Forschung an Hochschulen: Unis fühlen sich "ausgehungert und ausgezehrt"

DPAIn der deutschen Forschungslandschaft zeichnet sich ein Konflikt um die Verteilung öffentlicher Gelder ab: Nach Informationen des SPIEGEL will der Deutsche Hochschulverband für eine stärkere Rolle der Unis kämpfen - und das "Vormachtstreben" außeruniversitäter Forschungseinrichtungen bremsen.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-889432.html
  1. #1

    kein Wunder

    ich brauche ja nur mal meine Unizeit und in Folge Bewerbun in der Wirtschaft zu sehen : Die Profs sind mit ihren Gutachten und Eigennetworking viel zu beschäftigt , als daß sie sich mal um Ihre Studenten , sprich Diplomanten usw bemühem ,daß die nach ihrem Studium auch paßgenau in der Industrie unterkommen......... Wenn der zb Dipl.-Ing ,statt Stelle dumme Sprüche ala Wie schon 4 Monate auf Jobsuche ( hab ich in einem bekannten Technikforum gelesen), können sie überhaupt noch arbeiten .... Wohlgemerkt : dies ggüb Uniabsolventen und nicht ggüb einem 65 Jährigen kruz vor der Rente ... Dann braucht man sich doch nicht wundern , daß die Leute an Imbißbuden etc verloren gehen und sich keiner mehr an die Uni / das Institut erinnert .........
  2. #2

    Seit Jahrzehnten ausgehungert

    Die Universität wurden seit Jahren ausgehungert. An den meisten Universitäten in Deutschland wurden die Grundbedarfsmittel in den letzten Jahrzehnten nicht nur nicht erhöht, sondern zusammengestriche; die Zahl der Studierenden hat hingegen erheblich zugenommen. Die Folge davon ist, dass die Grundausstattung einer Professorin oder eines Professors, also die Mittel die ein "Lehrstuhl" zur Verfügung hat, um zu forschen und zu lehren, nahezu lächerlich gering sind. Kaum jemand verfügt noch über mehr als eine 25%-Stelle für ein Sekretariat. Ähnlich sieht es bei Stellen für Wissenschaftliche Mitarbeiter aus: Fast alle neuberufenen Professoren müssen ohne jede Mitarbeiterstelle auskommen. Das bedeutet, dass eigenständige Forschung nur noch möglich ist, wenn der Professor/die Professorin in aufwändigen Antragsverfahren sogenannte "Drittmittel" besorgt. Auf diese Art werden die Universitäten zu einer Ansammlung von "freien Wissenschaftsunternehmern", die, anstatt zu forschen und zu lehren, die meiste Zeit damit zubringen, Geld zu besorgen, um ihre Arbeit überhaupt erst machen zu können. Das mit der Einführung neuer Tarifverträge, der sogenannten W-Besoldung und des TVL, zudem noch erhebliche Gehaltskürzungen für alle Beschäftigten an den Universitäten (und auch im Öffentlichen Dienst) verbunden waren, war nur noch ein weiterer Tiefschlag für die an den Universitäten Beschäftigten. Und die sogenannte 12-Jahresregel, die es unmöglich macht, Wissenschaftler länger als 12-Jahre auf befristeten Verträgen zu beschäftigen - und an den Universitäten gibt außer für Professoren nur noch befristete Verträge!!! - hat zehntausenden Wissenschaftlichen Mitarbeitern das Berufsleben zur Hölle gemacht!
    Es ist dringend geboten, hier endlich Abhilfe zu schaffen!
  3. #3

    Gut so!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der deutschen Forschungslandschaft zeichnet sich ein Konflikt um die Verteilung öffentlicher Gelder ab: Nach Informationen des SPIEGEL will der Deutsche Hochschulverband für eine stärkere Rolle der Unis kämpfen - und das "Vormachtstreben" außeruniversitäter Forschungseinrichtungen bremsen.

    Deutscher Hochschulverband will Resolution verabschieden - SPIEGEL ONLINE
    Da wird eine Entwicklung dargestellt, die ich in vollem Umfang begrüsse. Ich kann nur hoffen, dass sich der Trend zugunsten der ausseruniversitären Forschung noch deutlich verstärkt. So wäre es zu begrüssen, wenn auch ausseruniversitäre Forschungseinrichtungen das Promotionsrecht bekämen.

