Mobbing mit Langzeitfolgen: Die seelischen Wunden der Schulzeit

CorbisErniedrigen, ausschließen, beleidigen - Mobbing in der Schule kennt viele Varianten. Die Folgen können noch im Erwachsenenalter Angststörungen und Depressionen verursachen, zeigt eine Studie. Am härtesten trifft es aber manche Mobber.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-884981.html
  1. #10

    Das ist für mich leider keine Überraschung. Das erfahre ich jeden Tag am eigenen Leib, dass Mobbing das Leben noch mehr als 10 Jahre später prägt
  2. #11

    Richtigstellung - wer lesen kann... oO

    Leute, könnt ihr nicht lesen? Bis Kommentar 7 ist fast überall die ironische Rede davon die Mobber seien ja so arm dran - dabei sind deren Ergebnisse leider gar nicht erwähnt worden.
    Zu lesen ist:
    - "von Mobbing Verschonte": später 6% mit Depris, Ängste & Co.
    - "Gehänselte": 24%
    - "Diejenigen, die Opfer und Täter zugleich (!!!) waren": 32%
    UND: (@psychologiestudent oO)
    es WURDE 'erst' gefragt ob Mobbingerfahrungen (in Jugend), mit 26 Jahren wurden sie dann befragt ob sie auch besagte Folgen erlitten.

    Bevor das hier also sinnlos abdriftet wollte ich mal drauf hinweisen.

    Wenn ich denn schonmal schreibe meine Erfahrungen dazu:
    war eher n ruhiger/passiver, wurde auch teils gemobbt, hatte später Probleme, denke mich aber gefangen zu haben.
    Ich hab jene Leute auch gehasst, aber am Ende hilft es wenn man weiß, dass sie einfach nur beschränkt sind bzw. es zT einfach natürliche Triebe sind, Kraftmeierei, persönlicher Kick dabei, whatever. Hilft nix sich darüber groß aufzuregen, es reflektieren hilft wohl, aber man muss auch vergessen können, is manchmal besser :3
    Dass es belastend ist, regelmäßig in welcher Art auch immer drangsaliert zu werden, sollte wohl außer Frage stehen, sowas und seine Reaktion darauf prägt. V.a. trifft es eben wohl solche mit Anschlussproblemen, schwächere, etc. - genauere kausale Zusammenhänge zu diskutieren wäre wohl etwas komplex, viel Spaß dabei.

    Was sinnvoll wäre: an dem Thema mal dran zu bleiben und effektive Maßnahmen zu ersinnen und durchzusetzen, die solche Probleme flächendeckend unterbinden. Es gibt wie man hört immerhin Schulen, an denen solche Probleme durch gutes Zusammenwirken und Klima weitgehend behoben sind. Da spielen viele Faktoren mit rein, Verständnis füreinander entwickeln, Konsequenzen, Schulung und Kapazitäten für Lehrer und ggfs. auch mal Sozialkräfte, etc. pp.
    Das ist alles nicht umsonst, z.T. aber gar nicht so teuer, in jedem Fall ist es das wert, für unsere ganze Gesellschaft - und vllt sind in einigen Generationen dann ja auch viele der immer noch aktuellen Probleme gelöst.
  3. #12

    Die verbreitete Meinung ist ja, dass das Mobbingopfer selbst daran schuld ist, gemobbt zu werden. Sieht man auch an manch einem Beitrag hier.
    Die Langzeitauswirkungen sind für mich nicht überraschend. In der Schulzeit formt sich die Persönlichkeit, und wenn man da lernt, dass die lieben Mitmenschen grausam sind, wird man dieses Wissen sein Leben lang nicht mehr los.
    Leider agieren wir in der Gruppe immer noch so, wie uns das die Evolution beigebracht hat. Auf vermeintlich schwächeren Mitgliedern wird gnadenlos herumgetrampelt, einmal um die eigene Hackordnung innerhalb der Gruppe zu verbessern. Außerdem stärkt es die Gemeinschaft, wenn Schwache ausgeschlossen werden. Natürlich ist solches Verhalten heutzutage absolut nutzlos.
  4. #13

