Wirtschaftsprüfer: Große Zahlen, große Qualen

DPAWirtschaftsprüfer sind frei, gefürchtet und überbezahlt - soweit das Klischee. Das Selbstbild: Eine stramme Ausbildung, Aktenpflügen bis zum Umfallen und anfangs maue Einnahmen. Gerade ist die Bilanzsaison vorüber, da steigen viele Prüfer aus. Dabei ist der Job krisensicher.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-899201.html
  1. #1

    Was prüft die?

    Hat Sandra bei all den Prüfungen nicht gemerkt, dass es etwas dummerhaft ist, in Solingen zu wohnen und in Düsseldorf zu arbeiten? Nun ja, auch Wirtschaftsprüfern entgeht manchmal etwas. Aber das?
  2. #2

    wieso ? man hat doch als WP nicht nur ein Mandat ! Und die arbeit findet beim Mandan-

    Zitat von BettyB. Beitrag anzeigen
    Hat Sandra bei all den Prüfungen nicht gemerkt, dass es etwas dummerhaft ist, in Solingen zu wohnen und in Düsseldorf zu arbeiten? Nun ja, auch Wirtschaftsprüfern entgeht manchmal etwas. Aber das?
    ten statt. Bei kleineren WP-Gesellschaften muss man mindestens in NRW herumreisen, bei den großen kann es schonmal die ganze Welt sein. Wie bei Beratern, man lebt eh die meiste Zeit irgendwo im Hotel - es ist egal wo man wohnt.
  3. #3

    Ein Fall für die Staatsanwaltschaft?!

    Zitat: ""13-Stunden-Tage sind für mich in der Busy Season normal", sagt P. "Abrechnen darf ich eigentlich nur acht, weil ich sonst das Stundenbudget überziehe""

    Überstunden darf sie laut Partner nicht aufschreiben, nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom Urteil vom 22. Februar 2012 –
    5 AZR 765/10 sind jedoch Regelungen, nach denen Überstunden mit dem Gehalt pauschal abgegolten sind, unwirksam (ausser für leitende Angestellte).

    Zwischenergebnis: Die Prüfungsassistenten bei den großen 4 haben also ein Anspruch auf Vergütung ihrer Überstunden. Wahrscheinlich werden sie diesen regelmäßig durchsetzen, da dies zu einer Zerrüttung des Arbeitsverhältnisses führt.
    Wenn der Anspruch auf Bezahlung jedoch besteht, so sind auf diesen Anspruch die Sozialversicherungsabgaben abzuführen, die Zahlung ist dafür unerheblich. Werden diese vom Arbeitgeber nicht abgeführt, macht sich dieser strafbar nach § 266a Abs. 1 StGB.
    Ich hoffe die Partner der Großen 4 sind über das oben genannte Urteil und dessen Auswirkungen im klaren und es kommt nicht bei der nächsten Außenprüfung der Rentenversicherung zum bösen Erwachen....
  4. #4

    Zitat von BettyB. Beitrag anzeigen
    Hat Sandra bei all den Prüfungen nicht gemerkt, dass es etwas dummerhaft ist, in Solingen zu wohnen und in Düsseldorf zu arbeiten? Nun ja, auch Wirtschaftsprüfern entgeht manchmal etwas. Aber das?
    projekte finden eigl immer beim kunden statt.. und der standort wechselt.
    das heimatbüro der WP wird eh nicht so oft besucht und daher is es vllt sinnvoller im weit günstigeren solingen zu wohnen als teuer in DDorf um dann 4 - 5 tage gar nicht da zu sein.
  5. #5

    optional

    @matthias.k:
    Theoretisch mögen Sie recht haben, auf die Praxis bezogen ist es allerdings Wolkenkuckucksheim. Genauso wie in Beratungen, wird ja nicht die tatsächliche Arbeitszeit erfasst, sondern letztendlich die fakturierbare. Somit fällt im Nachhinein der rechtswirksame Nachweis von Überstunden schwer.
  6. #6

    Nicht unfehlbar!

    Immer mehr Wirtschaftspruefer ueberblicken heute bei den internationalen Verflechungen der Unternehmen ueberhaupt nicht mehr, was sie mit ihrem Testat eigentlich bestaetigen.
  7. #7

    Honorare

    Selbst, wenn WP-Gesellschaften Überstunden vergüten wollten, ist dies ziemlich schwierig. WP-Leistungen werden mit einem Stundensatz von zwischen EUR 60 und EUR 90 abgerechnet - da bleibt dann nicht mehr viel nach für eine Vergütung von Überstunden. Die Stunde eines Elektrikers (Meister) beträgt ungefähr zwischen EUR 60 bis EUR 70...bei solchen Zahlen ist die Farbe des Hauses dann auch egal.
  8. #8

    Probleme in der Branche ?

    Warum erscheint eigentlich parallel zu diesem Artikel eine PWC-Werbung am rechten Bildschirmrand ??

    Ansonsten scheint der Interessenkonflikt zwischen Herkunft der Bezahlung und notwendiger Unabhängigkeit mit öffentlichem Auftrag eine immer größere Gratwanderung zu sein. Vielleicht ist die Preisgestaltung für die Prüfungsaufträge auch deshalb so knapp, weil die Prüfer eher auf die lukrativen Berateraufträge schielen und den öffentlichen Auftrag eher als door opener und lästiges Übel ansehen.

