Architektur-Idee: Komm, wir bauen ein Milliardengrab

Simulation: PromoWehe, wenn Architekturstudenten losgelassen: Für einen Wettbebwerb dufte der Nachwuchs eine neue Berliner Landesbibliothek entwerfen. Die Idee: Die Bücherei kommt unter die Erde. Oben glänzt eine holzgetäfelte Lesehalle, vier mal so groß wie der Petersdom, in der man sogar Segway fahren kann.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-894699.html
  1. #1

    Milliardengrab-Designer

    Was ist der Unterschied zu wirklichen Prestigeprojekten? Da wird sich auch nicht um die Kosten geschert. Nur in der initialen Phase bedarf zwecks politischer Durchsetzbarkeit der Präsentation eines engen Kostenrahmens. Ist erst mal mit dem Bau angefangen, sind der Kostensteigerung keine Grenzen mehr gesetzt. Wer immer dafür finanziell einstehen muss, Land, Kommune oder beide, sie können einer teilfertigen Bauruine nicht entkommen und müssen jeden Betrag nachschießen, der gefordert wird. Zwar gibt es dann laufend eine öffentliche Kostendiskussion, denn die Beträge fehlen Land und Kommune an allen Ecken und Enden, doch das sind Scheingefechte, denn gezahlt wird immer.

    Die jungen Architekten liegen bereits ganz richtig mit ihren Entwürfen und haben den Vorteil, man würde für das Geld auch hinterher was zu sehen bekommen, statt wie in Hamburg nur einen abgerissenen Klotz als Konzerthalle und in Stuttgart sieht man nach Fertigstellung für optimistische 6,5 Mrd € nur eine ausgefallene Bahnsteigüberdachung
  2. #2

    "Geld war uns egal"

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wehe, wenn Architekturstudenten losgelassen: Für einen Wettbebwerb dufte der Nachwuchs eine neue Berliner Landesbibliothek entwerfen. Die Idee: Die Bücherei kommt unter die Erde. Oben glänzt eine holzgetäfelte Lesehalle, vier mal so groß wie der Petersdom, in der man sogar Segway fahren kann.

    Architektur: Studenten-Entwurf für Zentralbibliothek Berlin - SPIEGEL ONLINE
    Echte Kreative halt. Anfangssemester? Kostenplanung gehört zum state of art und lernt man doch in dem Studium auch, oder in Berlin nicht? Schinkels Orianda war Umsetzung zaristischen Größenwahns, wessen wird hier gehuldigt?
  3. #3

    Unvernünftige Architektur

    Juchu! Ein Treibhaus mit Glasdach! Egal, wie man es klimatisiert: in der Riesenhalle werden ausserdem vermutlich merkliche Winde wehen aufgrund der Temperaturunterschiede. Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte werden sich über die Hügellandschaft auch sehr freuen. (Man sollte Leuten, die so etwas entwerfen, ohne auf ihre Mitmenschen Rücksicht zu nehmen, wünschen, dass sie zumindest zeitweilig in eine ähnliche Lage versetzt werden.)

    Natürlich lesen wir alle auch die Bücher am liebsten am Boden liegend – schreibt sich in der Position ja auch viel besser, egal ob mit Stift oder auf dem Laptop …

    Und wie es aussieht, ist der Holzboden kein Parkett, sondern eher eine Art Lattenrost? Da wird also vermutlich in dem Riesenareal immer gerade irgendwo ein Reparaturtrupp werkeln –*und auch die Sanitäter haben vermutlich ihre Freunde, falls die Benutzer dieser Architektur darin hängen bleiben, sich Zehen verstauchen usw. …

    Fazit: Diese Jungarchitekten haben die allerbesten Voraussetzungen, es in unserer heutigen Architekturszene weit zu bringen: Plane sinnlos, ohne Rücksicht auf Kosten, Menschen, Nutzbarkeit … Gut, dass sie also hier bei SPON schon mal eine Plattform bekommen.