    Ich habe selbst Physik studiert, und habe einerseits an der Universität meine Diplomarbeit geschrieben, und andererseits an einem Fraunhofer-Institut meine Doktorarbeit angefertigt.

    Während ich an der Uni mit schlechten Arbeitsbedingungen und selbstherrlichen Professoren zu tun hatte, habe ich dann an dem Fraunhofer-Institut sehr gute Arbeitsbedingungen gehabt. Lediglich seitens der Universitäten wurden mir massiv Knüppel zwischen die Beine geworfen, da die selbstherrlichen Professoren es natürlich gar nicht gerne haben, wenn die Doktoranden zur ausseruniversitären Forschung mit guten Arbeitsbedingungen gehen. So hat in meinem Fall die Universität Karlsruhe doch glatt verlangt, dass ich dort als externer Doktorand (von Fraunhofer bezahlt) unentgeltlich Praktika und Übungen abhalten sollte - schlicht eine Unverschämtheit und massiver Machtmissbrauch der Herren Professoren. Am Ende wurde meine Doktorarbeit von einer Österreichischen Universität betreut, weil weder ich noch meine Vorgesetzten diese Unverschämtheit eingesehen haben.

    In jedem Fall sehe ich es an unumgänglich an, dass die Universitäten ihr Monopol auf das Promotionsrecht verlieren, damit dieser Selbstherrlichkeit und dem Machtmissbrauch der Professoren endlich Grenzen gesetzt werden.
  4. #4

    Bestätigung

    "Diskutierender" bestätigt doch in seiner Schilderung aufs Deutlichste, dass die Bedingungen an den außeruniversitären Einrichtungen wesentlich besser sind. Ich verstehe zwar, dass er sich von der Uni Karlsruhe gegängelt fühlte. Aber es ist doch auch eine Überlegung wert, warum die Bedingungen so sind, wie sie sind. Zudem hat die Uni ja noch den Auftrag, zu lehren *und* zu forschen.
  5. #5

    ganz genau

    Zitat von peterdkrause Beitrag anzeigen
    Die Universität wurden seit Jahren ausgehungert. [...]
    Ganz genau das ist der Punkt. Der einen Rattenschwanz hässlicher Konsequenzen wie die vom diskutierenden herausgestrichenen, nach sich zieht. Gute Forschung und gute Lehre ist personalintensiv und braucht Kontinuität. Wenn man die Realität sieht, braucht man sich nicht wundern. Mit ist noch an keiner Uni ein alchimistisches Institut untergekommen, das zu Gold machen könnte, was die öffentliche Hand anliefert...
  6. #6

    Naja

    Zitat von Diskutierender Beitrag anzeigen
    Da wird eine Entwicklung dargestellt, die ich in vollem Umfang begrüsse.
    [...]
    Ich habe selbst Physik studiert, und habe einerseits an der Universität meine Diplomarbeit geschrieben, und andererseits an einem Fraunhofer-Institut meine Doktorarbeit angefertigt.
    [...]
    In jedem Fall sehe ich es an unumgänglich an, dass die Universitäten ihr Monopol auf das Promotionsrecht verlieren, damit dieser Selbstherrlichkeit und dem Machtmissbrauch der Professoren endlich Grenzen gesetzt werden.
    Kommt ein klein wenig Arrogant rüber :D

    Ich muss zugeben, als meine Universität die Pflichtbetreuung für externe Doktoranden einführte, war ich auch froh, nicht mehr unter die neue Prüfungsordnung zu fallen. Das ist frech und wäre in meinem Fall eigentlich auch vom Arbeitsvertrag ausgeschlossen worden.
    Trotzdem halte ich es für gut, dass die Universitäten dieses Vorrecht behalten. Meine Arbeit (an einem Max-Planck-Institut) war sicherlich erfüllender, zügiger und effektiver, als an einer Uni. Allerdings waren die finanziellen Mittel auch andere. Und mir fehlen andere Erfahrung (z.B. mehrtägige Betreuung von Gruppen).
    Die Universitäten sind es, aus der die Wissenschaftler 'geboren' werden. Sie bilden die zukünftigen Doktoranden aus und können (theoretisch) unabhängig die Arbeiten beurteilen. Gäbe es nicht den finanziellen Kahlschlag, gäbe es auch nicht die (leider für die Universitäten notwendige) Ausbeutung der Doktoranden. Und an externen Instituten ist es lediglich eine andere Form (zum Teil selbst aufgelegter) Ausbeutung. Bei mir wurden jedenfalls keinerlei (der üppigen) Überstunden bezahlt und der Urlaub am gesetzlichen Limit gehalten (soweit überhaupt genommen).