    Wenn man sich z.B. die zitierte Bankenbranche ansieht und mal ernsthaft überlegt, was da an Risiken, neuen komplexen Geschäftsfeldern und neuen Regularien (z.B. Basel II/III oder das aufgeblähte KWG) in den letzten Jahren dazu gekommen ist, dann muesste angesichts des Prüfungsumfangs und der Ausbildungsanforderungen an die Prüfer die Mandats-Preise erheblich nach oben gegangen sein, was offensichtlich nicht der Fall ist (andernfalls wäre es ein Prüferinternes Verteilungsproblem, wenn bei den niederen Chargen nichts ankommt).

    Tatsache ist jedenfalls, dass nach meinen Beobachtungen die Fluktuation Folgen bei Erfahrungsschatz, know How, Prpüfungs- und Beratungsqualität zeigt.

    Wenn die Prüfer hier nicht eine Wende einleiten (aber der SPON hilft ja schon dabei...;), führt dies zu Fehlentwicklungen zu Lasten der gesamten Wirtschaft.
  9. #9

    Arbeitszeit - Wissen - Bezahlung

    10 Jahre Big4, 6 J Manager (Süden D) Prüfungsverantwortung für IT Prüfung bei ca. 50 Mandanten vom Mittelbetrieb bis Multinational (Global 100)!
    Arbeitszeit: Kein MA bei WP hält die gesetzlichen Regeln ein, ich habe mich immer gefragt wo der Staatsanwalt bleibt, vor allem da zwar bei keinem WP eine Stundenschreibung existiert – „Vertrauensgleitzeit“ zur Selbstausbeutung aber sehr wohl die Verrechnung der individuellen Stunden an den Mandanten, und hier sind zumindest 50% der AZ-Verstöße nachlesbar
    Typisch war auch das die Kollegen von der reinen Prüfungsabteilung immer zumindest solange beim Mandanten blieben bis auch der zuständige Manager Feierabend gemacht hat! (haben meine IT Prüfer nie gemacht)
    Umsatzdruck: Ab Senior aber vor allem ab Manager wird ein enormer Druck aufgebaut zusätzliche Umsätze sowohl bei bestehenden Mandanten als auch extern zu generieren – die Ergebnisse sind hier sehr relevant für den Bonus (20-30% des Gehalts)
    Resourcenknappheit: In meinen 10 Jahren habe ich keine einzige Saison erlebt in der wir ausreichend Mitarbeiter hatten um unsere Aufgaben ohne Probleme zu erledigen. Auslastungen von 110-150% waren eher die Regel als die Ausnahme. Ich selbst hatte am Ende des Jahres typischerweise zw. 500 – 600 geschrieben Überstunden stehen (und ca. weitere 400 die nicht aufgeschrieben waren) und die Kollegen lagen alle ähnlich. Die Ursache für die Resourcenknappheit lag aber nicht nur im Unwillen genügend Ma einzustellen sonder auch im Geschäftsmodell der MA Auswahl. Nachdem das Standardmodell für alle MA im operativen Geschäft den für alle Big 4 gleichen Aufstiegsweg vom Assistenten über Senior und Manager zu Partner vorsieht (mit unterschiedlichen Zwischenstufen) werden prinzipiell nur Akademiker mit gutem bis ausgezeichneten Abschluss eingestellt Anstatt vor allem für die einfacheren Tätigkeiten günstigere Kräfte anzuheuern. Außerdem besteht bei allen Big 4 eine Up or Out Philosophie was dazu führt das regelmäßig Wissen verlorengeht und natürlich intern ein entsprechender Intrigenkampf um die begehrten Beförderungen läuft!
    Um wirklich eine vernünftige Prüfung mit nachvollziehbaren und vergleichbaren Ergbenisse zu erhalten sollte diese Tätigkeit in den Hoheitsbereich überführt werden und von den Sitzstaaten oder in Europa von der EU wahrgenommen werden. Eine Zwischenlösung wäre auch die Vergabe der Aufträge durch den Staat an die Prüfungsgesellschaften (Lotteriesystem) und das sonstige Auftragsverbot –
    Dies würde dann aus meiner Sicht zu einem Sinken der Arbeitslosenquote bei den Akademikern führen da nach meiner Schätzung alleine in D 10.000 mehr Prüfer benötigt würden um die AZ Gesetze eizuhalten und eine halbwegs normale 40h Woche umzusetzen! Sinken der Einkommen der Partner und halbwegs reale Prüfungserbnisse
    Prüfungsergebnisse: Auch der beste Prüfer kann bei einer routinemäßigen jährlichen Prüfung mit begrenztem Budget (Zeit & Geld) nur bis zu einer gewissen Tiefe prüfen. Daher ist klar, dass vor allem Fehler auffallen und korrigiert werden, bewusste Täuschungsmanöver oder Betrug eher nur in sehr krassen Fällen oder bei entsprechendem Vorverdacht, gefunden werden