Arbil im Nordirak: Zitadelle der Zukunft

Getty ImagesArbil will zur Tourismusmetropole aufsteigen - im vom Terror erschütterten Irak eine heikle Aufgabe. Doch die Stadt im kurdischen Teil des Landes bietet gute Voraussetzungen: Die Sicherheitslage ist stabil, die Wirtschaft boomt. Jetzt soll die aufwändig restaurierte Zitadelle Reisende anlocken.

http://www.spiegel.de/reise/fernweh/...-a-908165.html
  1. #1

    Erbil.., kontrovers...

    Also ich bin derzeit in Erbil / Arbil oder auch Hawler wie es in der kurdischen Sprache heißt. Eine interessante Stadt, laut, staubig, heiß, dichter Verkehr.
    Sicher schön und gut etwas der Verfasser da geschrieben hat, Kurdistan muss aber erst mal seine prinzipiellen Problem lösen. Arbeitsplätze (über 60 % der arbeitenden Bevölkerung arbeiten beim Staat, Korruption ist weit verbreitet, bei Kreditkarten werden nur Mastercard und ab und zu Visa akzeptiert, ansonsten Bares ist Wahres…

    Öffentlichen Transport außer Taxis gibt es nicht, außerhalb der großen Hotels spricht man kaum englisch, und frage nie einen Taxifahrer nach dem Weg oder (versuche) ihm zu sagen wo Du hinwillst, außer den Shopping Malls und großen Hotels weiß er nichts, weder sprachlich noch sonst was. Das sind nur bessere Fahrer.
    Und, Zeitangaben wann was fertig ist kann man vergessen, aus einigen Wochen werden ruck-zuck einige Monate wenn nicht Jahre…
    Und zu guter Letzt, billig ist nichts in Erbil, außer man begnügt sich mit den Grundnahrungsmitteln. Samoun, das Krakisch/Kurdische Brot, 10 Stück kosten 1000 IQD (ca. 60 Eurocents…)…, ansonsten ist das Essen in den halbwegs vernünftigen Lokalen teurer als in Europa…, ein Problem für die ein heimische Bevölkerung da die Gehälter beim Staat nicht sehr hoch sind, dafür ist die Arbeitszeit kurz.
    Außerhalb Erbil sind die Leute extrem konservativ, Ehrenmorde sind fast schon an der Tagesordnung, darüber liest man aber nur sehr wenig…, nichtsdestotrotz, die Leute sind nett und Gastfreundlich…
  2. #2

    In der Tat kontrovers!

    Wie der vorige Schreiber schon erwaehnt hat, nicht alles ist Gold, was glaenzt. Das Zitadellencafé zum Beispiel hat Anlaufprobleme, weil eine einzige Stelle der Verwaltung einen Stempel verweigert, alle anderen haben kein Problem mit der Idee eines Cafés innerhalb der Zitadellenmauern, das noch dazu nicht teurer ist als anderswo in der Stadt. Prozesse sind nicht definiert / undurchsichtig / staendig wechselnd und persoenliche Verbindungen steuern oft den Ausgang von Behoerdengaengen.

    Das Marketing Kurdistans verweist auf den wichtigsten Standortvorteil, naemlich Sicherheit. Das ist die eine Seite und ohne Einschraenkung wahr. Aber wirklich viel touristisch Interessantes zu bieten hat die Stadt Erbil nicht ausserhalb enger Grenzen. Das von der Zitadelle aus fotografierte Bild vom Bazar zeigt treffend, wie ausserhalb der Zitadelle nur schnell cachiert statt richtig renoviert wird. Klar, die neuen Fassaden werten die Stadt auf; man sieht aber sofort im Vorbeigehen, dass dahinter die haesslichen Gebaeude und Verschlaege sind, die einem auf Schritt und Tritt dort begegnen. Natuerlich haben einige der Maerkte auch Charme, aber diese sind fuer Touristen nur schwer zu finden.

