Interview mit Heiner Geißler: "Raus aus den Palästen, leben wie das Volk"

DPAHeiner Geißler verließ den Jesuiten-Orden, weil er dauerhaft das Gelübde nicht hätte halten können. Der ehemalige Bundesminister wertet die Wahl des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio zum Papst als Befreiung: Die Kirche habe die Dimension ihrer Krise erkannt.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...-a-888889.html
  1. #1

    Hoffentlich

    hat Heiner Geißler mit seiner optimistischen Einschätzung recht.
    Man hört ja auch eher negative Statements, wenn es um die politische Ausrichtung des neuen Papstes geht.
    Wir werden es erleben.....
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Kirche habe die Dimension ihrer Krise erkannt.
    Hat sie das? Wenn man bedenkt, wie konservativ der neue Papst überall verkauft wird, muss man sich das wirklich fragen. Ich bin kein Katholik, also kann ich das schlecht einschätzen. Aber sind die Amtskirche und die Fixierung auf die spirituelle Seite wirklich der wichtigste Grund, warum der RKK die Gläubigen weglaufen? Oder nicht doch eher die penetrante Weigerung, sich den modernen Zeiten anzupassen? Die Kirche in die moderne Welt zu führen und nicht die moderne Welt zurück in die Kirche? Andere Lebensauffassungen zumindest nicht zu verteufeln und sich mehr um Integration als um Exklusion zu bemühen?

    Das wäre nämlich mein Eindruck. Aber ich lasse mich von den anwesenden Katholiken gerne eines Besseren belehren.
  3. #3

    Nix als weisser Rauch?

    Da können wir ja mal alle gespannt sein. Wird es Reformen geben, wird der Vatikan einen Weg einschlagen, in dem es möglich ist, dass ich es noch erleben darf, dass eine farbige Frau zur Päpstin ernannt wird? Oder müssen wir alsbald erleben, dass es nur lautet: habemus Popanz?
  4. #4

    Der alte Jedi Heiner Geißler

    schätzt m.E. den neuen Papst richtig ein. Sein vorsichtiger Optimismus ist berechtigt.
  5. #5

    Kirche braucht Armut

    Der Test, wie ernst es Papst Franziskus mit der Armutsbekämpfung ist, ist recht einfach: wie steht er zur Befreiungstheologie? Paradoxerweise hat die Kirche bislang gehandelt nach dem Motto: nur Arme benötigen Erlösung. Hoffen wir, die Kommentatoren wie Geissler behalten recht und durchbrechen mal dieses Dogma.
  6. #6

    Bescheidenheit?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Heiner Geißler verließ den Jesuiten-Orden, weil er dauerhaft das Gelübde nicht hätte halten können. Der ehemalige Bundesminister wertet die Wahl des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio zum Papst als Befreiung: Die Kirche habe die Dimension ihrer Krise erkannt.

    Heiner Geißler wertet die Papstwahl als Befreiung - SPIEGEL ONLINE
    Sollte eine grundsätzliche Tugend sein, der sich jeder selbst stellen und nicht nur von anderen verlangen sollte.
    Vorbildwirkung spielt dabei eine große Rolle und der neue Papst könnte diesbezüglich tatsächlich ein Vorbild sein.
  7. #7

    Als ob da an der Spitze der wohl konservativsten, rückwärtsgewandtesten Organisation dieses Planeten plötzlich der Wind dreht, weil da jetzt ein anderer Senior den Petersplatz bespaßen darf...
  8. #8

    "Der Leichnam lebt."

    Manche meinen, der einst Junta nahe Diener der Kirche werde dem Verein in Deutschland weitere zahlende Kunden abspenstig machen. Manche meinen das Begräbnis des Kultes käme mit dem neuen Mann an der Spitze. Ganz und gar nicht!

    Den Verein haben schon Tausende viel tausend Mal begraben. Doch Totgesagte leben länger. Dass ein Karrierist mörderischen Machthabern nach kroch, solange dies nutzt, ist Teil der Strategie. Man solle den Club der Jesuiten, die SPIN-Doktoren des Vereins, nicht sträflich unterschätzen. Der schreiende Moloch im Stil Goebbels, dem Hinkefuss, ist out, mega-out. Die Lächel-Liebe macht Konjunktur. Ein Papst der U-Bahn fährt. Ein Grüner, der Fahrrad tritt. Lächelnde Lügen verkaufen sich wie sex sells. Das Setup fundamentaler Religioten jazzt sich mental-medial in einem Ausmaß hoch, dass es schwer wird, sich dem zu entziehen. Wer nur leicht infiziert, der purzelt in die Perversität des Liebes-Lallen. Den Verstand dabei auszuschalten, durch herzinnigen Sabbel-Schleim lallend einzulullen, das läuft auf allen Kanälen in roter Reizwäsche der Roben-Popen. Zudem kontrastiert das Setup gegen fundamental rigide Religioten von Mekka, von Hindu-Wallfahrten und dem Lalle-Lächeln wie des Dalai-Lamas, schal bekränzend und beschenkend, wer immer sich demütig biegt und beugt. Vom rigid-religiotischen Wohlfühl-Setup der New-Age-Geschäftigkeit, wo emsige Bienen aus sakralen Sumpfblüten weiter den holden Honig saugen, wie einst der Missbrauch Buben dazu brachte, des Popen beringten Finger zu lecken – im Name der Hose, ähem der Rose. Ob sich der Mob beim Versender Zalando Hochgefühle mit den neuen Schuhen verschafft, oder ob sich kreischende Massen jubelnd auf dem klerikalen Kultgelände um den Petersdom tränend in den Armen liegen, der Synchronizität hysterisierter Massen kann man sich auf dem Aufmarsch-Gelände schwerlich entziehen. „Es“ reisst eben mit, "es" passt ins Gefüge gefühlter Hilf- und Wertlosigkeit, "es" rettet eben das Höhere Weser, Kaiser, Volkstribun, der Taste-of-Fascisme. Da kann Brecht schreiben, Eisler-Weill vertonen, da malt Otto Dix die furchtbaren Fratzen, es bleibt, wie es ist und bestenfalls wird es nicht schlimmer. Nein, nein, doch nicht depressiv deswegen! Da spielt – seit eh und je - Dantes Göttliche Komödie: „Du, der Du hier eintrittst, lass alle Hoffnung fahren….“ Nicht doch den lächelnden Jesuisten schlecht schreiben. Der wird den Massen das Teilen verkaufen, als sozial-hygienische Therapie gegen Kirchenflucht und –feindlichkeit. Der Mann ist mächtig gut geschult. Seine Show passt schon vom ersten Augenblick, als er ganz in Weiß sich vom Gebet der Beglückten weihen ließ, bevor er selbst seinen Sermon salbaderte. Dies sozial-hygienische Klebemittel aller frömmelnden Bewegten mag gar wirken zum Besseren – ganz im Sinne des Tibetanischen Totenbuchs: „Zähmen zum Guten Ende, was und wie auch immer.“
    Daher braucht’s keinen Weis- noch Wahrsager zu diagnostizieren: „Der Leichnam lebt!“
  9. #9

    Man macht keinen 76-Jährigen zum Papst, wenn man ihm Zeit lassen will etwas zu verändern.