Gestresste Studenten: Bachelor als Liebestöter

CorbisDrei Monate Peking, sechs Monate London, immerfort Prüfungen: Wem das zu viel wird, dem helfen Berater wie Rainer Holm-Hadulla. Im Interview erklärt der Therapeut, was Studenten heute am meisten stresst und wie darunter das Liebesleben leidet.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-902644.html
  1. #1

    Phantomdiskussion

    Wenn das neue TurboStudium so übel sein soll - dann frage ich mich, warum es dennoch so viele (vielmehr als früher) schaffen.
    Natürlich denke die Studierenden heute, dass sie es schwerer haben. Objektiv gesehen ist das aber wohl nicht so. Auch vor 15 Jahren wurde von den Studierenden viel gefordert - da wurde an den Unis ja nicht nur rumgehangen. Wenn man die Regelstudienzeit einhalten wollte - und die meisten haben das - dann musste man auch lernen und sein Kram machen.
    Ich würde behaupten man mußte sich sogar noch etwas besser selbst organisieren können. Letzlich hat es niemanden interessiert, was man macht ... ob man anwesend war oder nicht. Solange die Prüfung bestanden worden ist.
    Heute wird kontrolliert und geprüft. Das hat weder zu einer Verbesserung der Ausbildung noch zu mehr Kompetenzen bei den Studierenden geführt. Viele Unternehmen können mit den Bachelor-Leuten nachwievor nichts anfangen.
    Die persönliche Entwicklung ist inder Regel nicht abgeschlossen und praktische gearbeitet hat in der Regel auch kaum jemand. Praktikas und Auslandsaufenthalte hin oder her ... das gab es schon immer. Führte aber in der Regel auch nicht zum Traumjob.
    Ein Studium ist eben keine Lachnummer - da muss man 5 Jahre halt mal was machen. Ob sich das am Ende lohnt ... nunja - viele Akademiker verdienen weniger als die Bandarbeiter bei Daimler, Juristen gibts wie Sand am mehr.

    Mein Tipp: Wer das Maximum rausholen will .. sollte auf Lehramt studieren. Da holt man am Ende das Maximum aus seiner Invesition raus.
    Wer kann - sollte natürlich was technisches Studieren ... beim Rest ... viel Glück!
    Und was die Naturwissenschaften angeht ... es gibt viele Arbeitslose ... in ALLEN Fachbereichen.
  2. #2

    Danke, Bologna...

    Danke, Bologna, dass Du unser deutsches Hochschulsstem ruiniert hast und es zu einem Wischiwasche-Billig-Einheitsbrei gemacht hast, wie er in anderen Staaten schon immer der Fall war. Einfach mal dran denken. Was bei uns ein nach dem dualen Berufsausbildungssystem ausgebildeter Elektriker mit seinem Gesellen macht, das macht in anderen Ländern der "Bätscheler" mit einem angelernten Hiwi. Denn was anderes gibt es dort nicht. Deshalb darf man sich nicht wundern, wenn das was mit dem Bac. aus diversen "Hochschülchen" kommt mir Akademikern nichts, mit Auszubildenden aber viel zu tun hat. ich darf bei meinem Arbeitgeber Bac. betreuen, die ihre Ausbildung (ich weigere mich da von Studium zur reden) auf einer "dualen Hochschule" (früher Berufsakademie) machen. Das ist in etwa das Niveau, das ich heute als Ergebnis von Azubis in diesem Bereich (BWL) erwarten würde, wenn man dort die Anforderungen angepasst hätte. Das spannende. Sie werden, wenn sie ihre Bac. in der Tasche haben genau so bezahlt, wie bisher Industriekaufleute.

    Studium bedeutet nicht (nur) Wissen vermitteln, sondern auch Persönichkeit bilden und vor allem Fähigkeiten entwickeln. Dazu gehört vor allem das selbständige Arbeiten und eine überragende Problemlösungskompetenz. Wer das nicht kann ist da eben falsch. Und war es früher auch. In meinem Studium sind mehr als 30% der Erstsemester noch im Vorstudium ausgeschieden. Am Ende des Hauptstudiums waren wenige als 50 über. man könnte jetzt über die Universität herziehen, dass es an der Art der Lehre, den Anforderungen,... liegt und dass das vergeudete Ressourcen junger Menschen wären. "Wenn das Entchen nicht schwimmen kann, dann ist das Wasser schuld" sagt der Volksmund. Das problem ist: Wir haben zu viele Abiturienten die dann zwar formal die Hochschulzugangsberechtigung haben, real aber nicht studierfähig sind. Warum? Weil durch politischen Einfluss die Abuturientenzahlen künstlich in die Höhe geschraubt wurden und es weiter werden. Zum Preis der beliebigkeit und des Verluster des Abiturs als Vor-Filter. Damit eben nur geeignete Personen an den Universitäten landen.

