Hochschulen gegen Plagiatoren: Nehmt das, Abschreiber!

DPADie Plagiatsaffären deutscher Politiker haben die Hochschulen aufgeschreckt: Viele rüsten sich inzwischen für den Kampf gegen Abschreiber. Die eine Uni setzt auf Anti-Plagiatssoftware, die andere auf Google, die dritte auf freiwillige Kontrolle. Ein Überblick über die akademischen Waffenkammern.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-892322.html
  1. #1

    Ein Problem der Laberfächer; Naturwissenschaft hat ein viel ernsteres Problem

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die eine Uni setzt auf Anti-Plagiatssoftware, die andere auf Google, die dritte auf freiwillige Kontrolle. Ein Überblick über die akademischen Waffenkammern.
    Als Naturwissenschafter finde ich diese Diskussion sehr exotisch. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie ein drei Jahre im Forschungsbetrieb einer Arbeitsgruppe eingebundener Dissertant eine plagiierte Arbeit abgeben sollte.

    So eine naturwissenschaftliche Dissertation enthält zunächst einmal im einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Das ist Abschreiben pur, das ist so gemeint und jeder versteht, daß da nichts Neues drinsteht. Das ganze dient hauptsächlich dazu, sicherzustellen, daß der frischgebackene Doktor auf dem neuesten Stand in seinem Fach ist.

    Danach werden die eigenen Beiträge beschrieben, die Resultate präsentiert und zuletzt diskutiert, also kritisch bewertet und mit den Resultaten anderer Gruppen verglichen. Dabei zählen Zahlen, nicht Worte; und Abschreiben führt daher nicht zum Ziel.

    Abschreiben als wissenschaftliches Fehlverhalten scheint mir nur in den Fächern vorzukommen, in denen keine empirische Forschung betrieben wird (vulgo „Laberfächer“), also solchen, in denen die Worte selbst das Produkt sind. Für Kunst ist das ein vernünftiger Anspruch (viele Arbeiten aus Literaturwissenschaft ist ja eher künstlerisch als wissenschaftlich, weil sie auf nichtliterarische Argumente verzichten). Von Wissenschaft erwarte ich aber, daß sie Wissen generiert, und da fallen diese Fächer eindeutig aus dem Raster.

    Die Naturwissenschaft hat ein Problem, aber ein anderes: Datenfälschungen. Die sind zwar bei ordentlicher Betreuung auch nicht leicht hinzukriegen, aber durchaus möglich; und im akademischen Normalbetrieb ist es sogar recht einfach, ein „schönes“ Paper voller erfundener Meßergebnisse zu veröffentlichen.

    Und die Folgen einer gefakten Veröffentlichung sind viel dramatischer als die einer abgeschriebenen. Damit kann die zukünftiger Richtung eines Fachgebietes in Richtung Hades orientiert werden. Es ist zwar klar, daß es irgendwann einmal auffallen wird; aber das wird bis dahin viel Zeit und Geld gekostet haben.

    Von Fälschungen redet aber vergleichsweise keiner. Das hat wohl damit zu tun, daß es keine schicken Programme gibt, mit denen man das automatisch prüfen kann. Ob die Energie jetzt 5 oder 15 kJ/mol beträgt, kriegt man nämlich nur durch Nachmessen raus, nicht durch Googeln.
  2. #2

    Nächster Halt: Hades-Mitte

    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    im Forschungsbetrieb einer Arbeitsgruppe eingebundener Dissertant ...
    Doktorand. Es heißt Doktorand.
    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    einmal im einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Das ist Abschreiben pur, das ist so gemeint und jeder versteht, .
    Nein, das ist nicht Abschreiben. Pur schon gar nicht.
    Eine Zusammenfassung ist eine geistige Leistung.
    Wenn du die irgendwo wörtlich abschreibst, ist es selbstverständlich Plagiarismus.
    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    und im akademischen Normalbetrieb ist es sogar recht einfach, ein „schönes“ Paper voller erfundener Meßergebnisse zu veröffentlichen.
    Recht einfach? Na, warte mal, bis du mit dem "akademischen Normalbetrieb" in Kontakt kommst.

    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    Damit kann die zukünftiger Richtung eines Fachgebietes in Richtung Hades orientiert werden.
    Und gleich die ganze Richtung eines Fachgebietes will er ändern!
    Du meinst, die hängt von einer Pfuschveröffentlichung ab?
    Auch diese Meinung wird sich mit den Semestern noch herauswachsen.
    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    Von Fälschungen redet aber vergleichsweise keiner.
    Keiner ist falsch. Es wird natürlich gerne unter den Teppich gekehrt. Aber in der Branche ist das bekannt. Leute, die damit auffallen, werden schnell und geräuschlos eliminiert. (Solange sie sich nicht mit Veröffentlichungen allgemein bekannt gemacht haben.)
    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    Ob die Energie jetzt 5 oder 15 kJ/mol beträgt,
    entscheidet sicher nicht darüber, ob ein Fachgebiet in den Hades wandert.
  3. #3

    Datenklau

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    ....

