Abiturientin und Hauptschüler: Zukunft? Kommt darauf an

DPADie eine muss sich nach dem Abi nur noch für den richtigen Weg entscheiden. Der andere hofft, nach seinem Hauptschulabschluss überhaupt eine Wahl zu haben. Mit Lara und Nico treffen zwei Schüler einer Generation aufeinander, deren Zukunft unterschiedlicher kaum sein könnte.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/a...-a-908339.html
  1. #1

    Traurige Naivität

    Ich weiß nicht was genau ich von allem halten soll. Auf der einen Seite finde ich es schön, dass sich der Jugendliche für Projekte einsetzt. Andererseits mutet sein Traumziel im Berufsleben doch etwas naiv an. So bin ich einerseits beeindruckt, dass er trotz der Umstände recht vernünftig zu sein scheint, aber andererseits doch sehr Naiv über die Wirklichkeiten in diesem Land ist. Aber aufgrund des Alters ist dies wohl entschuldbar.

    Zu der Abiturentin lässt sich nicht viel sagen. Sie entspricht im positiven und negativen dem typischen Personenbild aus besseren Verhältnissen.
  2. #2

    Das Abitur ist heute keine Garantie mehr...

    ...um einen gutbezahlten Job zu ergattern da es im Studium härter zugeht (Master- Bachelor) als noch vor einigen Jahren. Nur die Auswahl zum Scheitern und Burnout ist bei Abiturienten breiter gestreut.
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die eine muss sich nach dem Abi nur noch für den richtigen Weg entscheiden. Der andere hofft, nach seinem Hauptschulabschluss überhaupt eine Wahl zu haben. Mit Lara und Nico treffen zwei Schüler einer Generation aufeinander, deren Zukunft unterschiedlicher kaum sein könnte.

    Eintritt ins Berufsleben von Abiturientin und Hauptschüler - SPIEGEL ONLINE
    (fast) die ganze Problematik in einem Satz geschildert:

    Nicos Mutter ist alleinerziehend und arbeitslos. Sie hat gerade nicht viel Zeit für ihn und seinen Bruder.
    Man müsste annehmen, dass sie sich vor Zeit nicht retten kann. Schade, dass individuelle Kompetenzlücken solche Auswirkungen haben. Ich wünsche Nico alles Gute, er wird es nicht leicht haben. Lara wünsche ich natürlich auch alles Gute.
  4. #4

    Zitat von betaknight Beitrag anzeigen
    Andererseits mutet sein Traumziel im Berufsleben doch etwas naiv an.
    Was soll denn daran naiv sein wenn ein Hauptschüler gerne Fleischereifachverkäufer werden möchte?

    Ich meine was soll er sich denn zum Ziel setzen wenn er gerade darum kämpft die Hauptschule zu schaffen? Architekt? Arzt? Millionär?

    Da erscheint mir Fleischereifachverkäufer doch schon eine sehr realitische Wahl.
  5. #5

    Zitat von doytom Beitrag anzeigen
    ...um einen gutbezahlten Job zu ergattern da es im Studium härter zugeht (Master- Bachelor) als noch vor einigen Jahren. Nur die Auswahl zum Scheitern und Burnout ist bei Abiturienten breiter gestreut.
    Je nach Studienfach und Uni gehts auch heute im Studium nicht härter zu als früher. Auf jeden Fall anders geworden ist in den letzten 10 Jahren allerdings der Einstieg ins Berufsleben wo es heute deutlich schwerer ist als Berufsanfänger einen unbefristeten Vertrag zu bekommen.
  6. #6

    Es mutet fast wie ein Wunder an ...

    ... dass die Welten der beiden mit dem Jugendzentrum überhaupt einen Berührungspunkt haben.

    Jugendliche unterschiedlicher Schichten wachsen heute sozial viel entmischter auf, als das noch vor 20 oder 30 Jahren üblich war.

    Damals (jetzt fange ich an wie meine Eltern zu klingen) war es normal, dass man im Sport oder in der Feuerwehr einen Querschnitt der Gesellschaft traf (vom Heimkind bis zum Akademikerspross, von der Hauptschule bis zum Gymnasium war da alles mit dabei).

    Wenn ich heute meinen Sohn zur Musikschule und zum Sport fahre, finde ich es fast schon gruselig, wie sozial ähnlich uns da alle sind (und das in einer Mittelstadt, die eigentlich wenig Raum für soziale Entmischung lässt).
  7. #7

    2004 hatte ich nach schrecklichen fünf Jahren meinen Hauptschulabschluss mit 3,0 erreicht. Heute mache ich meinen Master in Medieninformatik und gehöre zu dem "besseren Drittel" im Semester. Ich kenne genug, die einen ähnlichen Lebenslauf haben und heute studieren. Meistens in MINT-Fächern oder Wirtschaftswissenschaften.

    Hauptschülern steht auch alles offen, man muss nur den Schritt gehen können, den die Masse nicht geht. Stück für Stück sein Recht erkämpfen. Hätte mir damals jemand erzählt auf der Abschlussfeier 2004, ich würde mal ein Semester in China studieren und hätte einen 1,8 BSc in Medieninformatik, ich hätte genauso wenig daran geglaubt, wie an den Weihnachtsmann.
  8. #8

    Berufseinstieg heute: Leichter und schwerer

    Pauschal halte ich die Aussage, dass der Berufseinstieg heute schwieriger als für die Generation der in den 1960er- und (frühen) 1970er-Jahren Geborenen sei, für eine etwas steile These.

    Insbesondere die Baby-Boomer (1964 wurden alleine in der alten Bundesrepublik mehr als eine Million Kinder geboren) hatten durchaus keinen leichten Stand. Ich erinnere mich an die Schwierigkeiten vieler, überhaupt einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu finden (vom Wunschberuf mal ganz zu schweigen) und an die ganzen Akademikerschwemmen (Lehrerschwemme, Juristenschwemme usw.), die mit dem Berufseintritt dieser Generation verknüpft waren.

    Vielleicht haben heute Befristungen für Berufseinsteiger in Berufen mit nach wie vor (trotzdem demografischem Wandel) reichlichem Arbeitskräfteangebot zugenommen und die Mobilitätsanforderungen sind gewachsen. Insgesamt weist die im EU-Vergleich sehr geringe Jugendarbeitslosigkeitsquote in Deutschland aber nicht auf größere Probleme in diesem Alterssegment hin. Die Beobachtungen bei meinen Studenten (Leute, die heute zu Porsche und Daimler zum Praktikum oder Berufseinstieg gehen, wären früher bei irgendwelchen drittklassigen KMU gelandet) runden das Bild ab.
  9. #9

    Unbestritten

    Unbestritten; die freie Entfaltung des Individuums gehört zu den höchsten Gütern einer freiheitlich pluralistischen Gesellschaft.

    Auf dem Foto (und leider auf der Straße) sehe ich schlechte Kopien von angloamerikanischen Clowns, die ihre Position am Rande der Gesellschaft zelebrieren und mit albernen Käppis und Pluderhosen eine Zukunft jenseits des Jobcenters und Aushilfsjobs erwarten....