Karriere als Musical-Darsteller: Singen für die Katz

Markus HuthFür den "König der Löwen" geben sie alles, doch irgendwann muss jeder Darsteller gehen: Wer Musical-Star sein will, nimmt eine Existenz mit befristeten Arbeitsverträgen und wenig Privatleben in Kauf. Nun stehen in Hamburg wieder 20 Neue auf der Bühne - darunter zwei Kinder.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-898799.html
  1. #1

    Das König-der-Löwen-Zelt in Hamburg wurde natürlich nicht - wie es in einer der Bildunterschriften falsch zu verstehen ist - eigens für dieses Musical erbaut. Vorher gab es dort schon andere Produktionen, erwähnenswert vor allem 'Buddy Holly'...
  2. #2

    Vermehrt Playback-Arbeit bei Stage

    Wäre für den Spiegel als investigatives Medium nicht mal interessant, aufzugreifen, dass derzeit beim Marktführer Stage Entertainment zahlreiche Produktionen, bei für den Zuschauer gleichen Preisen, anlässlich der Ortswechsel still und heimlich vor und hinter den Kulissen radikale Kürzungen und vor allem Qualitätseinbußen durchgezogen werden? Aktuelles Beispiel "Tarzan": Bei sowohl in Hamburg als auch Stuttgart völlig identischen Preisen (Normalpreis Samstags, günstigste Kategorie: EUR 80,94, in der Spitze EUR 161,44 (ZUZÜGLICH "Buchungsgebühr" und "Service- und Versandpauschale"!)), bekommt der Zuschauer in Stuttgart nur noch eine Handvoll Musiker - und ansonsten zuvor erstellte Tonbandeinspielungen vorgesetzt - im vermittelten Glauben, das "Original aus Hamburg" zu sehen. Was in Stuttgart immerhin schon mal einen Zeitungsartikel wert war ( http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.musical-auch-tarzan-entpuppt-sich-als-jobkiller.168dd43f-2c2c-4196-9b22-c8e94d43d89e.html ), passiert tatsächlich bundesweit. Knüllervariante: Während der ersten Wochen (für die Presseberichterstattung über das"tolle Live-Erlebnis") mit vollem Orchester arbeiten, und dann still und heimlich nach 4 Wochen die Hälfte entlassen und mit zugespielten Playbacks arbeiten (diese Extremvariante, seinerzeit bei Die Schöne und das Biest in Berlin beabsichtigt, konnte nur mit rechtlichen Schritten noch verhindert werden. Tatsächlich wären auf diese Weise sowohl Presse als auch (spätere) Zuschauer geneppt gewesen. Nun neppt man eben einfach mittels Standortwechsel.) Der Zuschauer wird für dumm verkauft. "Der merkt ja nichts", ist allen Ernstes (!!) im oben zitierten Artikel die sinngemäße Aussage des zuständigen Stage-Sprechers. Dass zwischen "Merken" und dem "Erwarten" eines teuer bezahlten Live-Erlebnisses aber nunmal eine Relevanz existiert, ist dem Musical-Marktführer trotz offenbar weiterhin erstklassiger Umsätze offenbar egal.
  3. #3

    Starlight Express läuft viel länger

    Starligth Express Uraufführung 1984 und seit ewigen Zeiten durchgehend.....
  4. #4

    Erwachsener Simba

    Na, wenn die ersten kleinen Simbas vor 11 Jahren erst ca. 11 Jahre alt waren, hatten ja noch nicht viele die Möglichkeit, die Rolle des großen Simbas zu spielen. Da würden wahrscheinlich die allerersten Simbas jetzt gerade mal ihre Musical-Ausbildung abschließen. Also kein Wunder, dass es das bisher noch nicht gegeben hat.
  5. #5

    und was die Musiker verdienen steht nicht im Artikel, gerade das wäre Interessant zu wissen, wenn sie schon so eine anstrengende und befristete Arbeit haben.
  6. #6

