Beckmann-Talk: Abhilfe am Abgrund des Kapitalismus

DPAÜberraschend intellektuell ging es zu beim TV-Talk von Reinhold Beckmann: Die Auseinandersetzung mit Frank Schirrmachers kapitalismuskritischem Buch "Ego - das Spiel des Lebens" war deshalb zwar etwas anstrengend, aber durchweg anregend. Dank eines Moderators in Bestform.

Beckmann-Talk: Frank Schirrmachers Buch "Ego - das Spiel des Lebens" - SPIEGEL ONLINE
  1. #190

    Neue zweckmäßige Ökonomie

    Zitat von Berliner42 Beitrag anzeigen
    Was hat denn ein verbeamteter Professor zu dem Thema zu bieten? Der Paradigmenwechsel wird - wenn überhaupt - von Leuten kommen, die selber was aufbauen. Und dann vielleicht nachträglich an den Unis erforscht werden. Am Ende ist aber alles immer "nur" Kapitalismus. Jemand nimmt eigenes und fremdes Geld in die Hand und geht damit ein wirtschaftliches Risiko ein, das erfolgreich sein kann und beloht wird oder fehlschlägt und in die Insolvenz führt. Anders geht's kaum.
    Es gibt so viele Felder in der Ökonomie, die falsch, bzw. unzweckmäßig
    sind. Angefangen vom Schuld-Geldsystem, der Privatisierungsmaxime
    und dem veralteten Neoliberalismus. Die herrschende wissenschaftliche
    Ökonomie hat sich niemals mit den Folgen einer dynamischen, hoch
    komplexen Welt beschäftigt. Die direkte, einfach nachvollziehbare
    Konsequenz der Komplexität ist die kollektive Instabilität der Märkte.
    Das ist systemtheoretisch bewiesen, denn komplexe Systeme sind
    (immanent) instabil!
    Ja, ich erwarte von einem verbeamteten Professor, dass er sich
    für die Wahrheit interessiert, und nicht uralte Dogmen aus der
    wissenschaftlichen Mottenkiste unserer Jugend als die einzig gültige
    Erkenntnis verkauft. Alle Fehler sind ausnahmslos vom Menschen selber gemacht, und aus den unzweckmäßigen Theorien heraus entstanden!
  2. #191

    Neoliberales Projekt bekämpfen

    Zitat von inver Beitrag anzeigen
    Bittere Lektionen. Obwohl das ganze Theoriengebäude der Ökonomen, mit dem Paradigma des "Homo Oeconomicus", dem Dogmen-Yeti der Neoliberalen, die
    Gesellschaft maßgeblich verändert und zerstört, wird in den verantwortlichen Institutionen kaum ernsthaft über alternative Modelle
    diskutiert. Ein Paradigmenwechsel kann doch nur von den
    Lehrstühlen an den Universitäten kommen!
    Ich habe mich z.B. immer für die Wissenschaftstheorie, z.B. von Karl
    Popper interessiert und in dem Bereich auch mein Studium
    absolviert. Als ich bei der Kölner Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, immerhin die größte in Deutschland, anrief und nachfragte, welcher
    Professor über Kenntnisse im Bereich der Wissenschaftstheorie verfüge,
    war die Antwort: KEINER!
    Wie soll aus dieser wissenschaftlichen Ignoranz heraus, der dringend
    benötigte Methoden- und Paradigmenwechsel stattfinden?
    In der Wirtschaftswissenschaft haben wir eine seit Ende der 1970er Jahre durchgesetzte Hegemonie neoliberalen Denkens. Als die Keynesianer auf die durch das Ende des langen Nachkriegsaufschwungs und zwei Ölpreisschocks entstandene Stagflation nicht sofort eine Antwort wussten, sahen die Marktradikalen ihre Chance. Der Keynesianismus wurde für gescheitert erklärt und auf den Müllhaufen der Geschichte befördert.

    In Deutschland wurde 1982 mit dem Lambsdorff-Papier das neoliberale Projekt aufgelegt.
    Von einer zeitlichen Begrenzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes auf zwölf Monate über die Einführung eines „demografischen Faktors“ bis zur stärkeren Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen sind in diesem Papier alle sozialen Grausamkeiten aufgeführt, die dann von den nachfolgenden Regierungen getreulich umgesetzt wurden. Das „Arbeiterkind“ Schröder ging dann mit Agenda 2010 und Hartz IV über die Vorstellungen des Marktgrafen hinaus.

