"Der letzte Mohikaner": Skalpieren geht über studieren

DPAGlobaler Bestseller, bevor es den internationalen Buchmarkt überhaupt gab: James Fenimore Coopers "Der letzte Mohikaner" war einer der Romane des 19. Jahrhunderts - dann wurde er als Jugendbuch verhunzt, sein Titel verkam zur Floskel. Jetzt ist das Buch neu übersetzt. Mohikaner aber hat es nie gegeben.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...-a-899701.html
  1. #1

    mist

    wer braucht diese neuuebersetzung eigentlich. das buch ist ein solch wuester schinken und auch mit den streichungen mehr als genug. da werden kinderbuecher bereinigt aber einen solchen fragwuerdigen kitsch kriegt ne neubehandlung. und wenn ich schon dabei bin, da gibts auch noch den crusoe das wohl aergste buch, dass man seinen kindern antun kann. weisse ueberlegenheit und koloniale klischees werden bei diesen buechern ausgelebt.
  2. #2

    Kitsch hin, Kitsch her,

    Chingachgook und Unkas waren Helden meiner Jugend, das Buch habe ich damals mehrmals verschlungen.
  3. #3

    Wurde auch Zeit

    Wer mal das Glück hatte, Dumas, Scott, Salgari, Cooper und Co in orginalgetreuen (alten) Übersetzungen zu lesen, nein, zu genießen, dem haben diese neuen "Übertragungen" oder "Kinderbücher" die Haare senkrecht zu Berge stehen lassen. Sprache kann schön sein, sie kann mitreißen, einschmeicheln und verwunden sein; vor allem aber transportiert sie nicht nur Informationen, sondern auch Emotionen und Bilder, wenn ein Autor mit ihr umzugehen versteht. Wer glaubt, daß ein Teenager "Neusprech-Übertragungen" braucht, der irrt. Das Ergebnis dieser Sprachverstümmelung kann jeder, der die Machwerke seiner Schüler in Form von Aufsätzen, Arbeiten und sonstigen Schriften lesen muß, bewundern. Satzkonstruktion, Beziehungen und Logik sind anscheinend höhere Mathematik geworden, für die es mindestens einer Habilitation auf diesem Gebiet bedarf.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Globaler Bestseller, bevor es den internationalen Buchmarkt überhaupt gab: James Fenimore Coopers "Der letzte Mohikaner" war einer der Romane des 19. Jahrhunderts - dann wurde er als Jugendbuch verhunzt, sein Titel verkam zur Floskel. Jetzt ist das Buch neu übersetzt. Mohikaner aber hat es nie gegeben.

    James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner Neuübersetzung - SPIEGEL ONLINE
    Ich habe lange danach gesucht. Nicht mal in Antiquitätenläden waren sie zu finden.

    Eine ungekürzte deutsche Übersetzung von Coopers Büchern zu bekommen war jahrelang unmöglich. Eine tolle Idee, ein Buch, dass von Goethe und Balzac als literarisch hochstehend gelobt wurde, endlich in großer Anlehnung an das Original neu transskribiert zu bekommen.

    Schöner Artikel, der sich auch ein wenig mit der Perspektive des Autors auseinandersetzt. Man sollte diesbezüglich vielleicht erwähnen, dass Cooper sich damals durchaus schon Gedanken über die Vernichtung der indianischen Kultur sowie die Folgen der Umweltzerstörung machte.
  5. #5

    Nicht Uncas ...

    ... sondern sein Vater Chingachgook, der ihn überlebt, ist der "letzte" Mohikaner.
    Ich habe alle Lederstrumpf-Romane im englischen Original gelesen, und literarisch klar der beste und auch der spannendste ist der zuletzt (1841) geschriebene, in der Chronologie der Hauptfigur aber früheste Teil "The Deerslayer". Den sollte man wirklich gelesen haben.
  6. #6

    Sehr schön. Leider sind diese Klassiker (ebenso wie "Mobxy Dick" und "Gulliver's Reisen") hierzulande meist nur als Jugendbücher bekannt. Insofern zielt auch die Kritik im ersten Beitrag daneben. Es sind historische und gleichzeitig zum Teil sehr, sehr moderne Romane.
  7. #7

    Erzählen...

    Erzählen *um des Erzählens willen*, zuhören *um des Zuhörens willen*, das ist etwas, das unsere Vorfahren noch beherrschten und das uns leider verlorengegangen zu sein scheint. Wer immer nur auf der Jagd nach Spannungsbogen, Pointe oder Wendung ist, dem wird sich die ganze Schönheit der Sprache und des Erzählens niemals erschließen können.
  8. #8

    Gespannt!

    Na, da bin ich gespannt. Ich kann mich erinnern, daß schon bei der ersten Lektüre mir eine stellen seltsam vorkamen, wie Sprünge in der Kontinuität, die sich aber nicht an direkten Schnitten verorten lassen.

    Daß das wohl eine gekürzte Jugendversion war, daß es überhaupt quasi nur eine derart gekürzte Version bisher gab, ist mir auch unbekannt gewesen.

    Es lohnt sich fast immer, Bücher so original zu lesen, wie man es schafft. Die Bequemlichkeit läßt mich dabei aber gerne doch zu deutschen Übersetzungen zu greifen, naja, und andere Sprachen als englisch sind sowieso nicht als Buch drin.

    Ich bin gespannt - ich freue mich drauf!
  9. #9

    Zitat von Realist1960 Beitrag anzeigen
    wer braucht diese neuuebersetzung eigentlich. das buch ist ein solch wuester schinken und auch mit den streichungen mehr als genug. da werden kinderbuecher bereinigt aber einen solchen fragwuerdigen kitsch kriegt ne neubehandlung. und wenn ich schon dabei bin, da gibts auch noch den crusoe das wohl aergste buch, dass man seinen kindern antun kann. weisse ueberlegenheit und koloniale klischees werden bei diesen buechern ausgelebt.
    Die Neuübersetzung ist vermutlich auch nicht als Kinderbuch geeignet. Vielleicht für Jugendliche, die einen etwas kritischeren Geist haben? Die gekürzten Versionen dürften vermutlich auch kitschiger daherkommen als das Original (das ganz sicher nicht als Erbauungsroman für Kinder gedacht war!). Aber selbst diese Kinder-Version hat nicht dazu geführt, daß ich jetzt ein völlig undifferenziertes Bild der Moheegan, Delawaren, Ottawa, Huronen habe, es hat eher dazu geführt, daß ich mich noch mehr informiert habe.

    Ich empfehle: Selber lesen! :-)