    Ursachen

    Wichtig wäre es hier,nach den Ursachen zu forschen:Wie entstseht Mobbing?Warum verhalten Menschen sich so das sie andere hilflos machen?
    Einige mögliche Erklärungen dafür finden ich zum Beispiel hier in dem Vortrag von Arno Gruen:
    http://www.lptw.de/archiv-vortrag2003.php
    Dort heisst es:
    "Die Unterdrückung des Eigenen löst Hass und auch Aggressionen aus, die sich aber nicht
    gegen den Unterdrücker richten dürfen, sondern an andere Opfer weitergegeben werden. Typisch für diese
    Entwicklung ist immer, dass das eigene Opfersein verleugnet wird. Denn der eigene Schmerz und das eigene
    Leid waren ja einmal Bestandteil dessen, was uns wertlos machte. So wird Opfersein zur unbewussten Basis
    für das Tätersein."
    Ich glaube das das Geschehen erst im Kontext mit famiiären Zusammenhängen erklärbar wird.Erst durch verstehen der Wurzeln des Verhaltens,lässt sich begreifen was manche Menschen zu Tätern macht und andere zu Opfern.Insofern greift der SPON-Bericht zu kurz und spricht dies nur am Rande an.
    Bedenklich finde ich die Art der Diagnostik,wie sie im Bericht versucht wird.MIt Begriffen wie Angststörung oder Persöndlichkeitsstörung,besteht aus meiner Sicht die Gefahr das der Mensch so auf wenige Symptome reduziert und beurteilt wird.Hinter solchen Vorstellungen verschwindet dann leicht die Ganzheit des Menschen die viel weiter verzweigt ist,als das sie anhand Einzelner Symptome beurteilt werden könnte.
    Gerade der Hang zur Vereinfachung und Reduktion könnte so leicht dazu führen wesentliches zu übersehen oder falsche Schlüsse zu ziehen.
    So ist es glaube ich auch in einem solchen Forum schwierig, zu dem Thema etwas zu schreiben.Mehr als einige Denkanstösse,sind- so glaube ich- in solch verkürzter Form kaum möglich
    Zur Vertiefung bietet sich Literatur von Arno Gruen oder Alice Miller an,oder auch Joahim Bauer:
    So heist es hier:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/joachim-bauer-schmerzgrenze-diesseits-der-schmerzgrenze-1628163.html
    "Es nütze niemandem, etwa einen Amoklauf an einer Schule als ein Ereignis außerhalb der Naturgesetze zu betrachten. Jeder Tat gehe vielmehr eine langsame konsequente Entwicklung voraus und wer sie verstehen und in Zukunft vermeiden will, muss diese nachvollziehen, statt sich auf einen unbeeinflussbaren Aggressionstrieb zu berufen. In diesen Entwicklungsgeschichten spielen Ausgrenzung, Vernachlässigung und die Erfahrung, unfair behandelt zu werden, eine große Rolle."
    Erst im Zusammenhag mit der Entwicklugsgeschichte,wird also Agrression verständlich.
  5. #14

    Wer nicht der Norm entspricht, wird gemobbt

    Zitat von viwaldi Beitrag anzeigen
    Warum werden bestimmte Schüler immer wieder Mobbingopfer (auch nach Schulwechsel), andere nie?
    .
    Auch wenn es in den geburtenreichsten Gegenden Deuschlands mehr Störche gibt als anderswo, ist dies noch kein Beweis, dass Störche die Kinder bringen. Das Kausalitätsbedürfnis bei verschiedenen Beobachtungen mag zwar mächtig sein, ein Beweis sieht aber anders aus.
    Viele Schüler werden schlicht deshalb zu Mobbingopfern, weil sie körperlich (oder auch sozial) verschieden sind von anderen Schülern: dunkelhäutig, rothaarig, keine Markenklamotten, zu groß oder wie in meinem Fall - sehr klein.

    Solche Menschen stechen aus der Masse heraus und werden allein deswegen häufiger gemobbt. Das hat zunächst nichts zu tun mit einer in der Persönlichkeit inherenten Anfälligkeit Mobbingopfer zu sein wie Sie sie hier andeuten. Es gibt immer einen, der seine Aggressionen und/oder Unsicherheit an jemandem abreagieren muss und wer demjenigen auffällt, hat eben verloren.

    Bei mir hat der Spott glücklicherweise keine schwerwiegenden Folgen hinterlassen, aber ich halte es für plausibel, dass Mobbing dies bei vielen anderen 'Opfern' durchaus tut. Ich halte es für geschmacklos und gefährlich, die Täter durch die Hintertür von Schuld freizusprechen, indem man den Gemobbten eine Art Charakterschwäche unterstellt.
  6. #15

    Ich leide auch noch immer ganz schrecklich ...

