S.P.O.N. - Der Kritiker: Hört auf, unsere Schüler zu betrügen!

Wer die neue Debatte ums Sitzenbleiben verfolgt, kann vor allem eines lernen: das Fürchten. Von konservativen Politikern und Kulturkritikern werden Argumente aus dem 20. Jahrhundert angeführt, die mit zeitgemäßem Unterricht nichts mehr zu tun haben. Zum Glück gibt es noch Salman Khan.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-885009.html
  1. #80

    Schule ohne Leistungsorientierung?

    Lieber Herr Diez, Ihrer Meinung nach sollte man in der Schule also auf jegliche Leistungsorientierung verzichten? Nur so kann ich den Artikel verstehen.

    Ich bin wahrlich kein Anhänger konservativert Bildungsideale, aber zu glauben, dass Schule so funktionieren könnte, ist mehr als naiv.

    Der Zusammenhang zwischen Regelungen bezüglich des Sitzenbleibens und der (zweifellos menschenverachtenden) Auffassung Menschen zu Rechtshändern umerziehen zu müssen, erschließt sich mir überhaupt nicht.

    Weniger Polemik, mehr Argumente bitte!

    Wenn ein Kind in einem wichtigen Fach wie Mathe oder Englisch einen deutlichen Rückstand hat, kann es dem weiteren Unterricht nicht mehr folgen. So einem Kind tut man keinen Gefallen, wenn man es einfach durchwinkt. Denn dass bedeutet zwangsläufig dem Kind weitere Erlebnisse des Misserfolges zu bereiten.
  2. #81

    Zitat von IsaDellaBaviera Beitrag anzeigen
    Obwohl ich nun schon etwas älter bin (Großmuttergeneration), stimme Ihnen zu 100% zu. Denn Sitzenbleiben hat meines Wissens nach kaum jemals ein Kind zu besseren Leistungen angespornt. Es hat sich dadurch doch eher gedemütigt, verlassen, entmutigt und zu tiefst verletzt gefühlt. Es ist auch an der Zeit, dass wir das unseren geliebten Kleinen nicht mehr antun. Dafür setze ich mich schon seit einigen Jahren ein. Darum freue ich mich heute sehr über die zivilisierte Entscheidung von Niedersachsen, der SPD & den Grünen! Einfach wunderbar!
    Ich kann darüber nur verständnislosmit dem Kopf schütteln, denn die wahre Ursache liegt wo ganz anders.

    Warum müssen die Kinder unbedingt Abitur machen und studieren?
    Ein Kind, das den Haupt- bzw. Realschulabschluss und danach eine Ausbildung gemacht hat ist genauso zu würdigen wie das Kind mit Abi und Studium. Meistens ist es doch der höchst abgedroschene Satz "Mein Kind soll es später besser haben als ich" der Grund für den enormen Leistungsdruck die Ansprüche der Eltern zu erfüllen, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche bleiben da auf der Strecke und so beginnt das Kind mit der Zeit die Schule zu hassen.
    Ausserdem ist das Bildungssystem momentan nur auf Leistungsdruck ausgerichtet, genauso wie die Karrieregeilheit unserer Gesellschaft, wo man ohne Abi und Studium schnell in der Schublade bildungsfern landet und den Rest hat die antiautoritäre Erziehung beigetragen.
    Diese Kinder zerbrechen spätestens am Alltag einer Ausbildung oder dem Arbeitsalltag, wo es dann heisst aufstehen und ranklotzen.
    Sitzen bleiben ist eine prägende Erfahrung, die auch den Eltern klarmachen muss, dass ein Kind keine Marionette ist, sondern, auch wenn es gut gemeint sein mag, kein Ersatz ür die eigenen gemachten Fehler ist, sondern Förderung entsprechend dem persönlichen Leistungsvermögen braucht und klare Regeln und Absprachen.
    Ausserdem brauchen unsere Kinder wieder Perspektiven für das Leben nach Schule und Studium.
    Nur verhätscheln und an der Realität vorbei erziehen hilft keinem Kind... und das momentane Bildungssystem in Deutschland ist gelinde gesagt unter aller Sau.
  3. #82

