Das kreative Gedächtnis - manipulierte Erinnerungen?

Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
  1. #1

    Zitat von sysop
    Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
    Möglicherweise hat das ein ehemaliger Bundeskanzler schon geahnt und deshalb seine Erinnerungen so ratzfatz auf den Markt gebracht ;-)
  2. #2

    Zitat von Joachim Baum
    Möglicherweise hat das ein ehemaliger Bundeskanzler schon geahnt und deshalb seine Erinnerungen so ratzfatz auf den Markt gebracht ;-)
    Sie kamen mir zuvor;o).
  3. #3

    Zitat von Rainer Helmbrecht
    Sie kamen mir zuvor;o).
    Mir auch! Aber ob sie dadurch wahrer werden, die Erinnerungen?

    Das Klo.
  4. #4

    Was ist Wahrheit?

    Zitat von Klo
    Mir auch! Aber ob sie dadurch wahrer werden, die Erinnerungen?

    Das Klo.
    Da müßte man "Wahrheit" erst mal definieren. Da jeder Ich-manipulierte Erinnerungen besitzt, gibt es die "Wahrheit" nicht. Schon unsere Wahrnehmung ist vom Gehirn manipuliert. Ich weiß, daß ich mich belüge, aber auch, dass sie nicht die Wahrheit kennen und Gerd Schröder mich auch belogen hat!
  5. #5

    Zitat von sysop
    Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
    Okay, laut dem Artikel wissen wir nun, das Spock also eine verkalkte Amygdala hat und deswegen logisch stur wie ein Computer arbeitet ;)

    Aber nun mal etwas ernsthafter:

    Das Gehirn ist eben DOCH kein Computer. In einem anderen Forum, in dem es um die Schaffung eines neuen Riesenrechners für eine KI ging, habe ich geklärt gehabt, dass man prinzipiell keinen Computer schaffen könnte, der tatsächlich das menschliche Gehirn 100% kopieren könnte.
    Das hier wäre so ein Beispiel, wieso die Kopie nicht ans Original heranreichen würde. Denn ein Computer kennt keine Emotionen. Selbst in 100 Jahren, wenn die Technik, Computer zu konstruieren eine ganz andere wäre, der Quantencomputer als Nachfolger des Halbleiterbasierten Computer schon wieder abgelöst wäre, könnte man keinen Computer schaffen, der eben ein Gehirn 1:1 nachbildet - denn es fehlen z.B. die chemischen Botenstoffe, die "Hormone" sozusagen. Es ist nämlich bis heute nicht geklärt, WIE Emotionen vom Gehirn geschaffen werden. Man kann vielleicht Wut, Trauer oder Liebe "simulieren", aber die Grundlage, WIE diese Emotionen entstehen, die kennt ja doch keiner.

    Nu bin ich aber schön abgeschweift, denn ich wollte beweisen, dass das Gehirn KEIN Computer ist.
    Beispielsweise ist das Gedächtnis viel komplexer als der "RAM" im Computer. Letzterer speichert nur das, was gerade benötigt wird für die nächsten paar Millisekunden, bevor es entweder abgerufen und gelöscht oder neu geschrieben wird. Damit wäre der RAM bestenfalls mit unserem Kurzzeitgedächtnis zu vergleichen. Wäre also dann die Festplatte im Rechner sowas wie unser Langzeitgedächtnis? Weit gefehlt: Der Inhalt der Platte ändert, rekombiniert oder assoziiert nicht von allein, Dinge, die im Langzeitgedächtnis aber ständig passieren. Die Größe unseres Langzeitgedächtnis kann daher auch nicht in "Terabyte" o.ä. angegeben werden, WEIL eben die Struktur völlig anders ist und Informationen nicht unbedingt getrennt voneinander lagern.