    Diese Ideologie ist eigentlich beim Megacrash 2008 gescheitert, aber sie ist zur Reichtumsmehrung und zum Erhalt der Privilegien unserer herrschaftlichen Kreise vorzüglich geeignet, darum ist sie noch nicht auf dem Müllhaufen gelandet.

    Wir brauchen aber eine neue „Navigationskarte“, das Grundmuster könnte der Keynesianismus liefern, der natürlich weiterentwickelt werden muss. Die vielen Neuerungen und der technologische Wandel müssen berücksichtigt werden. Es gibt einige Ökonomen, denen ich das zutraue – Heiner Flassbeck, Rudolf Hickel, Gustav A. Horn, Heinz-J. Bontrup, Stephan Schulmeister -, diese kommen aber in den Mainstreammedien kaum vor, da überwiegt neoliberale Tristesse.

    Die einzige Partei, die ernsthaft etwas in Deutschland verändern möchte, ist die Linkspartei, und diese wird dann auch von unseren „Wachhunden der Demokratie“ entsprechend „behandelt“.
  3. #192

    vergesst die LINKE ...

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    In der Wirtschaftswissenschaft haben wir eine seit Ende der 1970er Jahre durchgesetzte Hegemonie neoliberalen Denkens....
    Wir brauchen aber eine neue „Navigationskarte“, ...Es gibt einige Ökonomen, denen ich das zutraue – Heiner Flassbeck, Rudolf Hickel, Gustav A. Horn, Heinz-J. Bontrup, Stephan Schulmeister -, diese kommen aber in den Mainstreammedien kaum vor, da überwiegt neoliberale Tristesse.

    Die einzige Partei, die ernsthaft etwas in Deutschland verändern möchte, ist die Linkspartei, ...“.
    Irrtum! Die einzige Partei, die die 'neue Navigationskrarte' anbietet, das sind die DIE KREATIVEN. Die folgende Fortschrittsordnung für das Industriesystem kann nur aus der Erkenntnis des KREATIVEN Evolutionspfades abgeleitet werden, d.h. man braucht eine kybernetisches Evolutionsprozessmodell. Und wer bietet das an?

    Die LINKE und die oben genannten Herren Hickel Co. haben Karl Marx, der auf dem Erkenntnisweg zum kybern. Ev.Modell war, nicht weitergedacht. Warum? Weil deren Institutionen von dem un-aufgelösten Konflikten 'systemisch' leben. Die Fundamentalkonflikte sind deren Existenzgrundlage, wie der Verteilungskonflikt zw. Arbeitenden/Risikoträgern/Innovatoren einerseits und den Mega-Kapitzalmacht-/AncienRégime-/Gewerkschaftsorganisations-Interessen andererseits. Der Kampf wird zwischen den Konfliktfront-Mächten (= den Kapital- u n d Arbeits-Vertreter) und den 'schöpferischen Zerstörern' ausgetragen, d.h. zwischen den Spitzen der Machtsysteme und den evolutionstheoretische informierten KREATIVEN. Der Sieg ist unser!
  4. #193

    vergesst die Profs und die wiss. Insitutionen

    Zitat von inver Beitrag anzeigen
    Obwohl das ganze Theoriengebäude der Ökonomen, ... die
    Gesellschaft maßgeblich verändert und zerstört, wird in den verantwortlichen Institutionen kaum ernsthaft über alternative Modelle diskutiert. Ein Paradigmenwechsel kann doch nur von den Lehrstühlen an den Universitäten kommen!
    I....
    Wie soll aus dieser wissenschaftlichen Ignoranz heraus, der dringend benötigte Methoden- und Paradigmenwechsel stattfinden?
    Die Frage, wo der 'dringend benötigte ...Paradigamwechsel' herkommen soll und stattfinden kann, ist abschließend zu beantworten: von einem KREATIVEN Weltrevolutionär, dessen Theoriegrundlage und Durchsetzungsstrategie auf Evolutionprozess- und Chaosphysik aufbaut. Und außer mir gibt es keinen, der so 'aufgebaut' ist und eine entsprechende Erfolgsgeschichte vorweisen kann - nachzulesen auf meiner Webseite /Erfolgsgeschichte.

