Mobbing mit Langzeitfolgen: Die seelischen Wunden der Schulzeit

CorbisErniedrigen, ausschließen, beleidigen - Mobbing in der Schule kennt viele Varianten. Die Folgen können noch im Erwachsenenalter Angststörungen und Depressionen verursachen, zeigt eine Studie. Am härtesten trifft es aber manche Mobber.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-884981.html
  1. #30

    Bei uns war eigentlich auch immer jemand "dran". Wenn man es als Opfer hinbekommen hat, dass dieser Zeitvetreib die anderen langweilt, hatte man lange Ruhe.

    2 Schüler ware besonders häufig Zielscheibe, beide zogen aber gewissen sozialen Nutzen aus ihrer Stellung und waren allgemein recht beliebt.

    Allerdings funktionierte bei uns noch eine gewisse Selbstkontrolle. Wer es mit den Schikanen übertrieb, dass es "nicht mehr lustig war" konnte schnell ins Abseits geraten.
    Einer der beiden Opfer war als Gewichtheber und konnte auch mal richtig zur Gefahr werden, wenn er austickt.

    Ich denke, die Gruppenbildung ist Teil des sozialen Lebens und das ist nicht immer schön. Was aber zumindest in meiner Altersstufe nicht ging war Gewalt ggü. Schwächere und Diskriminierung wg. Brille oder Hautfarbe.
  2. #31

    Mobbing zerstört Leben

    Mobber müssen viel früher und viel konseequenter als bisher klare Konsequenzen ihres Verhaltens erleben. Und zwar Konsequenzen die ihnen auch "wehtun". Denn man kann als Kind noch so ein liebevolles Elternhaus haben - Mobbingerfahrungen machen die Kindheit genauso kaputt wie prügelnde Eltern.
    Danke für diesen Artikel! Das Thema muss noch viel präsenter werden.
  3. #32

    Zitat von Oberleerer Beitrag anzeigen
    Warum?
    Weil wir uns heutzutage nicht mehr gemeinsam gegen Raubtiere verteidigen müssen oder gezwungen sind, gemeinsam zu jagen, wobei die schwachen Mitglieder hinderlich sein würden.
    Es gibt mitlerweile nicht mehr viel, was uns wirklich bedrohen könnte. Abgesehen vllt. von Naturkatastrophen und anderen Menschen.
  4. #33

    Leider

    hinkt die menschliche Entwicklung den Anforderungen an sie hinterher. Der Mensch ist noch immer "nur" ein Tier, das sich selbst (und allem Anderen) einen Namen gegeben hat. Soll heißen: Der Mobber handelt "natürlich". Er dominiert den Gemobbten, der daraufhin (wieder rein "natürlich" betrachtet) weit weniger Chancen auf "Fortpflanzung" hat, als der Mobbende. Oder ist es nicht so, dass Mobbingopfer seltener und später Partnerschaften eingehen als Ungemobbte? Sicher passt dieses Verhalten nicht mehr in unsere Zeit, aber siehe Satz 1... Verschärft wird dieses Tun und auch das Empfinden darum dadurch, dass der Mensch als "Kleingruppentier" in zu großen "Verbänden" lebt, leben muss. In einer kleinen Gruppe, wo JEDER gebraucht wird, ist auch Mobbing kein Thema. Diesem Thema werden wir wohl auf absehbare Zeit nicht entkommen.
  5. #34

    Langzeitfolgen Teil1

    Ja, es hat Langzeitfolgen. Ich bin 40, seit drei Jahren wegen schwerer Depression arbeitsunfähig, zwei mehrmonatige Krankenhausaufenthalte.

