Fahrsimulator-Entwickler: Darf's ein Kamel für den Wildunfall sein?

Kai Foerst erfindet Welten - durch die dann andere mit einem virtuellen Auto brausen. Er baut Fahrsimulatoren. Das Geschäft begründete sein Vater als Jahrmarktsattraktion, heute hat es viel mit Psychologie zu tun.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-904485.html
  1. #1

    Ich frage mich immer wieder bei solch teuren Anlagen, warum man auf die 3d Grafik augenscheinlich einen Praktikanten ansetzen muss? Die paar Kröten mehr für die Bezahlung eines professionellen Grafikers waren nicht mehr drin?? Die hier gezeigte Grafik bewegt sich auf dem Stand der Jahrtausendwende.
  2. #2

    Ist halt Stand der Kunst

    Zitat von CrazyZ Beitrag anzeigen
    Ich frage mich immer wieder bei solch teuren Anlagen, warum man auf die 3d Grafik augenscheinlich einen Praktikanten ansetzen muss? Die paar Kröten mehr für die Bezahlung eines professionellen Grafikers waren nicht mehr drin?? Die hier gezeigte Grafik bewegt sich auf dem Stand der Jahrtausendwende.
    Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie sogar, dass die Fahrbahnmarkierungen aus Geraden zusammengezimmert sind. Die "Welt" einer Fahrsimulation ist normalerweise 'scripted', wird also ad-hoc aus einer abstrakten Beschreibung der "Welt" generiert. Diese abstrakte Beschreibung ist typischerweise in einer Sprache zu verfassen, mit der verglichen Brainfuck als Spitzenleistung der Informatik erscheint. Foerst+Sohn sind eine kleine feine Garagenbastlerbude in der Szene, Sie werden in Europa so leicht nichts besseres finden! Das behaupte Ich mal eben so. Denn ich habe jahrelang für die Konkurrenz gearbeitet.
  3. #3

    optional

    Ich habe ja auch nicht behauptet, dass die Produkte von Herrn Foerst schlecht seien. Dass die Landschaften für die jeweiligen Situationen angepasst generiert, und nicht jedes Haus, Schild und jede Strasse manuell gesetzt werden, leuchtet mir auch ein. Aber Irgendjemand wird ja wohl die klobigen Häuser, die platten Billboard-Bäume und matschigen Fototexturen per Hand erstellt haben, oder etwa nicht? ;) Ich arbeite selbst in der Computerspiele Branche und bin aufgrund persönlicher Erfahrungen mit Kunden überzeugt, dass viele Anbieter solcher Systeme überrascht wären, wie gut und authentisch Objekte aus der Hand eines professionellen Grafikers aussehen können, wenn man sich denn an die richtigen Leute wendet.
  4. #4

    Re: Ist halt Stand der Kunst

    Zitat von BurningChrome Beitrag anzeigen
    Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie sogar, dass die Fahrbahnmarkierungen aus Geraden zusammengezimmert sind. Die "Welt" einer Fahrsimulation ist normalerweise 'scripted', wird also ad-hoc aus einer abstrakten Beschreibung der "Welt" generiert. Diese abstrakte Beschreibung ist typischerweise in einer Sprache zu verfassen, mit der verglichen Brainfuck als Spitzenleistung der Informatik erscheint. Foerst+Sohn sind eine kleine feine Garagenbastlerbude in der Szene, Sie werden in Europa so leicht nichts besseres finden! Das behaupte Ich mal eben so. Denn ich habe jahrelang für die Konkurrenz gearbeitet.
    Nun ja, von Navigations-Simulatoren für Schiffe - und vielleicht ist das bei Fahrsimulatoren für Straßenfahrzeuge ähnlich - habe ich den Eindruck, dass sich ein großer Irrtum immer mehr durchsetzt: je realistischer es aussieht, desto realistischer ist es. Was natürlich nicht stimmt. Vergessen wird gern, dass "hinter den Kulissen" an der mathematischen Modellierung geschlampt wird. Korrekte Lösung der Bewegungsdifferentialgleichungen? Verwertung von Modellversuchs- und CFD-Ergebnissen mittels Systemidentifikation? Kein Interesse, kein Bedarf. Die Rechenzeit, die für kinderspielzeugartig "realistisches" Aussehen verschwendet wurde, lässt nicht mehr genug Rechenzeit für eine korrekte Berechnung der Dynamik übrig, ohne die Echtzeitfähigkeit der Simulation zu gefährden. Mich würde einmal interessieren, ob dieser Denkfehler auch bei Fahrsimulatoren für Straßenfahrzeuge weit verbreitet ist.
    Geändert von ( um Uhr)
    --
  5. #5

