Kalzit statt Kompass: Forscher enträtseln Sonnenstein der Wikinger

CorbisWie konnten die Wikinger ohne Kompass auf dem offenen Meer navigieren? Geheimnisvolle Sonnensteine sollen den Nordmännern die Richtung gezeigt haben, doch ihre Existenz war lange umstritten. Jetzt wollen Forscher in einem Schiffswrack ein altes Original entdeckt haben.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-887227.html
  1. #1

    Wikinger im 16. Jahrhundert?

    Mal ernsthaft. Nur weil dieser Stein auf einem Schiffswrack des 16. Jh.s, also der frühen Neuzeit, gefunden wurde, heißt das nicht, dass die Wikinger (Wikingerzeit von 793 bis 1066 n.Chr.), also die Skandinavier des frühen Mittelalters diese Steine genutzt haben. Die Art des Rückschlusses ist in höchstem Maße spekulativ. In einigen altnordischen Texten, vor allem den sogenannten "Märchensagas", die durchweg alle im hohen und späten Mittelalter verschriftlicht wurden (in einigen Fällen trifft auch der Ausdruck "entstehen" zu), werden solche Sonnensteine erwähnt. Zu ihrer Anwendung wird nichts gesagt, nur dass sie die Richtung anzeigen können (meist ist nichtmal klar, welche Richtung gemeint ist). Nun findet man auf einem englischen Schiff des 16. Jh.s einen Kalzit und stellt fest, dass man damit den Stand der Sonne bestimmen kann. Und weil dieses Mineral in Skandinavien häufig vorkommt, wird geschlussfolgert, dass die Wikinger diese Steine genutzt haben...
    Wie gesagt, die Texte sind durchweg einige hundert Jahre nach der Wikingerzeit niedergeschrieben worden/entstanden. Es handelt sich dabei um sogenannte Märchensagas, in denen Gestaltwandler, Untote und sogar fliegende Teppiche im Dutzend billiger kommen.
    Das Wrack ist englisch, nicht skandinavisch (auch wenn das nicht viel zu sagen hat, die Kontakte waren z.T. recht eng) und stammt aus der frühen Neuzeot, ist also nochmal jünger als die ominösen Texte. Und einzig und allein aus dem Vorkommen der Steine ein "Aber es könnte so gewesen sein"-Szenario zu basteln, das ist schlicht und ergreifend unwissenschaftlich (wenn auch sehr publikumswirksam).
    Flokis Raben sind da aber ebenso wahrscheinlich.
  2. #2

    Das Wort Doppelbrechung erfolgreich vermieden

    Liebe Spon Redaktion,

    von den seemännischen Leistungen der Wikinger weiß ich nicht sehr viel, aber wenn ihr das Wort "Doppelbrechung" in dem Artikel einmal erwähnt hättet, es würde naturwissenschaftlich interessierten Lesern dabei helfen, das Phänomen durch Nachlesen genauer zu verstehen.
  3. #3

    Der Stein ist magisch

    Zitat: "Für uns gibt es keinen Zweifel: Kalzit ist magisch", sagte Ropars
    Zitat Ende -
    Was, bitteschön, ist denn an Kalzit magisch? Da ist alles, aber auch wirklich alles, rein physisch.
    Ropars hätte vor solchen Aussagen mal die GWUP (dem hochgeachteten Wissenschaftsverband gegen Esoschwachfug) fragen oder mal bei Psiram bezüglich Magie nachschlagen sollen.
    Ich sehe schon Scharen von Esospinnern die Kalzitvorräte der Steinhändler plündern. Solche Vokabeln gehören einfach nicht mehr unkommentiert verwendet.
  4. #4

    olle Kamelle!

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/navigation-sonnensteine-koennten-wikingern-den-seeweg-gewiesen-haben-a-795396.html
  5. #5

    Sogar noch ollere Kamellen...

    Darüber dass und wie die Wikinger Kalzit zur Navigation verwendet haben, habe ich schon 2001 ein Referat gehalten - und da hab ich ein Buch von 1975 als Quelle genommen, das übrigens auch bei Wikipedia verlinkt ist.
    ( http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenstein )
    Mit 3 Minuten Wikipedia-Recherche hätte der Autor dieses Artikels deutlich fundierter und weniger reißerisch berichten können...
  6. #6

