Klage gegen Nutzenbewertung: Pharmaindustrie demontiert den Kostendämpfer für Pillen

DPAEs geht um alles, sogar eine Verfassungsbeschwerde scheint möglich: Der Streit um einzelne Diabetesmedikamente blockiert längst alle wichtigen Prozesse zur Preisfindung von Arzneimitteln. Geplante Milliardeneinsparungen für Verbraucher stehen auf der Kippe.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-884787.html
  1. #30

    Aber...

    Zitat von Bowie Beitrag anzeigen
    Der Kostenanteil von Pharmaka an den hiesigen Gesundheitskosten liegt bei knapp 17%. Die Entwicklungskosten eines Medikamentes liegen zwischen 500 und 1000 Mio Euro. Die Entwicklungsdauer liegt zwischen 10 und 15 Jahren. Danach kann die Industrie ungefähr 10 Jahre lang einen (schon lange nicht mehr freien) Preis fordern, dann läuft das Patent aus und die Nachahmerprodukte kommen auf den Markt. Die vermeintliche Rendite relativiert sich angesichts der Vorkosten stark. Da die öffentliche Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten ist, bleiben zur Vermarktung die Standwerbung auf Fachkongressen oder der Außendienst beim Arzt. Beides kostet und treibt die Marketingausgaben in nicht vergleichbare Höhen. Vielleicht sorgen diese Informationen beim einen oder anderen zu differenzierteren Äußerungen. Außerdem - die Preisgestaltung ist prinzipiell frei. In der Pharmaindustrie ist sie das nebenbei schon lange nicht mehr (Stichwort: Zwangsrabatte). Sie können ja auch gerne mal begründen, warum Sie das nicht aufregt, wenn Apple-Produkte oder Jeans in Amerika deutlich günstiger sind, oder das Essen in Polen oder die Flasche Wein in Südeuropa so viel weniger kosten - und diese Produkte in Deutschland auch alle viel teurer sind.
    Danke für die Infos. Dass die Entwicklung und Zulassung von Medikamenten teuer ist, habe ich ja auch nicht bestritten. Meine Punkte bleiben soweit ich sehe aber trotzdem richtig. Die Pharmaindustrie holt das Geld von denen, die es haben und sich am einfachsten veräppeln lassen. Das scheinen die Deutschen zu sein. Im Grund genommen ist es ja auch nicht falsch, wenn man die bezahlen lässt, die Geld haben. Aber die klandestine Art, auf die das getan wird, nervt mich. Wieso kann man die Schotten zwischen den Märkten nicht abschaffen? Wenn die Medikamentenpreise dadurch um 30% fallen könnte man die Ersparnis immer noch abschöpfen und was soziales damit machen...

    Wieso muss die Pharmaindustrie eigentlich 20% Umsatzrendite haben?
  2. #31

    Zitat von zorro_ot Beitrag anzeigen
    Sehr geehrter Ponyrage,
    vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich bin Typ II Diabetiker und benötige pro Tag ca. 19-20 BE (Broteinheiten=Kohlenhydrate). Führe ich diese Menge an BE meinem Körper nicht zu, so erleide ich Unterzuckerungen. Kompensiere ich diese Unterzuckerungen nicht, führt das bis zur Bewußtlosigkeit und im Extremfall sogar zum Tod durch Herzinfarkt.
    Für Sie als umweltbewußten Menschen habe ich aber auch einen sehr guten Tip: Um die Qualität der Luft zu erhöhen, könnten Sie versuchen, weniger Sauerstoff zu verbrauchen. Ziehen Sie einfach den Krawattenknoten deutlich fester zu als üblich.
    Mit freundlichen Grüßen,
    zorroot
    Sagen Sie mal, lieber zooro_ot, was haben Sie eigentlich mit dem Titel "Mörder" Ihres Betrags gemeint? Ist es das was es scheint, sollten Sie sich entschuldigen, das ist nämlich VÖLLIG DANEBEN!!! Niemand will Ihnen Ihre Medikamente wegnehmen.

    Dass viele Deutsche so völlig irrational und naiv reagieren wenn es um Medikamente geht, spielt der Pharmaindustrie in die Karten und ist letztendlich ein Grund, warum dieselben hier so gut verdienen können.
  3. #32

    Preislisten

    Zitat von liberalliberal Beitrag anzeigen
    in verschiedenen öffentlichen bereichen ist es usus, gemäß der meistbegünstigungsklausel zu handeln. dies bedeutet ganz einfach, dass der käufer anspruch auf den am markt günstigsten, den niedrigsten aller vom anbieter irgendwo geforderten preise hat. da bekanntlich viele, die mehrzahl oder gar alle medikamente im europäischen und nordamerikanischen markt günstiger als in deutschland angeboten werden - sonderpreise für finazschwache schwellenländer mal aussen vor - nimmtz es wunder, dass von dieser getaltungsmöglichkeit kein gebrauch gemacht wird. und wenn ein anbieter erst mal einem abnehmer niedrige preise eingeräumt hat fehlt ihm die legitimation, niedrigere preise als ruinös und/oder fortschrittsfeindlich und somit unzumutbar zu bezeichnen.
    Gibt es eigentlich irgendwo auf dem Internet Listen, wo Medikamentenpreise in verschiedenen Ländern verglichen werden? Damit könnte man doch etwas Druck auf den Kessel der Diskussion bringen...

    Weil, wie gesagt, Entwicklung und Zulassung von Medikamenten ist teuer und muss natürlich finanziert werden. Dass in DE wesentlich mehr bezahlt werden muss als in vielen anderen Ländern ist für mich aber nicht nachvollziehbar.