    Re: optional

    Zitat von CrazyZ Beitrag anzeigen
    Aber Irgendjemand wird ja wohl die klobigen Häuser, die platten Billboard-Bäume und matschigen Fototexturen per Hand erstellt haben, oder etwa nicht? ;) Ich arbeite selbst in der Computerspiele Branche und bin aufgrund persönlicher Erfahrungen mit Kunden überzeugt, dass viele Anbieter solcher Systeme überrascht wären, wie gut und authentisch Objekte aus der Hand eines professionellen Grafikers aussehen können, wenn man sich denn an die richtigen Leute wendet.
    Ein Simulator, der die Bewegungen eines Land-, See- oder Luftfahrzeugs in Echtzeit berechnen soll, ist kein Computerspiel und unterliegt völlig anderen Anforderungen. Beim Computerspiel soll das Spiel dem Benutzer einen Genuss verschaffen. Beim Simulator soll der Benutzer dieselben Reaktionen ins System einspeisen wie in der Realität, und das System soll die Fahrdynamik zw. Flugdynamik bzw. Hydrodynamik nach den Euler-Newton'schen u.a. Gleichungen berechnen. Wenn die Reaktionen des Benutzers nicht davon abhängen, was für Wolken am Himmel hängen oder ob hinter dem Hund ein dreidimensionales Kothäuflein zu sehen ist, dann ist die Authentizität nicht nur überflüssig, sondern sie klaut der Lösung der ingenieurwissenschaftlich korrekten Simulation der Dynamik Rechenzeit und gefährdet, dass ein Zeitschritt fertig wird bevor der nächste dran ist.

    Das habe ich bereits vor geraumer Zeit zu posten versucht, aber der SPON-Moderator mag diese Fakten wohl nicht leiden und hat das Posting entsorgt?

    Schlamperei in dieser Hinsicht hat ja z.B. damals beim Flugunfall "Lauda Air 004" viele Menschenleben gekostet: die Piloten hatten mit Simulatoren trainiert, die das Auslösen der Schubumkehr mitten in der Luft völlig falsch simuliert hatten.
    Geändert von ( um Uhr)
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  6. #6

    Tatsächlich...

    Zitat von CrazyZ Beitrag anzeigen
    Ich habe ja auch nicht behauptet, dass die Produkte von Herrn Foerst schlecht seien. Dass die Landschaften für die jeweiligen Situationen angepasst generiert, und nicht jedes Haus, Schild und jede Strasse manuell gesetzt werden, leuchtet mir auch ein. Aber Irgendjemand wird ja wohl die klobigen Häuser, die platten Billboard-Bäume und matschigen Fototexturen per Hand erstellt haben, oder etwa nicht? ;) Ich arbeite selbst in der Computerspiele Branche und bin aufgrund persönlicher Erfahrungen mit Kunden überzeugt, dass viele Anbieter solcher Systeme überrascht wären, wie gut und authentisch Objekte aus der Hand eines professionellen Grafikers aussehen können, wenn man sich denn an die richtigen Leute wendet.
    ...kann ich mich an einen Praktikanten mit akuter Geschmacksverirrung erinnern (die meisten Praktikanten die ich erlebt habe waren aber ganz große Klasse). Was hindert Sie daran, den Foersts ein paar Arbeitsproben vorbei zu mailen, um ins Geschäft zu kommen? Lassen Sie mich raten: Ein lustiger Wettbewerbsverbots-Passus in einem Arbeitsvertrag mit einer Vertragsstrafe im Gegenwert einer kleinen Eigentumswohnung? Meines Wissens sind diese Klauseln ungültig weil sittenwidrig. Dass sie immer noch vorkommen, ist mir bekannt.
  7. #7

    Zitat von Hamberliner Beitrag anzeigen
    Ein Simulator, der die Bewegungen eines Land-, See- oder Luftfahrzeugs in Echtzeit berechnen soll, ist kein Computerspiel und unterliegt völlig anderen Anforderungen. Beim Computerspiel soll das Spiel dem Benutzer einen Genuss verschaffen. Beim Simulator soll der Benutzer dieselben Reaktionen ins System einspeisen wie in der Realität, und das System soll die Fahrdynamik zw. Flugdynamik bzw. Hydrodynamik nach den Euler-Newton'schen u.a. Gleichungen berechnen. Wenn die Reaktionen des Benutzers nicht davon abhängen, was für Wolken am Himmel hängen oder ob hinter dem Hund ein dreidimensionales Kothäuflein zu sehen ist, dann ist die Authentizität nicht nur überflüssig, sondern sie klaut der Lösung der ingenieurwissenschaftlich korrekten Simulation der Dynamik Rechenzeit und gefährdet, dass ein Zeitschritt fertig wird bevor der nächste dran ist.
    Bestimmt das Selbe erzählen die ihren Kunden ;) "Nee, Grafik is nich so wichtig, Hauptsache Fahrphysik stimmt"
    Sorry, aber warum sollten die Wolken nicht wichtig sein? Erst recht wenn Sie so viel Wert auf Realismus legen. Schon vor 10 Jahren gab es ein PC-Spiel das Luftdruck, Lufttemperatur, Asphalttemperatur (die sich unter Wolken, im Schatten, lokal änderte) Wind, Windschatten und hochkomplexes Physikmodell simulierte "Nascar Racing 2003 Season". Das Spiel, das übrigens kaum jemand ein "Rennspiel" genannt hat,war ohne Lenkrad und Gaspedale kaum Steuerbar. Ich sehe natürlich ein, dass eine Firma, die Simulatoren für den Nicht-Entertainment Bereich entwickelt, nicht die Kapazitäten hat wie Papyrus bzw. Electronic Arts, aber der Grafik gar keine Beachtung zu schenken mit einer solchen Argumentation wie der Ihren, klingt für mich nach Ausrede ;) Selbst wenn es nur für Marketingzwecke wäre würde es sich bestimmt lohnen einen Grafiker zu holen.