    Alles Große ist bekanntlich genial (= evolutions-genial) einfach.
  5. #194

    Theorie gegen den Abgrund stellt die Machtfrage

    Zitat von inver Beitrag anzeigen
    ...Ein Paradigmenwechsel kann doch nur von den Lehrstühlen an den Universitäten kommen!
    ...
    Wie soll aus dieser wissenschaftlichen Ignoranz heraus, der dringend benötigte Methoden- und Paradigmenwechsel stattfinden?
    Der theorie-'schöpferische Zerstörer', der den benötigten Theoriefortschritt gegen die Absturzkrise der Industriestaaten vorlegt, stellt die Machtfrage an die herrschende Macht-Nr.1. Diese ist übrigens nach der Strategie des Rumpelstilzchens - als geheime Wissensherrschaft - zur Nr. 1 geworden, und immer in Gefahr sich zerreißen zu müssen, wenn ihre Existenz und ihr Wissensvorsprung öffentlich bekannt wird.

    Die Rumpelstilzchen-Spitzen, die ihren gefährlichsten 'Revolutionär' natürlich sofort identifizieren, werden alles tun, ihn mit einer Medienmauer zu umgeben und totzuschweigen und n.v.a.m tun. Aber es wird ihnen nichts helfen, sondern nur etwas Zeit schenken.
  6. #195

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    In der Wirtschaftswissenschaft haben wir eine seit Ende der 1970er Jahre durchgesetzte Hegemonie neoliberalen Denkens. Als die Keynesianer auf die durch das Ende des langen Nachkriegsaufschwungs und zwei Ölpreisschocks entstandene Stagflation nicht sofort eine Antwort wussten, sahen die Marktradikalen ihre Chance. Der Keynesianismus wurde für gescheitert erklärt und auf den Müllhaufen der Geschichte befördert.
    ...
    Die einzige Partei, die ernsthaft etwas in Deutschland verändern möchte, ist die Linkspartei, und diese wird dann auch von unseren „Wachhunden der Demokratie“ entsprechend „behandelt“.
    Das ist schlicht Unsinn! Ich weiß ja nicht, wann Sie das letzte Mal an der Uni waren, aber es ist keineswegs so, dass dort die Marktradikalen Ideologien vorherrschen. Es wird eigentlich ein breites Spektrum vermittelt - auch das Marktversagen und deren Ursachen.

    Und die Linke will vielleicht was verändern. Das glaub ich ja gern, wir wollen alle, dass es allen supi geht. Leider erlebe ich die Linke nur als inkompetentes Stammtischgesabbel! Ein wenig wie Söder, nur halt Links außen. Was Wagenknecht zuletzt bei Will abgeliefert hat, war nur peinlich!
  7. #196

    Pauschal und nichtssagend

    Zitat von gegenpressing Beitrag anzeigen
    Das ist schlicht Unsinn! Ich weiß ja nicht, wann Sie das letzte Mal an der Uni waren, aber es ist keineswegs so, dass dort die Marktradikalen Ideologien vorherrschen. Es wird eigentlich ein breites Spektrum vermittelt - auch das Marktversagen und deren Ursachen.
    Bei den Ökonomen meines Vertrauens lese ich immer wieder, dass man als Keynesianer große Schwierigkeiten hat. Dass man auch über Marktversagen spricht, lässt sich wohl bei der derzeitigen Sachlage kaum vermeiden. Interessant wäre, was für Ursachen man zugrundelegt.

    Zitat von gegenpressing Beitrag anzeigen
    Und die Linke will vielleicht was verändern. Das glaub ich ja gern, wir wollen alle, dass es allen supi geht. Leider erlebe ich die Linke nur als inkompetentes Stammtischgesabbel! Ein wenig wie Söder, nur halt Links außen. Was Wagenknecht zuletzt bei Will abgeliefert hat, war nur peinlich!
    „ Inkompetentes Stammtischgesabbel“ trägt eher zur hohen Zustimmung für Merkel bei, die erade mit einem Austeritätswahn à la Brüning Europa in Grund und Boden spart.

