Klage gegen Nutzenbewertung: Pharmaindustrie demontiert den Kostendämpfer für Pillen

DPAEs geht um alles, sogar eine Verfassungsbeschwerde scheint möglich: Der Streit um einzelne Diabetesmedikamente blockiert längst alle wichtigen Prozesse zur Preisfindung von Arzneimitteln. Geplante Milliardeneinsparungen für Verbraucher stehen auf der Kippe.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-884787.html
  1. #20

    Zitat von suedbaden6 Beitrag anzeigen
    Bis der (heute entscheidende) Zusatznutzen von Aspirin, nämlich die Thrombozytenaggregationshemmung, klar wurde, vergingen rund 80 Jahre. Bis der Zusatznutzen von Metformin in England belegt wurde vergingen 30 Jahre, in denen deutsche "Experten" dringendst von seiner Anwendung abrieten.
    Jetzt sitzt dieselbe "Experten"-Band in Berlin, studiert Zeitschriften und postuliert dann einen "Zusatznutzen" für Medikamente, die noch gar nicht oder erst kurze Zeit zugelassen sind. Wenn das Medikament mehr kostet als die patentfreien Oldtimer, hat es in der Regel per se keinen Zusatznutzen. Die "Experten" wissen das, denn das ist die Vorgabe. Die Maintenance Industry Gesunheitswesen hat die Aufgabe, möglichst billig die Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung zu erhalten und hochdotierte Arbeitsplätze für eine Riesenarmada parasitärer "Berater" und "Experten" zu schaffen, die niemandem nützen außer sich selber, und die alle von den Zwangbeiträgen der Kassenmitglieder bezahlt werden. Das ist der ganze Hintergrund dieser sensationellen Meldung.
    Das war jetzt der Aufruf, der Pharmaindustrie bedingungslos alles zu glauben und jeden von ihr gewünschten Preis zu bezahlen - auch wenn es kein anderer Industriestaat so handhabt.
  2. #21

    Preispolitik

    Nun liebe Verteidiger der Pharmaindustrie: REDET NICHT UM DEN BREI RUM! Warum sind die meisten Medikamente in (fast?) allen EU-Ländern (außerhalb der EU sowieso) um einiges günstiger als in DE????

    Und wie? Bei geringeren Preisen würde kein Geld für die Forschung bleiben? Das ist - mit Verlaub - lachhaft. Zunächst gibt die Pharmaindustrie mehr für Werbung (d.h. "Umgarnen der Ärzte und Apotheker etc.) aus als für Forschung. Zum anderen ist die Pharmaindustrien einer der erträglichsten Industriezweige mit Umsatzrenditen (~20%), die kaum eine Bank schafft (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pharmaindustrie-durchatmen-nach-der-attacke-1.18558). Bei 20% bleibt natürlich nix für die Forschung...
  3. #22

    Deshalb, ts12345...

    Der Kostenanteil von Pharmaka an den hiesigen Gesundheitskosten liegt bei knapp 17%. Die Entwicklungskosten eines Medikamentes liegen zwischen 500 und 1000 Mio Euro. Die Entwicklungsdauer liegt zwischen 10 und 15 Jahren. Danach kann die Industrie ungefähr 10 Jahre lang einen (schon lange nicht mehr freien) Preis fordern, dann läuft das Patent aus und die Nachahmerprodukte kommen auf den Markt. Die vermeintliche Rendite relativiert sich angesichts der Vorkosten stark. Da die öffentliche Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten ist, bleiben zur Vermarktung die Standwerbung auf Fachkongressen oder der Außendienst beim Arzt. Beides kostet und treibt die Marketingausgaben in nicht vergleichbare Höhen. Vielleicht sorgen diese Informationen beim einen oder anderen zu differenzierteren Äußerungen. Außerdem - die Preisgestaltung ist prinzipiell frei. In der Pharmaindustrie ist sie das nebenbei schon lange nicht mehr (Stichwort: Zwangsrabatte). Sie können ja auch gerne mal begründen, warum Sie das nicht aufregt, wenn Apple-Produkte oder Jeans in Amerika deutlich günstiger sind, oder das Essen in Polen oder die Flasche Wein in Südeuropa so viel weniger kosten - und diese Produkte in Deutschland auch alle viel teurer sind.
  4. #23