    Keiner ist falsch. Es wird natürlich gerne unter den Teppich gekehrt. Aber in der Branche ist das bekannt. Leute, die damit auffallen, werden schnell und geräuschlos eliminiert. (Solange sie sich nicht mit Veröffentlichungen allgemein bekannt gemacht haben.) ....
    Na, ja, würde ich so nicht unterschreiben. Da wird schon mal was nicht passt passend gemacht. Als Lehrstuhlinhaber wird man auch nicht mehr gefragt, bei wem welche Daten geklaut wurden. Das ist dann aber auch nicht mehr so wichtig, weil spätestens dann sowieso die Arbeit andere machen.
  4. #4

    Fälschung ist weder lustig noch eine interne Angelegenheit

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    nicht vorstellen, wie ein drei Jahre im Forschungsbetrieb einer Arbeitsgruppe eingebundener Dissertant eine plagiierte Arbeit abgeben sollte.
    Doktorand. Es heißt Doktorand.
    Vielleicht in Deutschland.

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    Nein, das ist nicht Abschreiben. Pur schon gar nicht.
    Eine Zusammenfassung ist eine geistige Leistung.
    Wenn du die irgendwo wörtlich abschreibst, ist es selbstverständlich Plagiarismus.
    Sie sind auf Worte fixiert, ich auf Daten. Es steht nichts Neues darin, also bezeichne ich das als „abschreiben“. Unbestritten ist, daß manche Dissertationen schöne Einleitungen haben, die einen sehr geraden Einstieg vom Studienniveau in das jeweilige Gebiet bieten (ich hoffe, daß irgendjemand einmal so etwas von meiner Arbeit sagt). Das ist klarerweise eine Leistung, aber keine wissenschaftliche sondern eine didaktische.

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    im akademischen Normalbetrieb ist es sogar recht einfach, ein „schönes“ Paper voller erfundener Meßergebnisse zu veröffentlichen.
    Recht einfach? Na, warte mal, bis du mit dem "akademischen Normalbetrieb" in Kontakt kommst.
    Innerhalb von Arbeitsgruppen gibt es häufig „Einzelkämpfer“; die können bei den Institutsseminaren theoretisch alles erzählen. Natürlich hängt das vom Fach ab; in meinem (numerische Simulationen) wäre das sehr einfach gewesen.

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    Und gleich die ganze Richtung eines Fachgebietes will er ändern!
    Du meinst, die hängt von einer Pfuschveröffentlichung ab?
    Auch diese Meinung wird sich mit den Semestern noch herauswachsen.
    Offenbar haben Sie meine Anspielung auf die „schönen“ Arbeiten nicht verstanden. Macht nichts, es ist nie zu spät etwas dazuzulernen

    Schön scandal - Wikipedia, the free encyclopedia

    Ist der Grundstock des Ruhmes erst einmal erschwindelt, werde die Referees bald zahm, und die Romanserie in Phys Rev kann beginnen. So etwas fällt nicht im Publikationsprozeß auf, sondern erst wenn es einer nachmachen will (dann aber desto sicherer).

    Im Übrigen sind Ihre Umgangsformen so, daß ich mir gerade zum zweiten Mal mühsam die Zehennägel glattstreichen muß. Würde ich Deutschland nicht besser kennen, dann könnte ich jetzt wirklich ans Klischee vom arroganten „Besserwessi“ erinnert werden.

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    Keiner ist falsch. Es wird natürlich gerne unter den Teppich gekehrt. Aber in der Branche ist das bekannt. Leute, die damit auffallen, werden schnell und geräuschlos eliminiert. (Solange sie sich nicht mit Veröffentlichungen allgemein bekannt gemacht haben.)
    Ja, intern ist das schon ein Thema; aber ehrlich gesagt finde sich solche Klüngeleien auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Eine öffentliche Diskussion wäre besser, und auch ehrlicher. Kennen Sie retractionwatch?

    Zitat von cassandros Beitrag anzeigen
    entscheidet sicher nicht darüber, ob ein Fachgebiet in den Hades wandert.
    Eine Serie von prominent placierten Fake-Papers hat Folgen, auch wenn diese ein natürliches Ablaufdatum tragen.
  5. #5

    Zitat von bumbu Beitrag anzeigen
    Vielleicht in Deutschland...
    bumbu und cassandros zeigen, dass der Ton der Begutachtung manchmal recht harsch sein mag. In der Sache jedoch sind die beiden sehr korrekt und formal. Auch das ist Wissenschaft.

