Sprach-Debatte: Die Ehre der Zigeuner

Rolf BauerdickDarf man Sinti und Roma als "Zigeuner" bezeichnen? Ja, meint der Journalist Rolf Bauerdick und erregt nun mit einem Streitschrift-artigen Reportageband die Gemüter. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht darin einen "Amoklauf".

Rolf Bauerdick: "Zigeuner - Begegnungen mit einem ungeliebten Volk" - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    optional

    Die Bevölkerungsgruppe wird doch unter "MEM" ("Mobile Ethnische Minderheit") zusammengefasst, dachte ich...
  2. #2

    Meine Oma

    sprach natürlich auch immer von Zigeunern - wie vermutlich alle einfachen Leute der Generation, die ihre Kindheit in den 30ern verbracht hat. Ich war mir als Kind sicher, dass sie damit jedesmal eine Lebensweise gemeint hat und keine ethnische Bezeichnung. So habe auch ich den Begriff als Kind kennen gelernt. Wenn Sie also (in Bezug auf den völlig käseweißen deutschen Nachbarn) sagte: "die Ziescheiner schaffe nix" oder "bei denne sieht's aus wie bei de Ziescheiner" hatte ich nie einen Sinti oder Roma im Sinn, sondern eben nur irgendeinen faulen, ungewaschenen oder unordentlichen Menschen. Die rassistische Verknüpfung dieses Wortes mit Sinti oder Roma verdanke ich meiner Schulbildung und den Medien. Ändert allerdings nichts daran, dass ich bis heute beim Wort "Zigeuner" an Verhalten und nicht an Ethnien denke. Ich gebrauche das Wort nicht in der Öffentlichkeit, weil ich weiß, dass es bei anderen menschen eben anders besetzt ist als bei mir. Bin ich der einzige, dem es so geht?
  3. #3

    Hat schon jemand nachgefragt,

    wie sich die Sinti & Roma selbst gern nennen würden ?
    Für das englische gypsy oder das französische gitan liefert google Übersetzer "Zigeuner" und nicht Sinti und Roma.
    Affentheater !
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Darf man Sinti und Roma als "Zigeuner" bezeichnen? Ja, meint der Journalist Rolf Bauerdick und erregt nun mit einem Streitschrift-artigen Reportageband die Gemüter. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht darin einen "Amoklauf".

    Rolf Bauerdick: "Zigeuner - Begegnungen mit einem ungeliebten Volk" - SPIEGEL ONLINE
    Erfrischend, dass mal wider die Political Correctness angegangen wird.
  5. #5

    Bauerdick

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Darf man Sinti und Roma als "Zigeuner" bezeichnen? Ja, meint der Journalist Rolf Bauerdick und erregt nun mit einem Streitschrift-artigen Reportageband die Gemüter. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht darin einen "Amoklauf".

    Rolf Bauerdick: "Zigeuner - Begegnungen mit einem ungeliebten Volk" - SPIEGEL ONLINE
    schreibt realistisch, ohne dümmliches Pathos und gewiss nirgendwo diskriminierend, wenn er z.B.

    ".... Denn eine derart moralisch aufgeheizte Stimmung mache es schwierig, differenziert über soziale Missstände zu diskutieren. Er fürchtet ein Klima, in dem Politiker und Journalisten nicht mehr sprechen können, ohne als Nazis beschimpft zu werden. Günter Grass' Forderung nach bedingungsloser Freizügigkeit ignoriere Menschenschlepperei und Zwangsprostitution als deren mögliche Konsequenzen. Wie in allen Menschengruppen gebe es unter Sinti, Roma und selbsterklärten Zigeunern nicht nur Opfer, sondern eben auch Täter."

    formuliert.

    Doch das ist bei der in DEU weit verbreiteten Berufsempörungsökonomie, die sich anscheinend geradezu darauf spezialisiert hat, in alles (Un)mögliche einen Aufhänger für die in ihrer Wirksamkeit so geschätzte Nazi-Keule hinein zu interpretieren.

    Was ist das eigentlich für eine demokratische und pressefreiheitliche Entwicklung, die vorschreibt, welche Realität beim Namen genannt werden darf und über welche gefälligst der Mantel des Schweigens auszubreiten ist, weil die Psyche einer Gruppierung Fakten und Wahrheiten nicht sehen will?

    Wie sollte Problemen überhaupt abgeholfen werden können, wenn sie nicht benannt, ihre Gründe erörtert werden dürfen, ohne dass sie "Betroffene", mehr noch jedoch deren Sprecher und Vertreter zum höchst erregten Pushen von angebl. Rassismus etc. veranlassen?
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Darf man Sinti und Roma als "Zigeuner" bezeichnen? Ja, meint der Journalist Rolf Bauerdick und erregt nun mit einem Streitschrift-artigen Reportageband die Gemüter. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht darin einen "Amoklauf".

    Rolf Bauerdick: "Zigeuner - Begegnungen mit einem ungeliebten Volk" - SPIEGEL ONLINE
    Und ob, denn

    i) bezeichnet das die Lebenweise,

    ii) der jetztige Vorsitzend der "Sinti und Roma in Deutschland", Herr Rose vor seiner Zeit als solcher gesagt, dass die Bezeichnung "Sinti und Roma" für Zigeuner eine Beleidung wäre, und

    iii) bezeichnen sich diese Leute selbst als Zigeuner, wie man u.a. in Köln auf einigen Grabsteinen lesen kann!
  7. #7

    Fehlende Legitimation

    Der "Zigeuner"-Aktivist Rüdiger Benninghaus weist die Erklärung dieser selbst ernannten Vertreter dieser Volksgruppen zurück:
    "Der auf einer internationalen Zigeuner-Konferenz 1971 in London angeblich gefaßte Beschluß, daß Zigeuner forthin „Roma“ genannt werden sollten, wurde von etwa zwei Dutzend „Delegierter“ gefaßt, darunter nur einer Person (Melanie Spitta) aus Deutschland. Aus etlichen Staaten mit einer nennenswerten Zigeunerbevölkerung waren überhaupt keine „Vertreter“ bei diesem Treffen anwesend. Solch ein weitreichender Beschluß, der natürlich ohne vorherige Konsultation der „Basis“ gefaßt worden ist, entbehrt jeglicher Legitimation. Dieser in der Folge mystifizierte Kongreß war nicht mehr als ein Hinterzimmertreffen, das zudem noch von Nicht-Zigeunern dominiert bzw. instrumentalisiert wurde."
    Betrachtungen zum Begriff "Zigeuner"
  8. #8

    Zitat von Wikipedia
    Romanibezeichnung der Nichtroma

    Das bevorzugte Romanes-Wort für die Angehörigen der Mehrheitsbevölkerung ist gadzo (f. gadzi). Wörtlich übersetzt heißt es „Bauer“.
    Und der Begriff ist nicht abgrenzend und/oder abwertend gemeint?
  9. #9

    In anderen Sprachen auch?

    Im Französischen sagt man auch "tsigane" ohne jede negative Konnotation. Ich dachte immer, das Wort komm aus dem Ungarischen ("Ciganyók") - auch wertneutral.