    Ob es nun Weise ist, den externen Instituten den Krieg anzusagen, bezweifle ich jedoch. Anstatt sich gegenseitig die letzten Krumen streitig zu machen, sollte deutlich gemacht werden, dass der Wissenschaftsstandort Deutschland längst ein todkranker Patient ist, der sich nur durch pure Ideologie und Lebenswillen voran schleppt. Als Wissenschaftler verlangte keinen Reichtum, keinen gigantischen Ruhm. Aber Ideologie kann nicht ewig schlechte Bezahlung und fehlende feste Perspektiven ersetzen. Insbesondere, wenn die einzige feste Perspektive ein indirektes Berufsverbot durch die Regeln der Zeitverträge ist ;)
  7. #7

    Tut vor allem was fürs "akademische Präkariat"

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der deutschen Forschungslandschaft zeichnet sich ein Konflikt um die Verteilung öffentlicher Gelder ab: Nach Informationen des SPIEGEL will der Deutsche Hochschulverband für eine stärkere Rolle der Unis kämpfen - und das "Vormachtstreben" außeruniversitäter Forschungseinrichtungen bremsen.

    Deutscher Hochschulverband will Resolution verabschieden - SPIEGEL ONLINE
    Der Skandal sind vor allem die Arbeitsbedingungen nicht- festangestellter Mitarbeiter an den Unis (Leute die Seminare geben mit Hartz IV, Forscher mit 1/4 Stelle, die mit Geld der Eltern über die Runden kommen). Stichwort: Akademisches Präkariat.

    Wenn sich hier nichts ändert und die Mitarbeiter nicht einmal ansatzweise die luxuriösen Vertragsbedingungen genießen können, die z.B. für verbeamtete Lehrer selbstverständlich sind, wird Deutschland früher oder später zum forschungspolitischen Entwicklungsland.
  8. #8

    tiefergehende Ursachen

    Zitat von interstitial Beitrag anzeigen
    Ganz genau das ist der Punkt. Der einen Rattenschwanz hässlicher Konsequenzen wie die vom diskutierenden herausgestrichenen, nach sich zieht. Gute Forschung und gute Lehre ist personalintensiv und braucht Kontinuität. Wenn man die Realität sieht, braucht man sich nicht wundern. Mit ist noch an keiner Uni ein alchimistisches Institut untergekommen, das zu Gold machen könnte, was die öffentliche Hand anliefert...
    Die Universitäten ,wie auch alle übrigen öffentlichen Einrichtungen, werden schon seit Jahren "heruntergefahren". Das eigentliche Problem sind jedoch die hohe Staatsverschuldung der Bundesrepublik (2011 ca. 81 % des BSP )und die Zinsen und Zinseszinsen die bedient werden wollen. Das exponentielle Wachstum dieser wird in Zukunft die Ausgaben des Staats für Universitäten und andere öffentlichen Einrichtungen weiter in die Knie zwingen. Ein generelles Problem vieler Staaten am Anfang des 21. Jahrhunderts.
    Zunächst sollte man also bei der Geldpolitik nachbessern bevor man über die Bildungspolitik die Symptome der Erstgenannten notdürftig versorgt.
  9. #9

    ...tja, wenn...

    ...die Herren Profs. nicht 3 Semester und länger bräuchten, um Arbeiten zu benoten, könnte man annehmen, sie hätten Valenzen, um ordentlich Forschung zu betreiben. Aber wenn die Lehre sie schon so in Anspruch nimmt, das sie nicht einmal ihre ureigensten Pflichten erfüllen können, ist die Sache mit der Forschung wohl eher Wunschdenken. Den Unis/Fachschaften sei in diesem Zusammenhang in's Stammbuch geschrieben: wenn ihr nicht einmal dafür sorgen könnt, das die Lehre funktioniert, wie wollt ihr denn ordentlich forschen?

    Oder soll 'mal wieder ein Selbstbedienungsladen für das (Bildungs-)Establishment geschaffen werden?