Papst Franziskus: Hippie mit Jesuslatschen

AFPAls Naturbursche mit Blechkreuz wirkt der neue Papst wie ein Gegenbild zum konservativen Vorgänger. Doch was Kirchentraditionen angeht, trennt beide nicht viel, im Gegenteil. Und während Benedikt die vermittelnde Sprache der Vernunft liebte, wird Franziskus viel fundamentaler reden.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...-a-891802.html
  1. #1

    Endlich sehen wir IHN

    Zu Ostern wird der Vorgesetzte des Stellvertreters auf dem Petersplatze erscheinen. Im Beisein hunderttausender Menschen und einiger Tausend Kameras und sonstiger hochtechnischer Aufzeichnungsgeräte wird sich jenes Höhere Wesen, welches wir verehren, Seinen Untertanen zeigen. Welch ein gewaltiges Erlebnis. Nun wird auch der letzte Ungläubige vor Seiner Herrlichkeit erschauern und sich Ihm unterwerfen. Mit großer Freude sehen wir dem Ereignis entgegen
  2. #2

    Der Mensch

    Zitat von sarandatessera Beitrag anzeigen
    Zu Ostern wird der Vorgesetzte des Stellvertreters auf dem Petersplatze erscheinen. Im Beisein hunderttausender Menschen und einiger Tausend Kameras und sonstiger hochtechnischer Aufzeichnungsgeräte wird sich jenes Höhere Wesen, welches wir verehren, Seinen Untertanen zeigen. Welch ein gewaltiges Erlebnis. Nun wird auch der letzte Ungläubige vor Seiner Herrlichkeit erschauern und sich Ihm unterwerfen. Mit großer Freude sehen wir dem Ereignis entgegen
    Nun, die Bibel berichtet davon, dass dies zigfach geschah und es die allermeisten Zeugen bald darauf nicht mehr interessierte oder beeinflußte. Auch die Juden zur Zeit Jesu, die Wunder und Zeichen sahen, verlangten immer mehr und gingen ihrem Geschäft wie gewohnt wieder nach, nachdem sie ihnen irgendwann verweigert wurden, weil es nichts bewirkte. Klingt nach einem realistischen Menschenbild. Zumal Sie nach dem Ereignis, das Sie erfordern, ja der erste wären, der sich daraufhin über die Videoeffekte und Photoshopkünste lustig machen würde. Was wollen Sie also eigentlich? Und wieso fiebern Sie nicht ebenso amüsiert dem Fund des Missing Links entgegen, der doch auch mal so langsam bevorstehen müsste?
  3. #3

    Kernaussage

    "Er ist mein Papst. Er glaubt wie ich, dass das Ostergeheimnis die Welt verändert hat, dass wir alle Hoffnung haben dürfen. Die Hoffnung, die Jesus dem Schächer am Kreuz verspricht, als er ihm sagt: "Noch heute wirst du mit mir im Himmel sein.""

    Bravo, lieber Herr Matussek! Genau um diese Kernaussage geht es in unserem Glauben!

    Ob ein Papst dies in roten Schuhen mit Mitra oder schlicht und einfach verkündet ist egal. Ob das Bodenpersonal riesige Fehler macht oder vorbildlich ist: Es geht um Christi Verkündigung! Und diese nimmt man an - oder auch nicht.

    In diesem Sinne: Christus ist erstanden. Halleluja!

    Frohe und gesegnete Ostern!
  4. #4

    Genauso, wie man zwischen Kirche und Staat trennen muss, lieber Herr Matussek, muss man zwischen Glaube und Kirche trennen.
    Das Goethe-Zitat in seiner Aussage trifft nämlich nur auf eines dieser beiden Punkte zu, den Glauben. Auf die Kirche unbestrittenermaßen sicher nicht.

    Denn bei dieser trifft wie in vielen anderen Religionen oder Bereichen des öffentlichen Lebens oder der Politik zu... sobald etwas institutionalisiert wird, läuft es Gefahr den Grund seiner Existenz zu vergessen, oder gar zu fundementalisieren.

    Mal abgesehen davon, dass ich als Humanist eher einen mündigen Menschen mag als jemanden, der nur deswegen Gutes tut, weil es irgendwo steht und er es um sein Seelenwohl wegen tun muss, sind mir Gläubige alle Mal lieber als die Kirche.
  5. #5

    Franziskus erwischt die richtigen Schuhspitzen..

