S.P.O.N. - Der Kritiker: Hört auf, unsere Schüler zu betrügen!

Wer die neue Debatte ums Sitzenbleiben verfolgt, kann vor allem eines lernen: das Fürchten. Von konservativen Politikern und Kulturkritikern werden Argumente aus dem 20. Jahrhundert angeführt, die mit zeitgemäßem Unterricht nichts mehr zu tun haben. Zum Glück gibt es noch Salman Khan.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...-a-885009.html
  1. #330

    pädagogische Esoterik

    "... die so viel von Inspiration und Individualität und Intelligenz sprachen und so eine Euphorie und gute Laune ausstrahlten ..."

    Klar, jeder weiß, wie Schule sein muss, nur nicht die Lehrer, die haben ja überhaupt keine Ahnung. Da sieht ein pädagogischer Esoteriker und Wunderheiler wie der Erleuchtete aus. Und schon wird eine neue pädagogische Sau durch das Schuldorf gejagt.

    Herr Dietz schreibt Bücher, die handeln von den Beatles, den Rolling Stones, vom Theater oder von Berlin. Noch Fragen zur Kompetenz? Ach ja, er hatte eine schwere Jugend in der Schule. Na, immerhin hat die Pädagogik des Kaiserreichs es geschafft, dass er für den Spiegel, die Zeit, die FAZ schreibt.
  2. #331

    Zitat von discipulus_neu Beitrag anzeigen
    Die gängige Lehrmethode in Finnland ist die traditionelle lehrerzentrierte Methode des Frontalunterrichts....
    Nicht nur das, Finnland ist auch die Heimat der Zwergschulen, in denen jeder Schüler jeden Lehrer kennt und jeder Lehrer jeden Schüler. In Deutschland werden gerade laufend Schulen geschlossen, weil zu wenig Schüler für Lernfabriken vorhanden sind.
    Es ist schon kurios, dass gerade Finnland herhalten muss für alle möglichen fortschrittlichen Bildungsideologien. Nur weil man in dem sehr dünn besiedelten Land die Zwergschule nicht noch in drei Minizwergschulen aufteilen kann.
  3. #332

    Zitat von mela8 Beitrag anzeigen
    Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Steckt nicht noch irgendetwas anderes dahinter?
    Mangelhafte Präsentationskompetenz. Beim kompetenzorientierten Lernen geht es nicht um Inhalte und Wissen. Da ist es dann nebensächlich, ob der Schüler Ahnung von Geschichte hat.
  4. #333

    !

    Zitat von c++ Beitrag anzeigen
    ...
    Noch Fragen zur Kompetenz?
    ...
    Kompetenz in der aktuellen Ausprägung heißt Bedienen des Computers und Öffnen von "Wikipedia". Insoweit sehe ich beim angesprochenen Feuilletonisten keine Defizite.
  5. #334

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Naja, kommt drauf an, was man unter „Lehrmethode“ versteht. Das lukio, also quasi die gymnasiale Oberstufe, „darf“ man in zwei, aber auch in vier Jahren absolvieren. Ein Schelm, wer jetzt überlegt, was man in den vier Jahren mit der vielen freien Zeit anfängt, in denen man keine Kurse besucht. Vielleicht den Stoff der Klassen 8 und 9 nachholen, in denen man die Lernziele nicht erreicht hat?
    Was Sie ansprechen,ist genau das,was ich hier in Portugal bei den Kindern unterschiedlichen Alters im Freundes- und Bekanntenkreis beobachte.Da ich mit einigen in den Faechern Mathematik und Englisch lerne,beobachte ich,dass es sich immer um das Auffuellen von Luecken aus den vorhergegangenen Klassen handelt.Die Mathematikbuecher haben ab der 5.Klasse bis zur 12.immer den gleichen Aufbau des Stoffes,natuerlich mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad.Bei dem Sohn meiner Bekannten,jetzt in der 10.,musste ich mit der Materie der 7.Klasse beginnen(Gleichungen)Auf Grund dieser Erfahrungen erschliesst sich mir nicht,die als in dieser Diskussion,als Fortschritt angesehene Massnahme,des Wegfallens des Sitzenbleibens.Wie sollen Lerndefizite aufgefuellt und nachgeholt werden?Es bedingt doch in dieser Form eine noch groessere Frustration des Schuelers.Im Englischen ist es genau so.Einem nicht Verstehen eines anspruchvolleren Textes in der 11.Klasse liegt oft eine fehlende Basis der Grammatik zu Grunde.
  6. #335