    Keine Privatlehrer

    Wenn jede Schülerin ihre eigene Lehrerin für jedes Fach bekommt, kann auch jedes Kind im individuellen Tempo arbeiten.
    Aber da das nicht passieren wird, wird eben in Klassen unterrichtet.
    Und nicht alle SchülerInnen sind gleich begabt, lernwillig und konzentriert - unterschiedliche Niveaus sind da schon sinnvoll.
    Definierte Lernziele auch, sonst sind Zeugnisse vollkommen wertlos.
  4. #83

    An#72 heiliger-bimbam

    Wie so oft geht es um Theorie und Praxis.Was Sie ueber die Zeit der antiautoritaeren Erziehung mit ihren Auswirkungen schreiben,sehe ich teilweise auch so.Mit ein Grund hierfuer ist,dass die antiautoritaere Erziehung in der Praxis oft mit dem laissez-faire Erziehungsstil verwechselt wurde.Diese Zeit fuehrte unter anderem auch zu anderem Verhalten in der Schule,schwieriger fuer den Lehrer Disziplin in seiner Klasse zu haben,und witziger Weise gleichzeitig,dass ihm auferlegt wurde weniger Moeglichkeiten zu haben,als Autoritaet von den Kindern anerkannt zu werden.(Sie haben ja mit ihrer Nichterziehung zu Hause gelernt,dass es das nicht gibt).Inzwischen sind die so erzogenen erwachsen und haben selber wieder Kinder.Mir faellt auf,dass wenige Kinder Interesse an der Schule haben,wirklich nicht verstehen,warum sie das alles lernen sollen,weil sie die Vorstellung haben,"dass sie irgendetwas machen wollen,mit dem sie schnell zu viel Geld kommen".
  5. #84

    d ́accord, irgendwie, fast...

    Zitat von Neurovore Beitrag anzeigen
    Keine Bange. Entlang von überholten Werten wie Selbstverantwortung, Höflichkeit, Zuverlässigkeit, etc. erzogen, musste auch ich mit Mitte 20 feststellen, dass die Arbeitswelt nicht nur aus mündigen Erwachsenen besteht, sondern zu 80% aus völlig retardierten Troglodyten, die nur aufgrund von Beziehungen/Netzwerken/schönen Worten ihre Position innehatten. Diese bittere und erschreckende Erkenntnis bleibt den heutigen Jugendlichen erspart, erkennen sie doch an Vorbildern wie Wulff, Guttenberg oder Schavan, wie das Spiel gespielt wird....

    Wenn dazu dann noch so willige Helfer wie Herrr Diez kommen, dann muss man sich um das leistungslose Anspruchdenken folgender Generationen keine Sorgen machen. Zumindet nicht, wenn man einer der beiden Parallelgesellschaften angehört...
    Wohlformulierte Worte, die der schnöden grauen Wahrheit gar lustig ins Gesicht lachen. Zurückgebliebene Höhlenbewohner, hmm, eher nicht. Viele sitzen der irrigen Hoffnung auf, mit reinem Stillhalten käme man weiter, was ja etliche Hofschranzen doch beweisen.
    Zwischen den beiden Parallelgesellschaften werden die eigentlichen Leistungsträger schlicht zerrieben, dummerweise ohne es zu merken.

    Trotzdem ist das Bildungssystem hier wie der Kolumnist anmerkt, eher aus dem vorletzten Jahrhundert. Das Sitzenbleiben ist Käse.
    Einfache Lösung: Trennung der alten Schulklasse in sozialen Klassenverband und Lerngruppen und individualisierte Lernfortschritte mittels Kurssystemen und individualisiertem Lernen, Gruppenaufgaben, hach, was halt die alternativen Bildungssysteme so an Methoden-Bonbons bereitstellen.
    Bezahlen müssen dass die systemrelevanten Banken mit einer besonderen Kapital-Bildungssteuer ohne Subventionsausgleich und Landfluchtmöglichkeit. Da findet sich sicher sogar eine liberale Begründung nach Adam Smith. Immerhin ein Denkansatz.
  6. #85

    Leider...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wer die neue Debatte ums Sitzenbleiben verfolgt, kann vor allem eines lernen: das Fürchten. Von konservativen Politikern und Kulturkritikern werden Argumente aus dem 20. Jahrhundert angeführt, die mit zeitgemäßem Unterricht nichts mehr zu tun haben.
    Ach, man könnte eine Menge darüber schreiben. Aber leider teilen sich die Foristen in die konservative "Das-war-schon-immer-so-das-muss-so-bleiben"-Fraktion und die pseudo-moderne "Keiner-soll-sitzenbleiben"-Fraktion.

