Verfällt der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?

Die fragwürdigen Deals mit Doktortiteln durch so genannte Promotionsberater brachten akademische Würden made in Germany ins Gerede. Hat die universitäre Kontrolle versagt? Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?
  1. #10

    ???

    Zitat von GM64 Beitrag anzeigen

    Dennoch gibt es Mediziner die keinen Dr. Titel haben. Das kann ich nicht verstehen. Wenn der Arzt keinen Dr. Titel hat, würde ich da nicht hin gehen, weil der ist absolut unfähig.
    ...wie ist das jetzt zu verstehen? Wir haben einen hervorragenden Hausarzt ohne "Dr.". Sollen wir jetzt einen anderen suchen? Bitte eine schnelle Antwort, dass wir keiner gefahr ausgesetzt sind.
  2. #11

    Wenn....

    [QUOTE=Skade;4229992].
    Den Medizin Dr. Titel bekommt man doch quasi geschenkt.

    ...dem so wäre, hätte ja jeder Arzt den "Dr." vor dem Namen. Stattdessen gibt es viele Mediziner, die viele viele Tage und Nächte an komplizierten Versuchsreihen forschen, bevor sie die ersehnte Promotionsurkunde überreicht bekommen (Ausnahmen bestätigen die Regel).
  3. #12

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?
    Seid Bachelor und Master sowieso...
  4. #13

    Zitat von tanni95 Beitrag anzeigen
    ...wer sich mit einem "Dr." schmückt ohne ein solcher zu sein, muss Strafe zahlen, wenn er erwischt wird. Hier empfehle ich immer gerne den "Dr. s.c." (=sine causa). da kann dann keiner was wollen.
    ... aber aufpassen, dass das nicht mit dem "Dr. sc." (scientiae …) aus der DDR verwechselt wird, das war da sowas wie der habil. und richtig mit Arbeit verbunden, nicht nur "Schmuck" ...
  5. #14

    Zitat von tanni95 Beitrag anzeigen
    ...wer sich mit einem "Dr." schmückt ohne ein solcher zu sein, muss Strafe zahlen, wenn er erwischt wird. Hier empfehle ich immer gerne den "Dr. s.c." (=sine causa). da kann dann keiner was wollen.
    Keine gute Idee, denn der "Dr. sc. + Fachbereich" (scientiae/scientarium) wurde in der DDR und wird in Östereich, sowie der Schweiz verliehen. Wahrscheinlich ist es sinnvoller, wenn diejenigen, die sich ihren Doktor auf regulärem Wege erworben haben, zur besseren Unterscheidung zukünftig sich "Dr. l.c." (laboris causa = auf Grund von Arbeit) ) nennen.
  6. #15

    glaub ich nicht

    Zitat von Kanzleramt Beitrag anzeigen
    Habe noch nie verstanden warum praktizierende Ärzte unbedingt einen Doktor haben müssen. So weit ich weiß, ist das ja wirklich Pflicht, oder liege ich da falsch? Bei Zahnärzten ist es ja keine Pflicht und ich kenne Zahnmedizinstudenten die keinen Doktor machen. Mein Zahnarzt hat auch keinen Doktortitel und der ist super, jedenfalls gabs bisher nichts zu klagen.

    Wer nicht an der Uni (oder einem Institut) als Wissenschaftler und Forscher bleiben will, braucht meiner Ansicht nach auch keinen Doktor machen, außer er hat eben Spaß an der Freude daran. Allgemein kenne ich aber immer mehr, die einen Doktor machen wollen. Zum einen, um das "Studium" bzw. die Zeit an der Uni zu Verlängern (abhängig vom Arbeitsmarkt) oder ganz einfach aus ANGST später als Arbeitnehmer ohne Doktortitel nichts mehr wert zu sein, bzw. gar keinen Job mehr zu bekommen. Da herrscht anscheinend u.a. noch/wieder ganz viel ständischen Denken vor.
    es gibt auch Ärzte ohne Doktor-Titel. Aber in dieser Branche ist es scheinbar besonders wichtig für das Image, ich habe erlebt, daß sie sich gegenseitig mit Herr/Frau Doktor ansprechen. Bei den Firmen die in dieser Branche arbeiten ist der Titel auch gefragt. Allerdings haben die GF bzw Abteilungsleiter, in der Regel, keinen Doktor Titel.
  7. #16

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Verfällt dadurch gar der Wert akademischer Titel an deutschen Hochschulen?
    Daran sind die Hochschulen nicht ganz unschuldig. Zu bereitwillig stehen sie zur Verfügung, wenn es gilt, den Bedarf an akademischen Würden aus Wirtschaft und Politik zu befriedigen. Man kann sogar sagen, die Fakultäten haben sich hier geradzu prostituiert. Sehr schön ist das dargestellt in Manfred Zach: "Monrepos oder die Kälte der Macht", wo die Universität Karlsruhe in einem am Abitur gescheitertern Verwaltungsfachwirt akademische Qualitäten entdeckte, der auch Ministerpräsident war, die allerdings auf das Schrifttum seines Pressereferenten beruhten.
  8. #17

    Zitat von GM64 Beitrag anzeigen
    Wenn der Arzt keinen Dr. Titel hat, würde ich da nicht hin gehen, weil der ist absolut unfähig.
    Der Doktor Titel des Arztes hat mit seinen Fertigkeiten im späteren Tätigkeitsbereich nur sehr selten zu tun. Wirklich relevant ist der Doktortitel für den Arzt der wissenschaftlich arbeiten möchte. Im Übrigen betonen Sie erst die Simplizität der dahinter stehenden wissenschaftlichen Arbeit (was so pauschal sicher falsch ist), wollen das dann aber mit einemal zur Schlüsselfrage seiner Eignung erklären? Da passt wohl etwas nicht.

