S.P.O.N. - Der Kritiker: Hört auf, unsere Schüler zu betrügen!

Wer die neue Debatte ums Sitzenbleiben verfolgt, kann vor allem eines lernen: das Fürchten. Von konservativen Politikern und Kulturkritikern werden Argumente aus dem 20. Jahrhundert angeführt, die mit zeitgemäßem Unterricht nichts mehr zu tun haben. Zum Glück gibt es noch Salman Khan.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-885009.html
  1. #410

    Die Theorie zerbricht an der Realität

    Zitat von Nania Beitrag anzeigen
    Ich gehörte in der Schule zu den "leistungsbereiten" Schülern (auch wenn ich das Wort "Leistung" überhaupt nicht mag) und habe mich nie dadurch demotiviert, dass andere nicht sitzengeblieben sind, obwohl sie es "verdient" hätten.
    Das ehrt Sie, trifft aber längst nicht auf alle zu. Das "besser-sein-als-der-andere" ist eine große Motivation für viele. Auch im "richtigen" Leben. Konkurrenz belebt das Geschäft. Das Gegenteil hatten wir in der DDR.

    Zitat von Nania Beitrag anzeigen
    Ich habe mich demotiviert gefühlt, weil ich mich im Unterricht zum Teil gelangweilt habe (gerade in der Unter- und Mittelstufe) und meine Hausaufgaben dennoch nicht machen durfte. Ich war demotiviert, weil gute, neue Herangehensweisen nicht gesehen worden sind und Diskussionen abgewürgt wurden. …
    Tja, wenn sich der Lehrer vorrangig um die Probleme und die „Förderung“ der schlechten Schüler kümmern muss, hat er umso weniger Zeit für die Förderung der guten. Für die guten Schüler ist das Resultat Langeweiler. Ich hatte zuletzt einen sehr problematischen Fall von „Inklusion“ (Klasse 6). Der absorbierte schnell mal 50% meiner Energie. Ein ganzes Schuljahr lang, und das am Gymnasium. Erst nachdem er einen Schüler aus der Klasse darunter (Kl. 5) zusammengeschlagen hat, kam er in die Jugendpsychatrie des örtlichen LKH, weil es vormals zuständigen Förderschulen in meinem Bundesland ja nicht mehr gibt (noch so ein Irrsinn). Seit er weg ist, habe ich wieder Zeit für die Förderung der guten Schüler. Schlechte Schüler, die „gefördert“ werden müssen (und meist gleichzeitig auch disziplinarisch problematisch sind) kosten nun mal viel Zeit und Energie, und das Niveau insgesamt sinkt zwangsläufig, je mehr man sich um die Problemfälle kümmern muss.

    Zitat von Nania Beitrag anzeigen
    Ich gehörte in der Schule zu den "leistungsbereiten" Schülern (auch wenn ich das Wort "Leistung" überhaupt nicht mag) und habe mich nie dadurch demotiviert, dass andere nicht sitzengeblieben sind, obwohl sie es "verdient" hätten.
    Das ehrt Sie, trifft aber längst nicht auf alle zu. Das "besser-sein-als-der-andere" ist eine große Motivation für viele. Auch im "richtigen" Leben. Konkurrenz belebt das Geschäft. Das Gegenteil hatten wir in der DDR.

    Zitat von Nania Beitrag anzeigen
    … Und: Wenn ein Schüler sich demotivieren lässt, weil sein Klassenkamerad eben keine 4 sondern eine 3 bekommen hat (oder statt der 4- eine 4) der sollte darüber nachdenken, ob er nicht ein bisschen zu egoistisch ist.
    Er ist dann in der Tat egoistisch. Das sind aber die meisten Menschen. Und die meisten Schüler eben auch. Neiddiskussionen führt man als Lehrer ziemlich oft. Man mag es bedauern, aber das ist nun mal die Realität.
  2. #411

    Fachförderung

    Zitat von Semonides Beitrag anzeigen
    Hat Ihr Hausarzt einen Onkologen empfohlen? Hat Ihr Hausarzt die Unterlagen des Operateurs bekommen? Ist er in die Nachbetreuung eingebunden? Sehen Sie: das nennt man Hausarztprinzip. Ein solches Prinzip wäre auch für den Lehrer gut.
    Also befürworten Sie doch die "Überweisung" zum Spezialisten, also zum Förderlehrer?
  3. #412

    Halbe Beispiele

    Zitat von Semonides Beitrag anzeigen
    Selbstverständlich haben wir „Fördermaßnahmen“ versucht, schrieb ich nicht
    Schade, wie soll man sich aus einem halben Beispiel ein Bild machen können?
    Zitat von Semonides Beitrag anzeigen
    Und wo schrieb ich von einem Praktikum? Oder davon, Handwerkern irgendwelche Schüler aufs Auge zu drücken?
    Wir sind mit unseren Schülern rausgegangen. Geometrie beim Schreiner ist sehr empfehlenswert. Oder Biologie mit dem Landschaftsgärtner am Biotop im Garten. Kostet nicht viel, nur die Frage nach dem Beruf an die Eltern.