    Ich wurde von meinen Eltern viel zu sehr behütet, ich ging in keinen Kindergarten, keine Kindertagesstätte, meine Mutter redete sogar abwertend über diese "Kita-Kinder", ich ging praktisch nie auf einen Spielplatz, weil mich meine Eltern nicht ließen (Dreck+Krankheit). Dann kam die Vorschule, ich bin praktisch nie vorher mit solchen sozialen Strukturen konfrontiert gewesen, war teilweise völlig hilflos und konnte selbst die aus meiner heutigen Sicht harmlosesten Späße nicht als das erkennen was sie waren, sondern wertete sie als Angriff als Verletzung. Und das wurde schnell gemerkt.
    Schnell waren die Pausen die Hölle, meine seltenen Freunde wendeten sich schnell wieder von mir ab um nicht selbst ins Kreuzfeuer zu geraten, einer meiner Hauptpeiniger konnte geschickt von sich ablenken (Hasenscharte und eigentlich prädestiniert zum gemobbt werden) und mich immer wieder in den Fokus der Meute stellen. Er ist heute Pfarrer, wie ich herausfand, ich überlege oft, zu ihm zu fahren und zu konfrontieren, aber ich habe so wenig Selbstvertrauen, dass ich mich davor fürchte, eines der Bilder ist die Schmach sogar von einem Pfarrer ausgelacht zu werden.
    Körperlich wurde ich nie wirklich angegangen, aber ich war groß und schmächtig und konnte lange nicht richtig rennen, das machte mich anders und angreifbar, ein Lieblingsspiel war mich solange zu provozieren, bis ich ungeschickt und heulend hinter jemandem herrannte und alle über mich lachen konnten. Mir waren meine dünnen Arme so peinlich, dass ich selbst im Sommer Pullover getragen habe. Klar, das hat mich wieder zum Objekt von Hänseleien gemacht, aber die dünnen Arme im T-Shirt wären es auch gewesen... Egal was ich machte, Lachen, Niesen, Singen, Sprechen, Schreien, etc. mir wurde immer deutlich gemacht, dass das jetzt anders, komisch war, ich wurde daher immer verschlossener.
    Etwa in der 8. Klasse war ich so fertig, weil mein damaliger bester Freund sich einen Spass daraus machte sämtliche meiner ihm anvertrauten Geheimnisse in der Gegend herauszuposaunen, dass ich etwa ein Jahr lang kein Wort in den Pausen sprach. Ich versuchte immer mit Schülern höherer Klassen irgendwie zu sprechen, weil die mich nicht kannten (bzw. meine Schwächen) und das ging solange gut, bis meine Mitschüler dies nachholten. Markenklamotten (Lacoste + Boss) musste ich tragen und geriet damit erst recht in den Fokus, eines der Spiele war mir ständig einzureden, die Sachen wären nicht echt. Vor allem, damit gehörte ich nicht dazu, niemand in der Klasse trug sowas, aber meine Eltern meinten, ohne wäre ich das Angriffsziel, sie hörten nicht auf mich, dass es andersrum war...
  6. #35

    Langzeitfolgen Teil2

    Eine der schlimmsten Zeiten meines Lebens war eine Kursfahrt mit dem Leistungskurs. Meine Allergie (das war in den 80ern noch nicht die Volkskrankheit wie heute) machte mich wegen ständiger Niesattacken, zugeschwollener Nase und roten Augen zum Gespött und als wir den Standort wechselten und es in der Herberge zwei Jungenzimmer statt nur noch einem gab, wurde sich fast drum geschlagen, wer mich in sein Zimmer nehmen muss, der Lehrer entschied das dann... Ich fühlte mich immer wie ein Aussätziger, aber ohne jeden Rückzugspunkt waren diese zwei Wochen die Hölle.

    Ich versuche das zu verarbeiten, ich versuche zu vergessen... Ich schaffe es einfach nicht. Und ich wundere mich immer noch, wieso ich noch lebe. Zwei Staatsexamina und trotzdem stehe ich jetzt an der Schwelle zur Berufsunfähigkeit. Ich weine heute noch oft über das Kind, das ich war und aus einem Zusammenspiel aus Mitschülern und eigenen Eltern nie dazugehörte und damit nie Vertrauen entwickeln konnte. Mit Mitte 20 habe ich angefangen ich selbst zu sein, aber das war zu spät...

