Keine lebenden Fossilien: Urzeitkrebse sind viel jünger als gedacht

Africa GomezDer Name ist doch nicht Programm: Urzeitkrebse sehen zwar genauso aus wie Tierchen, die schon vor vielen Millionen Jahren lebten. Doch die Evolution stand auch bei den Krebstieren nicht still. Und: Heute lebende Arten sind jünger und vielfältiger als lange angenommen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/n...-a-892012.html
  1. #1

    ?

    Selbst wenn es “nur“ 25 Millionen Jahre sind... Gut, dass zig Tausende für diese überlebenswichtige Studie verheizt wurden... Jetzt mal kalkuliert, wie lange der Mensch schon sein Unwesen auf der Erde treibt und dagegen mal die 25'000'000 Jahre gestellt. Noch Fragen?
  2. #2

    Nanu

    Also auf dem Foto sieht das aber nicht aus wie die Yps-Dinger!
  3. #3

    Triops und verwandte Gattungen

    haben nie die Kriterien für lebende Fossilien erfüllt., da sie u.a. sehr weit verbreitet sind und eben nicht nur in Reliktarealen vorkommen (vgl. Erich Thenius: Lebende Fossilien). Generell können lebende Fossilien durchaus über abgeleitete Merkmale verfügen, was der Artikel allerdings suggeriert. Ein Beuspiel hierfür wäre der Quastenflosser Latimeria, der über einen Fettschlauch als hydrostatisches Organ anstelle der ursprünglichen Fischlunge verfügt.
  4. #4

    Artemia

    Die Yps-Krebse gehören zur Gattung Artemia und sehen vollkommen anders aus.
  5. #5

    Der entscheidende Satz in der Studie ist folgender

    Zitat von Mathers et al. 2013
    Our divergence dating analysis has shown that tadpole shrimps can be regarded as ‘living fossils’ only on the grounds of morphological conservatism, not on the basis of limited diversification or relict status.
    Triops cancriformis gilt als älteste vielzellige (morphologische) Tierart, die sich fossil nachweisen lässt und zwar an Hand von gut erhaltenen Fossilien aus der Obertrias (~220 Mio. Jahre) von Süddeutschland, die in absolut jedem morphologischen Detail mit den lebenden Vertretern identisch sind.

    Inwiefern diese triassischen Triopse genetisch von den lebenden divergieren ist erhaltungsbedingt nicht festzustellen. Das sich viele oder alle anderen Arten und Gattungen später von dieser Art abspalteten, wobei die Ursprungsart erhalten blieb ist ebensowenig zu wiederlegen, wie dass sie sich zu einem späteren Zeitpunkt "neu" aus einer Ur-Triopsart entwickelt hat. Wenn, dann ist diese Ur-Art aber morphologisch von T. cancriformis nicht unterscheidbar. Hinzu kommt, dass auch molekulare Uhren keine Wundergeräte sind, sondern von zahlreichen Annahmen abhängen. Da man aber nur morphologische Kriterien hat, bleibt für dieses Tierchen der Status erhalten, dass es sich seit der Zeit, in der die Dinosaurier in den Kinderschuhen steckten, äußerlich nicht verändert hat.
    Zum Vergleich: Eine Wirbeltierspezies verändert sich so schnell, dass sie durchschnittlich nach 0,5-2 Mio. Jahren als "neue" Art angesprochen werden kann.


    Es bleiben also "Urzeitkrebse".
  6. #6

    Ja,...

    Zitat von CallaYa!com Beitrag anzeigen
    Gut, dass zig Tausende für diese überlebenswichtige Studie verheizt wurden... Noch Fragen?
    mehrere:

    Woher wissen Sie wieviel für diese Studie "verheizt" wurde (von was eigentlich? Krebse? Euros? Dollar?)?

    Warum muss eigentlich bei jedem Wissenschaftsthread unter den ersten Kommentaren mindestens einer sein, der sich stumpf über "Geldverschwendung" und "Sinnlosigkeit" von Wissenschaft aufregt? Ist dieses Bildungsland wirklich schon so weit runtergekommen?