    An sich ist Erbil eine ueberwiegend langweilige Stadt, die jedoch Ambitionen hat, mit den moderneren Staedten des Nahen Ostens zu konkurrieren. Das wird auch gelingen, aber nicht bis 2014. Zu viel fehlt noch an Infrastruktur, denn bis vor 10 Jahren war Kurdistan in etwa irakisch-Sibirien. Mehr als verstaendlich, dass es nach so viel Jahren der Inaktivitaet sehr viel zu tun gibt und es ist loeblich, dass sich trotz ausufernder Korruption doch Fortschritt sehen laesst. Fuer westliche Touristen sind die relativ einfach gestrickten Freizeitparks, die Zitadelle und der Bazar m.E. jedoch nicht ausreichend als Tourismusziel.

    Fremdsprachenkenntnisse sind ausserhalb internationaler Hotels sehr begrenzt, was die Sache fuer Individualtouristen nicht leichter macht ebenso wie das Fehlen von brauchbarem Kartenmaterial oder gut auffindbarer und verlaesslicher Autoverleihfirmen. Fuer innerstaedtische Taxifahrer kommt es v.a. darauf an, Touristen abzuzocken wenn sie nicht genau wissen, was eine Fahrt kostet. Schliesslich gibt es keine Taxameter.

    Dass der "heisse, staubige Alltag" in seinen besten Momenten nach Kebab und Rosenwasser duftet ist nur die eine Seite der Medaille. Rosenwasser wuerde ich eher ins Reich der Fabel verweisen; dass es vor allem aufgrund der Art der Nutzwasserentsorgung in weit mehr Momenten beissend stinkt sollte naemlich nicht unerwaehnt bleiben. Es ist eine aufstrebende Stadt mit wenig Masterplanung. Dazu kommt das voellig fehlende Umweltbewusstsein, das selbst die Landschaften entlang der Strassen zu den sehenswerten Touristenzielen mehr nach Muellhalde als sonst irgendetwas aussehen laesst. Es wird noch mindestens 10 Jahre brauchen, bis sich das eingestellt hat und dann wird die Region auch fuer westliche Touristen interessant, die nicht einen auf Backpacker machen.
  3. #3

    optional

    Ich finde es merkwürdig, dass, trotz hoher Arbeitslosigkeit die Kellner aus Indien kommen. In den Golfstaaten kann man sich leisten, aber wollen die Kurden diese Jobs nicht?
  4. #4

    Kellner aus Indien

    Die Erklärung ist ganz einfach. Der Präsident hat den Kurden versprochen aus Kurdistan en zweites Dubai zu machen, ergo, man muss nicht mehr arbeiten sondern lässt arbeiten...
  5. #5

    Auch Christen

    Eine weitere Information verdanke ich einer anderen Quelle. Ganz in der Nähe liegt die christliche Siedlung Ankawa mit immerhin 40.000 Einwohnern. Das soll eine ziemliche Kneipenszene sein. Eine kurdische Webseite macht damit Werbung zwischen den Zeilen. Gut für Araber, die das nicht so eng sehen. Ja was wohl? Das Alkoholverbot sehen sie nicht so eng. Gut auch für einen Deutschen, der im Urlaub mal ein Bier trinken möchte.
  6. #6

    Kneipenszene?

    @Olaf53 - unter einer Kneipenszene wuerde ich etwas anderes verstehen. Aber fuer irakische Verhaeltnisse ist es ganz ok. Selbst ausserhalb von Ainkawa ist es kein Problem, Alkohol zu bekommen und nachts ist das Autofahren wegen den ganzen betrunkenen Fahrern noch aufregender als tagsueber. Es gibt auch ein paar wenige Clubs zB im Tangram Hotel im Sueden der Stadt. Fuer bierduerstige Deutsche empfiehlt sich der Deutsche Hof in Ainkawa. Auf Schweinefleisch muss man aber grundsaetzlich verzichten.
  7. #7

    Sehr weit daher geholt @heaventown !!
    60 % der Arbeiter in der Dienstleistung sind Inder oder Pakistaner ...die mindestens die Grundkenntnisse im englischen drauf haben .... Ein zweites Dubai halt ...nicht viel sondern zuviel Öl !! Deshalb sin die Amis so früh raus da ... Die Kurden waren Verbündete und somit eine sichere Nahrungsquelle für die Amis in Zukunft ...was zumindest das Öl betrifft !!