    Im Übrigen ist ein Arzt ohne Doktortitel längst keine Seltenheit mehr. Über seine Fähigkeit sich fachgerecht mit Ihrer Erkrankung auseinander zusetzen geben seine Facharztausbildung und ggf. Weiterbildung zu einem Schwerpunkt oder Zusatzweiterbildungen Auskunft, z.B. der Facharzt für Innere Medizin der dann noch eine weitere Qualifizierung in Bereichen wie Kardiologie oder Gastroenterologie vorweisen kann, dafür hat er mehrere Jahre wenn nicht ein Jahrzehnt arbeiten müssen, für den Doktortitel als medizinisch womöglich noch relativ unbeschlagener Student womöglich nur wenige Monate.
  9. #18

    ...

    Das unter den (Geld-)Schein-Doktoren viele Mediziner zu finden sind, wundert mich nich.

    Aber die deutsche Oma besitzt eben nur dann Vertrauen zu ihrem Arzt, wenn der einen Doktortitel hat.

    Außerdem sind es Mediziner gewohnt, für ihre "Ausbildung" zu bezahlen, ansonsten könnte es nämlich auch nicht so viele medi-learn und was weiß ich für Repetitoriumsfirmen geben.

    Dritten muß man sich vor Augen halten, daß selbst die ohne Schummelei oder Bestechung erstellten Mediziner-Doktorarbeiten im Durchschnitt kaum das Niveau z.B. einer naturwissenschaftlichen Dissertation je erreichen...dauert letztere ca. 4 Jahre mit eigenen Experimenten wird erstere schon mal in drei Monaten erstellt, wobei der angehende Medi-Dr. großzügig von Assistenten beim Experimentieren unterstützt wird, d.h. mitunter eh kaum was selbst macht.

    Alles übrigens Mißstände, die es seit Jahrzehnten gibt.

    Wenn bei allen Doktorarbeiten soviel Anspruch bestehen würde, wie es von Doktoranden in experimentell forschenden Fächern oder der Mathematik erwartet wird, dann gäbe es in Deutschland wahrscheinlich nur halb so viele Promotionen pro Jahr. Wenn moralische Maßstäbe etwas gelten würden, dann würde nicht jeder dahergelaufene "ehrwürdige" Politiker und Wirtschaftsvertreter einen Dr. h.c. bekommen.

    Wenn es um Wahrheit ginge, dann müsste das vielfach praktizierte Verschweigen eines h.c. hinter dem Doktortitel als Betrug geahndet werden.
  10. #19

    Zitat von Rainer Daeschler Beitrag anzeigen
    Daran sind die Hochschulen nicht ganz unschuldig. Zu bereitwillig stehen sie zur Verfügung, wenn es gilt, den Bedarf an akademischen Würden aus Wirtschaft und Politik zu befriedigen. Man kann sogar sagen, die Fakultäten haben sich hier geradzu prostituiert. Sehr schön ist das dargestellt in Manfred Zach: "Monrepos oder die Kälte der Macht", wo die Universität Karlsruhe in einem am Abitur gescheitertern Verwaltungsfachwirt akademische Qualitäten entdeckte, der auch Ministerpräsident war, die allerdings auf das Schrifttum seines Pressereferenten beruhten.
    Ich kann da nur zustimmen. Die, leider nicht nur Deutschlandweit sondern weltweite Praxis mal Politiker durch "Doktorwürden" - selbst wenn sie verschämt nur "ehrenhalber" sind zu unterstützen ist letztlich schon eine Bankrotterklärung an das System, es ist ein Lobbyistensystem - manchmal gegen Geld, manchmal eben gegen "Fördermittel" oder anderweitige Unterstützung.

    Niemand sollte sich davon blenden lassen, und eher vorsichtig werden wenn jemand mit seinem Doktortitel hausieren geht, was dahintersteckt ist entweder Egonamie oder Betrug.

    Das Verhältnis von dt. zu Titel ist sowiso etwas dubios. Da wurden während der Nazizeit einigen tausend Juden - oder aufrechten Leuten die Doktorwürde entzogen, und andere damit freizügig ausgezeichnet. Bis heute sind die "ausgezeichneten" davon gekommen, die von den Nazis - zwangs-entzogenen wurden nie von ihren Universitäten rehabilitiert, und .. natürlich die Nazi-Freunde konnten weiter frei schalten und walten.
    ((Kommt einem doch bekannt vor bei BKA als Auffanglager für SS und Gestapo, neuerdings für Stasi angehörige beispielsweise)).

    Ehrenwert, das haben sich die Doktoren und Professoren verspielt, gerade weil sie eben nicht gegen den "Missbrauch" eingetreten sind, weggeschaut, selber kassiert .. Die Adeligen der Neuzeit gibts noch .. sie haben nur die Titel eben gewechselt.

    Einen "wahren" Doktor oder Professor erkennt man nicht an Visitenkarte oder Zertifikaten, sondern an seinem Wissen - Können und seiner Einstellung - ist meine Devise, und da würden so einige die auf Zertifikate soviel Wert legen schnell hintenrunterfallen.