S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Ich armer Mensch

Frauen wollen nicht mehr geschlagen werden! Hellhäutige sollen aufpassen, was sie zu Dunkelhäutigen sagen! Kleinkinder wollen mit Smartphones spielen! Tja, das müssen wir Kulturpessimisten erst einmal verdauen. Vielleicht brauchen wir Sorgentelefone. Und Leihjugendliche, die uns helfen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-884354.html
  1. #70

    Ausgewogenheit

    ist die Mutter des zivilisatorischen Fortschritts.
    Zu viel Konservatismus fuehrt zu Verkrustung und Zurueckbleiben. Zu viel Veraenderung fuehrt zu Chaos. Der Kampf zwischen den beiden Extremen fuehrt idealerweise dazu, dass sich gute Ideen durchsetzen und die Welt veraendern und schlechte Ideen aussortiert werden, bevor sie Unheil anrichten.
  2. #71

    Wunderbarer Text ...

    Nach beinahe 2 Jahren schlechtem Gewissen darüber, dass der große Sohn fernsehen darf und ab und an mit dem guten Mann ein Kinder-Computerspiel spielen, ist mir vor einigen Wochen endlich aufgegangen, dass das alles Blödsinn ist. Er (bei den Kleineren kann ich es noch nicht sagen, die gucken auch noch nicht :-) ) ist immer noch blitzgescheit, keinesfalls verhaltensauffällig und weiterhin beweglich. Also insofern ... schlechtes Gewissen ade, neue Medien gehören eben dazu.
    Ich mag ihren Blick auf die Welt Frau Berg, Sie passen in keine Schublade!!!
  3. #72

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Frauen wollen nicht mehr geschlagen werden! Hellhäutige sollen aufpassen, was sie zu Dunkelhäutigen sagen! Kleinkinder wollen mit Smartphones spielen! Tja, das müssen wir Kulturpessimisten erst einmal verdauen. Vielleicht brauchen wir Sorgentelefone. Und Leihjugendliche, die uns helfen.

    Sibylle Berg über Kulturpessimismus und Angst vor Veränderungen - SPIEGEL ONLINE
    Ach was. Warten Sie erst mal ab wie das wird, wenn man nicht mehr jedes eigene Defizit und jedes Unglück auf der Welt dem "weissen Mann" in die Schuhe schieben kann. DANN wird's interessant...

    (Nur mal als Beispiel, für Sätze wie "Frauen können besser kommunizieren" oder "Männer können halt kein Multitasking" erhalten Sie dann eine Behandlung wie Eva Herrmann und werden Ihren Job verlieren)
  4. #73

    Zitat von amarildo Beitrag anzeigen
    "unprätentiös sein, "

    What the hell does unprätentiös mean?
    Duden | Suchen | unprätentiös
  5. #74

    Alt und Jung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Frauen wollen nicht mehr geschlagen werden! Hellhäutige sollen aufpassen, was sie zu Dunkelhäutigen sagen! Kleinkinder wollen mit Smartphones spielen! Tja, das müssen wir Kulturpessimisten erst einmal verdauen. Vielleicht brauchen wir Sorgentelefone. Und Leihjugendliche, die uns helfen.

    Sibylle Berg über Kulturpessimismus und Angst vor Veränderungen - SPIEGEL ONLINE
    Zum einen verändert sich ständig die "Aussenwelt", auf die ein Mensch blickt und andererseits verändert das Altern seine Innenwelt und damit die Art, wie er die Welt wahrnimmt. Im Normalfall steigt der Erfahrungsschatz eines Menschen mit fortschreitendem Lebeneszyklus und junge Menschen sind darauf angewiesen, daran zu partizipieren. Je komplexer die Welt wird, desto wichtiger sind Erziehung, Ausbildung und Lernen, damit die nachwachsenden Generationen bestehen und sich behaupten können. Das ist nicht nur für die Jungen wichtig, sondern auch für die Alten, denn zumindest ein Teil ihrer Altersversorgung muss von ersteren erwirtschaftet werden.

    Die Älteren sind, wie Frau Berg richtig feststellt, aber auch auf andere Weise auf die Jungen angewiesen: Ihren Elan, ihre Lebensfreude, ihre (emorionale) Zuwendung, ihre Energie, ihre Leichtigkeit. Wer kennt sie nicht, die Freude, die Eltern und Grosseltern verspüren, wenn sie mit ihren Kindern bzw. Enkeln spielen, ihnen Dinge erklären oder einfach mit ihnen zusammen sind. Das menschliche Leben ist ein ständiges Geben und Nehmen bei Jung und Alt, Interaktion und Kooperation, Hilfe und Unterstützung.

    So zumindest sollte es immer sein, es ist der Kern des Humanums und Voraussetzung für eine moralische, lebenswerte Welt. Leider kollidiert diese lebensweltliche Gemeinschaft immer stärker mit den Imperativen eines kalten Systems, das auf Egoismus, Geld, Profit, Macht und Herrschaft geeicht ist. Die Enklaven des eigentlich Menschlichen sind zunehmend bedroht oder schon zerstört - Letzteres besonders in armen Regionen dieser Erde. Kulturpessimismus ist also durchaus berechtigt, allerdings sollte man nicht dabei verharren und vor einem vermeintlich übermächtigen Verhängnis resignieren, sondern dagegen ankämpfen. Auch das kann nur in einer konzertierten Aktion von Alt und Jung erfolgen, die Erfahrung der einen muss sich mit der Tatkraft und dem (Lebens-) Willen der anderen verbinden, damit eine lebenswerte, friedliche auf Nachhaltigkeit und Menschlichkeit beruhende Welt erhalten bzw. geschaffen werden kann.
  6. #75

