Medizinstudenten im Präp-Kurs: "Menschliche Körper - absolut faszinierend"

Sven Doering / Agentur FocusComputer können zeigen, wie Organe aussehen. Aber wie fühlt sich ein Muskel an? Wie reagiert Gewebe, wenn der Arzt hineinschneidet? Fünf Studenten erklären, warum sie Präp-Kurse weiterhin für richtig halten.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-910145.html
  1. #1

    Moralisch nicht vertretbar

    Abgesehen von der beschädigten Würde der Toten muß man sich auch mal über die die durch Präp-Kurse entstehenden immensen Kosten unterhalten. Man kann die gleichen Lerneffekte haben wenn man später während des praktischen Jahres unter Aufsicht am lebenden Objekt übt. Dadurch fällt die moralische Problematik weg und es werden sogar Kosten eingespart, da die Aufgaben von unbezahlten Studenten übernommen werden können. Wenn man die Patienten gezielt auswählt haben Fehler auch keine signifikante Verkürzung der Lebenserwartung zur Folge.
  2. #2

    Fragliche Präsentation des Themas

    Wie hier das Thema präsentiert wird ist sehr fraglich. Das Foto der sezierten Leiche ist absolut unnötig. Wenn man mit Medizinstudenten spricht haben sie einen grossen Respekt vor diesen Körpern. Und sie machen sich sehr viel Gedanken. Doch das Foto nach dem Motto, den haben wir ganz schön seziert ist geschmacklos. Ich empfehle allen den Artikel im Heft NZZ Campus von November 2011, ab Seite 39. http://issuu.com/nzzcampus/docs/campus_20111129_.
    Hier wird das Thema richtig angegangen. Da wird beschrieben wie die Studenten vorbereitet und begleitet werden. Es werden die Gefühle und die Arbeiten beschrieben. Es wird aufgezeigt, woher diese Körper stammen. Also, Information statt Effekthascherei. So wie es in diesem Falle journalistisch angebracht wäre.
  3. #3

    Natürlich...

    ... müssen die Studenten weiterhin an echten Körpern die anatomischen Strukturen erlernen. Was für ein Unfug, dies verbieten und die Studenten auf irgendwelche Computerprogramme verweisen zu wollen. Solche Vorschläge können nur von Leuten kommen, die absolut keine Ahnung von Anatomie haben. Und die scheinen auch nicht zu wissen, was "Moral" bedeutet (die Präp-Kurse sollen ja aus "moralischen Gründen" verboten werden).
    Aber auch die wollen, wenn sie krank sind, fachgerecht behandelt und operiert werden. Wie das gehen soll, wenn die Ärzte den Körperaufbau nur von Bildern kennen, ist ihnen anscheinend gleichgültig.
    Im Übrigen stammen die präparierten Leichen alle von freiwilligen Körperspendern, die damit offensichtlich kein Problem hatten. Und davon gibt es derzeit noch mehr als genug. Diese gesamte Diskussion über ein Verbot ist also weder hilfreich noch notwendig...
  4. #4

    Zitat von specialsymbol Beitrag anzeigen
    Abgesehen von der beschädigten Würde der Toten muß man sich auch mal über die die durch Präp-Kurse entstehenden immensen Kosten unterhalten. Man kann die gleichen Lerneffekte haben wenn man später während des praktischen Jahres unter Aufsicht am lebenden Objekt übt. Dadurch fällt die moralische Problematik weg und es werden sogar Kosten eingespart, da die Aufgaben von unbezahlten Studenten übernommen werden können. Wenn man die Patienten gezielt auswählt haben Fehler auch keine signifikante Verkürzung der Lebenserwartung zur Folge.
    Die Würde der hier präparierten Toten wird absolut gewahrt. Die Körperspende ist freiwillig, der Umgang mit den Körpern ist meiner Erfahrung nach immer mit Respekt vor diesem Akt verbunden.
    Wie sie es mit der Moral handhaben offenbaren sie ja aber auch direkt selbst. Lieber an kranken Alten schnibbeln als an Toten. Die sterben ja sowieso bald.
  5. #5

    Zitat von specialsymbol Beitrag anzeigen
    Abgesehen von der beschädigten Würde der Toten muß man sich auch mal über die die durch Präp-Kurse entstehenden immensen Kosten unterhalten. Man kann die gleichen Lerneffekte haben wenn man später während des praktischen Jahres unter Aufsicht am lebenden Objekt übt. Dadurch fällt die moralische Problematik weg und es werden sogar Kosten eingespart, da die Aufgaben von unbezahlten Studenten übernommen werden können. Wenn man die Patienten gezielt auswählt haben Fehler auch keine signifikante Verkürzung der Lebenserwartung zur Folge.
    Nun ja, mir persönlich wäre es schon lieber, wenn derjenige der an mir rumschnippelt schon etwas praktische Erfahrung am Objekt vorweisen kann und dieses nicht "nur" aus Büchern und Filmen kennt...
  6. #6

    Ich bin

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Computer können zeigen, wie Organe aussehen. Aber wie fühlt sich ein Muskel an? Wie reagiert Gewebe, wenn der Arzt hineinschneidet? Fünf Studenten erklären, warum sie Präp-Kurse weiterhin für richtig halten.