    m.E. muß hier angesetzt werden. Weniger Abiturienten, mehr in qualifizierter Aus-/ Fortbildung (Meister, Techniker). Wir müssen nicht alles akademisieren. Akademische Studiengänge auf den Universitäten mit Abschluss Diplom (der Master wird dann mit verliehen). Meine Abstufung Bachelor, Diplom (BA), Diplom (FH)/ Master, Diplom Uni. Die jeweils darunter liegenden Bac/ Master werden automatisch mit den höherwertigen dt. Abschlüssen mit verliehen. Fertig.

    Und wer es in seinem Studium nicht packt braucht keinen Psychoonkel, sondern einen Antrag auf Exmatrikulation. Auch lernen wie sich scheitern anfühlt gehört zur Persönlichkeitsbildung im Leben dazu.
  3. #3

    sehen anders aus. Da z.B. viele Studierende einen Master obendrauf setzen wollen (müssen, wegen Arbeits-chancen, brauchen sie gute Noten, da nichts selten höchstens 20 % der BA-Absolventen für den MA zugelassen werden. Den BA schon in diesem Bewusstsein zu beginnen, erhöht den Druck. Die gegenwärtige Studienstruktur ist eine Katasptrophe: indviduell, siehe oben und auch gesellschaflich ( zieht noch mehr als früher Fachidioten mit z.T. sehrt wenig soziale Kompetenez und Über-den Tellerrand-Blick-Einstellung heran. Dies variiert natürlich nach Studiengängen: insbesondere die geistes- und Sozialwissenschaften sind betroffen, aber durchaus auch andere. Dort wo schon früher viel "abzureißen" war, wird dies noch mehr. Für die schlechten Dozenten- sofern Festvertrag oder Professur - ein "Bildungsparadies": durch das Eingehen der Noten in die Gesamtprüfungsleistung können die Studierenden ihnen nicht ausweichen oder den Schein mal "abwinken".

    Ich plädiere für ein Zurück zum alten System (MA oder lehramt oder Diplom, dann ggf Promotion. Fertig. Dort kann man, wo es nötig wäre auch mehr strukturieren, und dann nach dem Grundstudium mehr Wahlfreiheit lassen. So bestünde theoretisch die Chnace, wenn richtig begleitet, dass man in die Freiheit hineinwächst. Dann wäre das Studium wider genießbar, die Berufsrealität ist ja schon ätzend genug... .
  4. #4

    Danke, macht den Artikel zur nächsten Titelstory!

    Die Überschrift kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Es war auch für mich als Partner sehr schmerzhaft, als meine Exfreundin plötzlich keine Zeit mehr hatte. Sie war völlig überlastet. Für mich war der Beginn ihres Studiums der pure Horror.
    - Schon traurig, wenn man zum studieren einen Therapeuten braucht.
  5. #5

    Tagsüber am See baden ….

    … dann Abends ausschlafen. So war das Studium damals. Die Studenten lachten über die Fachhochschulbesucher (Die hatten Stundenpläne, Anwesenseheitspflicht, etc) (Die , die feinen Uni Studenten verbrachten ihre Studienzeit lieber am Tresen oder am See. Jetzt merken sie das sie auch mal lernen müssen, das überfordert wohl viele. Mist aber auch. Wie schon erzählt: Früher machte man eine Prüfung wenn man Lust hatte, heute wird alles vorgeplant. das sind die alle nicht mehr gewohnt. Die Zeit des lockeren Studentendaseins ist wohl vorbei. Gut so.

    Und wer das nicht so schafft? Der soll denn froh sein das er überhaupt das ABI geschafft hat. Oder fliegt einem das heutzutage mit LK Kunst und Sport einfach so zu?
  6. #6

    Studium ?