    Individuelle Förderng

    Zitat von mela8 Beitrag anzeigen
    Sie sind auf alle Fälle Schuld! Sie haben den Schüler halt nicht genügend gefördert. (bevorzugt am Freitag Nachmittags) Sie hätten auch mal ruhig das Klassenzimmer (mit Ihrem Geld finanziert) neu streichen können (dazu ist Samstags schließlich genügend Zeit)!
    Vielleicht hätten Sie bei den Eltern auch noch ein bißchen Eheberater spielen sollen (Sonntags nach der Kirche)! Sie können sich mit den Eltern aber nicht unterhalten? Ja dann lernen Sie halt endlich türkisch und russisch!
    Und damit es Ihnen Sonntag Nachmittag nicht langweilig wird, sollten Sie da die Lernkärtchen für jeden Schüler maßgeschneidert anfertigen!
    Ach, Sie sind in dieser Woche noch nicht zu Korrigieren gekommen? Macht nichts, das schaffen wir in Zukunft ab! Alles, was unsere lieben Rohdiamanten in Zukunft von sich geben wird als Richtig definiert.
    So, jetzt haben Sie es verstanden. Das Forum hier war individuelle Förderung pur.
  7. #336

    Zitat von mela8 Beitrag anzeigen
    Wenn ich Ihre Posts richtig in Erinnerung habe, dann waren die Lieblingsfächer Musik und Kunst?
    War für den Beruf Ihrer Tochter Abitur zwingend erforderlich? Wenn nein, warum sie dann 18 schlimme Jahre lang auf der Schule?
    Ja, wenn man lehren will, dann ist es erforderlich. Und unter anderen wollte sie auch lehren.
  8. #337

