Bestatterin: "Der ist tot, da hilft auch keine Schminke"

CorbisSägespäne rein, Kuscheltier dazu, Deckel drauf - so stellt man sich eine Beerdigung nicht vor. Wie es in der Branche wirklich zugeht, warum zugenähte Augen grenzwertig sind und Priester manchmal vor Musik fliehen wollen, erzählt eine junge Bestatterin aus Berlin.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-906960.html
  1. #1

    Vertrauen ist gut ...

    ... Kontrolle ist besser. Meine Mutter sagte schon 1979 zum Tode meines Vaters: "Der rechnet hier Decken und Kissen ab und rät uns den Toten so in Erinnerung zu behalten, wie wir ihn gekannt haben. Wer weiß, wie oft der die gleichen Sachen an die Leute verkauft." Offene Aufbahrung als Vertragskontrolle, so kann man es eben auch sehen und das ist vielleicht gar nicht so falsch. Sich den Toten noch einmal anzusehen, ist auch eine Form, den Tod nicht zu verdrängen.
  2. #2

    Wie das?

    Da steht: "Wenn jemand stirbt und bei uns anruft,,,"
    Wie das, aus dem Jenseits?
  3. #3

    Trauerkultur?

    Finde ich in D schon lange barbarisch. Da gibt es viele Gründe. Einfach mal nach Italien schauen, wie dort mit den Toten umgegangen wird. Eben eine andere Kultur.
  4. #4

    tot ist tot,

    bei den Moslems oder Juden, gibts, bis auf wenige Ausnahmen keinen solchen Auflauf, der/die Tote wird in ein Tuch gwickelt und basta, meist sind teure Särge oder teure Grabstätten eh nur der Ausdruck des schlechten Gewissens der Erben !
  5. #5

    also spätestens dann würde ich den Beruf wechseln.
    Aber die deutsche Sprache ist manchmal was richtig lustiges :)
  6. #6

    Achtung in Berlin

    Wenn man in Berlin zu Hause stirbt und nicht der Hausarzt den Tod feststellt, dann wird der Leichnam beschlagnahmt und liegt zunächst wohl meist bei Münzel in der Kühlung. Achtung, die Münzel-Leute sagen einem nicht, daß das Krematorium Baumschulenweg auch kühlt, und zwar im Preis inbegriffen. Überprüft auch ob der "eigene" Bestatter sinnloserweise hin - und her kutschiert, in die eigene Kühlung, jeder sinnlose Transport kostet ca 200 EUR. In Baumschulenweg kann man zudem kostengünstig und würdig Abschied nehmen, bei Münzel gucken sie extrem auf die Uhr und es ist extrem teuer dort. Ich hatte zwei Tode in der Familie letztes Jahr, und sobald der Tote in den Händen der Bestatter ist klingelt die Kasse. Die nutzen Unwissenheit und Schock schamlos aus. Wenn ihr in Würde Abschied nehmen wollt, auch mal 2-3 Stunden, dann besprecht das VORHER mit Altersheim, Krankenhaus oder älteren Angehörigen. Für meine Oma zB war das ganz und gar kein Tabu-Thema.
  7. #7

    ärgerlich

    Ich bin selbst Bestatterin -in Hamburg, also auch einer Großstadt- und frage mich, warum die Dame nicht unter ihrem echten Namen spricht. Das klingt für mich nicht wirklich glaubwürdig. Alle anderen machen die "bösen" Sachen, nr sie nicht. Warum dann inkognito?

    Das Thema der Aufbahrung am offenen Sarg ist ein keikles. Aber nach 20 Jahren Berufserfahrung muß ich sagen, daß jemandem, der seine Toten noch einmal sehen will, daß fast schon unbedingt möglich gemacht werden sollte. Allerdings bedeutet das u.U. erheblichen Aufwand, der dann natürlich auch mit nicht geringen Kosten einher gehen kann. Eine thanatopraktische Behandlung ist mitunter sehr zeitaufwändig. Leider nimmt der Wunsch nach einem Abschied am offenen Sarg sehr schnell wieder ab, wenn klar wird, daß hierfür bezahlt werden muß.

    Glücklicherweise hat sich aber auch in unserer Branche viel verändert. Kein seriöser Bestatter wird Preisinfos zurückhalten und immer in der Lage sein, zu benennen, wie sein Endpreis sich zusammen setzt. Ebenso ist aber auch jeder zukünftige Kunde für sich selbst oder seine Angehörigen zur Eigenverantwortung aufgerufen. Glücklicherweise kommt der Tod nicht immer "plötzlich und unerwartet", so daß in aller Regel Zeit bleibt sich bevor der "Fall der Fälle" eingetreten ist kundig zu machen. Und nicht nur über Preise, sondern auch darüber, was nötig ist um einen Sterbefall "abzuwickeln". Welche Unterlagen nötig sind, welche Entscheidungen getroffen werden müssen.

    Wer sich rechtzeitig informiert, kann sich dann auch mehr fallen lassen, in seine eigene Trauer und in das Vertrauen, das im Vorwege zum Bestatter der Wahl schon aufgebaut werden konnte. Denn wir sind weit mehr als nur Entsorger von Körpern, deren Nutzer vom Recht des Ablebens Gebrauch gemacht haben, wir sind auch Seelsorger, Tröster, Ideenschmiede, Eventmanager und Pfadfinder im Bürokratiedschungel.
  8. #8

    Unfreiwillige Komik

    " Aber bitte: Der ist tot! Der kann gar nicht aussehen wie immer. " - "Wenn Leute durch Unfälle sterben, sehen sie einfach nicht mehr sonderlich gut aus." - "...immer mehr Feuerbestattungen. Wir fahren dafür mittlerweile in ein Krematorium nach Brandenburg, weil die Abgasverordnung in Berlin so streng ist."

    Gerade das Alltägliche - und der Artikel zeigt, dass eben auch Bestattungen etwas ganz Alltägliches sind, auch wenn den Job wohl nur die wenigsten machen wollen - birgt in den Schilderungen einen knochentrockenen, nicht immer freiwilligen Humor (den Begriff möge man mir im Kontext verzeihen). Dank auch für den kurzen Einblick in den Wirtschaftszweig der Billigbestattungen. Ich selbst habe zwar bei Beerdigungen im Familienkreis schon ab und an den Kopf geschüttelt, weil es - vom Material des Sarges bis hin zum Ausschlag desselben, wo brokatgardinenähnliche Materialien fast schon an den Vatikan erinnern - preislich nach oben keinerlei Grenze zu geben scheint, aber Sägespäne sind ja nun gänzlich indiskutabel. Davon hatte ich zuvor auch noch nie gehört.
  9. #9

    ...

    ...interessanter und amuesanter Artikel. Ich verstehe nur nicht, was an Saegespaenen so schlimm sein soll; die duften doch gut und ob das dann Watte ist oder Saegespaene, das ist dem Toten doch egal.