Glastonbury Festival: Matsch Satisfaction

DPADas Glastonbury Festival ist das größte Pop-Ereignis Englands. Festival-Gründer Michael Eavis erfüllt sich einen lange gehegten Traum: einen Auftritt der Rolling Stones. Zum Aufwärmen gab es viel Matsch - und umjubelte Konzerte von Haim und den Arctic Monkeys.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/g...-a-908512.html
  1. #1

    Wenn der Autor über ein Ereignis berichtet wird, bei dem er schon nicht vor Ort ist, empfehle ich für das nächste Mal, auf einen verlässlicheren Wetterbericht zurück zu greifen.
  2. #2

    Abgesang

    Die geringe Resonanz hier scheint mir symptomatisch für den Niedergang der Relevanz der Popmusik als Identifikationsvehikel zu sein. Die „Generation Pirate Bay“ hat sich die Festplatten mit irgendwelcher Musik gefüllt, und längst den Überblick über all die Files verloren. Die zur Musik der Stones gehörende Subkultur existiert einfach nicht mehr. Es ist wie beim Jazz: Die verräucherten Jazzclubs von New Orleans sind zu Touristenfallen mutiert. In den heutigen Clubs dominiert ein stupides Bumm Bumm als Gymnastik- und Extasy-Soundtrack. Die Musik stagniert in einem desaströsen Ausmaß. Wieder geht eine Kulturepoche zu Ende, sie wird museal, und entfernt sich vom Zeitgeist.

    Kaum einer kennt noch die propagierten neueren Bands. Sie vermitteln ihre kaum noch vorhandene Message nur noch einer kleinen Fangemeinde. Die Stones sind schon seit über 40 Jahren nicht mehr relevant, bei Bowie sind das vielleicht 30 Jahre. Die Rockmusik hatte ihre Blüte in der Epoche zwischen 1963 und 1975, danach wurde der Traum zunehmend zum ordnerbewehrten Albtraum zu Wucherpreisen. Der Nachwuchs versagt total, das hängt damit zusammen dass keine authentische Szene mehr existiert, und dass sich die Kreativen angewidert vom Kommerz-Spektakel distanziert haben.

    In Deutschland ist es ja ähnlich: Ein paar Altstars ziehen mit Sattelschleppern durch die Mehrzweckhallen und beschallen ihre alte Fangemeinde. Die Industrie versucht weitgehend vergeblich, neue Acts zu etablieren. Die unzähligen kleinen alternativen Labels sind aus dem Geschäft verdrängt worden, und somit ist die authentische Szene im Eimer. Übrig bleiben die über die Massenmedien gepushten Retorten-Acts wie Lady Gaga und Madonna, die trotz der Downloads noch nennenswerte Umsätze generieren. Irgendwann macht sich dieser Raubbau an der künstlerischen Substanz aber deutlich bemerkbar. All die Retortenbands erreichen ihr Publikum nicht mehr, es beginnt das große Studio-Sterben und die wenigen verbliebenen Star-Produzenten erzeugen weitgehend gleich klingende Acts ohne künstlerische Relevanz. Was Deutschland betrifft ist die Ära der Pop-Musik jedenfalls Geschichte. Und in GB wäre ohne die zahllosen tingelnden Altstars wohl auch nur wenig los.
  3. #3

    1975ff.

    Zitat von W. Robert Beitrag anzeigen
    Die Rockmusik hatte ihre Blüte in der Epoche zwischen 1963 und 1975, danach wurde der Traum zunehmend zum ordnerbewehrten Albtraum zu Wucherpreisen. Der Nachwuchs versagt total, das hängt damit zusammen dass keine authentische Szene mehr existiert, und dass sich die Kreativen angewidert vom Kommerz-Spektakel distanziert haben.
    An Ihrem Post ist einiges dran, aber nur ein völlig verbohrter Althippie würde die Ära relevanter Popkultur mit 1975 abhaken. Bis in die späten 90er gab es noch zeitlich begrenzt kreative Ausbrüche und authentische Renitenzen gegen den industriellen Moloch.

    Der echte, endgültige "paradigm shift" war m.E. 2000, napster war zugleich Verstärker und Symptom eines allgemeinen Ideenverlustes.

    Im Nachhinein betrachtet wird es wahrscheinlich gerade die historische Würde der sterbenden Popkultur ausmachen, das selbst ihren talentierteren zeitgenössischen Protagonisten zur allgemeinen geistig-moralischen Degeneration der westlichen Gesellschaften in den Neokonservatismus nicht mehr eingefallen ist als Retro-Musik, die nur noch Altbekanntes aus den 70ern und den Postpunk-80ern plündern konnte.
  4. #4

    Kein Abgesang!