    Mediziner-Ausbildung: Sind Präparierkurse moralisch vertretbar? - SPIEGEL ONLINE
    absolut dafür, dass Medizinstudenten ihre künftige Arbeit an realen Körpern erlernen und nicht an irgendwelchen IT-Simulationen (um *Himmels* willen). Sie können das auch gern mit meinen Überresten dereinst machen (und dabei auch von mir aus Witze reißen - Distanz gehört dazu).

    Trotzdem ist dieses Foto grinsend um eine Leiche stehender Personen eine unglaubliche Geschmacklosigkeit.
  7. #7

    @specialsymbol

    Die "Leichen" haben sich vor dem Kurs selbst dazu entschieden. Sogar vor dem eigenen Ableben... Aber bitte, wenn Sie Studenten am lebenden Subjekt Fehler machen lassen wollen, dann gehen Sie voran und tragen Sie die Konsequenzen, falls Sie nen tauben Arm haben, weil der Student versehentlich dachte, daß sei eine eingewachsene Wäscheleine...
  8. #8

    Wirtschaftliche Optimierung auf Kosten der Patienten?

    Zitat von specialsymbol Beitrag anzeigen
    Man kann die gleichen Lerneffekte haben wenn man später während des praktischen Jahres unter Aufsicht am lebenden Objekt übt. Dadurch fällt die moralische Problematik weg und es werden sogar Kosten eingespart, da die Aufgaben von unbezahlten Studenten übernommen werden können.
    Anatomie ist eines der absoluten Grundlagenfächer eines jeden Mediziners. Dennoch kommt es immer wieder zu Fehlern im medizinischen Alltag, die mit besseren Anatomie-Kenntnissen vermieden werden könnten. Wollen Sie allen Ernstes, dass Medizinstudenten erst im praktischen Jahr, also ganz am Ende ihrer Ausbildung, an lebendigen Patienten üben? Dies würde nicht nur unnötigen Druck auf Studenten und Betreuer ausüben, sondern es würde in meisten Fällen vermutlich den Patienten schaden.
    Ich möchte auch ganz klar betonen, dass ich bzgl. des Präparierkurses keinerlei moralische Bedenken sehe. Wenn das Gehirn nicht mehr funktioniert und der Mensch tot ist, dann stellt er nur noch eine organische Molekülverbindung dar, die nach Beerdigung sowieso von Mikroorganismen zersetzt wird.
    Außerdem würden Sie nicht glauben wie viele Menschen ihren Körper gerne der Wissenschaft spenden, um nach ihrem Tod wenigstens etwas sinnvolles mit diesem zu tun.
  9. #9

    Wessen Moral?

    Gerade, wenn es um ein Thema wie den Tod geht, kann man nicht pauschal für alle entscheiden. Was nun ein "moralischer" Umgang mit dem Leichnam ist, hat für jeden eine sehr persönliche Bedeutung - so wie es Menschen gibt, denen eine baldige, pietätvolle Bestattung wichtig ist, gibt es andere, die sich wünschen, dass ihr Körper nach dem Tod noch einen praktischen Nutzen erfüllt, sei es im Präp-Kurs oder als Organspender. Das ist beides völlig legitim, solange rechtzeitig und ausführlich aufgekärt wird und der eigene Wille ensprechend kommuniziert und festgehalten wird.
    Das Lernen am Leichnam aus moralischen Gründen abzulehnen, erscheint mir daher ziemlich heuchlerisch - ein Feigenblatt vor dem eigentlichen Problem, das im Artikel auch angeschnitten wird: der Präp-Kurs ist schlichtweg zu teuer, die meisten anatomischen Institute können und/oder wollen sich das nicht mehr leisten.

    Zu behaupten, man könnte dieses Wissen an anderer Stelle problemlos aufholen (am lebenden Patienten? Ernsthaft?) halte ich zumindest für kritisch, zumal der Präp-Kurs einer der lernintensivsten Kurse des gesamten Medizinstudiums ist.