Sprache und Etikette: "Sagen Sie nie zu früh Amigo"

CorbisSchon bei der Anrede kann alles schiefgehen: Fremdsprachen im Beruf führen oft geradewegs ins Fettnäpfchen. Im Interview verrät Sprachforscher Horst Simon die typischen Fallen und gibt Tipps, wie man unfallfrei durch die meisten Begrüßungsrunden kommt.

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...-a-905853.html
  1. #1

    Ich hasse dieses Siezen. Es schafft nur unnötig Distanz und alle machen es nur, weil es davor auch gemacht wurde. Mir macht es keinen Spaß zu überlegen ob ich mit einer Person schon per du bin oder noch nicht...
  2. #2

    Ich dagegen hasse das Duzen von Leuten, die ich nicht kenne. Ich will einfach nicht mit jedem auf einer so kumpelhaften Ebene sein.
  3. #3

    Unsicherheit bleibt

    Der Beitrag hat mich nicht weiter gebracht, sondern mir nun Zusätzlich mehr Unsicherheit innerhalb des deutschen Sprachraums vermittelt. Vielen Dank! Ich kehre zurück zur alten Anrede für Höhergestellte und wende wie im Englischen die Anrede "IHR"an. Mal sehen, was passiert...
  4. #4

    Zitat von Lexx Beitrag anzeigen
    Ich hasse dieses Siezen. Es schafft nur unnötig Distanz und alle machen es nur, weil es davor auch gemacht wurde.
    Das steht Ihnen frei. Wenn Sie sich allerdings herausnehmen, mich zu Duzen, dann landen blitzschnell auf meiner Blacklist. Und das bedeutet, dass ich Sie auch vor versammelter Mannschaft ignoriere.

    Ich bin übrigens gebürtiger Brite und einer der größten Missverständnisse ist, dass wir Briten wegen des Fehlens eines formellen "Sie" nicht doch sehr fein abgestufte Anreden haben. Z.B. reden sich wirklich gute Freunde nur mit dem Nachnamen an.

    Zitat von Lexx Beitrag anzeigen
    Mir macht es keinen Spaß zu überlegen ob ich mit einer Person schon per du bin oder noch nicht...
    Und mir macht es keinen Spaß, wenn irgendein intellektueller Tiefflieger meint, die soziale Distanz zwischen uns ignorieren zu können.
  5. #5

    Zitat von Lexx Beitrag anzeigen
    Ich hasse dieses Siezen. Es schafft nur unnötig Distanz
    Und, was ist daran falsch? Warum sollte ich jemand (zu) schnell der persönliche/freundliche DU anbieten, wenn ich es nicht möchte?

    Die Gefahr ist doch auch - z.B. bei einem Streit - dass es zu schnell eskaliert. Weil eins ist auch klar und erwiesen, "Du A....loch" sagt sich wesentlich schneller und einfacher als "Sie A....loch".

    Ich finde, dass auch in der heutigen Zeit gewisse Höflichkeits- und Respektformen gewahrt werden müssen und bei entsprechend respektvoler Erziehung keine Probleme bereiten sollten.
  6. #6

    bedingt. Im Arbeitsumfeld ist das "tu" oder Du mit Vornamen sehr viel verbreiteter als bei uns, anders als im Artikel suggeriert. Umgekehrt ist das nur bei der Schwiegermutter, die wird grundsätzlich mit "vous", Sie, angeredet...
  7. #7

    Nach Jahrzehnten des Duzens

    würde ich heute wirklich gerne, vor allem im beruflichen bereich, manchen Menschen wieder das "Sie" anbieten und somit das "Du" entziehen.
    Leider gilt das dann - natürlich - als grobe Unhöflichkeit. Schade!
  8. #8

    Schwedische Höfligkeitsform...

    Ich muss ja zugeben, dass ich mich in der schwedischen Gegenwartskultur nicht so genau auskenne, aber wenn die wirklich zu ihrer mittlerweile verkümmerten Höflichkeitsform zurückehren, dann stehen die in Skandinavien recht einsam da. Denn in Dänemark wird jeder geduzt (einzige Ausnahme: das Königspaar) und in Norwegen wird jeder geduzt (ohne Ausnahme). Ich habe in beiden Ländern auch noch nicht erlebt, dass eine direkte Anrede vermieden wurde.
  9. #9

    Schweden

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    KarriereSPIEGEL: Aber in Schweden scheint doch alles glasklar. Wir wissen ja von Ikea: Die duzen sich alle.

    Simon: Ja, das ist das Klischee - aber es ist gar nicht so. Schweden neigen im Gegenteil stark dazu, direkte Anreden zu vermeiden. Und das Land erlebt gerade eine Renaissance der Höflichkeitsform. Ausgerechnet bei den Schweden, dem sozialdemokratischsten Land der Welt, ist die Ideologie des "Wir haben uns alle lieb" der 50er- und 60er-Jahre massiv auf dem Rückzug. Das gleiche beobachte ich übrigens auch bei uns.

    Anrede in Fremdsprachen: "Sagen Sie nie zu früh Amigo" - SPIEGEL ONLINE
    Nein, das ist kein Klischee: Man duzt, und eigentlich ist nur die Königsfamilie davon ausgenommen und bei sehr staatstragenden Gelegenheiten auch der Premierminister ("statsminister").
    Ansonsten werden hier alle vom Baby bis zum Premierminister geduzt und auch mit Vornamen angeredet.
    Man kann auch niemanden mit "Herr/Frau" anreden (ggf. +Dr. oder Prof.) - man würde sich lächerlich machen. Einen Arzt kann man - allerdings unabhängig vom Dr.-Titel - indirekt ansprechen, etwa: "Hat der Doktor ...?" (so auch immer beim König "Hat der König/Ihre Majestät", seltener beim Premier s. o.)

    Die alte Anrede "Ni" (dt. "Sie") wird im täglichen Leben so gut wie nur von Leuten angewendet, die 80 oder älter sind.

    Die Behauptung, die alte Höflichkeitsform sei auf dem Vormarsch ist falsch. Warum das in Deutschland immer wieder mal behauptet wird (woanders habe ich diese Behauptung noch nicht gehört), weiß ich nicht. – Wer seit langem in Schweden lebt, sollte es besser wissen, und schwedische Sprachforscher, die mir persönlich bekannt sind, wie auch alle anderen, die ich dazu hier und da befragt habe, verneinten auf das Bestimmteste, dass der Gebrauch des "Ni" zugenommen hat.

    Im übrigen ist Schweden bereits seit der Wirtschaftskrise der 1990er nicht mehr das "sozialdemokratischste" Land der Welt. Es wurde der Sozialstaat kräftig umgebaut, privatisiert etc.
    Es hat sich nur nach Deutschland offenbar auch nach fast 20 Jahren nicht herum gesprochen. Und da bleibt man dann beim Klischee!