    Zitat von Bowie Beitrag anzeigen
    Der Kostenanteil von Pharmaka an den hiesigen Gesundheitskosten liegt bei knapp 17%. Die Entwicklungskosten eines Medikamentes liegen zwischen 500 und 1000 Mio Euro. Die Entwicklungsdauer liegt zwischen 10 und 15 Jahren. Danach kann die Industrie ungefähr 10 Jahre lang einen (schon lange nicht mehr freien) Preis fordern, dann läuft das Patent aus und die Nachahmerprodukte kommen auf den Markt. Die vermeintliche Rendite relativiert sich angesichts der Vorkosten stark. Da die öffentliche Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten ist, bleiben zur Vermarktung die Standwerbung auf Fachkongressen oder der Außendienst beim Arzt. Beides kostet und treibt die Marketingausgaben in nicht vergleichbare Höhen. Vielleicht sorgen diese Informationen beim einen oder anderen zu differenzierteren Äußerungen. Außerdem - die Preisgestaltung ist prinzipiell frei. In der Pharmaindustrie ist sie das nebenbei schon lange nicht mehr (Stichwort: Zwangsrabatte). Sie können ja auch gerne mal begründen, warum Sie das nicht aufregt, wenn Apple-Produkte oder Jeans in Amerika deutlich günstiger sind, oder das Essen in Polen oder die Flasche Wein in Südeuropa so viel weniger kosten - und diese Produkte in Deutschland auch alle viel teurer sind.
    Genau mit solchen Argumenten hat die Pharmaindustrie in Deutschland in den achtziger und neunziger Jahren die Politik erfolgreich vor Einschränkungen gewarnt, die in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien schon lange Praxis sind. Doch trotz freier Preisbildung für Medikamente etc. ist von der früheren weltweiten Bedeutung der deutschen Pharmaindustrie nicht so viel übrig geblieben. Umso weniger Sinn macht es, jetzt wieder mt den Argumenten zu kommen, die offensichtlich schon immer unzutreffend waren.
  5. #24

    Zitat von Bowie Beitrag anzeigen
    Der Kostenanteil von Pharmaka an den hiesigen Gesundheitskosten liegt bei knapp 17%. Die Entwicklungskosten eines Medikamentes liegen zwischen 500 und 1000 Mio Euro. ...
    Zusatz: Schauen Sie sich mal dieses Gutachten von mehreren Wissenschaftlern im Auftrag des BMG von 2006 an, da finden Sie interessante Erkenntnisse http://www.wido.de/fileadmin/wido/do...n_bmg_0806.pdf
  6. #25

    Daseinsvorsorge

    Wie saublöd unsere indigene pharmazeutische Industrie ist, mußte ich 1989 erfahren, als ich Interleukin 6 Inhibitoren machen wollte. Es geht also nicht um den Standort Deutschland, der ist mausetot. Wir können es uns nicht leisten, innerhalb unserer grundsätzlich neoliberalen Wirtschaftsordung einen Kern des übelsten Sozialismus - die Arbeiter&Bauernräte entscheiden, welche Medikamente wir haben dürfen - zu errichten, denn das paßt nicht zum System. Wenn ein Medikament das tut, was es soll, nämlich eine Krankheit zu beeinflussen, reicht dieses heute nicht mehr aus; gleich einer funktionellen Gruppe muß diesem ein Zusatznutzen eingebaut, in sinnlosen Studien am Menschen erprobt und erwiesen werden, sonst entscheidet der Rat dagegen. Ein Markt, und das sind die Figuren Doktor und Patient, kapiert schnell ob er einen sinnvollen Effekt in einem neuen Medikament erlebt und entscheidet, ob er das Werk anerkennt oder nur Pharma-IV transferiert. Wenn ein Hersteller in seiner Risikokalkulation einplanen muß, das 9 von 10 Präparaten vom Arbeiter&Bauernrat abgelehnt werden, muß er für das zehnte Präparat Entwicklungslotteriekosten von 10 Mrd Euro - einpreisen. Der Hersteller wird seine Entwicklungstätigkeit einstellen.
    Vielleicht ist das eine oder andere Präparat für die Tonne, aber die Menschheit benötigt den laufenden Apparat, um entwickeln zu können, wenn die aktuelle Notwendigkeit urplötzlich erscheint, so wie uns HIV erwischt hat. Wenn die Systeme trockengelegt sind, können wir sie auch nicht nutzen. Altana (Pantoprazol) ist abgewickelt, weil die nichts in der pipeline hatten - 9/10 werden abgewickelt, weil sie etwas haben, was die Arbeiter&Bauern in ihrer Borniertheit nicht wollen. Daseinsvorsorge sieht anders aus.
  7. #26