    Schöne neue Welt

    Die Welt sei eine Bessere geworden: Wo die Autorin hier Ihre Masstäbe ansetzt, wäre interessant, zu erfahren: Angesichts zunehmender, die Menschheit bedrohender Umweltzerstörung und eines immer größeren Auseinanderklaffens der Schere zwischen Arm und Reich in Europa und der ganzen Welt- um nur einige Beispiele zu nennen. Noch nie war diese Kluft der Einkommen allein in Deutschland seit den Nachkriegsjahren so groß wie heute. Seit sich Unternehmen vor ca. zwanzig Jahren aus den Tarifgemeinschaften verabschiedet haben und sich nicht mehr an gesetzliche Tariflöhne halten, ist es eine Glücksache, ob man in Deutschalnd als armer Schlucker geboren wurde und sein Leben lang die Arschkarte gezogen hat, oder ob man sich als Reichentöchterchen und Vorzeige- Karrierefrau im Jetset feiern lässt.

    Dass in Deutschland von Chancengleichheit keine Spur ist, hat nicht nur die Pisa- Studie ergeben. Wenn Sie als HartzIV- Empfänger unterwegs sind, was nicht nur Arbeiterkindern passieren kann, da auch immer mehr Studierte befristete Verträge erhalten - laut Sybille Berg auch so eine Verbesserung!- werden Sie an allen Ecken und Enden für dumm verkauft und bekommen noch dazu eingeredet, man sei selber schuld daran, weil man zu blöd sei, da ja heute alles machbar ist, wenn man nur richtig will- aha! Sie bekommen für Prozesskostenhilfe weder gute Anwälte, noch gerchte Urteile, noch gute Ausbildungsplätze , noch werden Sie von den Lehrern aufs Gymnasium oder an die Universität geschickt- heute ist nunmal alles eine Kostenfrage. Und wenn man dann mal ganz unten angelanmgt ist, weht einem die soziale Kälte dieses Landes unerbittlich hart ins Gesicht.

    So kann nur eine Frau schreiben, die sich selber zur Upperklass zählt und vom Leben und "denen da unten" keine Ahnung hat! Das ist nicht nur wenig durchdacht, sondern auch noch verleumdersch, da Sie Menschen, denen es nicht gut geht und die es wagen, dies nicht in sich hineinzufressen, sondern es zu benennen, unterstellen, diese seien zu blöd oder zu alt und verbittert, um zu merken, dass die Welt eigentlich toll ist! Jeder Mensch kann krank und arbeitslos werden, auch Sie können in die Armut abrutschen, davon ist niemand gefeit. Auch die sogenannte Mittelschicht trifft es immer unvermittelter. Und dann würden Sie sich umschauen, wie diese Gesellschaft mit Menschen umgeht, die nicht mehr "funktionieren"- nämlich sehr schlecht. Solidarität gibt es heute nicht mehr auch kein Mitleid , denn wir haben ja alle kein Helfer- Syndrom mehr, nicht wahr und sind erst Recht nicht unseres Mitmenschens Therapeut- für was gibt es die schließlich! Jeder ist dermaßen damit beschäftigt, sich als tollen Hecht selbst zu inszenieren in dieser schönen neuen Welt, dass für andere Dinge nunmal keine Zeit bleibt...
  7. #76

    Ihre Kolumne ist großartig, ...

    doch die Kommentare lassen mich glauben, dass die Welt sich nicht zum Guten wendet. War es früher wirklich noch schlimmer? OK, da gab es keine solchen Kolumnen und Leser konnten im vertrauten Kreise noch über angeblich wichtige Themen schwadronieren. Frau Berg, Sie bringen Themen zugespitzt auf den Punk, machen mich jede Woche glücklich und schon dadurch (jedenfalls für mich) die Welt ein Stück besser :)
  8. #77

    Und die Zukunft

    ist auch nicht mehr das, was sie mal war.
  9. #78

    optional

    "Die Menschen werden intelligenter" - nein, werden sie nicht, weil Intelligenz genetisch ist und die Gene verändern sich nicht, vor allem nicht ohne Selektionsdruck und in einem Zeitraum von 50 Jahren). Die Menschen denken nur, dass sie intelligenter wären - das wird vor allem immer dann deutlich, wenn Leute in allem was sie schreiben/sagen davon sprechen wie intelligent sie selbst sind, und wie dumm die anderen, ohne zu begreifen, dass nur etwa 2% der Menschheit wirklich intelligenter sind, und ohne zu erkennen, dass alles, was von der Norm abweicht ein großes Hindernis ist/sein kann, auch Intelligenz.
    Ich halte übrigens an Büchern fest, wie auch an vielen anderen "altmodischen" Sachen, weil das Leben heute auf Angepasstheit hinausläuft: Ich darf meiner Waschmaschine nicht mehr vorschreiben mit welcher Gradzahl sie bei wievielen Schleuderumdrehungen wie lange waschen soll, ich kann bei meiner Geschirrspülmaschine nicht einstellen, dass sie schnell waschen, aber lange trocknen soll, das wird mir alles untersagt - Der Trend heute geht dazu, dass jeder alles kann, aber eben auch nicht mehr und das ist das Gegenteil von "die Menschheit wird intelligenter". Und wo ich gerade darüber nachdenke: Vielleicht ist es genau das was Leute denken lässt, dass sie intelligenter werden; weil es keine Herausforderungen mehr gibt.