Plötzlicher Kindstod: Das Risiko im Elternbett

CorbisSchlafen Babys im Bett der Eltern, steigt das Risiko für plötzlichen Kindstod um das dreifache, bei Babys unter drei Monaten sogar um das fünffache. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse. Mediziner rätseln noch über die Ursachen - Eltern können aber viel tun, um ihr Kind davor zu schützen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/sch...-a-900984.html
  1. #1

    So ist das mit dem Empfehlungen.

    In unserer Geburtsklinik wurde man von den Hebammen praktisch dazu genötigt, dass Kind mit ins Bett zu nehmen, solange man kein Raucher oder Trinker ist.
  2. #2

    Wie jetzt?

    "Mediziner rätseln noch über die Ursachen - Eltern können aber viel tun, um ihr Kind davor zu schützen"
    Da zeigt die Unterschrift zur Überschrift schon, dass nun nur "warme Luft" zu erwarten ist.
    Plötzlich weil man nicht weiß warum! Ich habe selbst Kinder und es gibt so viele Dinge die unbegreiflich sind im Positiven, wie im Negativen - man darf sich nicht von den ganzen Gefahren kaputt machen lassen, die passieren könnten. Will man sie in Watte einpacken und nie vor die Tür lassen?
    Die Tips sind der Kracher: So wie sie sich selbst drehen können TUN sie das auch! Zu kalt, zu warm? Im Sommer im Kühlschrank schlafen? Nicht im elterlichen Bett? Was für Humbug!
  3. #3

    ... und mein Sohn wäre als Baby möglicherweise gestorben, wenn er nicht neben mir geschlafen hätte. Ich bin aufgewacht, er atmete nicht. Nach kurzem Abwarten habe ich ihn zu wecken versucht - er seufzte einmal sehr tief und schlief weiter. Nicht auszudenken, wenn er im Nebenzimmer gewesen wäre...
    Und das mit den Lagerungshinweisen ist ja sicher gut, aber was tun, wenn das Baby auf keinen Fall auf dem Rücken schlafen will? Meine Tochter gat von Anfang an auf der Seite geschlafen.
    Der Kindstod ist etwas Schreckliches, und jeder versucht ihn zu verhindern... es wird aber übersehen, dass die Beachtung aller Hinweise nur das Risiko senkt, also die Wahrscheinlichkeit. Sicher ausschlueßen kann man das nicht. Ich denke aber, dass ein Kind im Elternbett nicht nur die Atemanregung von seinen Mitschläfern bekommt, sondern auch Sicherheit und Geborgenheit. Zehntausende Jahre haben Kinder bei ihren Eltern geschlafen, und auf einmal soll das falsch sein?
  4. #4

    Es ist sehr schwer...

    Zitat von PaulMeister Beitrag anzeigen
    In unserer Geburtsklinik wurde man von den Hebammen praktisch dazu genötigt, dass Kind mit ins Bett zu nehmen, solange man kein Raucher oder Trinker ist.
    ... gegen bestimmte alt hergebrachte Verhaltensweisen anzugehen. In meiner alten Klinik hat es Jahre uns sehr viel Einsatz gekostet, im Kinderzimmer Dinge wie die Seitenlage oder das Schlafen bei den Eltern aus den Köpfen der Mitarbeiter zu bekommen - obwohl diese Risikofaktoren auch schon vor 8-10 Jahren bekannt waren. Wahrscheinlich ist das sogenannte co-sleeping auch der Grund, warum Zwillinge (welche häufig in ein Bett gesteckt werden, "sind sie ja so gewohnt, war ja die letzten 40 Wochen so") ein ungefähr verdoppeltes SIDS-Risiko haben. Auch kleine Körper strahlen Wärme aus... Manchmal sind es aber auch einfach ideologische Gründe, die hier eine Rolle spielen und die Gefahr einfach ausblenden wollen: das Kind gehört nach Meinung einiger Menschen einfach in das Familienbett, damit es die Nähe der Eltern hat. Dass die Nabelschnur schon durchschnitten ist und auch Kinder ohne andauernden Körperkontakt zu den Eltern einmal glückliche Menschen werden können - ohne zuvor einem erhöhten SIDS-Risiko ausgesetzt zu sein - wird einfach außer acht gelassen. Interessant: es gab im alten Ägypten einen Straftatbestand, wenn die Kinder in den Betten der Mütter verstarben: die Mutter musste das tote Kind einige Tage im Arm tragen, das Risiko war hier schon (!) bekannt. Ebenfalls gab es im alten Griechenland hierzu Anmerkungen von Ärzten, auch in einem preußischen Gesetzbuch (soweit ich mich erinnere 17xx) gabe es einen Paragraphen (nannte man das damals schon so?), welcher es Ammen und Mütter verboten hat, Säuglinge mit in das Bett zu nehmen. Erstaunlich, dass in diesen Zeit mit deutlich höherer Säuglingssterblichkeit schon erkannt worden ist, dass hier eine Gefahr lauert!

    An dieser Stelle noch einmal ein Lob an den Spiegel bzw. SPON, hier werden in der jüngeren Vergangenheit immer wieder wichtige Punkte zur Gesundheit von Säuglingen und Kindern sehr fundiert besprochen. Sei es die Gefahr durch eine Impfmüdigkeit bezüglich der Masern, sei es der plötzliche Kindstod - die Artikel sind sauber recherchiert und wichtig, damit Unwissenheit oder aber Fehlinformationen die Kleinsten und Hilflosesten nicht gefährdet! Dafür von meiner Seite herzlichen Dank! Eric Prüter, Kinderarzt
  5. #5

    Das ist ein Thema, bei dem auch die Statistik an ihre Grenzen stößt, vor allem deshalb, weil die Fallzahlen gottlob sehr gering sind. So sagen solche Statistiken auch aus, dass Kinder deutlich weniger Risiko haben, wenn die Mütter Abitur haben. Ein direkter Zusammenhang scheidet da wohl eher aus. Da die Ursachen und Wirkungen nicht bekannt sind, kann man nur hoffen, dass die jeweiligen Maßnahmen tatsächlich wirken. Dass man Kinder aber weder Rauch noch Alkohol aussetzen sollte dürfte mittlreweile wohl jedem klar sein - auch ohne Hinweis auf dieses zusätzliche Risiko.
  6. #6

    Die Tipps sind plausibel und wurden von meiner Frau und mir auch ziemlich identisch so befolgt.

    Ich denke aber, dass der ploetzliche Kindstod ein schicksalhaftes Ereignis ist, das kaum abzuwenden ist, wenn es denn eintreten soll, selbst wenn man sein Kind rund um die Uhr bewacht.
  7. #7

    Dazu ein Buchtipp:

    "Der frühe Abschied" des Psychoanalytikers Arno Gruen.
  8. #8

    Zitat von dahier Beitrag anzeigen
    ... ....... Zehntausende Jahre haben Kinder bei ihren Eltern geschlafen, und auf einmal soll das falsch sein?
    Unsere 3 Patenkinder wurde erbarmungslos auf den Bauch gelegt, ich konnte mir nicht vorstellen, dass das besonders gut für die Kinder war. Inzwischen sind die 3 alle über 21 Jahre alt, sind kerngesund und die größte Gefahr scheint vorbei zu sein. Glück gehört bei Allem dazu;o).

    MfG. Rainer
  9. #9

    Omg !

    Die Spiegel-Online-Redaktion sollte wirklich etwas kristischer prüfen, was veröffentlicht wird. Eine Risikoerhöhung durch das Schlafen im elterlichen Bett ist wirklich das Unbrauchbarste, was an Risikofaktoren ermittelt wurde.