    Herrscharen von Förderern

    Zitat von mela8 Beitrag anzeigen
    Tatsächlich: Wenn man immer mehr Defizite/Leistungsschwächen, die früher bestenfalls einen Volksschulabschluss ermöglichten, als Krankheiten diagnostiziert .... Die "Heerscharen von Förderen" werden also so oder so gebraucht. Fragt sich nur, ob privat oder staatlich finanziert.
    Die Herrscharen von Förderern gab es bis in die 70er Jahre nicht, einfach weil die „Krankheiten“ nicht erfunden waren. In dieser Zeit wuchs auch die Zahl der Behinderten im Lande von rund 2,5 Mio. auf rund 6.5 Mio. Ob damit Benachteiligungen entdeckt wurden die nun zum Vorteil der Kinder gezielt angegangen werden konnten oder ob lange Vorhandenes einfach nur als krankhaft klassifiziert wurde lasse ich dahingestellt.
    Entscheidend ist, daß Lehrer heute einen Strauß an Möglichkeiten haben, Kinder abzuschieben. Nicht mehr offensichtlich zu Lasten des Kindes und häufig gegen den Willen der Eltern in die Sonderschule, sondern dem Kind zur Hilfe und mit Unterstützung der Eltern in Fördermaßnahmen, Therapien etc. Krönung des Ganzen ist die aktuelle Begeisterung für Hochbegabung: Welches Kind ist nicht gerne überdurchschnittlich, welche Eltern halten Ihr Kind nicht gerne für hochbegabt? Dennoch sind es die sozial Unangepaßten, die mit der Diagnose Hochbegabung ausgesiebt werden. Über sozial angepaßte Hochbegabte redet niemand.
    Diese spezielle Förderung mag berechtigt sein, sie ermöglicht aber auch, daß sich das Schulsystem der schwierigen Schüler entledigt. Lehrer übernehmen nicht mehr die Verantwortung für Ihre Schüler sondern schicken sie besten Gewissens weiter an Spezialisten. Mit dieser „Differenzierung“ sind alle erschreckend zufrieden, unsere Schulen werden dennoch trotz des Aufwands nicht besser.
    Im Ergebnis fokussiert unser Schulsystem auf soziale Anpassung, auf dem Lehrer genehmes Verhalten. Frechheiten und juveniles Revoluzzertum ebenso wie stille Beteiligungslosigkeit werden „behandelt“ anstatt genutzt, unseren Kindern wird das Bunte ausgetrieben. Damit wird unseren Kindern eben auch das Lernen ausgetrieben, denn das gründet in individuellem Interesse, im Spaß am Neuen, in originellen Quergedanken. Maß ist heute die Bequemlichkeit des Systems, getarnt als optimale Förderung, nicht die Entwicklung der Kinder.
    Deshalb glaube ich nicht, daß es die Herrscharen von Förderern wirklich braucht, die in Ihrer unendlichen Differenzierung der „Förderung“ doch nur den vereinheitlichten Schüler zum Maße haben. Wenn Ihnen als Kind „Dyskalkulie“ diagnostiziert wird, gehen Sie dann lieber zur Fördermaßnahme, die bloß die Methoden der Schule individualisiert fortsetzt, oder vielleicht doch zum Schreiner nebenan, wo Sie das Rechnen einfach brauchen und sofort sehen warum? Wenn Sie als Schüler die Schule richtig aufmischen wollen, was können Sie Besseres tun als unkalkulierbare Gewaltausbrüche gepaart mit Autoritätsverweigerung? Die friedfertigen Schulen haben dem allenfalls noch die Hochbegabungs- und Unterforderungsdiagnose entgegenzusetzen, mit der der Schüler „weggefördert“ wird.
    Ich denke der Weg, jeder immer kleineren Normabweichung noch mehr spezialisierte Förderung entgegenzusetzen ist der Falsche.
  9. #338

    Wie verbessern wir die Schulen?

    Gut, Montessori-Pädagogik mögen Sie auch nicht. Die Erfahrungen in Finnland kann man Ihrer Meinung nach nicht übertragen. Privatschulen sind kein Vorbild, weil sie privates Geld kosten. Ich lese, worin Sie keine Erfolgsaussichten sehen. Was aber soll zu Verbesserung unsrer Schulen geschehen? Das einzige, was ich dazu von Ihnen erfahren ist: mehr Geld. Zur Erinnerung: Berlin gibt
    Zitat von Semonides Beitrag anzeigen
    Berlin gab 2009 7.100 € aus für seine allgemeinbildenden Schulen pro Schüler pro Jahr, Bayern immerhin noch 6.400 €.
    Ist also Berlin unser Vorbild? Was können wir von Berlin lernen?
  10. #339

    Unsere Schüler?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wer die neue Debatte ums Sitzenbleiben verfolgt, kann vor allem eines lernen: das Fürchten. Von konservativen Politikern und Kulturkritikern werden Argumente aus dem 20. Jahrhundert angeführt, die mit zeitgemäßem Unterricht nichts mehr zu tun haben. Zum Glück gibt es noch Salman Khan.

    Georg Diez über das deutsche Schulsystem und die Khan-Academy - SPIEGEL ONLINE
    Hat Herr Diez Kinder?

    Schade, denn wenn er von Erfahrungen mit seinen Kinder im Schulsystem 2013 berichten könnte, wüsste er dass es dort noch ganz andere Probleme gibt als Sitzenbleiben und die Behandlung von Linkshändern.

    So bleibt leider nur die typische Überzeugung von Intellektuellen, dass die Probleme anderer eigentlich nur Kleinkram sind von denen man daher auch nicht wirklich Ahnung haben muss.