    Spekulative Wissenschaft

    Zitat von mr.mauve Beitrag anzeigen
    Mal ernsthaft. Nur weil dieser Stein auf einem Schiffswrack des 16. Jh.s, also der frühen Neuzeit, gefunden wurde, heißt das nicht, dass die Wikinger (Wikingerzeit von 793 bis 1066 n.Chr.), also die Skandinavier des frühen Mittelalters diese Steine genutzt haben. Die Art des Rückschlusses ist in höchstem Maße spekulativ. In einigen altnordischen Texten, vor allem den sogenannten "Märchensagas", die durchweg alle im hohen und späten Mittelalter verschriftlicht wurden (in einigen Fällen trifft auch der Ausdruck "entstehen" zu), werden solche Sonnensteine erwähnt. Zu ihrer Anwendung wird nichts gesagt, nur dass sie die Richtung anzeigen können (meist ist nichtmal klar, welche Richtung gemeint ist). Nun findet man auf einem englischen Schiff des 16. Jh.s einen Kalzit und stellt fest, dass man damit den Stand der Sonne bestimmen kann. Und weil dieses Mineral in Skandinavien häufig vorkommt, wird geschlussfolgert, dass die Wikinger diese Steine genutzt haben...
    Wie gesagt, die Texte sind durchweg einige hundert Jahre nach der Wikingerzeit niedergeschrieben worden/entstanden. Es handelt sich dabei um sogenannte Märchensagas, in denen Gestaltwandler, Untote und sogar fliegende Teppiche im Dutzend billiger kommen.
    Das Wrack ist englisch, nicht skandinavisch (auch wenn das nicht viel zu sagen hat, die Kontakte waren z.T. recht eng) und stammt aus der frühen Neuzeot, ist also nochmal jünger als die ominösen Texte. Und einzig und allein aus dem Vorkommen der Steine ein "Aber es könnte so gewesen sein"-Szenario zu basteln, das ist schlicht und ergreifend unwissenschaftlich (wenn auch sehr publikumswirksam).
    Flokis Raben sind da aber ebenso wahrscheinlich.
    Leider arbeitet die Archäologie schon seit einiger Zeit immer so, um sich öffentlichkeitswirksam darzustellen (und Fördergelder zu rekrutieren) ... Guido Knopp und Aiman Abdallah lassen grüßen!
  7. #7

    Calcit, auch Kalzit oder Kalkspat

    Zitat von kernspalter Beitrag anzeigen
    Liebe Spon Redaktion,

    von den seemännischen Leistungen der Wikinger weiß ich nicht sehr viel, aber wenn ihr das Wort "Doppelbrechung" in dem Artikel einmal erwähnt hättet, es würde naturwissenschaftlich interessierten Lesern dabei helfen, das Phänomen durch Nachlesen genauer zu verstehen.
    Charakteristisch für Calcitkristalle ist eine besonders hohe Doppelbrechung. Licht, das nicht entlang der optischen Achse des Kristalls einfällt, wird in zwei Lichtbündel aufgespalten, einen ordentlichen und einen außerordentlichen Strahl. Für diese beiden Strahlen gelten auf Grund unterschiedlicher Polarisationsrichtungen andere Brechungsindizes. Dies zeigt sich darin, dass bei einem bestimmten Blickwinkel jedes durch einen klaren Kristall beobachtete Objekt doppelt erscheint, eine zur Identifikation von Calcit sehr hilfreiche Eigenschaft, daher auch der häufige Name Doppelspat. In Island, dem bekanntesten Vorkommen für Doppelspat, wird er als silfurberg (Silberfels) bezeichnet. Er wird aufgrund dieser Eigenschaft auch als anisotrop beschrieben.

    Verglichen mit anderen Mineralen ist Calcit kaum resistent gegenüber der Verwitterung. Er ist viel weicher als Quarz oder Feldspat und bereits in saurem Wasser löslich. In kalten, verdünnten Säuren löst sich Calcit unter heftiger Gasentwicklung auf.

    Je nach Fundort kann Calcit durch Einlagerung von Seltenen Erden[2] unter UV-Licht rot, blau oder gelb, aber auch andersfarbig fluoreszieren. Des Weiteren sind auch phosphoreszierende, kathodolumineszierende, thermolumineszierende und selten auch tribolumineszierende Calcite möglich.[3]

    [url]http://de.wikipedia.org/wiki/Calcit[url]
  8. #8

    Wikipedia?

    Zitat von unglaeubig Beitrag anzeigen
    Darüber dass und wie die Wikinger Kalzit zur Navigation verwendet haben, habe ich schon 2001 ein Referat gehalten - und da hab ich ein Buch von 1975 als Quelle genommen, das übrigens auch bei Wikipedia verlinkt ist.
    ( Sonnenstein )
    Mit 3 Minuten Wikipedia-Recherche hätte der Autor dieses Artikels deutlich fundierter und weniger reißerisch berichten können...
    Aber dann klickt ja niemand den Artikel an, der im übrigen sowieso nur eine Agenturmeldung referiert, und die Werbeeinnahmen von SPON gehen zurück... Journalismus wandelt sich!

    Wird damit etwa ein Geheimnis gelüftet?
  9. #9

    Jetzt isses Kalzit?

    Der Sonnenstein der Wikinger wurde uns schon vor über 10 Jahren auf einer Geologieexkursion gezeigt. Damals war's aber ein Cordierit, der einem mit seinen pleochroischen Eigenschaften den Weg weist...