    Wenn aber unser Gedächtnis ständig assoziiert, ändern usw ist es auch manipulierbar, wie der Artikel wunderbar darlegt. So gesehen ist es durchaus möglich, über diesen Ansatz traumatisierten Patienten zu helfen, in dem man ihre traumatisierenden Erinnerungen kurzerhand "ändert" - eben mit implantierten Erinnerungen. So könnte man beispielsweise Vergewaltigungsopfern helfen.
    Allerdings gibts auch Gefahren: Man kann so Menschen als "Datenspeicher" für geheime Informationen missbrauchen, in dem man ihnen gezielt Erinnerungen implantiert, die stellvertretend für ein bestimmtes Wort oder eine Zahl stehen. Allerdings hoffe ich, dass die Ethik so etwas verbietet.
  6. #6

    Leben in der Matrix

    Zitat von sysop
    Erinnerungen sind kein Logbuch unseres Lebens, sagen Forscher. An immer neuen Beispielen zeigen sie, wie unser Gehirn verzerrt, manipuliert, gar falsche Erinnerungen erzeugt. Können wir unserem Gedächtnis vertrauen?
    Vor 40 Jahren etwa drehte Antonioni "Blow up" ... er wusste damals schon, wie formbar unsere "Wirklichkeit" ist.

    Deshalb glauben ja auch Milliarden Menschen, dass die Mondlandung wirklich stattgefunden hat ... das Attentat auf Kennedy ... die nordkoreanischen Atomtests ... die Anschläge auf das WTC ... die Wiedervereinigung ... und dass Bielefeld tatsächlich existiert ;)
  7. #7

    Manipulierte Erinnerung wird zum Kult???

    Was sich mir bei dem Wilkomirskifall unwillkürlich aufdrängt ist die sich zwangsläufig stellende Frage, in wie weit die Aussagen ehemaliger KZ-Häftlinge "echt" sind, insbesondere nach 50-60 Jahren. Manchen Aussagen sind so unglaubwürdig, wiedersprechen einander oder zeigen physikalische Unmöglichkeiten an, das hier offensichtlich auch das kreative Gedächtnis am Werk ist. Das scheint angesichts des "Stresses" in den Lagern verständlich, wurde aber bis heute so stehengelassen (siehe eben Willkomirski). So ist ein Kult entstanden, der sich selber verstärkt, da plötzlich jeder sich an immer mehr Details einer gleichen Geschichte erinnert. UNd der real dagewesene Nazionalsozialismus ja auch nicht gerade lockt, jüdische Opferverbände oder deren Vertreter mit dem kreativen Gedächtniss um der Wahrheit willen zu konfrontieren.
    Das muss in der Konsequenz dann ja bedeuten, das ich keine Aussage mehr glauben kann, da das Ergebniss ja schon feststeht.
  8. #8

    Heikles Thema!

    Was sich mir bei dem Wilkomirskifall unwillkürlich aufdrängt ist die sich zwangsläufig stellende Frage, in wie weit die Aussagen ehemaliger KZ-Häftlinge "echt" sind, insbesondere nach 50-60 Jahren. Manchen Aussagen sind so unglaubwürdig, wiedersprechen einander oder zeigen physikalische Unmöglichkeiten an, das hier offensichtlich auch das kreative Gedächtnis am Werk ist. Das scheint angesichts des "Stresses" in den Lagern verständlich, wurde aber bis heute so stehengelassen (siehe eben Willkomirski). So ist ein Kult entstanden, der sich selber verstärkt, da plötzlich jeder sich an immer mehr Details einer gleichen Geschichte erinnert. UNd der real dagewesene Nazionalsozialismus ja auch nicht gerade lockt, jüdische Opferverbände oder deren Vertreter mit dem kreativen Gedächtniss um der Wahrheit willen zu konfrontieren.
    Das muss in der Konsequenz dann ja bedeuten, das ich keine Aussage mehr glauben kann, da das Ergebniss ja schon feststeht.
  9. #9

    mir auch

    Zitat von Joachim Baum
    Möglicherweise hat das ein ehemaliger Bundeskanzler schon geahnt und deshalb seine Erinnerungen so ratzfatz auf den Markt gebracht ;-)
    ps. nur reichte die kurze zeit schon aus eine modulierte erinnerung zu erzeugen

    paul