Bewegungsunfähiger Student: Sozialstaat gegen Constantin

SPIEGEL ONLINEEr kann sich kaum bewegen, aber er studiert Jura, will arbeiten, vielleicht heiraten: Constatin Grosch, 20, wäre ein Musterbeispiel für die gelungene Inklusion behinderter Menschen - wenn ihn nicht die Sozialgesetze hindern würden.

Constantin Grosch: Student kämpft für Inklusion - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Raster

    Willkommen im Rasterstaat, es gibt unzählige andere mit ähnlichen Problemen welche durch ein Sieb fallen das mit frühzeitiger Diagnose geflickt werden könnte.
  2. #2

    Eine ganz ehrliche Meinung

    Sehr geehrter Herr Grosch,

    hier meine ganz ehrliche Meinung:
    Ich habe mehrere Bekannte mit unterschiedlichen Einschränkungen. Um so mehr habe ich sehr großen Respekt vor Ihrer Lebensfreude und Ihrer Ausdauer. Ich hoffe, dass Sie Ihren Lebensentwurf leben können, mit Heirat, Familie, Beruf und Allem.

    Für das, was unsere Gesetzgebung mit Ihnen (und anderen Betroffenen) macht, habe ich ein sehr deutliches Wort: Das ist Sozial-Euthanasie - Ausschluss der Menschen mit Behinderungen aus unserer Gesellschaft mit dem Argument, das sei besser für alle Beteiligten.
  3. #3

    Das ist Deutschland! Du darfst leben, aaaber...

    Das ist Deutschland! Du darfst leben, aber bitteschön so wie der Staat es will.
    Wo kämen wir da hin, wenn jemand sein Leben in die eigene Hand nimmt und positiv kreativ mit den Sozialgesetzen umgehen will?
    Die Zensursula hat sich diesbezüglich ja bisher nicht mit Ruhm bekleckert.
    Leider schreitet in diesem Land die Enthirnung immer weiter fort, an ihre Stelle treten Willkür, Machtgier und Stereotypen.
    Aus Untertanen auf dem Weg zum Bürger entwickeln sich wieder vermehrt dumpf nickende Untertanen.

    Constantin, gib nicht auf und folge Deinem wahren Willen!
  4. #4

    Sozialstaat ist nicht Sozialstaat

    Sozialstaat ist nicht Sozialstaat sondern Klientelstaat. Und dann bleibt für die wirklich Bedürftigen nichts mehr übrig.
  5. #5

    Hut ab!

    Viel Erfolg bei der Initiative - Deutschland braucht mehr Menschen wie Herrn Grosch die ihr Leben selbst in die Hand nehmen.
  6. #6

    das prinzip der subsidiaritaet ist in grenzen sicherlich richtig, wird hier aber eben so falsch angewandt wie bei harz 4 empfaengern, die sich selbst helfen koennten, aber einfach nicht wollen
  7. #7

    Respekt

    ... an ihn! Was für ein Behörden-Irrsinn. Da möchte ein junger Mensch trotz seines erheblichen Handicaps noch was aus sich machen, und wird so hängen gelassen. Wünsche ihm alles Gute!
  8. #8

    Fahrdienst

    wird in BaWü als freiwillige Leistung der Kommunen behandelt. Da wird einem dann mitgeteilt, dass einem ein Budget für alle Fahrten im Jahr von 500€ gewährt wird. Das mag für einen Normalbürger hoch klingen, doch reicht es für einen Behinderten mit Assistenzbedarf noch nicht einmal für eine Fahrt im Monat.
  9. #9

    Plakativ und deutlich zu stark simplifiziert

    Vorweg, ich bin Verfechter eines umfassenden Sozialstaats, gleicher Chancen für (möglichst!) alle, Mindestlöhnen, höherer Steuern, besserer Bildung und medizinischer Versorgung. Gerne auch eine flexiblere Verwaltung, wann immer es im für die Gesellschaft bezahlbaren Umfang geht (wenn es sich selbst trägt, auch wenn nur langfristig, sowieso), sollten behinderte Menschen in ihrem Streben nach Glück unterstützt und gefördert werden.
    Aber: Pflege kostet 8.000€ im Monat. Er verdient das nicht. Jetzt könnte man abstrakt mit Geld argumentieren. Aber das greift ja zu kurz. Geld ist gleich Arbeitszeit anderer Menschen oder Waren. Geld kann gedruckt werden, aber damit ist noch nicht der Mensch versorgt, der sich um Constantin kümmert (bezahlt bzw. gekleidet, Wohnung, Essen, wie gesagt, Geld ist nur eine Bemessungsahl für echte Werte). Und bei 8.000€ reden wir von 2 gut bezahlten Vollzeitstellen (inkl. Lohnnebenkosten). Wenn wir ehrlich sind: Beim aktuellen Gehalt von Pflegekräften reden wir eher von 3 Stellen. Nichts für ungut, aber wo kommt das her / synonym: Wer bezahlt das? Es kann nur durch den Verzicht anderer erreicht werden. Und ich weiß von Gesprächen im Freundeskreis, dass diese Ansicht nicht populär ist, es ist einfach viel schöner zu sagen "ja, der Staat soll das alles machen", weil man selbst so unbetroffen und dabei moralisch wirken kann...und dabei nicht versteht, dass alles was konsumiert wird, auch irgendwie hergestellt werden muss. Wenn wir sagen, dass jeder ein gutes Leben haben soll, Lebensglück, klar, das ist nur nur monetär zu bemessen, aber die Studie über die 4 G's ist ja nicht alt, Geld gehört nun mal dazu.... Dann müssen für Pflege, Auto-Umbauten, usw., was weiß ich alles, sagen wir mal 100.000€ pro Jahr aufgewendet werden. Und wieder: Nicht das bedruckte Papier, sondern 2-3 Menschen, die sich nur um Constantin kümmern und dafür vom Rest der Gesellschaft gekleidet, gefüttert...ich wiederhole mich. Long Story short: Ich kann hier teilweise unsinniges, aber kein ungerechtes Verhalten unseres "Staates" (=Behörden oder wer auch immer da jetzt dran hängt) erkennen. Ích hasse es wirklich, den FDP-Slogan "Das kann der Staat nicht bezahlen" zu verwenden.... Aber hier trifft er meiner Meinung nach zu. Es ist schade, dass wir nicht unendlich Zeit und Ressourcen haben, aber hier ist es nicht viel anders als wenn man sagt, dass es ungerecht ist, wenn wenige reich und viele arm sind. S hart das klingt, es ist ebenso wenig fair, wenn viele verhältnismäßig viel dafür zahlen müssen, dass einer seinen Traum verwirklichen kann, anstatt "einfach nur" angemessen versorgt zu werden. Ich kann es in meiner Situation einfach behaupten, aber ich glaube wirklich, dass ich das nicht von der Gesellschaft erwarten würde.