    Falls es Sie tröstet: Von Ihren Steuergeldern wurde dafür mit Sicherheit kein Cent ausgegeben.
  7. #7

    YPS-Krebse

    Zitat von Stelzi Beitrag anzeigen
    Also auf dem Foto sieht das aber nicht aus wie die Yps-Dinger!
    Im Handel gibt es mehrere Arten von Krebsen, die als "Urzeitkrebse" laufen. Die "wirklich alten" (die auch abgebildet sind) gehören zur Gattung Triops, die YPS-Krebse gehörten nicht dazu.
  8. #8

    optional

    Es ist wohl ziemlich irrelevant, wenn sich die DNS leicht verändert hat, das Tie ran sich aber grundsätzlich gleich geblieben ist. Nur aufgrund dieses Berichts, hielte ich es für nonsens nicht von lebenden Fossilien zu reden. Wäre die Menschheit 250 Millionen Jahre alt und hätte sich zwischendurch die Weisheitszähne raus- und Anpassungen an verschiedene Keime reinevolutioniert, käme man ja auch nicht auf den Gedanken, gleich eine neue Gattung draus zu machen. Kann sein, dass es tiefergreifender ist aber an und für sich ist das doch nun wirklich trivial.
  9. #9

    Diskussionsgegenstand

    Zitat von jjh76 Beitrag anzeigen
    Triops cancriformis gilt als älteste vielzellige (morphologische) Tierart, die sich fossil nachweisen lässt und zwar an Hand von gut erhaltenen Fossilien aus der Obertrias (~220 Mio. Jahre) von Süddeutschland, die in absolut jedem morphologischen Detail mit den lebenden Vertretern identisch sind.
    [...] Das sich viele oder alle anderen Arten und Gattungen später von dieser Art abspalteten, wobei die Ursprungsart erhalten blieb ist ebensowenig zu wiederlegen, wie dass sie sich zu einem späteren Zeitpunkt "neu" aus einer Ur-Triopsart entwickelt hat. Wenn, dann ist diese Ur-Art aber morphologisch von T. cancriformis nicht unterscheidbar.[...]
    Zum Vergleich: Eine Wirbeltierspezies verändert sich so schnell, dass sie durchschnittlich nach 0,5-2 Mio. Jahren als "neue" Art angesprochen werden kann. [...].
    Ich finde bemerkenswert, dass die Diskussion sich hauptsächlich um Begriffsdefinitionen dreht, weder um "die Wahrheit", noch um die Krebse. Das fängt mit der Wahl des geeigneten Artkonzeptes zusammen, und hier liegt m. E. nach der Hund begraben: Fossilien erlauben nur die Anwendung rein morphologischer Artkonzepte die auf den Prinzipien der Diagnostizierbarkeit basieren. Genau diese Konzepte sind aber für molekulare Arbeiten nicht brauchbar, da die Sequenz nicht direkt Aufschluss über das Aussehen gibt. Ein weiteres Problem wird in ihrem Beitrag deutlich: das Bestehen der Art in der Zeit. Auch dazu gibt es, je nach zugrunde liegendem Artkonzept, unterschiedliche Auffassungen. Nach dem Biologischen Artkonzept von Ernst Mayr kann eine Art nach Abspaltung einer Tochterart weiterbestehen, wenn sie sich morphologisch nicht verändert. Die inzwischen weitgehend anerkannte phylogenetische Systematik nach Willi Hennig erlaubt aber diesen Fall aus logischen Gründen nicht: Arten entstehen, indem sich eine Art in zwei neue aufspaltet, wobei die Stammart erlischt, auch wenn eine oder beide Tochterarten morphologisch nicht von ihr unterscheidbar sind. Ändert sich eine Art ohne Aufspaltung, ist es nach Hennig unlogisch, einen neuen Namen zu vergeben. Paläontologen bleibt aber oft nichts anderes übrig, weil nicht genügend Information erhalten blieb.
    Und das ist für mich der Grund, warum ich den Begriff "lebende Fossilien" für so problematisch halte, dass ich der Meinung bin, man sollte ihn am besten vermeiden: Nicht weil es nicht sein kann, sondern, weil man es nicht wissen kann. Dennoch, eine faszinierende, wichtige Arbeit zur Systematik und Evolution einer interessanten Tiergruppe. Schön.
    Literatur, die ich dazu hilfreich und interessant fand:

    Phylogenetic Systematics [Englisch] [Taschenbuch]
    Willi Hennig (Autor), Rainer Zangerl (Übersetzer), D. Dwight Davis (Übersetzer) Taschenbuch: 280 Seiten
    Verlag: Univ of Illinois Pr; Auflage: New edition (August 1999)
    Sprache: Englisch
    ISBN-10: 0252068149
    ISBN-13: 978-0252068140

    Species Concepts and Phylogenetic Theory: A Debate [Englisch] [Taschenbuch]
    Rudolf Meier (Herausgeber), Quentin Wheeler (Herausgeber) Taschenbuch: 256 Seiten
    Verlag: Columbia Univ Pr (Juli 2000)
    Sprache: Englisch
    ISBN-10: 0231101430
    ISBN-13: 978-0231101431