    musical

    Zitat von skade Beitrag anzeigen
    und was die Musiker verdienen steht nicht im Artikel, gerade das wäre Interessant zu wissen, wenn sie schon so eine anstrengende und befristete Arbeit haben.
    warum wäre es interessant zu wissen, was die musiker verdienen? und wenn man ( wie in meinem fall) seit über 35 jahren täglich klavier spielt, dann kann der geneigte laie annehmen, daß man nicht jeden honkjob an selbigem annimmt. der verdienst ist dem aufwand entsprechend angemessen.
    jemand, der kein instrument spielt wird nicht verstehen können, warum diese arbeit anstrengend ist. ein beispiel. das längste klavierkonzert dauert etwa 50 minuten ( brahms 2. konzert ) ich spiele 2 mal 70 minuten ohne pause . künstlerisch und technisch ist es natürlich nicht vergleichbar, aber das sitzen, die intensität die aufmerksamkeit ähneln sich zumindest. soviel zur anstrengung in meinem fall. das gilt für alle anderen musikanten in dem business ebenfalls.
    befristet ist rechtlich betrachtet natürlich nicht ganz richtig. die meisten arbeiten länger als 2 jahre und sind demzufolge unbefristet. aber wenn es keine percussion gibt ( rocky ), dann schützt das die fantastische percussionistin auch nicht vor kündigung.
    eine andere frage ist vielmehr, warum menschen heutzutage denken, daß jede arbeit, die man annimmt, das leben lang andauern sollte.
    ich muss mich ständig entwickeln, weiterlernen und wenn es kein klavier mehr gibt, dann mache ich halt was anderes. gerade musiker proklamierten für sich immer den freigeist. das musicalbusiness hingegen hat schon die schönheit und ruhe der festanstellung bei weniger probenaufwand als im stadttheater und mehr geld als im jazz und ich-habe-meine-eigene-rockband-die-bald-gross-rauskommt-bereich in den vordergrund gerückt.
    aber machen wir uns nichts vor. musikersein bedeutet immer schon , nicht ganz ernst genommen zu werden; gerade, wenn die zeiten härter werden. ebenfalls ist es ist das kleinste rad am wagen, wenn es um die wirtschaftlichkeit von projekten geht. entweder man lernt damit umzugehen oder man versteigt sich in gewerkschaftsgezeter und stirbt früher aufgrund bluthochdrucks.
    p.s. was musiker verdienen darf ich immer noch nicht sagen. steht in meinem vertrag. ich weiss ja auch nicht, was lehrer verdienen, was mal echt interessant wäre bei dem unbefristeten und anstrengendem job von 8 bis 13.00
  7. #7

    musical 2

    [QUOTE=schlüsselkind;12697647]