    </ironie: off>

    Nein, im Ernst: Man sollte solche Leute nicht einmal Architektur studieren lassen. (Da wird doch angeblich durch Eignungstests etc. vorher stark gesiebt …?). Zum Spargelstechen mögen sie taugen, obwohl sie dann vermutlich auch eher die Erde abliefern und den Spargel wegwerfen …

    PS: Es gab da mal einen Architekturtheoretiker, der forderte, Gebäude sollten Utilitas (= Nützlichkeit), Firmitas (= Dauerhaftigkeit) und Venustas (Schönheit) aufweisen. Aber der hieß Vitruv und lebte vor mehr als 2000 Jahren. Warum sollte man solchen "alten Schwachsinn" heute noch lesen oder gar drauf hören? Schliesslich gab es zu seiner Zeit ja praktisch noch gar keine Architektur und keine Erfahrung mit Bauten … naja, einiges steht zwar heute noch. Aber das – 2000 Jahre Benutzbarkeit (s. Pantheon) – wird man bei grenzenlosem Budget sicher auch bei dieser "Bibliothek" schaffen …*vorausgesetzt, man stiftet ihr auch noch einen Wald für den Holznachschub. Den Berliner Tiergarten vielleicht?
  4. #4

    Bleibt nur eine Frage...

    Satire oder Realsatire?
  5. #5

    Wenn Geld egal ist...

    ... warum ist dann ein Entwurf bei rausgekommen, der total unbrauchbar ist? Gerade wenn mich die Kosten nicht interessieren, dann sollte doch am Ende die "ideale" Bibliothek herauskommen. Was die aber gemacht haben ist halt wieder irgendeinen dieser "schicken" Sinnlosbauten zu entwerfen, der auf dem Papier "schön" aussieht, aber nicht dem Zweck gerecht wird.

    Um nur ein paar Probleme zu nennen:

    - Der große offene Raum führt dazu, dass der Geräuschpegel und die allgemeine Unruhe ein einigermaßen konzentriertes Arbeiten unmöglich machen

    - Ohne Tische und Stühle wird das auch nicht besser (soll man sich tatsächlich auf den Boden setzen/legen?)

    - Der unebene Boden macht das Aufstellen von Möbeln auch schwierig und ist auch für Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte ungeeignet

    Was wird den Leuten eigentlich im Studium beigebracht? Manche Architekten scheinen wohl nicht daran interessiert zu sein, dass man die Gebäude hinterher auch gebrauchen kann...
  6. #6

    Wettbewerb?

    Der Entwurf soll aus einen Wettbewerb hervorgegangen sein. Danach wäre er bei sachverständiger Prüfung durchgefallen. Es ist aber bezeichnend, welcher Schwachsinn den jungen Leuten beigebracht wurde. Sie haben doch das Erlernte nur umgesetzt. Die Ausbildung ist's, an der die Sache krankt! Ihre Lehrer - vermutlich oft mit Parteibuch zu Beamtenstatus hochgewertete Träumer und Schwätzer - müsste man lebenslänglich in so einem Gebäude unterbringen!
  7. #7

    Sieht für mich aus wie das Rolex Learning Center am Genfer See....
  8. #8

    Leute keine Aufregung

    Es ist so wie der Student sagt: Es ist eine IDEE und damit kein Plan. In der Phase kann man auch ruhig mal die Kosten außen vor lassen.
    Die Aufgabe war ja auch IDEEN zu entwickeln und nicht eine funktionale und kostensparende Planung zu erarbeiten.

    Das was leider nicht bei dem Artikel raus kommt: Die Grundidee Lesefläche in Bibliotheken neu zu gestalten und die Bücher selbst bzw. zukünftig die eBooks selbst in den Hintergrund zu rücken ist nämlich gar nicht schlecht! Lesefläche und ein Platz zum Austausch über Literatur und Wissenschaft statt Bücheraufbewahrung. Eine Herausforderung für jede Bibliothek in den nächsten Jahren, wenn eBooks immer mehr normale Bücher verdrängen!
  9. #9

    3,4 Millionen Bücher?

    Sind zwischen 2 und 5 TeraByte, so groß muss der Keller da nicht sein und für das gesparte Geld kann man die Print-On-Demand-Drucker hundert Jahre rund um die Uhr laufen lassen ...