    Nur falls nun manche denken, dass in der Wissenschaft der Ton nicht rauh ist - der Ton ist es! Jedoch geht es abei meistens um die Sache und -wenigstens in den Wirtschaftswissenschaften- zumeist nicht um individuelle Abneigung oder ähnliches subjektives. Da die Wirtschaftswissenschaft jedoch eine Sozialwissenschaft und keine Naturwissenschaft ist gibt es dort auf alle Fälle verschiedene Meinungen und keineswegs nur ein richtig oder ein falsch. Es gibt im Endeffekt häufig 1000 mehr oder minder verschiedene Wege zum gleichen Ziel. Daher ist der Ton der Gutachten von Anhängern einer anderen Richtung auch mal "scharf", aber nicht persönlich.
  6. #6

    Professur durch Plagiat

    Leider ist das Süddeutsche System recht korruptionsanfällig. Es ist ja kein Geheimnis, daß kaum die wissenschaftliche Leistung, sondern mehr die Abstammung über die Karriere zum Professor entscheidet. Viele große Ordinarien sind sogar stolz, wenn sie die Söhne von anderen Professoren oder anderen Chef-Etagen "zur Ausbildung" bekommen. Manchmal wird es aber noch absurder: in einer Naturwissenschaft werden jahrelange eigenständige und pionierhafte nobelpreisverdächtige Arbeit, Ideen, Kollaborationen einfach so im selben Labor übernommen und bis zur plötzlichen W3-Besoldung ohne Habilitaion bzw. mit gescheiterter Habilitation... Das ist normalerweise nur im CSU-Land üblich, aber die direkte Grenze zu Baden-Württemberg ist wohl auch noch unter CSU-Einfluß. Die Staatsanwaltschaften beider Städte fühlen sich nicht zuständig... wer ermittelt schon gegen die antidemokratisch ernannten Beamten an der Uni - typisch München.
  7. #7

    Plagiate nicht nur in der Dissertation

    Wer selbst studiert hat kennt sie, die StudentInnen, die vorher mit dem Professor ihre Klausuren besprechen, eine Diplomarbeit bereits vor der formalen Berechtigung beginnen, wenn eigentlich noch drei bis vier Klausuren zu bestehen sind. Die Diplomarbeit wird schon ein Jahr im Voraus begonnen, angemeldet wird sie, wenn die Arbeit schon fast abgeschlossen ist. Manche Studentinnen kommen auch mit großer Freundlichkeit beim Professor weiter. Wenn sich jetzt also Hochschulen dafür einsetzen, dass es wieder ehrlich zugehen soll, dann ist das lächerlich.
  8. #8

    Ist mir alles vollkommen unverständlich

    Ich habe die Uni 1996 verlassen. Wir mussten bereits DAMALS unsere Anschlussarbeiten "ab Diplom am aufwärts" auch auf Diskette einreichen ... eben genau, um mit den damals noch recht begrenzten Online-Kapazitäten auf Plagiate prüfen zu können. Und zwei meiner Kommilitonen haben das dann auch nicht "überlebt" ...^^ Es ist mir SCHLEIERHAFT, dass ein solches Prozedere nicht längst Standard ist. Dann wären uns wenigstens solche Flachpfeifen wie Guttenberg und Koch-Mehrin erspart geblieben.
  9. #9

    Verstehe ich nicht.

    Zitat von horst1109 Beitrag anzeigen
    Wer selbst studiert hat kennt sie, die StudentInnen, die vorher mit dem Professor ihre Klausuren besprechen, eine Diplomarbeit bereits vor der formalen Berechtigung beginnen, wenn eigentlich noch drei bis vier Klausuren zu bestehen sind. Die Diplomarbeit wird schon ein Jahr im Voraus begonnen, angemeldet wird sie, wenn die Arbeit schon fast abgeschlossen ist. Manche Studentinnen kommen auch mit großer Freundlichkeit beim Professor weiter. Wenn sich jetzt also Hochschulen dafür einsetzen, dass es wieder ehrlich zugehen soll, dann ist das lächerlich.
    Verstehe ich nicht. Wo ist das Problem? Es ist doch nicht ungewöhnlich, dass man bereits während des Studiums sich einem Thema widmet. Ich kenne viele, die angefangen haben an ihren Projekten zu arbeiten. Dann ist das Thema hat schon festgelegt bevor man an die Diplomarbeit denkt.
    Ist es denn besser, wenn man über etwas schreibt, das Einen überhaupt nicht interessiert?