    Ich bitte um Nachsicht, aber ich habe den Eindruck, daß Ihre Ablehnung nicht untypisch ist. Da wird abgewertet ohne Kenntnis anstatt nachzufragen. Da wird bestritten ohne hinzuschauen.
    Wenn wir unsere Bildungssystem verbessern wollen, müssen wir vor allem von denen lernen, die etwas besser machen. Anstatt das Bessere sofort schlechtzumachen um selbst besser dazustehen.
  4. #413

    Zitat von mela8 Beitrag anzeigen
    Also befürworten Sie doch die "Überweisung" zum Spezialisten, also zum Förderlehrer?
    Sie versuchen hier logisch nach dem Prinzip tertium non datur zu argumentieren. Diese Regel ist für den Bildungsexperten, wenn es um die Umsetzung seiner Ideen --- Verzeihung --- um die Implementation seiner Kompetenzexpertise geht, nicht bindend.
  5. #414

    Sorry falsche Taste

    Zitat von Semonides Beitrag anzeigen
    Und wo schrieb ich von einem Praktikum? Oder davon, Handwerkern irgendwelche Schüler aufs Auge zu drücken?
    Wir sind mit unseren Schülern rausgegangen. Geometrie beim Schreiner ist sehr empfehlenswert. Oder Biologie mit dem Landschaftsgärtner am Biotop im Garten. Kostet nicht viel, nur die Frage nach dem Beruf an die Eltern.
    Nein, Ihre Beispiele kosten viel mehr, als Sie sich eingestehten wollen:
    Wir haben ca. 9 Mio. Schüler und 150000 Schreiner in Deutschland. Selbst wenn jeder Schüler pro Jahr nur einen halben Tag einen Schreiner besuchen würde, um dort Geometrie zu lernen, dann wären das pro Schreiner 30 Tage pro Jahr. Bei ca. 100000 Landschaftsgärtnern ca. 45 Tage pro Jahr.
    Ich will damit nicht sagen, dass ich gelegentliche Unterrichtsgänge (und Abfragen der Elternberufe) nicht für sinnvoll erachte, aber das werden immer die Ausnahmen und Highlights bleiben. Das kann nicht ernsthaft Ihr Vorschlag sein, den Schülern flächendeckend Geometrie beizubringen.
    (Dazu kommen noch die Zeiten für An- und Abfaht, die jedesmal verlorende Unterrichtszeit bedeuten. Das macht bei dem einen oder anderen Unterrichtsgang nichts aus. Aber wenn Unterrichtsgänge zur Regel werden (Wie oft? 1x pro Woche?), dann würden alleine dadurch pro Woche zig Millionen Stunden Unterricht ausfallen.)
  6. #415

    Massen

    Zitat von Semonides Beitrag anzeigen
    Wenn wir unsere Bildungssystem verbessern wollen, müssen wir vor allem von denen lernen, die etwas besser machen. Anstatt das Bessere sofort schlechtzumachen um selbst besser dazustehen.
    Nein, damit hat es gar nichts zu tun. Sondern damit, dass Vorschläge, die ernst genommen werden wollen, auch für 9 Mio. Schüler in Deutschland umsetzbar sein müssen.
  7. #416

    Zusammenarbeit

    Zitat von Semonides Beitrag anzeigen
    In meinem Beruf hat bei Projekten jemand die Führung und Verantwortung. Das heißt noch lange nicht, daß er alles selbst machen oder können muß.
    Da kommen wir doch langsam zusammen. Geben Sie uns noch ein paar Schulpsychologen, Sonderpädagogen, Logopäden, Krankenschwestern, Bibliothekskräfte, Hausmeister, Sekretärinnen, Köchinnen und Laboranten und wir haben uns lieb.
  8. #417

    Warum sollten Dritte nicht zählen?

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Sie versuchen hier logisch nach dem Prinzip tertium non datur zu argumentieren. Diese Regel ist für den Bildungsexperten, wenn es um die Umsetzung seiner Ideen --- Verzeihung --- um die Implementation seiner Kompetenzexpertise geht, nicht bindend.
    Wir diskutieren hier über das Für und Wider des Sitzenbleibens. Ich habe übrigens keine dezidierte Meinung dazu.

    Von daher sind mir Meinungen Dritter dazu äußerst willkommen.
    Wenn man allerdings eine Diskussion als Wettbewerb begreift, mag das anders aussehen.
    Ihr Asterix-/Juristenlatein ist mir ebenfalls jederzeit willkommen.
  9. #418

    Individualisierung

    Zitat von e_d_f Beitrag anzeigen
    Ich hatte zuletzt einen sehr problematischen Fall von „Inklusion“ (Klasse 6). Der absorbierte schnell mal 50% meiner Energie. Ein ganzes Schuljahr lang, und das am Gymnasium. Erst nachdem er einen Schüler aus der Klasse darunter (Kl. 5) zusammengeschlagen......
    Haben Sie nicht für alle anderen Schüler individuelle Lernkärtchen vorbereitet, damit diese sich aus intrinsischer Motivation heraus (Alle Rohdiamanten wollen doch lernen!) in aller Ruhe (während Ihr Problemfall herumtobt) mit dem anstehenden Thema befassen?
  10. #419

    Da liegt das Problem

    Zitat von mela8 Beitrag anzeigen
    Nein, damit hat es gar nichts zu tun. Sondern damit, dass Vorschläge, die ernst genommen werden wollen, auch für 9 Mio. Schüler in Deutschland umsetzbar sein müssen.
    Wir brauchen ein taugliches System und gleichzeitig die Möglichkeit, flexibel zu reagieren.

    Das kann der einzelne Lehrer vor 30 Schülern nicht leisten.

    Wie auch Sie mehrfach betont haben, brauchen wir mehr Geld im System, das dann auch effizient eingesetzt wird.

    Also mehr Schulpsychologen, mehr spezialisierte Lehrer für Förderunterricht, eine zeitgemäße Ausstattung der Schulen (Computer- und Internetzugang für jeden an der Schule) und konsequente Lernmittelfreiheit in allen Bundesländern.

    So teuer wäre das gar nicht. Und es würde sich vielfach bezahlt machen.