    die firma schickt das original aus hamburg. nur mit der originalorchestrierung von phil collins. in hamburg gab es nur mehr musiker, da hat man einiges dazu geschrieben. da von beschiss zu sprechen ist weiter hergeholt als die argumentation der firma.
    bei schöne und das biest sollte nicht auf playbacks zurückgegriffen werden. es ging damals um die einführung des sogenannten virtual orchestras, was die sache an sich nicht besser macht, jedoch ein erheblicher anderer punkt ist. dieses computergestützte system hat nie wirklich funktioniert und wurde dann wieder begraben. wir haben es unter anderem auch bei ich-war-noch-niemals-in-new york benutzt. es wird live von einem keyboarder gespielt und hat auch in hh nicht fehlerfrei gearbeitet, so dass das gleiche stück in stuttgart wiederum ohne und dafür mit einer keyboardburg wie zu besten emerson lake und palmer zeiten zum einsatz kam.
    der punkt , daß die tickets teurer werden stimmt allerdings, aber wir müssen wissen, daß die stage entertainment ein nicht subventioniertes theaterunternehmen ist, was musicals produziert, dessen einziges ziel ist, möglichst viel geld einzuspielen. das bedeutet, daß man den kleinsten gemeinsamen nenner für eine publikum, was nicht wirklich msuikalisch und theatralisch gebildet ist. denn sonst würde dieses publikum in das thalia gehen , oder sich korngoldopern anschauen. es ging nie um reine musik oder gesinge. es geht um ENTERTAINMENT .
    ob mir das gefällt oder nicht, aber ich habe zu akzeptieren, daß es bei den investitionsrisiken und -summen auch darum geht, kosten zu senken. das läuft in der tat nicht immer mit den moralischen und menschlichen wunschvorstellungen eines betriebsrates, die gerne festanstellungen zum höchstpreis für 45 jahre bei 8 wochen urlaub im monat hätten.
    jede andere diskussionsbasis ist fehl am platz, denn leider ist es richtig. heutzutage hört kein mensch mehr( wenn es ein gewisses mass nicht unterschreitet) ob da 4 celli spielen, oder 3 vom band kommen. der unterschied sind 3 jahresgehälter weniger.
    kein publikum wird beschissen. die menschen kommen, um alex klaws zu sehen oder tarzan und sie bekommen ihn oder den anderen. sie kommen, um menschen in klapprigen kostümen als löwen und hyänen zu betrachten und zahlen 160 euro. meinen sie, daß diese gleichen leute wirklich denken, `oh, die musik ist aber nicht so funky heute, die kommt bestimmt zu 45% vom band`? es ist die warhheit leider.
    und noch schlimmer.
    das udo jürgens musical bekam eine neue orchestrierung in stuttgart. ich persönlich habe niemals wieder einen besseren sound gehört als jenen moment, als die ouvertüre losging mit 40 mann orchester ( vom band) jeder konnte sehen, daß da 15 leute maximal im graben sassen. ich habe das stück 1000 mal gespielt und nicht gedacht, daß ich beschissen werde. es war schlicht wurst. ist das gut? ich weiss es nicht. aber ich habe bis heute noch keine schlüssige argumentation gefunden, damit umzugehen.
  8. #8

    Sind es denn wirklich 4 zurzeit in Hamburg? Ich bin in fester Überzeugung, dass es nur 3 sind! (Rocky, Tarzan & KdL) sister Act ist schon seit letztem Jahr nach Stuttgart gezogen!!
    Und zu den Musikern, die sich jedes Mal unglaublich konzentrieren müssen: Es ist für sie Routine! Sie spielen das jeden Tag. Damit möchte ich nicht anzweifeln, dass es in geringer Form anstrengend ist, aber auch wenn die Show 3 Stunden geht - ich bin schonmal in so einem Orchester gewesen - sind die Musiker so routiniert, spielen eigentlich alles auswendig. Die Noten haben sie dann nur noch, falls eine Panne passiert. Und wenn man die Musiker sieht, die zwischen den Stücken lesen oder scherzen, Fotos machen, am Laptop bei Facebook unterwegs sind oder zeichnen, ist jawohl klar, dass sie sich nicht mehr unglaublich konzentrieren müssen. So, das wollte ich nur mal loswerden!!!
  9. #9

    @Broderk

    Das Gehalt von Lehrern kannst du ganz einfach googlen. Bei den Grundschullehrern - wenn sie denn überhaupt eine Stelle bekommen - sind es am Anfang kaum 2000 Euro brutto. Dafür gibt es dann Verträge, die oft nur bis zu den Sommerferien laufen, so dass sie im Sommer sechs Wochen arbeitslos sind und erst kurz vor knapp erfahren, ob sie nach den Ferien wieder angestellt werden und ob sie an der gleichen Schule bleiben dürfen. Manche sind allerdings eh erstmal "Feuerwehr"-Kräfte die ständig an die Schule in der Umgebung wechseln, wo z.B. jemand krank ist. 8-13-Uhr Jobs sind das durch die offenen Ganztagsschulen auch nicht mehr. Ich bin keine Lehrerin, aber ich kenne einige und bin immer wieder überrascht, was für Vorstellungen die Leute von der Arbeit haben. Ich kenne einige, die sich gerade große Sorgen um ihre Zukunft machen. (Ich rede nicht von den heute 60-Jährigen, die noch verbeamtet mit gutem Gehalt fest im Sattel sitzen. Das gibt es für die Jüngern nur noch mit sehr viel Glück und perfekten Noten.)