Erdogans gespaltene Türkei: Fünfzig Prozent Frust

SPIEGEL ONLINESeine Anhänger verehren ihn als Heilsbringer, seine Gegner verdammen ihn als Autokraten: Kein türkischer Politiker polarisiert mehr als Premier Erdogan. Und der Regierungschef treibt die Spaltung weiter voran - ein gefährliches Spiel.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-904110.html
  1. #1

    Autoritärer Regierungsstil ...

    Sowas kann begrenzt in schwierigen Zeiten oder Boomphasen mal gut gehen. Aber eine Gesellschaft kommt auf Dauer mit einem Quasi-Diktator an der Spitze nicht klar. In einer Welt der 1.001 (inkompatiblen) Religionen ist er als Fanatiker einer der vielen Seitenlinie des Islam (Alewiten sind auch Islam und Türkei) auch nicht als Staatenlenker geeignet. Es geht also nicht um Religionsbewahrung sondern um despotische Machtgier von Erdogan und Anhängern.
  2. #2

    So wünschenswert neue Parteigründungen wären,

    in Anbetracht der 10 %-Hürde, die keine neue Partei überwinden wird, werden neue Parteigründungen der AKP die 2/3-Mehrheit bescheren, die ihr ermöglichen wird, die Verfassung nach eigenem Gutdünken zu verändern. Der Weg in den totalitären diktatorischen Staat wäre damit vorprogrammiert.
    So schrecklich die nationalistische MHP ist, so muss man doch froh sein, dass sie bei den letzten Wahlen die 10 %- Hürde schaffte, weil sonst hätte die AKP schon jetzt die verfassungsändernde Mehrheit.
    Die erstmalige Machtergreifung 2002 gelang der AKP dank der 10 %- Hürde mit nur 34 % der Wählerstimmen, da nur die CHP die 10 % - Hürde schaffte.
    Die Demonstranten sollten lieber in die bestehenden Oppositionsparteien eintreten und diese von unten verändern.
  3. #3

    Wahlergebnis

    50% der Bevölkerung unterstützen den Präsidenten sicherlich nicht, wenn man die Stimmen nicht zählt die durch die 10% Hürde nicht gezählt werden sind es weniger als 40%. Das Problem ist eher das der Arme Teil der Türkei überwiegend den Präsidenten gewählt hat. Der Reiche, modere Teil inkl. der Metropolen im Westen des Landes hat eben mit über 50% eine Konkurrenz Partei gewählt. => Spaltung droht.
  4. #4

    Anteilnahme

    Ich finde es erstaunlich wie viel Anteil die deutsche Öffentlichkeit an der türkischen Innenpolitik nimmt, danke dafür! Vor allem scheint es hier jede Menge Türkei-Politologen zu geben, bei denen ich stark bezweifle, ob sie jemals in dem Land waren. Demonstrationen gibt es in jeder Demokratie, auch in Deutschland (siehe S21, Occupy FFM). Auch hier wird von der Staatsmacht berechtigt oder unberechtigt Gewalt ausgeübt. Aber im Falle der Türkei wird der frei gewählte Regierungspräsident zum Diktator abgestempelt?????
  5. #5

    positiver Aspekt

    Ein positiver Aspekt der Massenunruhen in der Türkei ist, dass die AKP-Regierung jetzt alle Hände voll zu tun hat, die Lage einigermaßen stabil zu halten. Das dürfte die militärischen Ambitionen des hitzköpfigen Premiers hinsichtlich Syrien gegen Null fahren. Er kann sich momentan einfach keine außenpolitischen Abenteuer leisten. Gut zu wissen, dass für den Islamismus in der Türkei die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Endlich erwacht die kemalistisch-laizistische Tradition im Lande-weiter so!
  6. #6

    Alles was oben im Artikel steht,

    ...ist total richtig, bis auf diesen vermeintlichen "Wohlstand". Von Wohlstand kann man nicht sprechen, die Leute werden von Jahr zu jahr aermer. Ein Beispiel: wenn Strom und Erdgas 30% teurer wird, die Menschen aber höchstens 10% mehr Lohn bekommen, ist das eine Verbesserung des Wohlstands? Nein, auf keinen Fall! Wir benutzen das teuerste benzin und teuerste Kommunikation auf dieser Erde.
    Ausserdem sollten die Reporter auch mal die 50%, die Erdoğan gewaehlt haben, befragen mit welchen psychischen Hintergründen sie Erdogan gewaehlt haben? Ob sie was von Wirtschaft verstehen, ob sie was von politik verstehen? Nein, sie wollten "bloss" das einer von ihnen an der Macht steht und sie sich selbst wichtig empfinden können. Und deswegen geht jede nüchterne Kritik an ihnen vorbei und wird feindlich empfunden. Sie benehmen sich wie ein 5 jaehriges Kind, dass sein Vater verteidigt. Es ist zum Jammern...
  7. #7

    Der EINZIGE Grund warum Erdogan die Verfassung ändern möchte, ist kein demokratischer! Er will weiter an der Macht bleiben, sogar mit mehr Machtbefugniss, so dass er sein Ziel einen islamistischen "Gottesstaat" zu errichten erreichen kann! Wacht endlich auf und lasst euch nicht blenden! Die Maske ist gefallen, Erdogan hat sein wahres Gesicht gezeigt!
  8. #8

    Vorurteil

    Hier geht man scheinbar davon aus, dass nur arme und ungebildete Menschen die Partei Erdogans wählen. Fakt ist, dass die Parteil in jedem Wahlbezirk vertreten ist, als einzige Partei in der Türkei. Sie stellt in Istanbul, der mit Izmir modernsten türkischen Stadt seit ca. 20 Jahren der Oberbürgermeister. In Izmir hatte sie bei den letzten Wahlen einen Stimmenanteil von über 30%. Viele Geschäftsleute wählen natürlich ebenfalls die AKP, weil sie nach der schweren Wirtschaftskrise von 2001, seit 10 Jahren wieder stabile Verhältnisse haben und gutes Geld verdienen. In der Türkei sind derzeit über 30.000 ausländische und über 5.000 deutsche Unternehmen vertreten. Sie sind nicht dort, weil sie Anhänger der AKP sind, sondern weil es ein sehr guter Standort für ihr Business ist.
  9. #9

    Wenigsten versuchen sie eine Revolution

    hier in Deutschland kann man ja nur davon träumen, dass die Menschen auf die Strasse gehen und gegen die Unfähigkeit unserer Politiker demonstriert. Wir lassen eh alles mit uns machen!