    Liebe(r) W. Robert,

    Glastonbury ist immer ausverkauft, sogar wenn die Stones headlinen. Also kein Abgesang, sondern einfach anders. Die Musik hat sich geändert, mit allem was dazu gehört. Man mag den vergangenen Zeiten nachtrauern, aber dann ist man auch nur noch die Zielgruppe vom 32. Joe Cocker Album! Ich kann das Gejammer (auch der Industrie) nicht mehr hören, es gab immer schlechte und gute Musik, daran wird sich nix ändern. Und die Endscheidung trifft immer noch der Käufer oder User, ob an der Kasse oder am PC, und der ist nicht immer mit den Stones groß (alt) geworden.
  5. #5

    abgesang auf den abgesang

    [QUOTE=W. Robert;13094927]
    erst einmal muss ich ihrem beitrag in bezug auf "pop", sprich dem mainstream zustimmen. ich denke jede musik verliert ihren reiz wenn sie vor ein breites puplikum gezerrt wird (außer vielleicht klassische musik, aber das ist eine andere baustelle).
    ansonsten hört sich das ganze jedoch nach "früher war alles besser" und "die böse jugend" an, ein gesang so alt wie die menschheit, in die wohl jede generation aufs neue einstimmt.
    Die wahrheit ist: so richtig sie mit ihrer bemerkung über zum bersten gefüllte datenspeicher liegen, so falsch erscheint mir ihr urteil.
    das internet als medium mit seinem filesharing und dergleichen ist zugleich eine unglaubliche plattform für die verbreitung von indie-musik. natürlich sind das andere stile als früher, aber es herrscht eine unglaubliche bandreite an bands, die man gar nicht kennen würde, richtete man sich nach den 3 verschiedenen songs die täglich im radio laufen, geschweige denn nach dem was in den charts so alles zu finden ist.
    Natürlich hören diese musik nicht alle. andererseit werden wohl auch zu rockmusik zeiten schlager und dergleichen gelaufen sein. eine veränderung ist unbestreitbar, aber das ist oberfläche.
  6. #6

    oh gosh

    hallo Leute, ein Tag Regen, das ist nix. die Tickets kaufen wir immer, schlafen in unserm 4x4, vom Netbbook Linux via backb...gute Nacht bald. glasto rulez. das gejammer die Musik sei tod, ich mach sleber welche, red wine grr
  7. #7

    Glasto forever!

    "das größte Pop-Ereignis Englands" - wohl eher Europas. Auch dieses Jahr habe ich drei Abende und zwei Nachmittage lang vor dem Fernseher meinen kleinen Kindern gezeigt, wo Mami "vor ihnen" mal war: dem besten Ort auf Erden! Schön, dass Glastonbury in Deutschland noch relativ unbekannt ist, so dass bei unserem nächsten Versuch and Karten zu kommen weniger Konkurrenz besteht.
    Und SPON: Schickt doch mal wen hin, der dann auch mal einen echten Artikel schreibt und nicht aus den Glasto-Artikeln der letzten Jahre einen neuen zusammenstückelt mit Einwürfen wie : "laut britischen Medienberichten". Man kann ja von einem Medien-Outlet wir dem Spiegel erwarten, dass ein Mitarbeiter des Kulturresorts BBC3 gucken kann (hat die Arctic Monkeys, Rolling Stones und Mumford live in voller Länge ausgestrahlt) und eventuell auch auf die Webseite geht, wo die Highlights nochmal per Video zu sehen sind. Ich habe gerade im Hintergrund die Rizzle Kicks laufen, sehr unterhaltsam.
    http://www.bbc.co.uk/events/ej58q9/videos/p01c2sgk#p01c27yf
  8. #8

    [QUOTE=W. Robert;13094927]Die geringe Resonanz hier scheint mir symptomatisch für den Niedergang der Relevanz der Popmusik als Identifikationsvehikel zu sein.


    Die geringe Resonanz ist die Symptomatik bei ,,Unbekanntes Festival".

    Am Donnerstag hat es etwas geregnet bis Freitag morgen, insofern hat der Autor durchaus recht mit seinem schrieb zum Einstieg etwas Matsch.

    Das Festival war genial und die Engländer reizend, wie immer .

    Das line up sollte man sich mal anschauen, unzählige Bühnen, unzählige Bands und Areale. Aussteller, Künstler, Strassentheater, Workshops, Greenpeace, kinderbespassung uvm....

    I Love it