Wildnis-Camps für Kinder: Indianer für ein Wochenende

Kur- und Gästeinformation Bad FeilnbachSimple Unterkunft, aber professionelle Betreuung: So lautet das Motto in vielen deutschen Wildniscamps, die vor allem Stadtkindern die Natur näherbringen sollen. Manche bringt das ungewohnte Leben in der Natur bis an ihre Grenzen.

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/...-a-900456.html
  1. #1

    Wir machen sowas...

    einfach hinterm Haus. Und als Kinder sind wir bei den Pfadfindern und beim Wandervogel gewesen. Die soll es gerüchteweise ja immer noch geben. Da haben wir das jedes Wochenende gemacht - und zwar nicht kommerziell sondern umsonst.
  2. #2

    Vor 1980....

    Wenn du als Kind in den 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es
    zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten!

    Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne
    Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller
    Blei und Cadmium.

    Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne
    Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel.

    Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere
    Fingerchen und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

    Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.
    Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der
    ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten.
    Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

    Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den
    ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die
    Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und
    wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

    Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und
    niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle.
    Niemand hatte Schuld außer wir selbst.

    Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Kannst du dich noch an
    "Unfälle" erinnern?

    Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau.
    Damit mussten wir leben, denn es interessierte die
    Erwachsenen nicht besonders.

    Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und
    wurden trotzdem nicht zu dick.

    Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und
    niemand starb an den Folgen.

    Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box,
    Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround
    Sound, eigene Fernseher, Computer,Internet-Chat-Rooms.

    Wir hatten Freunde!!!

    Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder
    wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten.
    Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach
    hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen
    Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns...

    Wie war das nur möglich?

    Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen.
    Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein:
    Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und
    mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus.

    Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer
    nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

    Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie
    rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das
    führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur
    Änderung der Leistungsbewertung.

    Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und
    keiner konnte sich verstecken.

    Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar,
    dass die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen.
    Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei!

    Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung.
    Mit alldem wussten wir umzugehen!

    geb. vor 1980 => WIR WAREN HELDEN!!!!!!!!!!!!!!
  3. #3

    Das waren noch Zeiten ....

    ... aber die sind leider in Deutschland größtenteils vorbei. Da sind solche Angebote wie ein nostalgischer Tropfen auf den heißen Stein. Back to the roots - im wahrsten Sinne des Wortes! Da ich ab und an ähnliches privat mache - Großstadtkindern, auch aus soziale Brennpunkten, die Natur näher bringen - kann ich die gemachten Aussagen nur bestätigten, speziell das letzte Zitat trifft leider immer mehr zu. Das Leben hinter Glas und Beton und immer mit einem flimmernden Bildschirm jeder Größe vor dem Kopf fordert seine Opfer...
  4. #4

    Wir auch ....

    und zwar im richtigen Wald, in Zelten ohne Boden die erst mal an Ort und Stelle gebracht sein wollen - genauso wie die Verpflegung. Und ja: Pfadfinder gibt's noch ! Nachdem ich da mit 8 Jahren eingetretem, und dann 15 Jahre Mitglied war, hatte ich mit 12 schon unter winterlichen Bedingnungen gecampt, gegen die der damalige Grundwehrdienst ein laues Kaffekränzchen war. Ok, ich gebe zu, wir hatten schon anderes Material als der Bund. Wir haben dort Sachen erlebt, die die Gruppen fest zusammengeschweißt, und die für den Charakter Heranwachsender prägend war. Unter anderem waren wir z.Bsp. 4 Wochen in Schottland - und zwar nicht mit dem Bus sondern mit Muskelkraft auf vollbepacktem Rad. Das Schönste daran: alles zu sozialverträglichem Budget, so dass keines der Kinder daheim bleiben muss. Die Kids schaffen es, ein unvergessliches, einwöchiges Lager im heimischen Wald für 15 EUR pro Nase auf die Beine zu stellen. Mit den in dieser Laudatio beschriebenen Veranstaltungen soll nur flott Kasse gemacht werden. Als mein 11 jähriger Sohn, seit 4 Jahren begeisterter Pfadi, die abgebildeten Unterkünfte sah, hat er nur nüde gelächelt. Wahrscheinlich gibt's dort sogar fließendes Trinkwasser, Gasanschluß zum Kochen und abschließbare Toiletten. So eine für mind. 200 EUR / Woche betreute und gezähmte, wildniserlebnispädagogisch wertvoll aufbereitete Natur, in der "stromlos" extra erwähnt werden muss, braucht kein Mensch.
  5. #5

    Zitat von northanc Beitrag anzeigen

    geb. vor 1980 => WIR WAREN HELDEN!!!!!!!!!!!!!!

    Warum haben es denn die "Helden" zugelassen das alles so gekommen ist wie es passiert ist? Ich meine jetzt nur auf die Kindererziehung bezogen.

    Diese "Helden" haben doch selber schon viele Kinder. Und einfach zu sagen früher war alles besser und heute sind die Kinder verwichlicht usw. ist doch schon recht anmassend. Da muss dann einfach auch nen eigenes Versagen eingräumt werden.

    Ich selber bin kurz nach 80 geboren, also kein Held :(
    So ein Pech auch......

    Einer meienr Lehrer meinte auch mal das es von Klasse zu Klasse schlimmer werde. aber er hat selber gesagt das seine Generation das verbockt hat und nur sie selber die Schuld trifft.
  6. #6

    Nicht gleich schlechtreden

    Viele Eltern aus dem großstädtischen Umfeld kennen diese Natur-Angebote überhaupt nicht und würden sich selbst auch nicht in der Natur zurechtfinden. Pfadfinder? Das sind doch diese Erfindungen aus den Mickey-Maus-Heften oder?