    War es Anfang/Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts auch schon "Mobbing", als ich von einigen meiner Mitschüler wegen nicht vorhandener Marken-Klamotten gehänselt wurde ... oder gehörte das damals einfach zum Erwachsenwerden dazu ...?
    Jedenfalls habe ich bis heute in der halben Welt gearbeitet, habe einen ein hochbezahlten Job und ein tolles Leben, während die ganzen "super-hippen In-Kids" von damals aus dem Kleinstadtkaff seit dreißig Jahren nicht rausgekommen sind. Ich lache mich bei jedem Jahrgangstreffen immer wieder aufs Neue tot ...
  7. #16

    Hier sind wohl die Lehrpersonen gefragt.
    1.Aufklärung darüber in Unterricht/Sozialverhalten
    2.Aufsicht in Pausen,Überwachung
    3.gelegentliche Überwachung des Schulwegs durch Eltern/Lehrer
    Bei Auffälligkeiten sofort einschreiten
  8. #17

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erniedrigen, ausschließen, beleidigen - Mobbing in der Schule kennt viele Varianten. Die Folgen können noch im Erwachsenenalter Angststörungen und Depressionen verursachen, zeigt eine Studie. Am härtesten trifft es aber manche Mobber.

    Mobbing: Betroffene leiden noch Jahre später an psychischen Folgen - SPIEGEL ONLINE
    Man war "überrascht", daß massive Erniedrigung, Selbstwertverlust und unter Umständen körperliche Gewalterfahrung während einer der prägendsten Lebensphasen, in der sich das Gehirn völlig neu organisiert und prägt, langfristige Folgen hat? Aha. Hätte man sich auch fast denken können.
  9. #18

    Zitat von psychologiestudent Beitrag anzeigen
    also an sich ist es ja realistisch, dass das Mobbing solche Folgen hat.
    ABER:
    Eine retrospektive Befragungsstudie wie hier am Artikel ist für solche Schlüsse völlig fehl am Platz.
    Denn die Effekte können genauso gut daher kommen, dass

    1) vulnerable (verletzliche) Personen Kritik und kindertypische Wortgefechte eher als Mobbing wahrnehmen

    2) unglückliche und psychisch kranke Menschen allgemein eine negativere Sicht auf sich selbst und ihre Vergangenheit haben und sich deshalb auch mehr an Kränkungen erinnern.

    3) in verschiedenen Psychotherapierichtungen Kränkungen in der Kindheit eine besondere Bedeutung zukommt. Da wird auch oft immer wieder nach gefragt und die Bedeutung der Erlebnisse besprochen. Wer also in Therapie ist, ist sowieso schon auf seine negativen Kindheitserlebnisse fokussiert und erinnert sich eher daran.

    Aus solchen Gründen braucht es prospektive Studien (also Studien, bei denen Menschen längere Zeit über beobachtet werden und nicht im Nachhinein befragt).
    Mobbing hat nichts mit einer kleinen "Kränkung" oder mißverstandenen "Wortgefechten" zu tun. Das entspricht in etwa dem Gleichsetzen eines Tages mit schlechter Laune mit einer ausgewachsenen Depression.
  10. #19

    Zu meiner Schulzeit . . .

    wurde ich oft ausgegrenzt, manchmal gehänselt und sogar geschlagen. Das habe ich aber nicht als Mobbing wahrgenommen. Ich hatte damals auch kein wirkliches Problem damit. Ein ehemaliger Mitschüler allerdings schon. Und den hat es dann auch immer wieder und immer stärker getroffen, da Mobber auf solche "anfälligen" Personen aus sind.
    Ich kannte die familiären hintergründe von so manchem Mobber und auch gemobbten.
    Bei den Mobbern stellte ich fest, dass es keine wirklich gut funktionierende Familienstruktur gab. Sie waren oft sich selbst überlassen und lechzten nach Anerkennung. Die holten sie sich dann unter anderen "Coolen". Die Gemobbten hatten zwar ein liebevolles zu Hause, aber oft waren die Eltern selbst überfordert mit ihrer Lebenssituation.
    Ich selbst wurde belächelt und angemacht, da ich einfach anders war und scheinbar nicht reinpasste. Das befremdete wahrscheinlich.
    Ich hatte kein Problem damit.
    Tipps wie die hier erwähnten haben mir geholfen (http://www.jw.org/de/bibel-und-praxis/familie/teens/fragen/mobbing/)