. Für Artikel, die unter Zeitdruck entstehen, ist es also viel einfacher, einen Jurastudenten oder eine Historikerin zu einer Aussage zu kriegen, als einen Mechatronikerlehrling oder eine in Ausbildung befindliche Hochbauzeichnerin. (Was nicht heisst, dass das der richtige bzw. beste Weg wäre.)