Arbeitsrecht: Kein Hitzefrei für Büro- und Bauarbeiter

DPABei mehr als 30 Grad schwindet die Konzentration. Ein Grund für Hitzefrei ist das allerdings nicht - das Arbeitsrecht kennt nicht einmal das Wort. Deshalb gilt: Trinken, Pausen einlegen und nach Möglichkeit körperliche Anstrengungen vermeiden.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-906724.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bei mehr als 30 Grad schwindet die Konzentration. Ein Grund für Hitzefrei ist das allerdings nicht - das Arbeitsrecht kennt nicht einmal das Wort. Deshalb gilt: Trinken, Pausen einlegen und nach Möglichkeit körperliche Anstrengungen vermeiden.

    Sommerhitze: Im Büro gibt es kein Hitzefrei für Arbeitnehmer - SPIEGEL ONLINE
    Ausgeblendet wurden im Artikel die schwerbehinderten Menschen. In den meisten Vereinbarungen etc. ist folgender Passus aufgenommen:

    An Tagen mit extremen Wetterlagen (z.B. große Hitze, Föhn, Smog, große Kälte, Schnee- oder Eisglätte) sowie bei ungünstigen Arbeitsplatzverhältnissen (z.B. Baustellenlärm, Rammarbeiten in unmittelbarer Nähe der Dienststelle u.ä.), die sich nicht vermeiden lassen, soll schwerbehinderten Menschen, denen die jeweilige Wetterlage oder die ungünstigen Arbeitsplatzverhältnisse besondere Erschwernisse bereiten, in angemessenem Umfang Dienstbefreiung erteilt oder eine Erleichterung in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit gewährt werden.
  2. #2

    Über 35 Grad Celsius

    sagen die Technischen Regeln für Arbeitsstätten in Punkt 4.4 eindeutig: "Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne
    - technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier), - organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder - persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung),
    wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet."
  3. #3

    Früher war alles besser

    Als Schüler jobbten wir im Hochsommer in Düsseldorf bei der LVA (Rentenkasse). Dort im kühlen Keller ordneten wir die "Fleppen" (neue Rentenbescheide) in die jeweiligen Akten ein.
    Der Vater eines Mitjobbers war Arzt bei der LVA. Morgens um 10 Uhr schaute der immer aufs Thermometer. War dieses über einem Limit (etwa 24 Grad) gabs ab 1 Uhr Hitzefrei für alle Angestellten (BüroarbeiterInnen) in der LVA.
    Für uns Schüler war das immer in Jubeltag und ab ins Freibad.

    Später, beim Praktikum im Hochsommer in der Gießerei und Schmiede eines Maschinenbauunternehmens durften die Jungs dort selbst bei Temperaturen in der Halle von über 60 Grad am Hochofen oder am Schmiedegesenk schuften. DIE bekamen NIE Hitzefrei, die bekamen vom Betrieb kostenlos einen leicht gesüßten kalten Tee - thats all.
  4. #4

    Zitat von MatthiasBerlin Beitrag anzeigen
    sagen die Technischen Regeln für Arbeitsstätten in Punkt 4.4 eindeutig: "Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne
    - technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier), - organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder - persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung),
    wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet."
    Dann dürfte diese Woche in Deutschland gar nix mehr gehen.
    Tuts aber nicht - und nu?

    Diese ganzen TR sind was für die Tonne. Hält sich doch keiner dran.
  5. #5

    "So können Arbeiten in den kühleren frühen Morgen oder späten Abend verlegt werden - dies kann auch im Büro sinnvoll sein...."

    In Spanien nennt man das siesta, was man in Deutschland immer mit Faulheit verwechselte.
  6. #6

    Toll

    Zitat von MatthiasBerlin Beitrag anzeigen
    sagen die Technischen Regeln für Arbeitsstätten in Punkt 4.4 eindeutig: "Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne
    - technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier), - organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder - persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung),
    wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet."
    Da freuen sich die Leute auf dem Bau. Die arbeiten ja nicht in Räumen.
  7. #7

    Zitat von z_beeblebrox Beitrag anzeigen
    Dann dürfte diese Woche in Deutschland gar nix mehr gehen.
    Tuts aber nicht - und nu?

    Diese ganzen TR sind was für die Tonne. Hält sich doch keiner dran.
    Das liegt auch an der Schwäche der Gewerkschaften und daran, dass immer weniger in ihnen organisiert sind.
    Das Humankapital wurde mittlerweile auf Allwetternutzung optimiert.
    Zu Studizeiten beim Daimler am Band hat die IG Metall immer sofort die Arbeit niedergelegt, wenn es zu warm (Sommer, RLT-Anlage defekt) oder zu kalt (Winter, Heizung defekt) wurde. Und das waren mit Sicherheit keine 35°C.
  8. #8

    Aberglaube und Ventilatoren

    Dass Ventilatoren gefährlich seien, ist ein dummer Aberglaube, der auch in der Wissenschaft verbreitet ist. Bei großer Hitze, auch und besonders über 35°C (normale Hauttemperatur), hilft Luftbewegung bei der Verdunstungskühlung. Die feuchtigkeitsgesättigte Luftschicht auf der Haut muss schließlich abtransportiert werden, um die Verdunstungskühlung aufrecht zu erhalten. Die WHO hat zwar auf ihrer europäischen Tagung 2007 unter maßgeblicher Beteiligung des DWD das Gegenteil behauptet, aber keine plausible Erklärung genannt.
    Näheres dazu unter:
    http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0007/147265/Heat_information_sheet.pdf
    und
    http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0018/112473/E91350.pdf
    Man suche nach dem englischen Stichwort "fans".
    Weitere Kommentare zum Thema Sommerhitze und Altenheime auf meiner Homepage:
    http://www.g28.de/Sommerhitze
  9. #9

    Zitat von niska Beitrag anzeigen
    Das liegt auch an der Schwäche der Gewerkschaften und daran, dass immer weniger in ihnen organisiert sind.
    Da seh ich auch das Problem. Aber die Mitgliedsgebühr ist den meisten anscheinend zu viel für sowas.