    Wagenknecht war große Klasse bei Anne Will!
  8. #197

    Umdenken

    Die Talkshow habe ich zwar nicht gesehen, aber dass Thema beschäftigt mich schon lange. Ich sage immer:" Heute leben wir im Zeitalter des Egokapitalismus, viele Menschen haben wenig, wenig Menschen haben viel!".
    Es ist schon richtig, dass Leistung honoriert werden muss, aber z:Zt. besteht irgendwie ein Missverhältnis.
    Der "kleine" Arbeiter, Angestellte usw. sollen am liebsten immer weniger an Lohn, Gehalt bekommen und in den oberen Schichten geht es oft um Millionen, die man sich gegenseitig gönnt.
    Wenn man so überlegt, dann haben sich nur die Namen, im laufe der Geschichte geändert, dass Prinzip ist gleichgebieben. Früher waren die Könige, Fürsten usw. unter sich und wenn das Geld weniger wurde, dann schickte man die Steuereintreiber mit Soldaten zu den Bürger und Bauern und man forderte noch mehr Abgaben.
    Dann zog man sich auf sein Schloß,Burg usw. zurück und es ging weiter. Heute trifft man sich in besonders abgesicherten VIP-Gebieten,VIP Gebäuden usw. und wenn jetzt das Geld "knapp" wird, dann werden die Löhne ,Gehälter gekürzt, Steuern erhöht und Vorteile für uns den "Otto Normalverbraucher" gestrichen. Aber gerade so eine Ungerechtigkeit führte zur Französischen Revolotion.
    So eine Revolution brauchen wir nicht, aber ein Umdenken wäre wünschenswert. Vielleicht erlebt man das " Wir sind das Volk" Gefühl noch einmal, für die Freiheit hat es jageklappt, müsste jetzt das Ziel Gerechtigkeit heißen. Es ist zwar ein Wunschdenken ,aber nicht unmöglich. Man braucht keine Reichensteuer, aber eine freiwillige Abgabe ,für die Zukunft, müsste doch möglich sein! Oder? Egokapitalismus ade!
  9. #198

    Einfach schreiben!

    Zitat von Rüdiger_Kalupner Beitrag anzeigen
    Irrtum! Die einzige Partei, die die 'neue Navigationskrarte' anbietet, das sind die DIE KREATIVEN. Die folgende Fortschrittsordnung für das Industriesystem kann nur aus der Erkenntnis des KREATIVEN Evolutionspfades abgeleitet werden, d.h. man braucht eine kybernetisches Evolutionsprozessmodell.....
    Ihr kybernetisches Evolutionsprozessmodell ist definitiv zu kompliziert.
    Tipp: Warum wurde Marx erfolgreich? Weil er das "KommunistischeManifest" geschrieben hat. Leider ist diese Theorie insgesamt
    falsch. Meine Thematik, die Wissenschaftstheorie von Karl Popper, ist auch hoch komplex. Allerdings versuche ich ständig, sie mit
    aktuellen Bezügen darzustellen. Damit wenigstens ein Teil verstanden
    wird.
    Ein aktuelles Beispiel ist natürlich, das Versagen der mithilfe der empirischen oder mathematischen Methode erstellten, ökonomischen
    Theorien in einer hoch komplexen, dynamischen Welt.Der eigentliche Grund des Scheiterns der Theorien ist die allgemein
    unzweckmäßige induktive Methode zur Erstellung von Theorien. Diese
    scheitern dann an/ in unserer komplexen Welt.
    Um die wahre Ursache zu erkennen, müsste man sich in der Formalen Logik (Syllogismus) auskennen. Dies kann ich natürlich nicht voraussetzen. Also kann ich nur immer wieder Beispiele, auch positive, z.B. in der medizinischen Forschung aufzeigen.
  10. #199

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Bei den Ökonomen meines Vertrauens lese ich immer wieder, dass man als Keynesianer große Schwierigkeiten hat. Dass man auch über Marktversagen spricht, lässt sich wohl bei der derzeitigen Sachlage kaum vermeiden. Interessant wäre, was für Ursachen man zugrundelegt.
    ...
    Wagenknecht war große Klasse bei Anne Will!
    Weiß ja nicht an welche Uni Sie gehen, aber bei mir war Marktversagen ab Semester 1 Bestandteil der Lehre! Eigentlich sind ziemlich viele Theorien der VWL und BWL daraus entstanden, sich Marktversagen zu erklären. Z.B. NIÖ. Keynes ist sicherlich interessant in der Theorie: Geld raushauen, wenn die Konjunktur einbricht und Steuern erhöhen bei guter Konjunktur. Es braucht allerdings nicht viel Lebenserfahrung, um darauf zu kommen, dass es in einer Demokratie so nicht realisierbar ist. Wenn Keynes das einzige theoretische Gerüst ist, was Ihnen außer Marktradikalismus noch etwas sagt, wundert's mich nicht, dass die Grütze von Wagenknecht bei Ihnen verfängt.
    Das war einfach ein erbärmlicher Auftritt! Immer dieselben Worthülsen... richtig arm. Dobrinth Niveau.