    Einer meiner Peiniger starb mit 33 Jahren an Leukämie. Ich war selber von mir angewidert, dass ich Freude empfand, als ich das herausfand...
  7. #36

    So eine Überraschung - damit hatte wirklich keiner rechnen können

    Zwar gibt es Hunderte von Biographien, in denen Mobbing durchaus als traumatisch geschildert wird, und einige dutzend Gewalttäter erwähnten dies als Ursache für ihre antisoziale Karriere - aber für die USA ist der ewige Kampf zwischen Jocks (oder Bros) und Nerds doch schon fast Kolorit, fast das fröhliche Wedging am Morgen (Hochziehen der Unterhose, beliebt bei Männlein und Weiblein) oder der noncahlante Schlag in den Bauch auf dem Sportplatz. Ein Wunder also, dass jemand das Thema mal aufgreift.
  8. #37

    Zitat von Oberleerer Beitrag anzeigen
    Warum?
    Weil die Weggemobten nicht einfach sozialverträglich unauffällig irgendwo vor sich hinsiechen oder frühableben. Die Gesellschaft versorgt sie und bekommt wegen der ihnen genommenen Leistungsfähigkeit nichts zurück.
  9. #38

    Wir hatten in der Klasse einen Sitzenbleiber, ...

    ... das machte ihn zur Zielscheibe für Mobbing in der gesamten Schule. Das ging soweit, dass er gleich von ganzen Horden auf dem Pausenhof und nach der Schule grün und blau geprügelt wurde.

    Daher muss das Sitzenbleiben abgeschafft werden! Die sind schon durch ihre Zensuren gestraft genug, aber das Sitzenbleiben demütigt sie zusätzlich und macht sie zur Zielscheibe fürs Mobbing.
  10. #39

    Zitat von spon-facebook-10000001759 Beitrag anzeigen
    war die Hölle. Vom Kindergarten bis zur höheren Schule wurde ich von Mobbern " mit Empfehlung" weitergereicht. Ich war schon mehrfach in psychiatrischer Behandlung und bin momentan wieder wegen Depressionen Langzeitkrankgeschrieben. Das ist jetzt schon der dritte Beruf, in dem ich versuche, Fuß zu fassen,und das mit 41.
    Ich weiß nicht mehr weiter. Ich kann nicht mehr.
    Ich bin im Alter von 16 eine Woche lang jeden Tag von einem Mitschühler unter dem Gejohle der anderen auf einem Weg, wo es kein Erwachsener sehen konnte, zusammengeschlagen worden. Und das war nur der Höhepunkt einer immer wieder aufflammenden Leidensgeschichte. Als ich in de EOS kam, wunderte ich mich, daß ich nach 2 Monaten noch nicht verprügelt worden war. Aber das kam, siehe oben, zwei Jahre später. Das ist fast 50 Jahre her, ich kann Ihnen Ihr Leid aber nachfühlen - glauben Sie mir.

    Ich nehme an, Sie sind depressionshefährdet, leicht einzuschüchtern, angstvoll. das Mobbing hat sie sukzessive zu einem immer "idealeren" Opfer gemacht. Aber Sie haben eine Chance: suchen Sie sich eine Nische, in der Sie nicht so leicht zum Opfer werden können.

    Machen Die es wie ich: machen Sie sich selbständig. da haben sie weder Kollegen, noch Intrigen oder Mobbing zu fürchten.

    Sie müssen keinen Chef beeindrucken, Sie müssen nur Kunden finden. Und die wollen ehrliche Leistung - die können Sie bringen. Sicher, das ist schwierig. Aber allemal besser, als in einem Team strategische Soziospielchen treiben zu müssen.

    Nur die Leistung für Ihre Kunden zählt. Und niemanden interessiert Ihr Alter oder Ihre Vergangenheit. Und die Allgemeinheit kann Ihnen den Buckel runterrutschen.

    Man kann das schaffen, auch wenn man sich ganz unten fühlt. Ich habe es auch geschafft, auch wenn es schwer war. Wenn Sie gemobbt wurden, sind Sie wahrscheinlich intelligent - die Eigenschaft, die Mobber am meisten reizt. Nutzen Sie diese Eigenschaft abseits des Mainstreams. Mich haben sie auch nicht kleingekriegt, gönnen Sie den Mobbern diesen Sieg nicht. Sie dürfen nur nicht aufgeben, so schwer das ist.