    Als Lehrer weiß ich, dass Sitzenbleiben manchmal sinnvoll ist, meistens aber nicht. Man kann den gleichen Unterrichtsstoff auch zweimal verpassen. Wichtig wäre die Frage nach den individuellen Gründen für das Nichterreichen des "Klassenziels" und - darauf basierend - nach einer sinnvollen Strategie für den einzelnen Schüler.

    Aber leider ist es in einem Land, in dem es nur rechte Selektionsfanatiker und linke Gleichheitsträumer zu geben scheint, kaum möglich, eine sachliche Diskussion zu Schulthemen zu führen... :-(
  7. #86

    Im Grunde ist es doch ganz einfach: Man bleibt nur noch in den Fächern sitzen, in denen man schwach ist. Bei meinem Studium war das ganz normal und mitlerweile frage ich mich, warum man es in der Schule anders machen sollte. Warum sollte ein Kind auch die Fächer wiederholen in denen es eine sehr gute bis ausreichende Note Geschäft hat? Ob ihr es nun Nachhilfe oder Sitzenbleiben nennt ist doch egal. Für die Schüler ist es dabei sehr wohl eine Strafe, wenn sie ein Fach im nächsten Schuljahr Nachmittags wiederholen müssen wärmend andere frei haben. Daher glaube ich nicht, das wir damit die Faulheit fördern.
  8. #87

    Lustiger Typ, dieser Dietz,

    sein Zitat "Eine weitere selbstreflexive Scheindiskussion in den Kreisen jener nostalgisch angehauenen 40- bis 65-Jährigen, die die Leitartikel und Kolumnen voll schreiben" ist der Brüller schlechthin, denn die Medien sind ja nachweislich dominiert von linksgrünen Phrasenabsonderern wie ihm. Jetzt ist plötzlich eine Welle losgebrochen, die Schulen ganz modern zu machen verspricht, da muss der eifrige Diez natürlich mitmachen. Leider bleibt der Lernerfolg bei alledem auf der Strecke, aber wenn nur die Anzahl der Abiturienten zählt, ist das egal.
  9. #88

    Und was tun sie

    Zitat von trafozsatsfm Beitrag anzeigen
    Ach, man könnte eine Menge darüber schreiben. Aber leider teilen sich die Foristen in die konservative "Das-war-schon-immer-so-das-muss-so-bleiben"-Fraktion und die pseudo-moderne "Keiner-soll-sitzenbleiben"-Fraktion.

    Als Lehrer weiß ich, dass Sitzenbleiben manchmal sinnvoll ist, meistens aber nicht. Man kann den gleichen Unterrichtsstoff auch zweimal verpassen. Wichtig wäre die Frage nach den individuellen Gründen für das Nichterreichen des "Klassenziels" und - darauf basierend - nach einer sinnvollen Strategie für den einzelnen Schüler.

    Aber leider ist es in einem Land, in dem es nur rechte Selektionsfanatiker und linke Gleichheitsträumer zu geben scheint, kaum möglich, eine sachliche Diskussion zu Schulthemen zu führen... :-(
    Helfen sie mir Herr Kollege. Sie haben einen 9. Klässler, der durchfällt. Sie kümmern sich liebevoll und individuell, sprechen mit den Eltern, wollen eine Strategie entwickeln. Dann stellen sie fest, dass der Grund für seine schlechten Noten ist, dass er schon seit Jahren keinen bock auf schule hat, alle Lehrer bescheuert findet und stinkfaul ist. Wie sieht ihre Strategie aus?
  10. #89

    Zitat von Semonides Beitrag anzeigen
    In Arbeitszeugnissen finden Sie auch ganz selbstverständlich Tätigkeitsbeschreibungen und -bewertungen - anstatt kryptischer Ziffern.
    Das ist jetzt Satire, oder? Also das mit dem „Arbeitszeugnis“ und „nicht kryptisch“.