    Wenn Herr Matussek sich jetzt auch noch zusätzlich zu den konservativen Katholiken gesellt, die sich auf die Fußspitzen getreten fühlen, scheint die Botschaft, die Franziskus momentan aussendet ganz rund zu sein. Also.. immer schön weiter Schubladenschaniere ölen, vielleicht passt der neue Papst ja doch eines Tages rein! :-)
  6. #6

    Ein würdiger Nachfolger

    Es gibt eine Handvoll Journalisten, die nicht zum tausendsten Mal den vermeintlich offensichtlichen Mainstream wiederkäuen, sondern hinter die Dinge blicken. Henryk M. Broder gehört dazu, aber eben auch Matthias Matussek. Papst Franziskus ist keineswegs der Beliebigkeits-Hansdampf, den viele gerne hätten. Er ist konservativ bis ins Mark und wird die Linie von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. fortsetzen. Und das ist gut so.
  7. #7

    Ach, Herr Matussek, der Obererklärer dessen, was Natur und ?Anthropologie? ist. Komisch nur, dass es Homosexualität nun mal gibt in der Natur. Da kann sich die Kirche noch so sehr auf den Kopf stellen. zu behaupten, dass Homosexualität widernatürlich sei, heißt Realitäten nicht anzuerkennen und eben auch Gottes Schöpfung nicht anzuerkennen. Herr Matussek gibt mit diesem Artikel wieder eingebaut zu erkennen, dass er Gott und Gottes Schöpfung mit Füßen tritt und blind seiner Ideologie folgt. Gott geht ihm dabei wohl am Allerwertesten vorbei....oje, und Sie behaupten tatsächlich,Sie glaubten an Gott...welch ein arroganter Heuchler, der auch noch gegen eine der sieben Todsünden verstößt.
  8. #8

    Frust?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Als Naturbursche mit Blechkreuz wirkt der neue Papst wie ein Gegenbild zum konservativen Vorgänger. Doch was Kirchentraditionen angeht, trennt beide nicht viel, im Gegenteil. Und während Benedikt die vermittelnde Sprache der Vernunft liebte, wird Franziskus viel fundamentaler reden.

    Matthias Matussek über Papst Franziskus an Ostern - SPIEGEL ONLINE
    Klingt ja fast so, als habe Herr M. den Frust über den Verlust des heissgeliebten, komplett verkopften (vulgo "schön deutschen") Grübelpapstes immer noch nicht ganz verarbeitet...
  9. #9

    Von Päpsten und Hippies

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Als Naturbursche mit Blechkreuz wirkt der neue Papst wie ein Gegenbild zum konservativen Vorgänger. Doch was Kirchentraditionen angeht, trennt beide nicht viel, im Gegenteil. Und während Benedikt die vermittelnde Sprache der Vernunft liebte, wird Franziskus viel fundamentaler reden.

    Matthias Matussek über Papst Franziskus an Ostern - SPIEGEL ONLINE
    "Wenn Franziskus nun seinen österlichen "urbi et orbi"-Segen in die Völkergemeinschaft hinausruft, wird er damit auch die womöglich einzige echte Hoffnung zur Verbesserung der Welt und zur Veränderung der drückenden Verhältnisse ins Bewusstsein rücken.

    Nicht durch Gewehre, sondern durch die Liebe. Und das wäre wiederum ein verdammter Hippie-Traum, der wahr werden würde.“

    Ich denke, dass schon JP II. mit seiner radikalen Kapitalismuskritik ("Kultur des Todes", der er eine "Kultur des Lebens" entgegenstellte) als polnischer und gewiss knackkonservativer Katholik dem einen oder anderen "Hippie" oder sagen wir mal 68er aus der Seele gesprochen hat.

    Ich habe mich als politisch links orientierter Protestant jedenfalls von diesem Aspekt seines Pontifikats stets angesprochen gefühlt, auch wenn mich andere Aspekte - vorsichtig gesagt - irritierten.

    Bei Benedikt ging nach meinem Dafürhalten auch noch dieser Symmpatiebonus baden, weil der lieber gelehrt über die Versöhnung von "Glaube und Vernunft" nachdachte, was wenig neues, viel altbekanntes, und auf jeden Fall gar nix hervorbrachte, was einen alten Hippie oder 68er irgendwie aufhorchen liess.

    Wenn Franziskus das wieder schafft und vielleicht noch ein bisschen weitertreibt als sein Vor-Vorgänger, dann ist er als Protestant und Freund der 60er/70er-Jahre ein Stück weit auch "mein" Papst.
    Auch wenn er in dieser oder jener theologischen Frage bleibt, was er bislang gewesen zu sein scheint: ein "Konservativer".