    Im Ernst, so kommerziell die Angebote auch sein mögen, sie erfüllen ihren Zweck. Wenn Kinder so die Lust auf die Natur entwickeln und erleben was man alles abseits von Xbox und Facebook erleben kann ist es auch dann keine schlechte Sache wenn die Betreiber daran verdienen. Schade ist nur, dass es sich dann wieder nicht alle leisten können.

    Wir haben hier das unbeschreibliche Glück, eine große eigene Wiese mit Bäumen, hohem Gras und einer selbst angelegten Feuerstelle hinterm Haus zu haben. Die Nachbarn sind nett und freundlich - beim Nachbarsjungen geht unser Großer auch ein und aus als wenns unser Haus wäre, anders herum genauso. Die Wiese wird von allen Kinder der Umgebung genutzt und auf dem Pferdehof nebenan sind auch alle willkommen. Alle paar Monate fahren wir dennoch zum Liverollenspiel und freuen uns über Wochenenden mit noch mehr Natur.

    Diese Chance haben nicht alle. Ja nicht einmal das Wissen, dass es so etwas gibt und man problemlos daran teilhaben kann.

    Übrigens: Auch vor 1980 gab es bereits Kinder, die in großen Städten aufgewachsen sind, ohne Natur, Pfadfinder und all die Freuden des oben genannten Textes.
  7. #7

    optional

    der text war gut..war selbst bei den Pfadfinder (Wölflinge)
    14 tage Campen,mit selbstaufgestellen Bannermasten (3teilig) ,Donnerbalken mit Plane und Kalk,3 Tage Überlebungstraining mit Kompass,Karte und 30 pf. für den Notfall..waren 30 km zu latschen,80 km Anfahrt mit der Rad, manche mit Schaltung, manche ohne..egal....Lagerfeuer, Floßbau das waren Zeiten und da war ich 10...war mega geil..später mein Kind zu so einem ähnlichen Lager geschickt..naja moderner aber trotzdem gut...die Stadt bietet sowas an ,allerdings mit festen Häusern und Bus als anreise...
    Campe heute noch in der Wildniss (Ausland) und habe nur das dabei was wichtig ist,Zelt Schlafsack, Kocher (und mein alter Feuermacher)...waren geile Zeiten...Weicheigesellschaft...traurig aber wahr.anscheinend sind zu wenig lehrer geworden die so etwas auch mitgemacht haben...oder die Eltern sond zu blöd geworden die sich überall einmischen undgleich klagen
  8. #8

    Nicht ihr wart die wahren Helden

    Zitat von northanc Beitrag anzeigen
    geb. vor 1980 => WIR WAREN HELDEN!!!!!!!!!!!!!!
    Falsch. Ihre Eltern waren Helden, weil Sie Ihnen all das so ermöglicht haben. Ihre Generation hat es vermasselt und der nachfolgenden Generation diese Freiheiten der Kindheit genommen. Ich hab mal aus Ihrer (irgendwo geguttenbergten) Liste die Punkte herausgenommen, die Sie exklusiv den Eltern in Ihrer Generation ankreiden können:

    Zitat von northanc Beitrag anzeigen
    Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.
    Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der
    ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten.

    Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den
    ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die
    Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und
    wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

    Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und
    niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle.
    Niemand hatte Schuld außer wir selbst.

    Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und
    wurden trotzdem nicht zu dick.

    Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und
    niemand starb an den Folgen.

    Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box,
    Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround
    Sound, eigene Fernseher, Computer,Internet-Chat-Rooms.

    Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder
    wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten.
    Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach
    hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen
    Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns...

    Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen.
    Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein:
    Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und
    mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus.

    Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie
    rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das
    führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur
    Änderung der Leistungsbewertung.

    Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und
    keiner konnte sich verstecken.

    Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar,
    dass die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen.
    Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei!

    Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung.
    Mit alldem wussten wir umzugehen!
  9. #9

    Zitat von northanc Beitrag anzeigen
    geb. vor 1980 => WIR WAREN HELDEN!!!!!!!!!!!!!!
    Wir waren keine Helden, es waren einfach die Gegebenheiten der Zeitepoche:

    - kein Internet -> man hat telefoniert, Briefe geschrieben, sich getroffen
    - keine Handys -> siehe oben
    - geschlossene Landesgrenzen -> Stichwort: Kindesentführung
    - in vielen Haushalten nur 3 Fernsehprogramme -> langweilig...
    - Frontgebiet im Kalten Krieg/ bestehendes Feindbild -> mentale Vorbereitung des männlichen Nachwuchses auf den Wehrdienst
    - Eltern gehörten zur Kriegs-/ und Nachkriegsgeneration -> "Stell Dich nicht so an..."

    aber auch im Vergleich zu heute:

    - hohe soziale Absicherung
    - niedrige Arbeitslosigkeit
    - eine breite Mittelschicht, der es sehr gut ging
    => Unfälle, angerichtete Schäden, Vorstrafen, bleibende Verletzungen usw. waren ein geringeres Handycap beim Start des Nachwuchses in das eigene Leben.

    Für das Auftreten der "Helikoptereltern", die der oben zitierte Text eigentlich auf die Schippe nimmt, gibt es also durchaus Gründe.
    Gut dran sind diejenigen Eltern, die soweit denken (können) und ihre Kinder entsprechend erziehen.