    Daseinsvorsorge 2

    Wie blöd unsere einheimische Pharamzeutische Industrie ist, konnte ich auch hinsichtlich der mechanistisch denkbaren Repositionierung der Streptodornase für die Anwendung in der Katastrophensituation der 2011 HUS Epidemie erleben: Njet. Bin ich doch mit 200kmh rüber in die Uniklinik gekachelt, um die Literatur dafür zusammenzuklauben... Naja, sind dann alle mit dem Witzpräparat Eculizumab versorgt worden, und viele waren tot.
  8. #27

    GB-A bremst Innovationen

    Ich gebe salty68 recht. Das IQWIG und wahrscheinlich auch der GB-A sind Lobbyverbände der Kassen. Es geht nur um möglichst billige Präparate. Die Lebensqualität der Menschen ist vollkommen egal. Dabei wird nicht über den Tellerrand geschaut, um wieviel teurer ein schlecht eingestellte Patient ist.
    Mir geht es nicht darum, keine Kosten-Nutzenanalyse durchzuführen. Dies müsste dann aber wirklich von unabhängigen Stellen gemacht werden. Die einfache Rechnung Kassenlobby gegen Pharmalobby wird nicht funktionieren.
  9. #28

    Mörder

    Zitat von ponyrage Beitrag anzeigen
    Würde man Typ-2-Diabetikern stattdessen eine Diät zumuten, könnte man auf Milliardenausgaben verzichten. Niemand ist gezwungen, sich "normal" zu ernähren, das heißt mit relativ hohem Kohlenhydratanteil. Die besten Diäten sind ohnehin die, in denen man sowohl wenig Fett als auch wenig Kohlenhydrate zu sich nimmt. Und ja, dabei kann man sich trotzdem sehr gesund ernähren (zum Beispiel indem man hauptsächlich Gemüse und ein wenig Obst isst).

    Kohlenhydrate sind der einzige nichtessentielle Nahrungsbestandteil (nur bestimmte Proteine und Fettsäuren sind essentiell, können also nicht vom Körper aus anderen Proteinen und Fetten selbst hergestellt werden). Selbst wenn man gar keine Kohlenhydrate mehr isst, kann der Körper für die wenigen Hirnareale, die ausschließlich Glukose verstoffwechseln können, Glukose selbst aus Proteinen synthetisieren. Deshalb sind Diäten wie Atikins auch nicht gesundheitsschädlich (wobei ich dort die These, dass man bewusst besonders viel Fett zu sich nehmen soll, nicht unterstütze).
    Sehr geehrter Ponyrage,
    vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich bin Typ II Diabetiker und benötige pro Tag ca. 19-20 BE (Broteinheiten=Kohlenhydrate). Führe ich diese Menge an BE meinem Körper nicht zu, so erleide ich Unterzuckerungen. Kompensiere ich diese Unterzuckerungen nicht, führt das bis zur Bewußtlosigkeit und im Extremfall sogar zum Tod durch Herzinfarkt.
    Für Sie als umweltbewußten Menschen habe ich aber auch einen sehr guten Tip: Um die Qualität der Luft zu erhöhen, könnten Sie versuchen, weniger Sauerstoff zu verbrauchen. Ziehen Sie einfach den Krawattenknoten deutlich fester zu als üblich.
    Mit freundlichen Grüßen,
    zorroot
  10. #29

    meistbegünstigungsklausel einführen

    Zitat von snafu-d Beitrag anzeigen
    Dann kann man doch den einzg wahren Kostendämpfer starten:

    die europaweite Ausschreibung für Medikamentenlieferungen.

    Wenn man sieht, wie wenig auch deutsche Medikamente im Ausland kosten, dann geht man halt diesen Weg, wenn die Pharmaindustrie unkooperativ ist.
    in verschiedenen öffentlichen bereichen ist es usus, gemäß der meistbegünstigungsklausel zu handeln. dies bedeutet ganz einfach, dass der käufer anspruch auf den am markt günstigsten, den niedrigsten aller vom anbieter irgendwo geforderten preise hat. da bekanntlich viele, die mehrzahl oder gar alle medikamente im europäischen und nordamerikanischen markt günstiger als in deutschland angeboten werden - sonderpreise für finazschwache schwellenländer mal aussen vor - nimmtz es wunder, dass von dieser getaltungsmöglichkeit kein gebrauch gemacht wird. und wenn ein anbieter erst mal einem abnehmer niedrige preise eingeräumt hat fehlt ihm die legitimation, niedrigere preise als ruinös und/oder fortschrittsfeindlich und somit unzumutbar zu bezeichnen.