    Die BA nach Bologna als "Studium" zu bezeichnen ist kompletter Schwachsinn. Es handelt sich um Berufsausbildung höheren Grades, unter Druck ohne Möglichkeiten aus Fehler zu lernen und zu lernen.
    Ehrlicher sind da einfach die "Dualen Hochschulen", z.B. DHBW: Ein klar strukturierte Ausbildung, 6 Monate Betrieb, 6 Monate Schule zum Schluss einen BA, das wars.
    Mit dieser Entwicklung tun sich zwei Problemkreise auf: Einmal wird die private "Kammerausbildung" immer weniger attraktiv, für AG und AN, und zum anderen geht das intellektuelle Niveau flöten, weil der Raum, die Zeit zum "Studium" nicht mehr gegeben ist.
    Wohin das führt weiß ich nicht, Fachleute im Sinne von Fachidioten prouziert das System allemal, wenn auch die hochbezahlten, weltfremden Verbandsfunktionäre nicht so richtig mitkriegen - von Ochsen kann man bekanntlich nie mehr verlangen als Rindfleisch
  7. #7

    Immer dieses Anspruchsdenken...

    Der eigentliche Fehler liegt nicht im System, sondern in der verkorksten Sozialisierung. Das stelle ich auch bei mir selbst immer wieder fest: Ich wünsche mir Perspektiven, einen Sinn zu erleben bei dem was ich tue, ich wünsche mir Anerkennung für harte Arbeit, weniger als 60 Wochenstunden Arbeit und gesicherten bescheidenen Wohlstand. Hätten meine Eltern mir nicht diese falschen Ziele und Werte vermittelt, ginge es mir heute sicher besser. In diesem Sinne: Macht den Studis einfach klar, dass sie Drohnen sind, die Leistung bringen sollen, ohne etwas dafür zu erwarten, dass "Versager" minderwertige Menschen sind und dass diese ganze Gefühlsduselei eh nur vom Wesentlichen ablenkt! Dann müssen wir uns auch nicht ständig diese lästigen Fragen stellen, wo wir mit unserer Gesellschaft eigentlich hinwollen, wozu wir die hohe Wirtschaftsleistung nutzen wollen, ob wir genug in die geistige und menschliche Bildung investieren und diesen ganzen lächerlichen Kram...
  8. #8

    Zitat von freecit01 Beitrag anzeigen
    Schon traurig, wenn man zum studieren einen Therapeuten braucht.
    Braucht man den? Vielleicht sollte man den Fehler nicht immer woanders suchen. Manche sind vielleicht auch einfach nicht für Studium geeignet?!

    Fragt doch mal ehemalige Ingenieursstudenten, die an Fachhochschulen noch Diplom gemacht haben, nach ihren ersten Semestern. Dort waren vier bis fünf (worst case 6) Vorlesungen/Seminare pro Tag auch normal.

    Wo kommt eigenlich der Anspruch her, das Studieren anstrengungslos und mit "Zeit haben" verbunden sein solle?
  9. #9

    Bachelor

    Wenn ich lese, dass einige Leute meinen der Bachelor wird einem hinterher geschmissen, so frage ich mich schon ob sich so jemand mal in den "Bachelor" Alltag begeben hat.

    Ich selbst studiere Mechatronik und finde diese ganze Diskussion über besser-schlechter-schwerer einfach nur als lästig. Die Regelstudienzeit liegt bei mir bei 7 Semester (210 Credit Points). Natürlich war damals das FH Diplom 10 Semester lang. Aber wenn man sich mal die Studienordnung ansieht, so stellt man fest, dass hier nur wenig vom Stoff gekürzt wurde. Die schwierigste Zeit, nämlich das Grundstudium ist sogar noch härter geworden. Denn es zählt jetzt ab dem ersten Semester jede Note zu 100% in die Endnote (Diplom erst ab Hauptstudium). Ich kann jetzt nur für die Ingenieursstudiengänge sprechen aber ich kann mir vorstellen dass es wo anders nicht viel besser aussieht. Die Prüfungen sind übrigens auch nicht leichter geworden. Bei uns sind z.B sämtliche Ü-Klausuren der Diplomstudiengänge relevant und die Prüfungen werden auch von denselben Profs geschrieben. Und einer Differenzialgleichung ist es herzlich egal wer sie löst. Wo die meisten Diplomer mit einer Vier zufrieden waren im GS, muss der Bachelorstudent eine Zwei schaffen, sonst wird es irgendwann schwer mit dem Masterstudiengang. Natürlich wird der Master angestrebt und man kommt so auf 11 Semester Regelstudienzeit. Aber das Härteste hat man dann schon hinter sich. Ach ja: Oftmals ist der Bachelor an Unis nur 6 Semester lang (180CP). Das Regelabschlussziel an Unis ist der Master, an einer FH ist das nicht unbedingt so.